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"Das traditionelle japanische Wohnhaus ist ein Haus aus 'Holz, Papier und
Bambus' ... und es passt natürlich nicht mehr völlig zum
modernen Leben. Trotzdem hat das japanische Wohnhaus seine ganz besonderen
Vorzüge, die den neuen Wohnhausstil nicht nur in Japan, sondern auch in anderen
Ländern der Welt bereits in entscheidender Weise beeinflussen."
[zwei Bilder unten, © Fotolia.de]
amerikanisch
wohnen, freier Leben ...
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ein modernes japanische Wohnhaus mit Garten |
Japan hat ein eigentümliches Klima. Die mittleren Temperaturen sind in Tokio
ähnlich wie in London - nicht aber die Luftfeuchte. So ist es in Japan
im Sommer viel feuchter und drückender als in Europa. Im
Winter herrscht dort eine trockene Kälte, die erträglicher ist als die in
unseren Breiten oft vorherrschenden feuchte Winterluft. So haben die traditionellen japanischen Häuser breite Fenster-
und Türöffnungen für eine ständige Querlüftung im Sommer und wenig Heizkomfort
im Winter im Vergleich zum traditionellen europäischen Haus. |
Ich war mir nicht sicher, welches Zitat ich dieser Seite voranstellen soll.
Eigentlich müsste ich das Thema pessimistischer beginnen: "Der geistige Kern des japanischen
Hauses aber beruht auf der ursprünglichen
Lebenshaltung des japanischen Menschen [mit altjapanischer Lebensweise!], der gern im
Natürlichen und Alltäglichen
die Bedeutung des Menschenlebens zu finden sucht. ....
Wir sollten uns bemühen,
den Geist des japanischen Wohnhauses zu erfassen. Es ist sinnlos, nur die äußere
Form das alten japanischen Hauses oberflächlich nachzuahmen. Leider findet man
heute im Ausland ebenso wie in Japan selbst oft Beispiele moderner Häuser, wo dies aus
sentimentalen Gründen wie exotischem Interesse geschehen ist." - was klar
heißt: die traditionelle japanische Architektur und Wohnkultur ist nicht
nach Europa übertragbar [Zitate aus:
Tetsuro Yoshida, Das japanische Wohnhaus, Tübingen 1954]
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Garten und Wohnraum sind eins. |
"Dass ein Garten eigentlich unentbehrlich für eine Wohnung ist, gilt natürlich
nicht nur für das japanische Wohnhaus; und doch ist die Verbindung zwischen dem
japanischen Wohnhaus und dessen Garten ganz besonders eng, so dass das
japanische Wohnhaus ohne Garten fast undenkbar ist.
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Das japanische Wohnhaus verschmilzt über die Veranda
hinaus, über die weitausladende Verdachung, die Steinstufen und Trittsteine mit dem
Garten zu einem Ganzen. So gibt es zwischen Haus und Garten kaum eine Grenze."
Mit dem oben stehenden Zitat von
Tetsuro Yoshida möchte ich nun die positiven Eigenheiten und kopierbaren
Ideen der alten japanischen
Bauart anreißen, wobei immer wieder an die Besonderheit der Einheit von Haus
und Garten erinnert sei. Interessant dabei ist, dass die Gestaltung dieser
japanischen Hausgärten, wie auch der Häuser selbst, eng mit der Entwicklung der
japanischen
Teezeremonie verbunden ist.
Daher kommt vielleicht auch das Gefühl, dass die ländlichen japanischen Wohnhäuser
beim Betreten die Eigenschaft besitzen, den Bewohner im Tun und Lassen irgendwie zu verlangsamen ... das
bewirken wohl die klaren, mild belichteten Räume, welche die Aufmerksamkeit der
Seele leichter auf den Moment lenken ....
In Japan wurde seit dem 16. Jahrhundert das traditionelle Wohnhaus in seiner
Gliederung, im Aufbau und in der Raumgestaltung stark von der buddhistischen Lebenshaltung
beeinflusst. Man versuchte das alltägliche Leben in das Walten der Natur
einzubinden, und man fühlte sich weniger als Beherrscher der Natur. Man ordnete
sich der Natur unter - oder besser: man ordnete sich ein und "Die buddhistische
Religion, mit der der japanische Mensch aufs engste verwachsen ist, lehrt die
Vergänglichkeit des Lebens - dass diese Welt nur eine vorübergehende Herberge
sei." Daher resultiert die einfache Bauweise der Häuser und deren
minimalistische Einrichtung.

In dem Literatur-Klassiker [Tetsuro Yoshida, DAS JAPANISCHE WOHNHAUS, Tübingen 1954
- für Interessierte unbedingt zu empfehlen, man kann es
antiquarisch kaufen]- über traditionelle japanische Wohnhäuser fasst Tetsuro Yoshida
in weiteren Punkten zusammen:
Diese übertragbaren Vorzüge der traditionellen japanischen Wohnhäuser bestehen im
Wesentlichen:
1. darin, dass das japanische Haus Einzelhaus im Garten ist, und dass zwischen
Haus und Garten eine innige Beziehung besteht, indem Hausinneres und Garten zu
einem Ganzen verschmolzen sind. [siehe oben]
2. in der Schaffung vieler großer Tür- und Festeröffnungen als Anpassung an das besondere
japanische Klima,
3. in der vielseitigen Nutzung der Räume - jeder allgemeine Raum kann z.B.
auch als Schlafraum genutzt werden],
4. in der sachlichen und rationalistischen Baugestaltung und
Übereinstimmung von Konstruktion und architektonischer Schönheit,
5. in einfachster, klarer und reinster Raumgestaltung mit Tokonama (Bildnische) als
optischem Mittelpunkt,
6. in Verwendung ungestrichener Hölzer mit schöner Maserung, Vermeidung
spiegelnder Materialien,
7. in praktisch eingebauten Wandmöbeln, die einen "ausgedehnten
Flächeneindruck hinterlassen,
8. in der Normung der Zimmergröße und Bauteile bis in die kleinsten
Einzelheiten, was eine schnelle und billige Herstellung des Hauses ermöglicht,
ohne dem Haus seinen individuellen Charakter zu nehmen [etwa die Boden-Matte
als Grundmaß für die Zimmergröße: 3 Matten, 4 Matten, 4 1/2 Matten, 6 Matten ...
15 Matten] Durch die Normung [z.B. Zimmergrundriss, Zimmerhöhe, Fensterhöhe
usw.] ergeben sich automatisch Proportionen, die an jedem Bauwerk wiederkehren
und damit eine optische Einheitlichkeit bewirken
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Die Garten-Einfriedung ist die "Außenwand des
japanischen Hauses" - bei dieser sehr interessanten Betrachtungsweise bekommt
man eine ganz andere gestalterische Sicht auf Haus und Hausgarten:
"Das japanische Wohnhaus steht im allgemeinen nicht an der Straße sondern fast
immer im Garten, umgeben von einem hohen Bretter- oder Bambuszaun oder einer
immergrünen, beschnittenen Hecke, manchmal auch einer Steinmauer. Die Mauer
oder der Zaun müssen als eigentliche Außenwand des sehr offenen japanischen
Hauses betrachtet werden. Über solche Umzäunungen ragt lediglich das
frische Grün der Bäume hervor hervor, und dazwischen sind nur die Dächer der Häuser sichtbar."
Der Hauszugang von der Gartenpforte her ist so gelegt, dass von der Straße aus
die Haustür nicht sofort eingesehen werden kann: "Ein gepflasterter Steinpfad
oder Pfad aus Schrittsteinen führt durch den Vordergarten, der zwischen dem
Gartentor und dem Hauseingang liegt, in Kurven oder Krümmungen bzw. schräg zum
Hauseingang, der, wie schon erwähnt, dem Gartentor nie gerade gegenüberliegt."
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Sichtgeschützter Zugang zum Haus |
Auch solche sichtgeschützten Hauszugänge [Skizze links] habe ich schon in der Literatur gefunden und sie zeigen, dass man
den Hausgarten als einen sehr intimen Bereich auffasst. Der Hausgarten ist ein
in sich geschlossener Kosmos und hat wenig Beziehung zur Umgebung.
Hohe Sichtschutzzäune oder Hecken direkt am Fußweg sind bei uns nicht immer
erwünscht. Doch oft genügt es schon, überhohe Mauern 50cm in das Grundstück
zurückzusetzen und etwas zu bepflanzen:
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Im Sichtbereich des Empfangs- oder Wohnzimmers liegt der Hauptgarten, der den
größten Teil der Gartenfläche einnimmt. Die Gestaltung des japanischen Gartens
am Haus
ist natürlich nach Größe und Bodenbeschaffenheit verschieden. "Man kann aber
allgemein sagen, dass der traditionell japanische Garten als ein malerisches
Kunstwerk, ein landschaftliches Bild gestaltet wird und der Betrachtung dient,
also wenig praktische Zwecke erfüllt". Das ist natürlich eine Idealvorstellung.
Man kennt etwa auf Okinawa - dort, wo heute die meisten Hundertjährigen wohnen - einfache,
typisch japanische Wohnhäuser [ähnlich unseren Bungalow-Häusern] mit
Gärten, die von ganz zweckmäßigen Gemüsegärten umgeben sind. Es sind also vielfältige
Abweichungen von der Grundform möglich. Und alles, was ich hier beschreibe,
sollen letztlich nur Anregungen sein, die besonderen Grundideen des japanischen
Wohnens aufzuzeigen.
Dass ich mehr über den japanischen Garten
schreibe, als über das Wohnhaus selber, mag daran liege, dass wir in unseren
Breiten wohl leider weniger von Letzterem umsetzen können.
Nehmen wir als Beispiel dafür allein den oben schon erwähnten Mattenbelag
des japanischen Zimmers. Die Matten sind an die sechs Zentimeter stark und
besitzen einen zusätzlichen Schonbezug [es gibt dazu noch Sitzkissen und
Schlafmatten, die bei Nichtgebrauch im Wandschrank verstaut werden]. Sie machen es erst möglich, auf
dem Boden zu sitzen oder zu schlafen. Und letztlich ist der ganze Aufbau des
japanischen Hauses auf die genormten Matratzenmatten zugeschnitten. Die so ausgelegten Häuser
dürfen dann auch nur mit Strümpfen betreten werden.
Weicht man nun von diesen Gebräuchen ab, baut Häuser mit rechtwinkliger
Architektur und legt die Dielen mit dünnen Naturmatten aus - sitzt aber auf
Stühlen und geht mit Schuhen durch die Wohnung, dann ergibt weder die
Architektur Sinn, noch der Mattenteppich, der zudem schlecht zu pflegen ist.
[Bild unten, © Fotolia.de]

Tetsuro Yoshida: "Matsou Basho [1644-1694], der große Haiku-Dichter, hat an seine
Dichter-Kollegen Worte
gerichtet, in denen es heißt, dass man nie die von den Alten überlieferten Formen nachahmen solle, sondern dem nachstreben, was die Alten erstrebten. Dies
bezog sich auf die Haiku-Dichtuing, aber gilt auch für die Baukunst."
Tetsuro Yoshida gibt in seinem Buch auch schon Hinweise, in welche Richtung zu
denken ist, wenn er auf Ähnlichkeiten von japanischen Wohnhäusern und englischen
Landhäusern hinweist. Auch die Cottages stehen mitten in den
Gärten und von den
viktorianischen Cottages kennen wir die Veranden [Folk Victorian] und -vielleicht
mehr noch- die gemütlichen amerikanischen Holzhäuschen [z.B. American Foursquare] mit
ihren urigen Veranden [Porch].
So viel als Anregungen für dieses schwierige Thema, das noch auf geeignete
Lösungen wartet.
Eine einfach Alternative bietet sich allerdings an, die japanische Wohnkultur
doch zu kopieren. Man kann es wie die Japaner machen, die heute meist
europäisch eingerichtet sind, aber einen Teil der Wohnung traditionell japanisch
gestalten. Bei uns bietet sich zuerst ein japanisches Teehäuschen im Garten
separat oder am Haus bzw. ein Teeraum im Haus an.
Quellen: Tetsuro Yoshida, DAS JAPANISCHE WOHNHAUS, Tübingen 1954
weitere Literatur: Taut, Bruno: Das japanische Haus und sein Leben. Berlin, 1997.
Taut, Bruno: Ich liebe die japanische Kultur. Kleine Schriften über Japan.
Herausgegeben v. Manfred Speidel. Berlin, 2003.
Ich danke Ihnen für den Besuch dieser Website.
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und schauen Sie doch morgen noch mal vorbei, Sie haben sicher einige wichtige
Informationen übersehen :-)
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4. -> eine Teehütte bauen ...
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Bambus
Eine Besonderheit im Fernen Osten ist der Baustoff Bambus, der sicher auch das
Bauen, die Formenwahrnehmung und den Gartenstil prägte. Man sagt, aus Bambus
lässt sich jeder Gebrauchsgegenstand, der zum Leben nötig ist, herstellen:
Hütten, Zäune, Brücken, Wasserrohre, Stühle, Becher. Alle nur erdenklichen
Gebrauchsgegenstände und sogar Bambussägen lassen sich fertigen.
Die Bambus-Pflanze ist ein idealer Rohstoff. Sie ist extrem hart und fest, dabei
aber filigran und fast schwerelos im Wind. Bambus hat also zwei Extreme in sich
vereint.
Vielleicht war es dieser Kontrast, der die Philosophie des fernen Osten
angeregte – das Ying und Yang - die Philosophie der korrespondierenden
Gegensätze. Gegensätzlichkeiten spielen im chinesischen Garten eine sehr
wichtige Rolle. Man stellte den Garten als idealisiertes Landschaftsbild dar -
immer im Gegensatz einer gewissen Heiterkeit und Melancholie.
Die alten Chinesen hatten dafür eine eigentümliche Bezeichnung: man sprach vom
„Lachenden“ und vom „Bedrohlichen“.
Bambus als Einzelpflanze oder als ein sich im Winde wiegender Bambushain
strahlt diese eigentümliche melancholische Gelassenheit und Leichtigkeit aus –
dessen Wesen ich auch in der Architektur der Pagoden wiederfinde. Zwar in Holz
gebaut tragen sie mit ihren geschwungenen Dachfirsten jene Architektur des
Bambus in sich.
Bambus ist nicht formbar –– dadurch entsteht eine spezielle Geometrie des Bauens
mit diesem Material oder besser gesagt es entsteht eine eigenständige
Bau-Philosophie ... die Philosophie des rechten Winkels. Aufgegriffen wurde
dieses Gedankengut in Holland von der Künstlervereinigung De Stijl. Die großen
polaren Kräfte des Lebens, "Natur und Geist, das Statische und das Dynamische,
das Horizontale und das Vertikale", sollten in der Kunst zum Ausgleich kommen.
Der rechte Winkel und die drei Grundfarben, ergänzt um Schwarz, Weiß und Grau,
galten als die elementaren Ausdrucksmittel.

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