fruchtbarer BodenFruchtbarer Boden, die wichtigste Grundlage im Gartenbau
Fruchtbarer Boden, die wichtigste Grundlage im Gartenbau

Die Ernährung der Pflanzen ist schon eine interessante Sache. Auf der einen Seite wissen wir, Gewächse ernähren sich rein anorganisch von Mineralien sowie vom Kohlendioxid der Luft. Auf der anderen Seite ist aber auch bekannt, dass ein mit organischen Stoffen angereicherter Boden, also humusreiche Erde, einen entscheidend positiven Einfluss auf das Wachstum und auf die Gesundheit der Pflanzen hat. Wie aber funktioniert das alles? Verständlich und schnell ist die einfache Erklärung, dass Mikroorganismen und Kleinstlebewesen im Boden Nährstoffe aufschließen und sie anschließend den Gewächsen zur Verfügung stellen. Wenn das tatsächlich so ist, dann wäre es wichtig, diese Vorgänge etwas genauer zu kennen. Denn dann könnten wir ja vielleicht auch in unserem Garten mit rein natürlichen Mitteln die Bodenfruchtbarkeit steigern?

Noch ein Stück weiter gedacht: Könnten wir also tatsächlich auf zusätzliche Düngerstoffe (Stall- oder Kunstdünger) verzichten und nur mit den natürlichen Kreisläufen im eigenen Garten (Permakultur) Erträge generieren?

Ja das ist möglich, und es wurde dafür sogar ein Muster-Anbausystem entwickelt. Es nennt sich die Biointensive Gartenbaumethode nach John Jeavons (GROW BIOINTENSIVE®). Bei diesem Verfahren wird der Boden sehr tief gelockert und regelmäßig mit Komposterde aufgebessert, also biologisch aktiviert. In einer gut durchlüfteten Bodenschicht von gut 60 Zentimeter Tiefe vermehren sich, quasi wie in einem Bioreaktor, anaerobe und vor allem wertvolle aerobe Bakterien, Strahlenbakterien, Pilze und andere Bodenorganismen, welche Humusstoffe ausscheiden und mit ihrem Absterben weiterhin organische Nährstoffe freisetzen. Diese organischen Nährstoffe werden dann physikalisch, chemisch und wiederum auch biochemisch von Bodenorganismen in für die Pflanzen verfügbare Nährstoffe umgewandelt.

Noch einmal zum Verständnis: Es ist allbekannt, dass wir den Boden mit organischen Düngemitteln aufbessern können. Damit aber die Pflanzen etwas davon haben, braucht es Mikroorgnismen, welche diese nährstoffreiche organische Mixtur pflanzenverfügbar machen. Das wird oft vergessen. Aus der Idee, welche bei der oben erwähnten Tiefbeetkultur vorgestellt wird, resultiert im Endeffekt ein geringerer Einsatz von organischem Dünger, wenn ausreichend nützliche Bodenorganismen zur Verfügung stehen. Sind Bodenorganismen im Überfluss vorhanden, bilden sich zudem auch aus ihren abgestorbenen Körpern Nährstoffe für die Pflanzen.

Stark vereinfacht können wir sagen, dass es gar nicht so viel Pflanzendünger braucht, wie oft vermutet wird und dann auch zum Einsatz kommt, zudem uns der Haupt-Pflanzennährstoff Kohlendioxid (CO2) mit der Luft kostenlos zur Verfügung steht. Weiterhin gibt es Bakterien, welche Luftstickstoff pflanzenverfügbar machen. Biologischen Dünger liefern zudem auch kompostierte oberirdische Pflanzenabfälle und, was häufig völlig aus dem Blickfeld gerät, abgestorbene Wurzelsysteme der Nutzpflanzen (und Gründüngungspflanzen) im Boden. Sie liefern in der Regel zweimal so viel Biomasse wie oberirdische Pflanzenteile. Da kommt allerhand zusammen.

Woraus bestehen eigentliche Pflanzen? Sie bestehen zu beachtlichen Mengen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Dann folgen in geringerem Umfang die Elemente Schwefel und Phosphor und in noch geringerer Dosis die sogenannten Spurenelemente.

Um die möglichen Vorgänge der Humus- und Nährstoffbildung besser zu verstehen, wollen wir uns nun etwas eingehender mit der Bodenbiologie beschäftigen:

Ein kurzer Rückblick

Es ist ein Erbe des 19. Jahrhunderts, dass man noch weit bis in die 1920er Jahre hinein fast nur die physikalischen und chemischen Vorgänge der Bodenfruchtbarkeit betrachtete, weil eben der Fortschritt in der Physik und vor allem in der Chemie enorm war. Seit der Zeit von Justus Freiherr von Liebig (1803–1873) verstand man nach und nach die chemischen Grundzüge der Pflanzenernährung so gut, dass es plötzlich möglich war, beispielsweise den Düngerbedarf in der Landwirtschaft genau errechnen zu können. Gleichzeitig wurden die Kunstdünger erfunden, und man war von all diesen berechenbaren Prozessen so fasziniert, dass der Bereich der Bodenbiologie gänzlich aus dem Blickfeld geriet. Dabei widmete sich die Wissenschaft durchaus dieser Thematik, deren erstes bedeutendes Werk kein geringerer als Charles R. Darwin (1809–1882) verfasste. Der Titel lautete: "Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer" [1]. Auch wusste man schon vor 150 Jahren rein intuitiv, dass ein biologisch intakter Boden für den Pflanzenbau wichtig ist. Wenn wir heute alte Anbauanleitungen aus dem 19. Jahrhundert studieren, finden wir dort recht oft Formulierungen wie "es braucht dazu einen Boden in alter Kraft". Mit dieser "alten Kraft" ist immer eine gesunde, kultivierte Bodenbiologie gemeint. Trotzdem herrscht in Landwirtschaft und Gartenbau immer noch weit verbreitet die grundlegende Annahme vor, die Pflanzenernährung laufe nach dem einfachen mechanischen Muster ab, wo Nährstoffe in Form von Dünger serviert und diese dann von den Gewächsen konsumiert werden. Dieser Vorgang hat sich zum vorherrschenden Denkmuster entwickelt und gipfelt in der Praxis, Pflanzen direkt in Nährlösung zu stellen.

Gehen wir noch einmal kurz zur Geschichte der Bodenbiologie zurück. Das anfangs Versäumte wurde bald nachgeholt. Spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts waren sämtliche Vorgänge der biologischen Bodenfruchtbarkeit im Wesentlichen bekannt und wurden publiziert [2]. Von da an kam nur noch Detailwissen hinzu. Dabei waren beispielsweise die genaueren Kenntnisse über die Wichtigkeit der Wurzelpilze (Mykorrhizen) gewissermaßen von revolutionärem Charakter, da man durch sie sogar eine Form der Vernetzung der Pflanzen innerhalb von Ökosystemen beobachten konnte. Über diese Vernetzung können sowohl Nährstoffe als auch Informationen getauscht werden. Am eindrücklichsten und verständlichsten beschrieb dieses Phänomen bei uns Peter Wohlleben in seinem Buch "Das geheime Leben der Bäume" [3]. Betrachten wir eine ausgedehnte Waldfläche, die sich oft auf sehr unterschiedlichen Untergründen ausdehnt, also von felsigem Gelände bis hin zu fruchtbaren Arealen, so gibt der Wald trotzdem ein einheitliches Bild ab. Da wächst nicht der eine Teil kümmerlich und der andere übermäßig üppig, denn dieses besagte Netz von Bodenpilzen bewirkt einen Ausgleich. Dieses Netzwerk ist in der Lage, durch Zweckbeziehungen mit den Bäumen, Nährstoffe und Wasser je nach Bedarf im Ökosystem zu verteilen. Doch werden über dieses "Internet des Waldes" nicht nur Nährstoffe ausgetauscht, sondern auch Informationen, beispielsweise wenn Fressfeinde im Areal auftauchen.

Es wäre ein schöner Gedanke, diese Prinzipien auch in einem biologisch intakten Garten vorzufinden. Leider ist das nur in Teilen möglich, allein schon deshalb, weil ein hoher Anteil unserer Gemüse sogenannte "nicht mykorrhizierte Pflanzen" sind, also Gewächse, die mit den Wurzelpilzen keine Lebensgemeinschaft aufbauen. Dazu gehören die meisten Gemüse aus der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und weitgehend auch Amaranthgewächse (Amaranthaceae) und die Arten der Knöterichgewächse (Polygonaceae). [4] Konkret sind das fast alle Kohlarten, Rübchen, Senfgemüse, Gartenamarant und Buchweizen sowie Rote Beete, Mangold, Spinat und Rhabarber.

Aber diese Zweckbeziehung der Wurzelpilze mit Gemüsen (Pilze liefern Wasser und Nähstoffe und die Pflanzen Zucker) ist wiederum nur ein Teilbereich im Ökosystem des Bodenlebens, sodass die fehlende Möglichkeit der Mykorrhiza-Symbiose kein Nachteil ist. Es gibt auch vielerlei andere nützliche Lebensgemeinschaft mit Pilzen und Bakterien. Das sind etwa die allbekannten stickstoffbindenden Knöllchenbakterien in den Wurzeln der Hülsenfrüchtler (Leguminosen) oder halt die unbekannten. Wenn beispielsweise zu beobachten ist, dass Kohl und als Musterfall insbesondere der Blumenkohl direkt auf verrottendem Pferdemist vorteilhaft gedeiht, so wird auch dort exemplarisch ein Zusammenwirken von Bodenbiologie und Gemüsepflanze vorliegen.

Doch kommen wir nun zu den Organismen im Einzelnen, welche unsere Böden besiedeln und, indem sie Humus bilden, ihn fruchtbar machen und somit einen Nähstroffkreislauf bewirken. Wenn sie nun stufenweise von den niederen zu den höheren hin beschrieben werden, so ist dies nicht als Wertigkeit zu verstehen. Überhaupt ist heute mehr die Vernetzung dieses Ökosystems ins Blickfeld gekommen, als deren stufenweiser Aufbau wichtig ist. Wenn heute in der Agrarwissenschaft in diesem Zusammenhang von Nährstoffkreisläufen (z.B. Stickstoff-, Phosphor-, Kaliumkreislauf) die Rede ist, so folgen wir der Vereinfachung halber hier einem geradlinigen Denkmuster. In der Natur gibt es so etwas nicht. Dort stoßen wir auf vernetzte Kreisläufe, die man heute als "Soil Food Web" (SFW) bezeichnet, und als "Boden-Nahrungs-Vernetzung" übersetzt werden kann. Das behalten wir im Hinterkopf und wenden uns nun der Bodenbiologie im Detail zu, wie sie sich auf einem biologisch inaktiven Boden entwickeln würde.

Boden-Ökosystem der Stufe 1

Mikroben, Algen, Pilze und Moose

Beginnen wir bei einem aus gärtnerischer Sicht rohen, toten Boden, der kaum durch irgendein Bodenleben gekennzeichnet ist. Dort siedeln sich zuerst Bakterienstämme verschiedenster Arten an (im natürlichen Umfeld sind sie meistens bereits vorhanden). Vorzugsweise sind es anaerobe (sauerstoffmeidende) und, wenn der Boden locker ist, auch aerobe (sauerstoffliebende) Bakterien [2]. Sie leben von anorganischem und organischem Material. Da die aeroben Bakterien gut 10–12mal so viel Biomasse erzeugen, wie die anaeroben, werden dort, wo Sauerstoff vorhanden ist, besonders viel organische Stoffe (sowohl lebende als auch abgestorbene Bestandteile) gebildet. Sterben die Bakterien ab, so sind die Reste dieser wiederum die Nahrung der sich im Anschluss ansiedelnden Schleimpilze und Urtierchen (Protozoen). An dieser Nahrungskette beteiligen sich in der Folge Algen, einfache Pilze und Flechten von unterschiedlichster Couleur. Die Flechten vermögen, indem sie Säuren ausscheiden, Nährstoffpartikel aus Gestein zu lösen. So erhöht das beginnenden einfache Leben im Erdreich bereits dessen Fruchtbarkeit, und es können einfache Moose folgen.


Übrigens: Wenn bei solchen Bedingungen noch nicht von einem fruchtbaren Kulturland gesprochen werden kann, so ist es doch nicht selten derjenige Zustand, der nach jahrelangem Einsatz von chemischen Spritzmitteln und einem Übermaß an verwendetem Kunstdünger eingetreten ist. Des Weiteren ist es so, dass sich im Boden dieser Qualitäten Kleingetier wie Milben und Springschwänze einfinden kann. Sie ernähren sich von niederen Pflanzen, Moosen und eigentlich von eiweißreichen Bodenpilzen (z.B. Cunninghamella elegans), die zu einem artenreichen Bodenleben gehören (siehe unten) – die hier aber fehlen. Noch haben sie auch wenige Feinde und Konkurrenten. Ist einigen von ihnen nun das Moos als Nahrung zu wenig oder zu unappetitlich, so vergreifen sie sich gern an den Kulturpflanzen. Einige Milbenlarven, die im Boden zu wenig Eiweißnahrung finden, werden sogar zu lästigen "Beißinsekten" und traktieren Mensch und Tier. In unserem Garten sind dies Anzeichen für eine noch nicht intakte Natur.

– Schussfolgerung für den Garten:

Diesen oben beschriebenen Entwicklungs-Zustand (Sukzession) bezeichne ich als Boden-Öko-Netzwerk der ersten Stufe. Wer im Garten Stellen findet, die rasch vermoosen, kennt nun bereits eine mögliche Ursache für diesen Zustand. Es ist ein niederes Boden-Ökosystem, und es herrscht häufig Sauerstoffmangel, und gesunder Humus ist kaum vorhanden. Jeder kann sich nun auch schon denken, dass es hier nicht mit dem üblichen Streuen von Kalk gegen Moos getan ist, um Abhilfe zu schaffen. Auch diverse Mittelchen gegen Milben und dergleichen könnten wir uns sparen, wenn wir das Bodenleben nicht weiter aktivierten.

Deshalb beginnen wir besser mit ersten einfachen Maßnahmen. Wie gesagt, beginnt die Nahrungskette im Boden mit den Bakterien, die wiederum vor allem Urtierchen (Protozoen) nähren und daraus eine weitere Befeuerung des Bodenlebens resultiert. Die Urtierchen kennen wir vielleicht noch aus dem Biologieunterricht, wo wir in einem Heuaufguss (Ansatz von Wasser und Heu) Pantoffeltierchen (Paramecium) und andere mehr oder weniger zappelnde Organismen züchten mussten. Diese Möglichkeit der Urtierchen-Vermehrung nutzen wir nun auch in unserem Garten, indem wir bei warmer Witterung Heu oder ähnliches Material mit Wasser ansetzen (Kräuterjauchen, Komposttee usw.). Wir lassen den Ansatz vier oder fünf Tage lang stehen und verwenden die Urtierchenjauche als flüssigen Bodendünger. Zuvor lockern wir das Erdreich aber auf, weil die sauerstoffliebenden (aeroben) Mikroorganismen die für uns nützlichsten sind. Gleichzeitig sollte bereits auch etwas organisches Material wie Komposterde in die obere Bodenschicht eingearbeitet sein. Die abgestorbenen Pflanzenreste werden von den aeroben Mikroorganismen in Humus umgewandelt (siehe unten). Um einen "toten" Boden wiederzubeleben, braucht es Anfangs keine großen Mengen an organischem Material, sondern nur so viel, wie sie die Bodenorganismen rasch verarbeiten können. Ein viertel oder halbes Jahr später kann nachjustiert werden. Doch schauen wir uns an, wie sich das unterirdische Ökosystem diesbezüglich weiterentwickelt.


Boden-Ökosystem der Stufe 2

Der sich entfaltende Wurzel-Kosmos

Im langsam auflebendem Erdreich vermehren sich also zuerst recht kräftig sauerstoffliebende Bakterienstämme und Urtierchen (Protozoen), deren Ausscheidungen erste bioverfügbare Nährstoffe für höhere Pflanzen darstellen. Sterben sie ab, liefern sie auch mit ihren Kadavern weitere Nahrung für höher entwickelte Lebewesen. Erst die Urtierchen liefern nennenswert Pflanzennährstoffe [2], allein die Bakterienstämme tun dies nicht. In natürlicher Umgebung stellen sich nun neben Algen und Moosen auch höhere pflanzliche Pioniere auf dem Brachland ein. Das ist die sogenannte Ruderalvegetation. Meist sind diese Pionierpflanzen ein- oder zweijährige Arten. Sie sind Kargheit gewöhnt und benötigen einen nur wenig organisch belebten Boden. Fast immer verfügen sie über ein stark ausgeprägtes, robustes und auch tief gehendes Wurzelsystem. Bald siedeln sich weitere Pflanzen an und so, wie sich diese oberirdisch ausbreiten, tun das auch ihre Wurzeln. Unmittelbar um und mit diesem Wurzelsystem entsteht nun aber wiederum eine neue eigene, belebte Welt von unterschiedlichsten Mikroorganismen welche die Bodengesundheit und das Pflanzenwachstum fördern; es ist die sogenannte Rhizosphäre und Rhizoplane. Hier vermehren sich nun weitere Mikroorganismen und interagieren mit den lebenden Pflanzenwurzeln. Doch auch, wenn Teile der Wurzeln absterben, zersetzt sie sich vor Ort. Somit wird Boden wiederum ein bedeutende Menge an organischen Materialien zugeführt, was die weitere Humusbildung fördert.

Wollen wir diese Phase der Bodenbildung in unserem Garten unterstützen, so müssen wir auf unserem Kulturland das junge Erdreich mit sogenannten Gründüngungspflanzen und auch weiterhin mit Kompost aufbessern. Zudem gibt es (abgesehen von Wurzelgemüsen) zahlreiche Gemüsearten, von denen wir nach der Ernte die Wurzeln im Erdreich belassen können und sollen. Die Menge an organischen Humusstoffen, die so dem Gartenland zugute kommen, ist durchaus beachtlich.

Bodenpilze

Zusammen mit diesen verrottenden organischen Materialien siedeln sich nun weitere Pilzkulturen an. Am schnellsten sind hierbei die Schimmelpilze. Sterben diese ab, geben sie Nahrung für weitere, ihnen folgende, sehr wertvolle Arten von Hefe- und Wurzelpilzen (Mykorrhizen), auf die ich noch zurückkommen werde. Die Pilze befördern die Fruchtbarkeit des Ackers erheblich, jedoch geschieht die Ausbreitung der wertvollen Arten eher langsam. Wenn wir also die Bodenfruchtbarkeit erhöhen wollen und dem Boden organisches Material zukommen lassen, so wird sich dadurch die Fruchtbarkeit erst nach und nach verbessern. Allerdings sei an dieser Stelle schon vorweggenommen, dass sich zum Beispiel Kompostgaben auf dem Beet schneller positiv auswirken, als die eingearbeitete Gründüngung, da sich bei der Kompostierung bereits viele nützliche Pilzkulturen etabliert haben.

– Unabkömmliche Wurzelpilze: Mykorrhizen

Wichtig für ein gesundes Pflanzenwachstum sind besonders die Mykorrhizen. Diese "Wurzelpilze" leben in Symbiose mit dem Wurzelwerk höherer Pflanzen. Sie ergänzen die Fähigkeiten der Wurzelorgane. Ohne sie sind gut 80 bis 90 Prozent der Pflanzen nicht komplett. Aus diesem Grunde nenne ich die Mykorrhizen auch gern "unabkömmliche Wurzelpilze". Leider sind sie in vielen Gärten rar, und so wissen wir schon jetzt, an welcher Stelle wir den Hebel ansetzen müssen, um unsere Nutzpflanzen wieder gesund aufwachsen zu lassen. Doch weiter in den theoretischen Erläuterungen. Wurzelpilze schaffen eine zusätzliche Schnittstelle zwischen Pflanzen und Erdreich. Der Pilz, der den Boden einerseits mit seinem Myzel durchzieht, wächst bei vielen Pflanzen tatsächlich in die Wurzeln hinein und vergrößert damit das Wurzelsystem der Pflanzen um das Tausendfache. Und nicht nur das. Die Mykorrhizen können Wasser besser aufnehmen, als gewöhnliche Pflanzenwurzeln. Zudem verwenden sie ihre Enzyme, um Bodennährstoffe für die Pflanzen verfügbar zu machen. Vor allem verbessern sie die Stickstoff- und Phosphat-Versorgung. Dafür erhalten sie von ihren Symbiose-Partnern per Photosynthese reichlich Kohlenhydrate. Mittels dieser Zuckerstoffe gelangt aber auch Kohlenstoff in das Pilzmyzel und, wenn dieses abstirbt, als Humus in den Boden. Humus enthält etwa 58% Kohlenstoff und bindet damit Stickstoff und andere Nährstoffe.

Pilzmyzel (Symbolfoto)

Die Symbiose geht also so weit, dass die Pflanzen durch diese Wurzelpartner einen zusätzlichen Nahrugsvorrat erhalten. Humus ist nämlich (vereinfacht betrachtet) nichts anderes als konservierte, eingelagerte Pflanzennahrung, die hier quasi im Keller deponiert ist. Zusammen mit helfenden Mikroorganismen können die Pflanzen später auf diesen Vorrat zugreifen, wenn er benötigt wird. Übrigens lagern Mykorrhizen auch sogenanntes Glomalin (enthält Eiweiße und Zucker) im Boden ab, was Nährstoffe speichert, aber auch Kohlenstoff bindet. Glomalin befördert die Krümelstruktur des Bodens, was ihn speicherfähiger für Wasser und luftduchlässiger macht. Dieses wiederum fördert das wichtige aerobe Bakterienleben (siehe oben).

Weitere natürliche Bodenlockerung:

Wenn die Wurzeln des Bodenbewuchses absterben, entstehen an dieser Stelle Hohlräume, gefüllt mit organischer Nahrung für Kleinstlebewesen, die Sauerstoff lieben. Später finden sich dann auch höhere Lebewesen wie z.B. Regenwürmer ein, deren Anwesenheit im Erdreich eine natürliche Bodenlockerung bewirkt, welche die Bioaktivität und damit die Bodenfruchtbarkeit weiterhin stärkt. Im Land- und Gartenbau unterstützen wir diesen Prozess, wenn wir in der Fruchtfolge tiefwurzelnden Gründüngungspflanzen (z.B. Saubohne) wählen und den Boden zusätzlich mechanisch lockern.

Assimilation von schädlichem Stickstoff und Phosphor:

Noch sind wir in der Beschreibung der biologischen Nährstoffkreisläufe. Wenn Biomasse auf Beet oder Acker verrottet, werden zahlreiche Nährstoffe freigesetzt. Darunter befindet sich auch Stickstoff und Phosphor in "umweltschädlichen" chemischen Verbindungen. Sind genügend Bodenpilze, Urtierchen und Bakterien vorhanden, nehmen sie jedoch diese ungünstigen Nährstoffverbindungen auf und bilden mit ihren Körpern wiederum ein Nährstoffdepot. Der Boden wird weiter nach und nach belebter und fruchtbarer, denn ständig sterben auch Mikroorgnismen ab und geben so dosiert Nähstoffe an die Pflanzenwurzeln ab, die wiederum im Zusammenspiel von Pflanzenwurzeln und Wurzelpilzen (Mykorrhizen) die Kulturpflanzen optimal mit Nährstoffen versorgen. Ist der Boden aber nicht ausreichend belebt, wie leider bereits auf der überwiegenden Zahl unserer Äcker und Anbauflächen, werden Stickstoff- und Phosphorverbindungen ins Grundwasser ausgeschwämmt. Das führt zu den allbeklagten schädlichen Anreicherungen des Grundwassers.

Die Phase, in welcher unser Kulturland schon viel Humsusstoffe und mannigfaltigste biologische Aktivitäten in sich trägt, ist der optimale Zeitpunkt für die Gabe von stickstoffreichem Naturdünger, wie Stallmist oder entsprechender Jauche, die zuvor aber selber biologisch aktiv sein müssen. Sofort sind Pilze und Mikroben da, um Stickstoff, Phosphor und andere Elemente zu binden und zu deponieren. Düngen wir jedoch einen biologisch kaum aktiven Boden mit Gülle, so richten wir mehr Schaden als Nutzen an. Die Gründe hierfür sind uns durch die bisher dargelegten Zusammenhänge sicher genügend verständlich gemacht. Und wer das verstanden hat, ahnt auch, welche Fehler in der Landwirtschaft über Jahrzehnte hin durch Unwissenheit und Ignoranz gemacht wurden und leider immer noch gemacht werden. Wir halten uns für zivilisatorisch gebildet und sind es überhaupt nicht. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich in jeder Weise inflationär mit nutzlosem Wissen vollstopft. Eignen wir uns doch lieber weniger, aber dafür nützliches Wissen an und lesen nun weiter, denn die Kreisläufe und Netzwerke der Bodenorganismen sind noch lange nicht erschöpfend beschrieben.

Nematoden

Nun kommt eine weitere artenreiche Gruppe von Kleinstlebewesen ins Spiel. Das sind die Nematoden, also winzige Fadenwürmer. Bisher wurden von der Wissenschaft zwar schon mehr als zwanzigtausend verschiedene Arten dieser Mikrowürmer beschrieben, doch es sind viel, viel mehr. Etwa 80 Prozent der vielzelligen Tiere, die auf Erden leben, sollen laut wikipedia Fadenwürmer sein. Allerdings haben sie im Land- und Gartenbau und auch in Baumschulen einen eher schlechten Ruf, weil vier oder fünf Arten von ihnen als Wurzelschädlinge gelten. Mancherorts (in Deutschland verboten) werden sie noch chemisch mit Nematiziden (Pestiziden) bekämpft, was häufig zum Verlust der gesamten Artengruppe führt. Die weiteren Ausführung zeigen uns, dass dieses in Bezug auf die Bodenbiologie verheerend ist. Die Nahrung der Fadenwürmer (Nematoden) sind Pilze und Bakterien, doch auch Aas und Fäkalien. Die Würmer putzen damit den Boden und reinigen ihn zugleich von allerlei Keimen. Zugleich sind die Ausscheidungen der Tierchen wiederum Nährstoffgaben für Pflanzen und Mikroorganismen und für die Humusbildung und die Körper der Fadenwürmer selber wieder bis zu ihrem Absterben neutrale Nährstofftepots.

Raub-Nematoden, Milben usw.

Die gewöhnlichen Fadenwürmer (Nematoden) sind in der Nahrungskette der Bodenlebewesen wiederum die Speise von den alles fressenden Raub-Nematoden. Auch diese stellen ein weiteres Nährstoffdepot im Boden dar und tragen zur Humusbildung bei. Ähnliche verhält es sich bei den Milben und Raubmilben und so setzt sich das Leben im Boden vom niederen zum höheren fort, und je vielfältiger all die Organismen und Mikroorganismen vorhanden sind, um so ausgewogener und fruchtbarer ist unser Boden.

Erinnern wir uns noch einmal: bei der Pflanzenverrottung werden "schädlicher" Stickstoff und Phosphor frei, und wenn z.B. stickstoffreiche Gülle auf den Feldern ausgebracht wird, verseucht deren Nitratauswaschung das Grundwasser. Auf gesunden Böden, die artenreich an Bakterien, Urtierchen (Protozoen), Pilzen, Fadenwürmer (Nematoden) und Raubnematoden sind, werden diese schädlichen Verbindungen jedoch biologisch gebunden und in den Körpern dieser Kleinstlebewesen (Mikro- und Mesofauna) bei ihrem Absterben in unschädlicher Form, da portioniert für die Pflanzen verfügbar, freigegeben. Es ist ein Wunderwerk der Natur.


Quellen und weiterführende Literatur

[1] Originaltitel: Darvin, Charles; "The formation of vegetable mould, through the action of worms, with observations on their habits"; kurz vor Darvins Tod, im Jahr 1881 in London veröffentlicht. Deutsche Veröffentlichung: Charles Darwin, Julius Victor Carus; Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer mit Beobachtung über deren Lebensweise; Stuttgart 1882

[2] Publikation über Kompostierung

[3] Wohlleben, Peter; Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt; 2015. Aber auch: Thoma, Erwin; Die geheime Sprache der Bäume: Und wie die Wissenschaft sie entschlüsselt; 2016.

[4] Mykorrhiza https://de.wikibooks.org/wiki/Mykorrhiza_%E2%80%93_Pilz-Wurzel-Symbiosen/_Die_Assoziationen_im_Pflanzenreich

Es ist auch möglich, dass einige sauerstoffliebende Bakterien bei Bodenverdichtung sich auf anaeroben Bedingungen umstellen. Pseudomonas denitrificans (Pseudomonas), Achromobacter und andere Bakterien stellen ihren Stoffwechsel bei Sauerstoffmangel fakultativ auf die anaeroben Bedingungen um. Sie reduzieren dann Nitrat zu molekularem Stickstoff, der in die Atmosphäre entweicht (anaerobe Nitratatmung). Dies führt zu Stickstoffverlusten aus dem Boden. https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/bodenbakterien/1767

  • https://medium.com/@evanfolds/the-soil-food-web-archaea-the-origin-of-earth-4fda6c39c3bc
  • R.H. Francé; Das Leben im Ackerboden; 1922