Heilpflanze Kamille
Echte Kamille (engl. German chamomile)

Echte Kamille, Matricaria chamomilla: Das heimische Kraut gehört zu den bekanntesten und den beliebtesten Heilpflanzen. Die anspruchslose Pflanze wird zehn bis fünfzig Zentimeter groß. Sie hat einen runden, glatten, aufrechten, stark verzweigten Stängel, der gefiederte hellgrüne Blätter trägt.

Die ausgeprägt duftenden Blüten bestehen aus gelben Röhrenblüten, die in der Mitte der Blüte wie ein dickes Kissen hervorstehen, und hellweißen Zungenblüten. Die Echte Kamille kann leicht mit anderen Kamillearten verwechselt werden. Sie hat jedoch als einzige einen hohlen Blütenboden, den man sieht, wenn die Blüte abgebrochen und umgedreht wird.

In fast ganz Europa wächst die Kamille, in letzter Zeit leider nur noch selten, auf Äckern und an Wegrändern. Gesammelt werden die Blütenköpfchen ohne Stiel, am Besten bei Sonnenschein drei bis fünf Tage nach dem Aufblühen, dann sind die meisten Wirkstoffe ausgebildet. Die Blüten müssen sorgfältig getrocknet werden, um die ätherischen Öle zu schützen.

Volksnamen: Feldkamille, Mägdeblume, Apfelkraut, Kummerblume, Mutterkraut, Mariamagdalenakraut, Romerei

Heilwirkung

Traditionell wird die Kamille vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden (zum Beispiel Magenentzündung, Durchfall, Hämorrhoiden) angewandt. Sie hat aber noch mannigfaltig andere Wirkungen, denn sie wirkt schmerz- und krampfstillend, beruhigend, austrocknend, blähungswidrig und wundheilend. Daher kann sie auch bei Erkältung, Ohrenentzündung, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Schlaflosigkeit, Krämpfen, nervlichen Anspannungen und Reizungen, Mund- Nasen- und Rachenentzündungen und Zahnschmerzen Anwendung finden. Äußerlich kann sie zur Förderung der Wundheilung beitragen, zum Beispiel bei Ekzemen, wobei beachtet werden muss, dass sie durch ihre austrocknende Wirkung trockener Haut eher schadet als hilft. Diesen Effekt kann man eventuell damit kompensieren, dass man die Kamille als Salbe verwendet.

Einige Quellen empfehlen die Heilpflanze auch bei Bindehautentzündung. Die feinen Härchen, die bei der Zubereitung jedoch in den Tee gelangen, können die Augen reizen. Einen Teeaufguss bereitet man aus einem Esslöffel voll Kamillenblüten, den man mit einem Viertelliter siedendem Wasser übergießt und fünf bis zehn Minuten bedeckt ziehen lässt.

Aufguss

Für einen Aufguss für Umschläge wird die doppelte Menge Blüten verwendet, man lässt ihn fünfzehn Minuten ziehen. Für Bäder werden fünfzig Gramm Blüten in einem Liter Wasser aufgekocht, fünfzehn Minuten abgedeckt stehengelassen, abgeseiht und ins Bad gegeben. Bei Entzündungen der Atemwege und bei Erkältungen kann ein Dampfbad hilfreich sein, wofür man einen starken Tee aufbrüht und diesen heiß in eine Schüssel füllt. Mit einem Handtuch über dem Kopf, das die Luft von Außen abhalten soll, macht man nun über die Schüssel gebeugt etwa fünf Minuten lang ein Dampfbad.

Salbe

Eine Salbe stellt man wie folgt her: man erhitze fünfhundert Gramm Melkfett in einem hohen Topf. In dieses heiße Fett gibt man zwei gehäufte Doppelhände Kamillenblüten, die man vorher natürlich klein schneidet. Man lässt das Fett aufschäumen und nimmt es dann vom Herd. Abgedeckt lässt man den Topf nun einen Tag lang stehen. Am nächsten Tag wird das Fett leicht erwärmt und durch ein Leinentuch in einen vorbereiteten Cremetiegel gefiltert.

Achtung: Kamille löst bei einigen Menschen allergische Reaktionen aus.

Die Kamille wächst auf Äckern, hat einen fußhohen Stengel, die Blätter sind doppelt gefiedert, die Blume besteht aus weißen Strahlblumen und gelben Scheibenblümchen.

Anwendung: Kamillentee ist ein altbekanntes Volksmittel gegen verschiedene Krankheiten, bei Kolik, schmerzhaften Perioden, Magenkrampf, Flechten und Hautkrankheiten. 5 Gramm auf 1/2 Liter kochendes Wasser in Aufguß gebraucht; auch den Aufguß zu Umschlägen verwendet.


Literatur & Quellen: Bild und Zitat nach historischer Buchvorlage: Brunnfels, O. / Pfeffermann / Gleitsmann, E.: Das Buch der Kräuter, Verlag Urbania-Gesellschaft, Dresden, um 1920