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Tipp Teehausgarten und Teezeremonie   -  Gestaltung japanischer Gärten im Einfuß der Teezeremonie


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Trittsteinweg zum Teehaus

Der Teehausgarten

Tipp Der Teehausgarten - eigens geschaffen für die Teezeremonie - ist in seiner Idealform (so wie er in der Literatur beschrieben wird) ein klar erdachtes und geschaffenes Kunstwerk der japanischen Zen-Mönche, welche die Philosophie des Teekultes aus China zu sich holten und nach der Philosophie des Zen umformten.

[Interessant ist, dass die Gestaltung dieser japanischen Hausgärten, wie auch der traditionellen japanischen Wohnhäuser selbst, eng mit der Entwicklung der japanischen Teezeremonie verbunden ist. Wenn  Tetsuro Yoshida ** schreibt - [Das japanische Wohnhaus, Tübingen 1954] "Dass ein Garten eigentlich unentbehrlich für eine Wohnung ist", gilt das natürlich nicht nur für das japanische Wohnhaus; und doch ist die Verbindung zwischen dem japanischen Wohnhaus und dessen Garten ganz besonders eng, so dass das japanische Wohnhaus ohne Garten fast undenkbar ist." Das japanische Wohnhaus verschmilzt über die Veranda hinaus, über die weitausladende Verdachung, die Steinstufen und Trittsteine mit dem Garten zu einem Ganzen. So gibt es zwischen Haus und Garten kaum eine Grenze." - dann wurde diese Wohnphilosophie gemeinsam mit dem Teegarten geboren.]

Plan: Teehausgarten, Teehaus

historischer Teegarten

Übersichtsplan:
Garten für
die japanische
Teezeremonie

Gartengestaltung Das Zentrum des Teehausgartens ist das Teehaus (C) - es ist eine schlichte Hütte aus unbehandeltem Holz und am besten mit Stroh oder Rinde gedeckt.

Lehmwand

Teehaus, die verwendeten Materialien

Die Teehäuser sind schlichte Hütten, so auch das Material. Hier sind es die traditionellen japanischen Baustoffe Holz, Lehm und Bambus.

Gartengestaltung Des Weiteren befindet sich eine Empfangshalle (A) nahe des Eingangs (A), welche in einem ebenso schlichten Stil erbaut ist. Wenn reichlich Platz vorhanden ist, dann gibt es noch einen überdachten Warteplatz. der in den "Pausen" der Teezeremonie aufgesucht wird, vor allem, wenn das Wetter einen Aufenthalt im Freien nicht zulässt.

Wartebank und Bambuszäune

Warteplatz am Eingang

Weg zur Wartebank für die Besucher. Die Zäune sind traditionell aus Bambus, denn sie sollen grazil und in der Landschaft nicht aufdringlich wirken.
japanischer Garten Bambuszäune

Gartengestaltung Die Teezeremonie beginnt schon im Vorfeld mit einem kurzen Besuch des Gastes bei dem Gastgeber. So kann der Besuch -  besonders, wenn fremde Menschen sich begegnen -  am Tage der Zeremonie schon mit mehr Gelassenheit angegangen werden. Zur Teezeremonie ist das Eingangstor zum Garten bereits leicht angelehnt, um die Besucher (meist 5 an der Zahl) Willkommen zu heißen. Sie finden sich in der Empfangshalle (A) ein, wo sie vom Gastgeber stillschweigend mit einer Schale heißem Wasser (oder dünnem Tee) empfangen werden. Die Gäste einigen sich hier, in welcher Reihenfolge sie das Teehaus betreten werden.

Gartengestaltung Schon bei der Überschreitung der Schwelle am Gartentor, die meist durch einen entsprechenden Stein gekennzeichnet ist, verlässt der Gast den lauten und hektischen Alltag. Er betritt den Garten, der eine in sich geschlossene Welt der Ruhe und Harmonie darstellt.
Hier auf dem Warteplatz stimmt sich die Gesellschaft weiter auf die Teezeremonie ein, beginnt die Alltagstimmung abzulegen und bekommt durch die Ruhe einen Blick für die Schönheit der Natur im Garten.

Gartentor

Tor

Das Torhaus markiert eine scharfe Grenze zwischen dem Mikrokosmos des Teehausgartens, der in der Gesamtform seiner Gestaltung einen sicheren Zufluchtsort vor dem hektischen Alltagsleben darstellen soll.

Die Trennlinie markiert der Schwellen-Stein am Eingang - im Inneren des Gartens liegt dann eine Steinplatte symbolisch für den Gastgeber und außerhalb eine Steinplatte für den Gast.

Gartengestaltung Nahe des Warteraums oder am Teehaus befindet sich ein steinernes Wasserbecken (Tsukubai- meist nur ein Stein mit flacher Vertiefung). Dort hat der Teemeister eine Kelle abgelegt, wo sich die Gäste in Form einer symbolischen Waschung die Hände säubern und das Gesicht  waschen. Im Kupferstich oben ist die Wasserstelle wohl nahe der Steinlaterne im Bereich (B) zu suchen - und es liegt in diesem Fall der Trittsteinweg, welcher zum Teehaus führt, nochmals in einem separaten Gartenbereich.

 

Wasserbecken Trittsteinpfad

Gartengestaltung Der Gang der Teegesellschaft auf dem Trittsteinpfad (B) hin zum Teehaus symbolisiert die erste Stufe der Selbsterkenntnis - das Abstreifen des Alltags. Der Gang durch den Garten dient somit der geistigen Vorbereitung auf die Zeremonie.  Die Schönheit des Gartens soll dabei das Gemüt positiv beeinflussen. Im Sommer sind die Steine vom Gastgeber mit kühlendem Wasser besprengt, um eine Stimmung der Frische,  Reinheit und Natürlichkeit entstehen zu lassen, welche letztlich auch wieder nur der Herzensbildung dient.
 

Teehaus, Lehmhütte

ROJI - Tauerde

Für den Teegarten wählten die alten Zenmeister den Namen ROJI, was wörtlich "Tau-Erde" oder im Wortspiel auch "Pfad" heißt - daher die symbolische Benetzung der Trittsteine mit Wasser ...

Der Teegarten symbolisiert einen vom Staub der Welt gereinigten Bezirk, wo  Gedanken des Hasses, Neid und des Stolzes keinen Platz haben sollen.
Bild: schlichtes Teehaus
japanischer Garten japanischer Ahorn

 

Japanischer Felsengarten

Hütte am Meer

Im Idealfall ist der Teehausgarten einer rauen Berglandschaft nachempfunden oder einer Hütte am Meer. Er darf nicht in der Gestaltung mit den reinen Betrachtungsgärten der Japaner verwechselt werden. Alle Teile des Gartens sind funktional - die Wirkung der Schönheit mit einbezogen.

Die Teegärten sollten rau und düster wirken und die Architektur - als Werk des Menschen - eher grazil, sehr einfach - ja beinahe zerbrechlich.

Das Teehaus muss sich in seiner Schlichtheit in die Natur einfügen - beherrschen darf es sie nicht - damit dient dieser Stil, das Herz des Menschen zur Demut zu bewegen.

Der Felsengarten (Bild oben), der direkt an den Teegarten anschließt, ist der japanischen Küstenlandschaft nachempfunden, die steil aus dem Meer aufragt.

Hinüber blicke ich
Weder Blumen
Noch farbige Blätter.
Am Gestade des Meeres
Eine einsame Hütte
Im schwindenden Licht
Eines Herbstabends


Sen Rikyu (1522-1591)

Gartengestaltung Die Teegäste betreten nun einzeln die Hütte durch eine sehr niedrige Schiebetür (D) - Dadurch betreten sie in demütiger Haltung den Raum, was bedeuten soll, dass im Teeraum der Rang oder die Stellung des Alltagslebens draußen vor der Tür gelassen wird und Gäste und Gastgeber Gleiche unter Gleichen sind.

Gartengestaltung Hier sei mir nochmals der Hinweis gestattet, das schon Marie Luise Gothen in ihrer Geschichte der Gartenkunst  (Jena 1926) auf die große Ähnlichkeit von östlicher Teezeremonie und westlicher Freimaurerei hinwies, wo ähnlich wie hier, bei der Versammlung der Brüder in der Loge weltliche Rangordnungen abgelegt werden müssen.

Gartengestaltung Die Ähnlichkeit geht bisweilen bis in kleinste Details. So entrollt der Gastgeber bei der Teezeremonie ein Rollbild - im Freimauertempel wird ein "Arbeitsteppich" aufgelegt. Das grundlegende Element beider Gesellschaften ist jedoch das Einüben von Lebenshaltungen durch symbolisches Handeln (Ritual), was nicht mit  religiösen Handlungen verwechselt werden darf. Es ist eine Kunst!

Teehaus im sanften Licht der Koji

schlichte Teehütte

Während der Teezeremonie in der Hütte sind alle weltlichen Standesunterschiede unter den Gästen aufgehoben ...

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Gartengestaltung Haben die Gäste im Teehaus Platz genommen, beginnt die eigentliche Teezeremonie.
Der Gastgeber schließt hörbar die Tür, damit hat die Zeremonie ihren Anfang genommen. Zuerst wird ein kleines Essen gereicht. Es folgt ein auflockerndes Gespräch unter den Gästen, meist zu den Gegenständen im Teehaus. Danach geht man wieder in den Garten.

Gartengestaltung Fünf Gongschläge laden wieder in die Hütte - zuvor geht der Weg abermals über den Trittsteinpfad und zum Wasserbecken, Mund und Hände werden gesäubert. Auf dem Trittsteinweg bekommt der gang einen Rhythmus und verlangsamt sich. Inzwischen ist im Teeraum das Wasser im eisernen Kessel auf einem Holzkohlefeuer erhitzt - der Kessel summt und der Duft von leichtem Räucherwerk füllt den Raum.
Der Tee wird nun nach altem Ritual bereitet und den Gästen gereicht. Zuvor werden kleine Reiskuchen oder Süßigkeiten angeboten. Zu Beginn wird ein starker Tee aus klassischen Teeschalen getrunken, dann ein leichter aus flachen Schalen. Je nach der Form des Teerituals folgen kleine Konversationen.

Gartengestaltung Am Ende verlassen die Gäste einzeln die Hütte, wobei der Gastgeber vor der Tür Platz genommen hat, die Gäste verabschiedet  und so lange verharrt, bis die Teegäste den Garten verlassen haben. Ist die Gesellschaft den Augen entschwunden, ist für den Teemeister die Zeremonie noch nicht beendet. Die Gerätschaften werden nun ordnungsgemäß verstaut und die Hütte nach vorgegebenen Ritual gesäubert - erst dann ist die Teezeremonie abgeschlossen.
 

        

Geschichtliches:

Gartengestaltung Der chinesische Dichter Luh-yü (618-907) verfasste um 700 das berühmte "Cha King" ("Ch'a King) - die erste umfangreiche Abhandlung über Teeanbau und Teezubereitung.

Gartengestaltung Im Jahre 801 brachte der Mönch Saicho Teesamen mit nach Japan und baute ihn in Hieizan an.

Gartengestaltung Der Zenpriester Murata Shuko (1422-1502) befasste sich mit der Kunst der Teezubereitung aus der Sichtweise des Zen. Er kannte den Ablauf der Teegesellschaften am Hofe der Shogune.

Gartengestaltung Innerhalb der Klassenschicht der Handelsleute, die eng mit der Philosophie den Zen vertraut waren, entwickelte sich ebenfalls ein Teeritual. Die bedeutendste Persönlichkeit aus dieser neu entstehenden Tradition war Takeno Jo-o (1512-1555). Er begründete den Stil der Zubereitung des Wabi-Tee in einer einfachen Hütte mit schlichten Teegerätschaften. Takeno Joo "vereinigte die Ästhetik des Zen mit der demokratischen Lehre der Gleichheit aller. Dieser Stil wurde später von Sen Rikuyu, dem Schüler Jo-o's, bis zur Vollkommenheit entwickelt."

Geräte für die Teezeremonie, japanische Keramik

Geräte für die Teezeremonie

japanischer Garten Videos: Teezeremonie
japanischer Garten Bambus in der Gartengestaltung


Gartengestaltung Sen Rikyu (1522-1591) auch Sen no Soekis, verband mit dem Ritual der Teezubereitung spekulative, lebensphilosophische Gedanken, und so diente nun die Teezeremonie zur Einübung von 4 Lebenshaltungen: 1. Harmonie und Frieden; 2. Hochachtung und Erfurcht; 3. Reinheit; 4. Stille und Gelassenheit (durch die Übung 1.-3.)

Gartengestaltung Obwohl man als Europäer schnell den Eindruck bekommt, dass die Teezeremonie die menschliche Vollkommenheit anstrebt, so ist das Gegenteil der Fall. Der Weg der Tee-Kunst hat im Kern den Gedanken der Annahme der Unvollkommenheit.

"Des Teewegs Urgrund:
Wasser sieden lassen,
Tee schlagen und
ihn mit aufrichtigen Herzen trinken - nicht mehr!
Man sollte dies wohl wissen."

Rikyu



Literaturquellen

** Tetsuro Yoshida, DAS JAPANISCHE WOHNHAUS, Tübingen 1954
Taut, Bruno: Das japanische Haus und sein Leben. Berlin, 1997.
Taut, Bruno: Ich liebe die japanische Kultur. Kleine Schriften über Japan. Herausgegeben v. Manfred Speidel. Berlin, 2003.

Leben auf dem Teeweg Sen, Soshitsu München 1991   ISBN 3-85936-048-5
Buch vom Tee Okakura, Kakuzo Frankfurt, Leipzig 2002  ISBN 3-458-34655-4
Marie Luiese Gothen, Geschichte der Gartenkunst,  Jena 1926

Bildquellen der SW-Bilder: Josiah Condor  Landscape Gardening in Japan (1912)

Zen Kunst, Tuschearbeiten von Peter Herzog, Dresden, Fische

Bilder von Peter Herzog, Dresden

japanischer Garten Finissage Januar 2008: Fische


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Aktualität 09/2009


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Staudengarten, Staudengärten Für den Anfang ist es hilfreich, wenn du dir über den Nutzungszweck deines Gartens [Balkon oder Terrasse] Klarheit verschaffst. Schon die alten Gestalter wussten: der Zweck bestimmt die Form.         2/11


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