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Nachtkerze
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"Dieselbe bewährt sich bei Entzündungen des Unterleibs, bei Lungenschwindsucht
und Brustverschleimung ganz vorzüglich.
Auf 1/4 Liter kochendes Wasser nehme man 5 Gramm diesen Tees und brüht ihn. Man
trinke täglich 2 - 3 Obertassen." |
Nachtkerze
Oenothera biennis
Volksnamen: Schinkenwurzel, Rapontikawurzel, chupa-sangre ("Bluttrinker" Name
der Nachtkerze in Südamerika)
Zu Recht trägt die zweijährige, stattliche Pflanze Ihren Namen, öffnet sie doch
ihre großen, je nach Art gelben, roten oder weißen, wohlriechenden Blüten erst
gegen Abend. Im ersten Jahr treibt die Pflanze nur eine Blattrosette aus, im
zweiten Jahr einen bis zu einen Meter hohen Stängel mit den großen Blüten. Die
Blüten werden von Nachtfaltern bestäubt und welken beim ersten Sonnenschein. Aus
den befruchteten Blüten entwickelt sich eine längliche, zottig behaarte Kapsel.
Aus den reifen Samen wird das Nachtkerzenöl gewonnen. Schon die Indianischen
Volksstämme Südamerikas nutzten die Heilkräfte der Nachtkerze.
Die Nachtkerze wächst auf trockenen, steinigen und sandigen Böden, in
Steinbrüchen und auf Dämmen. Sie ist weit verbreitet, anspruchslos. Sie blüht
von Juni bis August. Wurzeln, Blätter, Knospen und ein Öl aus den Samen sind
auch in der Küche zu gebrauchen:
Blätter und Knospen sind mild, gut geeignet für Salate Die Wurzeln aß man schon
früher als Gemüse, sie wurden mit Essig und Öl angemacht oder in Fleischbrühe
gekocht. Man misst ihnen eine große Kraft bei, Kranke schnell wieder fit werden
zu lassen. Für Heilzwecke verwende man die frisch gepflückten Sprossspitzen oder
die an der Pflanze getrockneten Samen.
In früheren Zeiten wurde der Nachtkerze in Europa keine große Heilwirkung
zugeschrieben, bis man 1919 entdeckte, dass die Samen einen hohen Anteil an
Gamma-Linolsäure enthalten. Gamma-Linolsäure ist eine lebensnotwendige
Fettsäure, die verantwortlich für die Bildung von Prostaglandinen ist.
Dieser
Stoff ist für viele Organfunktionen wichtig, ein Mangel an diesem Stoff, zum
Beispiel durch fettes Essen oder Alkoholmissbrauch, zeigt sich im Nachlassen der
körperlichen und geistigen Fitness. Zudem kontrollieren die Prostaglandinen die
Talgabsonderung auf der Haut, was wichtig für deren Geschmeidigkeit ist.
So ist
Nachtkerzenöl ein wichtiges Mittel gegen Neurodermitis. Prostaglandinen
regulieren die weiblichen Sexualhormone und helfen so zum Beispiel gegen
Unfruchtbarkeit, Menstruationsbeschwerden und das Prämenstruelle Syndrom.
Außerdem wirken sie gefäßerweiternd und stimulieren den Muskelaufbau. Ein Mangel
an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie der Gamma-Linolsäure, zeigt sich zum
Beispiel an brüchigen Fingernägeln und Haaren, trockener Haut und Schuppen.
Das
Nachtkerzenöl aktiviert den Stoffwechsel, steigert die Leistungsfähigkeit und
sorgt für allgemeines Wohlbefinden innerlich wie äußerlich. In Südamerika wurde
die Nachtkerze des Weiteren auch bei Verletzungen oder Prellungen angewandt,
sowie bei Magen- und Darmbeschwerden oder Halsentzündungen. Selbst die Folgen
von Allergien kann sie lindern.
Aus den Reifen Samen kann man ein Öl pressen, doch auch ein Aufguss kann
hilfreich sein:
Fünfzehn Gramm getrocknete Sprossspitzen werden mit einem Viertelliter kochendem
Wasser überbrüht. Der Aufguss wird zehn Minuten ziehen gelassen, dann abgeseiht.
Entzündete Hautstellen werden mit dem Aufguss vorsichtig abgewaschen oder mit im
Aufguss getränkten Mullbinden belegt. Bei Bedarf nach drei Stunden wiederholen.
Für die Innere Anwendung werden drei Gramm getrocknete Sprossspitzen in eine
Tasse gegeben und mit 100 ml kochendem Wasser aufgebrüht. Wiederum zehn Minuten
ziehen lassen und abseihen. Von dem Tee wird drei mal täglich eine frisch
aufgebrühte Tasse getrunken.
Zwei Teelöffel gemahlene Samen, in den Tagen vor der Menstruation unter das
Essen gemischt, helfen gegen Menstruationsbeschwerden.
Bild nach: der historischen Buchvorlage/Urbania-Gesellschaft
Dresden: Das Buch der Kräuter
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