Heilpflanze Tormentill, Blutwurz
Tormentill, Blutwurz (engl. Tormentil)

Tormentill, Potentilla erecta: Der mehrjährig wachsende Tormentill hat einen dicken, knolligen Wurzelstock, der sich an der frischen Bruch- oder Schnittstelle blutrot verfärbt. Daher kommt auch der Name Blutwurz. Bei sehr jungen Pflanzen ist die Verfärbung eher gelblich ausgeprägt.

Die äußeren Stängel liegen nieder, die inneren sind aufsteigend, die innersten aufrecht. Die etwa zehn Millimeter breiten, gelben Blüten mit vier Blütenblättern stehen auf langen, dünnen Stielen mit weicher Behaarung. Die handförmigen Blätter sind meist dreiteilig und gezähnt.

Der Blutwurz bevorzugt lockere, saure Böden wie beispielsweise auf mageren Wiesen zu finden. Der Wurzelstock kann von Ende März bis Mai und von Ende September bis November gesammelt werden. Auf Schnüre aufgereiht werden die Wurzeln an der Luft getrocknet und eventuell bei leichter künstlicher Wärme nachgetrocknet. Je länger die Lagerung, desto höher der Wirkstoffgehalt.

Volksnamen: Blutwurz, Bauchwehwurz, Birkwurz, Christuskrone, Fingerkraut, Mooreckel, Ruhrwurz

Heilwirkung

Der Tormentill ist reich an Gerbstoffen, die stark adstringierend, austrocknend und sich im Laborversuch sogar hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Viren auswirken. So wurde er auch früher schon gegen Darminfektionen und -koliken, akutem und chronischem Durchfall, Hämorrhoiden, Entzündungen im Mund- und Rachenraum (wie zum Beispiel Zahnfleischentzündungen), Verbrennungen und Frostbeulen angewandt.

Einen Teelöffel Blutwurz mit einem viertel Liter kaltem Wasser ansetzen und zum Kochen bringen, dann abgedeckt etwa 5 Minuten ziehen lassen und den Tee abseihen. Zwei Tassen täglich sollen langsam und schluckweise getrunken werden. Für einen Umschlag tränke man eine Kompresse im Tee und lege sie auf die betroffene Stelle.

Alternativ kann man auch zwei Gramm pulverisierte Tormentillwurzel eine Weile in Rotwein aufschwemmen und zwei bis drei Mal täglich zwischen den Mahlzeiten einnehmen.

Achtung: Die Zubereitungen können bei empfindlichen Menschen zu Magenproblemen führen. Überdosierung kann Verstopfung verursachen. In der Schwangerschaft und Stillzeit nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt innerlich anwenden. Bei Einnahme über längere Zeit oder in höheren Dosen kann eine Schädigung der Nieren oder Leber nicht ausgeschlossen werden. Die Wirksamkeit anderer, gleichzeitig eingenommener Arzneimittel kann durch die Einnahme von Zubereitungen aus Tormentill vermindert werden! Daher sollten Medikamente mindestens zwei Stunden vorher angewendet werden

Blutwurz, Rotwurz, Ruhrwurz genannt, findet sich auf Waldwiesen.

Anwendung: Bei Blutungen, Nervenschwäche, Ruhr, 5 Gramm auf 1/2 Liter Wasser und als Aufguß genommen, dient auch als Gurgelwasser bei Speichelfluß, schleimigen Halsgeschwüren, Zahnfleischerkrankung und bei geschwollenen Mandelzöpfchen.


Literatur & Quellen:

  • Bild und Zitat nach historischer Buchvorlage: Brunnfels, O. / Pfeffermann / Gleitsmann, E.: Das Buch der Kräuter, Verlag Urbania-Gesellschaft, Dresden, um 1920