HOME
->
kommunales
->
Friedhofsgestaltung
Teil II
|
Grundlagen der Friedhofsgestaltung: Friedhofsgestaltung I
Der Friedhof: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Grab und Grabmale
|

|
Rekonstruiertes Grabfeld |
Hier wurden in einem Erdgrabfeld Urnenstellen
angelegt. Wegen des geringeren Flächenbedarfes konnte hier eine freiwachsende
Hecke als Rahmenpflanzung eingesetzt werden.
|
Bestattungszahlen und Belegungsdichte der Friedhofsfläche
Wichtig für Entwicklungskonzepte, die den Friedhof betreffen, sind zuerst die
Statistiken der jährlichen Bestattungszahlen und die Übersicht der vorhandenen
Grabstellen der Bestattungsflächen des Friedhofs.
|
Will man eine Prognose über die künftige Belegungsdichte der Friedhofsanlage
machen, muss der Planer die Liegezeiten der vorhandenen Grabstellen beachten und
er muss sich über den Anteil der Bestattungsarten informieren: Anteile von
Reihengräbern und Gemeinschftsanlagen (die nach Ablauf der Ruhefrist sofort
geebnet werden) und die Anteile der dazu im Verhältnis stehenden
Wahlgrabstellen, welche nach Ablauf der Ruhefrist nachgelöst werden können.
Um sich komplizierte Berechnungen der künftigen Entwicklung von Belegungsdichte
zu sparen, ist das Augenmerk vordergründig auf die Zahl der jährlichen
Grabstellenneuanlagen und Ebnungen zu lenken, sowie auf die Entwicklung der
Bevölkerungszahlen des Umlandes.
Wenn es noch vor 30 Jahren möglich war, mit mathematischen Formeln den
Flächenbedarf der Friedhöfe zu berechnen, so ist das heute im Zeitalter
verschiedenster neuartiger Bestattungsformen kaum noch möglich.
|
|
Besser ist es, die Trends vor Ort einzuschätzen. Dazu genügt es die Zahl der
jährlichen Grabneuanlagen zu kennen und die, der jährlichen Ebnungen.
Dazu kann man noch die alte Faustregel für die Friedhofsflächenberechnung
heranziehen, die mit 80 Gräbern für 100 Seelen der Bevölkerung, mit 33Aar
Friedhofsfläche für je 1000 Einwohner rechnet, wovon etwa 20 Aar für reine
Grabfläche, oder mindestens ein Drittel des Geländes für Wege, Grünflächen,
Freiplätze usw. vorbehalten wird.
nach Rudolf Pfister, Die Friedhof-Fiebel München 1954
Idealform der Flächennutzung
Mit Reihengräbern lassen sich Flächen optimal ausnutzen. Bei Grabfeldern mit
Wahlstellen (Lösestellen) ist das schon schwieriger, da hier nach dem Ablauf der
Ruhefristen nur ein Teil der Gräber in einem Grabfeld frei werden. Diese
Idealform der Flächennutzung finden wir heute immer seltener, obwohl mit dieser
Belegungsart ein Minimum an Anlagenunterhaltung und Verwaltung erreicht wird.
Auf Friedhöfen, welche vorwiegend mit Wahlgrabstellen belegt sind, kann die
Vielzahl verschiedener Grabarten und besonders verschiedener Grabgrößen
(Rastergrößen) Bestattungsflächen unnütz verbrauchen. Besser ist die Angleichung
der Grabraster bei Wahlgrabstellen.
Fügt man sich etwa mit dem Raster von Urnenstellen in das Rastersystem der
Körpergräber ein, so werden die Flächen gut genutzt und die Zersplitterung von
Bestattungsflächen wird weitgehend vermieden. (Problematisch sind Leerstellen
innerhalb derjenigen alten Grabfelder, wo ein Teil der Grabstellen nachgelöst,
der andere Teil aber schon geebnet worden ist. Solche Grababteilungen sind
aufwendig zu pflegen und haben viel ungenutzte Flächen, was sich am Ende immer
ungünstig auf die Unterhaltungskosten auswirkt und seinen Niederschlag letztlich
in den Lösegebühren findet. Dort, wo es möglich ist, habe ich derartige Lücken
in den Grabfeldern mit Reihengräbern nachbelegt, oder auch Urnenstellen
innerhalb auslaufender Erdbestattungsfelder vergeben.)
|

|
geschnittene Hecken als Rahmenpflanzung |
Hainbuchenhecken im
Frühjahr während des Blattaustrieb.
Die Hainbuche ist ein heimischer Laubbaum, der sowohl
als Baum, als auch als geschnittene Hecke bei uns zum
Einsatz kommen kann.
Hier im Bild ist die Hainbuchenhecke die
Rahmenpflanzung für ein Erdgräberfeld.
Hainbuchenhecken |
Flächennutzungsplan, Belegungsplan
Damit komme ich zum wichtigsten Punkt – dem Flächennutzungsplan, wobei man dem
Friedhof wohl besser vom „Belegungsplan“ spricht und so will ich es hier auch
tun. Die Vergabe von neuen Grabstätten sollte nie willkürlich erfolgen, sondern
wenigstens einer lockeren Ordnung unterliegen – für Dorffriedhöfe mag das
revolutionär sein – auf großen Friedhofsanlagen ist es ein muss.
Für ein tragfähiges Entwicklungskonzept ist der Belegungsplan die allererste
Grundlage - mit den ausgewiesenen Bestattungs-, Vorhalte-, und Bestandsflächen,
eventuell mit Flächen für Bestattungen anderer Kulturkreise, sowie mit den
Kriegsgräbern und erhaltenswerten, historische Grabanlagen. Zum Belegungsplan
gehört die Planung der so genannten „Baggergassen“ – das sind die
Zufahrtsmöglichkeiten für Grabbagger zu den Körpergräbern. Gleichzeitig sollte
dem Belegungsplan ein aktueller Lagepan vorliegen mit einem übersichtlichen
System der Grabstellennummerierung.
Begrünungskonzeption, Entsorgungskonzept, Wegeplan
Es ist durchaus möglich, mit den Erfahrungswerten der letzten 10 Jahre einen
brauchbaren Belegungsplan für die nächsten 10 bis 20 Jahre zu erstellen und
darauf baut sich jede weitere Planung auf, wie die Begrünungskonzeption, oder
das Entsorgungs- und Versorgungskonzept (Abfall, Wasserleitungen, Zufahrt für
Bestatter und Gärtner) mit der Wegeplanung.
Neben diesen rein funktionalen Konzeptionen für die Fläche, sind noch diejenigen
Fragen zu klären, wie mit der baulichen Substanz auf dem Friedhof umgegangen
wird. Das betrifft Gebäude, Mauern, Tore, Fahrradständer, Bankplätze,
Wasserstellen, schützenswerte historische Grabdenkmale und Parkflächen vor dem
Friedhof.
Ökologische Konzeption und mehr …
Um der Vielzahl von Konzepten noch ein Letztes hinzuzufügen, nenne ich hier noch
die ökologische Konzeption – das heißt, wie werden schützenswerte Arten der
Tier- und Pflanzenwelt erhalten und wie vermeiden wir, dass der Friedhof
„überpflegt“ wird und wie können wir unterbrochene natürliche Kreisläufe in der
Natur wieder instand setzen.
Doch wir sollten folgendes nicht aus den Augen verlieren: im Mittelpunkt unserer
Planung steht der Mensch. Das ist der Trauernde. Ist der Mensch im Schutzraum
des Friedhofs dem Lärm und der Unrast des täglichen Lebens entzogen? Entspricht
all unsere funktionale Planung auch im Detail der Würde des Menschen – in Bezug
auf die ruhenden Toten – und in Bezug auf die Trauernden, sowie in Bezug auf das
Totengedenken?
An dieser Stelle erinnere ich auch an die Würdigung des kulturellen Erbes
unserer Friedhöfe und an die Würdigung der Generationen, die vor uns waren und
an jene, die nach uns kommen werden ... als Buchempfehlung hierzu: Hans-Kurt Boehlke, Der Gemeindefriedhof Taschenbuch 1973
>>> gebrauchte Bücher kaufen
|

|
Leere Friedhöfe
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft |
Heute ein Problem vieler Friedhöfe: abnehmende
Belegungsdichte.
Freie Bestattungsflächen verteuern die Friedhofsgebühren.
Lösungsansätze |
nach oben
Garten und Friedhofsgestaltung
Impressum
| |
Eine gute Möglichkeit zur
Information über die Grab und Grabmalgestaltung sind die aktuellen
Gartenschauen,
wie BuGa oder Landesgartenschauen. Dort gibt es jeweils Mustergräber mit
gestalteten Grabmalen und jeweils entsprechend der Jahreszeiten
Bepflanzungsbeispiele für Gräber.
Grabausstellungen
Allerdings mau man wissen, dass man bei diesen Ausstellungen
eine Leistungsschau der
Friedhofsgärtner
und Steinmetzen vor sich hat. Nicht selten ist man etwas entmutigt, wenn man
sich die wunderschönen Wechselpflanzungen der Ausstellungsgräber sieht und mit
den eigenen Möglichkeiten vergleicht.
Wer sich über eigene Gestaltungsmöglichkeiten Gedanken macht,
der sollte sich trotz allem den L eitsatz
zu eigen machen: weniger ist mehr ...
Bei der Grabmalgestaltung ist das besonders zu beachten, da
man hier immer wieder zur Überfrachtung der Grabmalgestaltung neigt, ob im Form,
in Beschriftung oder manchmal auch in der Symbolik.
Bei der Herangehensweise, ein Grabmal zu entwerfen, solltest
du dir immer vor Augen halten, dass so ein Grabdenkmal wirklich auch ein Denkmal
ist.
Es
soll an das Leben des verstorbenen erinnern und für ihn sprechen.
So wie im Leben manchmal Blumen oder eine schöne Melodie
helfen einem schwierigen Gedanken Ausdruck zu verleihen, so kann das auch ein
Grabmal - aber in Harmonie der
Proportionen und Einfachheit ...
exklusive
Garten-Produkte
|
|