Kräutersteingarten
1.) Ein Sonniger Platz zwischen duftenden Pflanzen - ein Küchensteingarten
1.) Ein Sonniger Platz zwischen duftenden Pflanzen - ein Küchensteingarten

Die wichtigsten Regeln zur Anlage eines solchen Gärtchens oder Beetes lauten: 1.) die beste Lage ist in voller Sonne;  2.) es muss schnell auf trockenen Wegen zugänglich und leicht zu beernten sein; 3.) pflanze nur, was du wirklich brauchst.
Baust du auch Gemüse an, so sollte der Kräutergarten gleich mit integriert werden. Allerdings eignen sich mit Buchsbaum gefasste Beete, abgesehen von einigen höheren Würzstauden und Knoblauch, nicht besonders gut für die Kultur der wichtigsten Küchenkräuter. Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten, doch meiner Meinung nach eignen sich Hochbeete in Verbindung mit einfachen Gartenbeeten am besten.

Der Standort

Die allermeisten Pflanzen im Kräutergarten benötigen normalen Gartenboden und volle Sonne. Das sind vor allem Thymian, Rosmarin, Ysop, Majoran, Knoblauch, Zwiebeln und Pfefferminze.
Im lichten Halbschatten gedeihen auch noch Dill, Majoran und Pfefferminze ganz gut.
Halbschatten vertragen nur Schnittlauch, Salbei, Liebstöckel und Zitronenmelisse.
Schatten tolerieren nur Bärlauch und Waldmeister.

kraeutergarten Fotolia 2.) In Terrassengärten bieten sich viele Möglichkeiten Hochbeete anzulegen

Im Halbschatten sorgt nicht nur die fehlende Sonne für mangelhaftes Wachstum sondern häufig auch die Wurzelkonkurrenz umstehender Bäume und Büsche. Deren Nähe sollte gemieden werden. Überhaupt rate ich, den Gemüse- und Kräutergarten streng von den Obstgehölzen zu trennen und auch genügend Abstand zu halten.
Die beste Lösung dieser Probleme ist dafür das oben erwähnte Kräuterhochbeet. Es liegt besser in der Sonne als ebenerdige Anlagen, und die Wurzeln naher Bäume werden nicht zum Störfaktor. Ein weiterer Vorteil ist, dass man es recht unkompliziert vor eine südlich ausgerichtete Haus- oder Sichtschutzwand (oder am Zaun) platzieren kann und somit die Gartenfläche nicht in Anspruch nimmt.
Hat man sich noch nicht für einen endgültigen Platz im Hausgarten entschieden, kann man zunächst einen temporären Kräutergarten in Pflanzkübeln anlegen. Man kauft sich für diese Zwecke ein oder mehrere sogenannte Mörtelkästen (viereckig) z.B. mit 90 Liter Fassungsvermögen, bohrt Wasserabflusslöcher in den Boden, füllt sie mit Erde auf und hat damit transportable Hochbeete. Wer will, der kann die Front der Kästen mit Brettern oder mit einem flachen Weidenflechtzaun verdecken. Der schwarze Kunststoff kann von kreativen Gartenfreunden sicher auch bemalt werden. Solch eine nicht dauerhafte Lösung eignet sich zudem hervorragend, um zu testen, welcher Standort geeignet und bequem zu erreichen ist:

Gute Erreichbarkeit

Der nächste wichtige Punkt für die zweckmäßige Anlage eines Kräutergärtchens ist die Erreichbarkeit. Auch bei feuchter Witterung solltest du rasch und ohne feuchte bzw. schmutzige Schuhe zu bekommen, Kräuter ernten können. Denn meistens erntet man diese Würzpflanzen nicht bei der Gartenarbeit, die idealerweise in Arbeitskleidung durchgeführt wird, sondern beim Kochen, wo man nicht die Zeit hat, sich erst umzuziehen. Deshalb sind ordentlich befestigte Wege unabdingbar, und idealerweise wählst du einen Platz, der von der Küche aus schnell zu erreichen ist. Es mag zwar interessant aussehen, wenn du Beete oder eine sogenannte Kräuterschnecke mitten im Rasen angelegt hast, doch wenn das Gras ein wenig höher steht und dazu noch Regenwetter ist, dann macht es keine Freude, dort zu ernten. Und seltsamerweise ist es immer regnerisch und der Rasen nicht gemäht, wenn du unbedingt eine paar Würzkräuter zum Kochen benötigst.

Kräuterspirale3.) Der Kiesweg ermöglicht bei Regenwetter Ernten ohne nasse Schuhe zu bekommen!

Welche Kräuter pflanzen?

Neben den bekannten Würzpflanzen wie Petersilie, Schnittlauch, Bohnenkraut und Dill gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an Kräutern, die aus dem Mittelmeerraum zu uns kamen oder durch Neuzüchtungen entstanden. Doch nicht alles eignet sich für den Kleingarten. Deshalb der Tipp: Beschränke dich auf Arten im Kräutergarten, die dir schmecken und die du auch wirklich verwendest. Ich hatte mir vor Jahren mal beim Staudengärtner ein riesiges Sortiment der verrücktesten Küchenkräuter und darunter mehrere Minzen gekauft, die mir überwiegend gar nicht schmecken sich aber nun in meinem Garten breitmachen. Ich denke nur an eine Orangenminze. Sie schmeckte beispielsweise wie alter Gummi.
Für den Kräutergarten ist das Hauptsortiment an Bepflanzung schnell aufgelistet:

Winterharte, mehrjährige Kräuter (Liste für Balkongärten hier)

  • Bohnenkraut - Mehrjähriges Bergbohnenkraut = Winter-Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Liebstöckel
  • Majoran, Oregano (Origanum vulgare) bzw. Griechischer Oregano (Origanum vulgare subsp. hirtum)
  • Thymian
  • Rosmarin
  • Ysop
  • Schnittlauch
  • eventuell noch Schnittknoblauch, Bärlauch

4.) Kräuterbeet mit WeidenflechtzaunFlache Hügelbeete mit Weidenflechtzäunen eingefasst

Größere Stauden (mehrjährig)

Einjährige

  • Dill - er braucht mit Komposterde aufgebesserten Boden; man kann ihn mit aufs Gurkenbeet säen
  • Einjähriges Bohnenkraut (Satureja hortensis) - es wird zusammen mit den Buschbohnen in Mischkultur kultiviert
  • Staudensellerie - gedeiht auch gut in Töpfen
  • Borretsch (Borago officinalis) - auch als Gurkenkraut bekannt; man kann es im Garten auch verwildern lassen
  • Kapuzinerkresse (wuchert, Platz einrechnen)  

Zweijährige

  • Petersilie
  • Knoblauch (die Kultur des winterharten Gewächses ist einfacher als gedacht)

Für Tee (mehrjährige kniehohe Stauden):

  • Salbei
  • Pfefferminze
  • Zitronenmelisse
  • Zitronenverbene

seniorengerechter Kleingarten5.) Ein ganz bequemes Kräutergärtchen.

Weitere Ideen zur Gestaltung, Kräuterschnecke usw.

Das Sortiment und die Menge an Pflanzen, welche wir tatsächlich benötigen, ist die Grundlage dafür, in welcher Art, Form und in welchem Stil wir den Kräutergarten anlegen. So bringt es überhaupt nichts, beispielsweise zuerst ein Gärtchen anzulegen, mit Buchsbaumeinfassung zu gestalten und dann mit Kräutern zu besetzen, nur damit das ganze Projekt irgendeinem Ideal entspricht. Es gilt auch hier der alte Leitspruch: Der Zweck schafft die Form. Das heißt, dass unser Küchengärtchen meist gar nicht so groß dimensioniert werden muss und mitunter nur eine Kräuterecke im Garten wird.
Ich selber kultiviere meine Gewürzpflanzen im Gemüsegarten. Dort habe ich am Rand an sonniger Stelle ein langgezogenes Beet für Tomaten. Das Besondere beim Tomatenanbau ist, dass sie jedes Jahr an derselben Stelle gepflanzt werden können. Zwischen den Tomaten ist nun aber noch so viel Platz, dass hier quasi in Mischkultur die Kräuter bestens gedeihen. Da sich das Beet am Rand, an einem relativ trockenen Weg befindet, ist hier auch bei Matschwetter die Ernte leicht möglich, und ich muss nicht zwischen den Beeten herumtreten.
Einige Gewürzpflanzen können mit dem entsprechenden Gemüse in Mischkultur angebaut werden, wie es oben schon in der Pflanzenliste aufgeführt ist, z.B. Gurken + Dill oder Buschbohnen + Bohnenkraut.
Für kleine Anlagen sind die besten Ideen oben schon angeklungen, das sind:

Letzte Idee: Heilkräutergarten im Cottage-Garten-Stil

Der Kräutergarten unserer Vorfahren war meist mit Blumen gemischt, ähnlich den bekannten Cottagegärten. Diese haben ebenfalls ihren Ursprung in einfachsten Hausgärten, die lediglich reine Nutzgärtlein am Haus waren, ganz ohne Zierelemente und auch ohne Buchsbaum gefasste Beete. Hier standen Würz- neben Heilkräutern, die im Sommer frisch geerntet und für den Winter getrocknet wurden.
Erst mit den Klostergärten, die eigentlich mehr mediterranen Ursprungs sind, kamen geometrische Formen und mit ihnen auch der Buchsbaum in das mittlere und nördliche Europa. Damit bekamen diese Nutzgärten strengere Formen. Ausgehend von den Klöstern wurde dieser Stil von der Landbevölkerung übernommen.
Für den Hausgarten schlage ich jedoch die ungezwungenere Variante der Cottagegärten vor, welche man nur scheinbar als Ziergärten anlegte. Denn in der Vergangenheit waren viele unserer heutigen Gartenblumen und Zierpflanzen Nutz-, Würz- und Heilpflanzen. Die Anleitung zur Anlage solcher ländlichen kleinen Gärten findest du hier. Dafür verwendet man gern Arten an Blumen und Kräutern, welche zur Selbstausbreitung neigen. Das sind zum Beispiel: Muskatellersalbei, Borretsch, Ringelblume und Akelei.

Klostergarten6.) Gärtchen im Anschluss an eine Klosterküche. Kieswege machen es bei jedem Wetter begehbar.

Bildquellen: 1.) © Marina Lohrbach - Fotolia.com; 2.) © dynamixx - Fotolia.com; letztes © tassilo111 - Pixabay.com