Kugelhaus Architektur neue Sachlichkeit
Architektur der Neuen Sachlichkeit. Zeitgenössisches Foto, Dresden 1929.

Am Ende des Textes stelle ich das sogenannte Kugelhaus in Dresden vor. Zuvor soll uns diese Kugelform als Einstieg dienen, um über die Ökonomie beim Eigenheimbau nachzudenken. Zum Beispiel kann man an dem besagten Dresdner Bauwerk leicht veranschaulichen, welche Grundform des Hauses die ideale in Bezug auf Materialverbrauch und Heizkosten ist.

Aus dem Physikunterricht ist uns sicher der Grundsatz geläufig, das die Kugel derjenige Körper ist, welcher die kleinste Oberfläche in Bezug zu seinem Rauminhalt hat. Die Formel für derartige Berechnungen von Körpern findet man unter der Bezeichnung Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis, kurz: A/V-Verhältnis.

Unabhängig, ob wir eine Kugel, einen Zylinder, einen Würfel oder Kubus vor uns haben kommt noch der Umstand hinzu, dass bei wachsender Größe das A/V-Verhältnis abnimmt, was heißt, dass quasi die Außenhaut im Verhältnis zum Rauminhalt potenziert kleiner wird. Theoretisch heißt dies, dass ein kugelrundes Haus mit einer nicht zu kleinen Größe die geringsten Baukosten aufweisen würde. Zudem wäre das Verhältnis der wärmegedämmten Außenhaut zum zu heizenden Innenraum absolut optimal und nicht zu toppen.

Die ideale Hausform

Nun zeigt aber schon die Geschichte des historischen ersten Kugelhauses in Dresden, dass diese Konstruktion nicht zweckmäßig war. Zudem verursacht der komplizierte Rundbau sicher auch unrentable Baukosten. Wechseln wir also zur realistisch umsetzbaren Grundform, welche der Kugel am nächsten kommt und das ist der Würfel. Für den Eigenheimbau wäre demnach der Würfel in maximal vertretbarer Größe aus ökonomischer Sicht ganz offensichtlich die Idealform einer menschlichen Behausung.

  • Würfel: Höhe 7 m = Grundfläche 49 m², Volumen 343 m³, Oberfläche/Außenhaut 294 m², real ca. 117 m² Wohnfläche
  • Würfel: Höhe 8 m = Grundfläche 64 m², Volumen 512 m³, Oberfläche/Außenhaut 384 m², real ca. 157 m² Wohnfläche
  • Würfel: Höhe 9 m = Grundfläche 81 m², Volumen 729 m³, Oberfläche/Außenhaut 486 m², real ca. 205 m² Wohnfläche

Das ist natürlich alles Theorie und in einem Eigenheim wird das Raummaß auch von der Zimmerhöhe beeinflusst. Bei der Zimmerdeckenhöhe schwanken die Normmaße bei Eigenheimen zwischen 2,10 m und 2,50 m. In der Praxis hieße das nun wieder, dass nach diesen Kriterien die ökonomische Haus-Grundform ein in der Höhe leicht reduzierter dreigeschossiger Würfel ist. Ideal sind etwa 9 x 9 Meter (30 Fuß) Grundfläche. Es ist ein Quaderhaus, möglichst mit 45° Dachneigung oder mit Flachdach und quadratischer Grundfläche. (Mit Spitzdach zweigeschossig mit ausgebautem Dachboden). Wärmetechnisch kommt diese Eigenheimvariante dem machbaren Optimum am nächsten. Natürlich kann solch ein Würfel auch versenkt stehen, dann haben wir ein Bauwerk mit Keller und zwei Geschossen vor uns. Die Rechenbeispiele dienen nur der Veranschaulichung.

Gibt es entsprechende Beispiele in der Architektur? Ja, die gibt es. Zu nennen wäre da vor allem das American Foursquare House. Klassisch ist das eine Holzbauweise, die natürlich auch massiv ausgeführt sein kann, womit wir dann auch den Stil des modernen Hauses mit Flachdach favorisieren können.

Die historische Vorlage.
Die historische Vorlage.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-09789, Mai 1930.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 102...
Aus der Zeitschrift Bilderwoche 1929
Aus der Zeitschrift Bilderwoch...
Der neue Bau in Anlehnung an die historische Vorlage.
Der neue Bau in Anlehnung an d...
© Anne Kitzman - Fotolia.com
© Anne Kitzman - Fotolia.com
Rentable Grundform.
Rentable Grundform.

Das Dresdner Kugelhaus aus den 20ern

Die Ausstellung "Die Technische Stadt" in den 20er Jahren zeigt uns den endgültigen Durchbruch der technisch und funktionalistisch geprägten modernen Architektur der Neuen Sachlichkeit in Dresden. Das Bauwerk, welches im Rahmen der "Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden – Die Technische Stadt 1928" errichtet wurde, stammt aus einer Zeit, wo die Architektur die alten gewohnten Formen verließ und das Machbare in den Vordergrund stellte. Allerdings stand das Kugelhaus nur 10 Jahre, da die Musterarchitektur keinen Betreiber hatte und fand. Weil also kein funktionierendes Nutzungskonzept gefunden wurde, riss man es 1938 ab – wohl auch mit der vorgeschobenen Begründung, es handele sich hier um eine "bodenlose Architektur".

Daten, des durch das MAN Werk Gustavsburg entworfenen (Architekt Peter Birkenholz) und gebauten Gebäudes:

  • 24 m Durchmesser
  • die Kugel wurde auf einem Zylinder von 11,5 m Durchmesser und 4 m Höhe gelagert
  • Gesamthöhe 26,5 m
  • bebaute Fläche 110 m²
  • Umbauter Raum 7600 m³
  • sechs Etagen zugänglich über einen Fahrstuhl
  • Stahlskelettbauweise
  • Fassade aus Aluminiumblech

Video - der Neunbau

Hier die neu aufgegriffene Variante vor dem Hauptbahnhof (Wiener Platz) - Fertigstellung 2004/2005: