Porree in DichtpflanzungPorree in Dichtpflanzung
Porree in Dichtpflanzung

Die biointensive Gartenbaumethode nach John Jeavons – "GROW BIOINTENSIVE® – kommentiert vorgestellt:
Der intensive Gartenbau nach Jeavons (GB-Gärtnerei) ist mit seinen acht Prinzipien ein Muster-Anbausystem, welches uns zeigen will, dass es möglich ist, mit einem Selbstversorgergarten die grundlegende Ernährung einer Familie in veganer Form zu ermöglichen. In seinem System gibt es weiterhin die echt interessante 60/30/10 Regel, die besagt, dass man auf 60 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche im Garten Getreide anbauen sollte, wobei das Stroh für die Kompost-Düngung gebraucht wird. 30 Prozent der Anbaufläche wird mit "Kalorien-Pflanzen", das sind kalorienreiche Gemüse zur grundlegenden Ernährung, bestellt. 10 Prozent des Kulturlandes sollte mit Gemüsepflanzen bebaut sein, welche Vitamine und Mineralien liefern [1]. Es ist also ein insich geschlossenes, gärtnerisches und wirtschaftliches System. Im deutschen Sprachraum ist es kaum verbreitet [2]. Ich vermute, es liegt daran, dass anfangs einige Anbautechniken falsch verstanden (ungünstig übersetzt) wurden.

Die GB-Gärtnerei ist weniger für den umfangreichen, gewerblichen Gartenbau empfohlen, da die Methode viel Handarbeit bei der Bodenbearbeitung erfordert. Dieser hohe Aufwand im Vorfeld zahlt sich allerdings am Ende durch höhere Erträge aus. Wie bereits erwähnt, ist die biointensive Gartenbau-Technik eine in sich geschlossene (vegane) Kreislaufwirtschaft. Das zeigt sich beispielsweise in der speziellen Kompostwirtschaft, welche ohne zusätzliche Kosten die nötigen Düngestoffe liefert, oder in der eigenen Saatgutgewinnung. In Kombination mit einem geringen Wasser- und Flächenverbrauch und nur wenigen erforderlichen Werkzeugen, fallen extrem minimale Investitions- und Unterhaltungskosten an. Eine gewisse Größe sollte unser Garten aber schon haben, und das sind für vier Personen mindestens 500 Quadratmeter reine Anbaufläche.

Das Typische [3] der GB-Gärtnerei ist das doppelt-tiefe Lockern des Bodens mit dem Spaten. Im deutschsprachigen Raum hat sich unter den alternativen Anbaumethoden ein ähnliches System durchgesetzt, die Holländische Tiefbeetkultur. Doch da dieses das Umgraben verabscheut, wie schon die Bezeichnung "no-dig-gardening" – das Gärtnern ohne umzugraben ausdrückt, wird oft auch eine alternative Tiefenbearbeitung des Bodens abgelehnt. Nun wird bei der GB-Gärtnerei der Boden zwar auch nicht gewendet, sondern nur gelockert, aber eben besonders tief.

Die vorgestellte Methode stellt, wie schon gesagt, eine Art Gundlagentechnik dar, welche mit anderen gängigen Technologien der Permakultur weiterentwickelt werden kann und auch weiter entwickelt wurde. Doch sollte jeder, der in dieser Richtung Erfahrungen sammeln möchte, zunächst erst einmal die Grundregeln beherrschen; ganz im Sinne der alten Gärtnerweisheit: Wer Ausnahmen machen will, sollte zuvor die Regeln beherrschen. Das Handbuch in deutscher Sprache, auf welches sich der folgende Beitrag bezieht, findet man hier: (Handbuch-PDF)

In englischer Sprache gibt es wertvolle Anbauanleitungen per Video (Youtube-Kanal von John Jeavons), die auch bei fehlender Sprachkenntnis gärtnerisch gut verständlich sind:

Die acht Regeln bzw. Grundprinzipien sind folgende:

Regeln – die acht Prinzipien der GB-Gärtnerei (mit meinen eigenen Kommentaren)

1. Tief gelockerte Beete (Tiefkulturbeet)

Die wohl wichtigste Grundlage der Jeavons-Methode ist das tiefe Lockern des Bodens, das man im deutschsprachigen Raum seit alters her als "Rigolen" oder "Holländern" kennt. Kurz gesagt, wird der Boden in doppelter Spatentiefe gegraben, das sind zweimal 30 Zentimeter, also etwa 60 Zentimeter tief. Dabei wird stückweise die oberste Bodenschicht abgegraben und nach der Tiefenbearbeitung wieder aufgebracht. Beim klassischen Rigolen wird im Verlauf dessen sowohl der Unterboden als auch der Oberboden gewendet, um ausgewaschene Nährstoffe wieder in höhere Schichten zu bringen. Bei der der Jeavons-Methode wird die untere Schicht nur gelockert. Der Grund hierfür ist der, dass die verschieden tiefen Schichtungen eine eigene Mikrobiologie besitzen, die durch das Wenden zerstört würde. Flach im Boden lebende Organismen benötigen meist viel Sauerstoff, der ihnen in tieferen Zonen fehlt. Werden sie in diese Zonen vergraben, sind sie dort immer weniger aktiv.

Ob beim GB-Gärtnern nun die oberen 30 Zentimeter der Beete gewendet werden oder nicht, das ist meiner Auffassung nach ziemlich egal, weil dieser Bereich so stark und homogen gelockert ist, dass er keine herkömmliche Schichtung mehr aufweist und auf 30 Zentimeter Tiefe alle Bodenorganismen gut mit Sauerstoff versorgt werden. Diese Organismen wiederum bewirken durch ihre Ausscheidungen eine Art von natürlicher Nährstoffzufuhr. Ein Gleiches entsteht durch die rasche Vermehrung von Bodenbakterien, -pilzen und weiteren Kleinstlebewesen, denn dadurch bedingt, sterben auch ständig viele von ihnen ab und bringen damit Biomasse in die Erde, was ein guter Dünger ist. Diesen "Bakterien-Mist" braucht es, da die Anbaumethode weitgehend ohne tierischen Dung und Kunstdünger auskommen soll.

Um den Boden maximal locker zu halten und damit die Bodengare zu optimieren, wird bei der hier vorgestellten Anbaumethode die Verdichtung des Bodens auf das peinlichste vermieden. Aus diesem Grunde legt man die Beete relativ breit an, also 1,2 bis 1,8 Meter und reduziert zugleich die sonst häufig zu findenden schmale Trittpfade und ersetzt sie durch wenige, aber bequem angelegte Wege von etwa 50 bis 60 Zentimeter Breite. Günstig ist es, wenn die Wege begrünt sind. Ich verwende für diese Zwecke Weißklee. Wird für die Bodenbearbeitung und Beetpflege das Kulturland betreten, legt man ein breites Brett unter, damit das Körpergewicht auf einer größeren Fläche verteilt und der Boden nicht unnötigt verdichtet wird. Daran ist der typische GB-Gärtner wohl zuerst zu erkennen.

2. Eigener Kompost als Dünger

Im biointensiven Gartenbau wird vorzugsweise eine eigene, autarke und vegane Kompostwirtschaft betrieben. In der Regel fallen in Garten und Haushalt aber viel zu wenig Ausgangsmaterialen dafür an. Das Bemerkenswerte bei der GB-Technik ist nun aber der Umstand, dass ein Großteil der Anbaufläche (60 Prozent) mit Nutzpflanzen bewirtschaftet wird, welche den nötigen hohen Kohlenstoffanteil haben. Das sind in der Regel ausgereifte Getreidearten, deren Getreidekörner in der Backstube Verwendung finden und deren Stroh kompostiert wird. Damit der Kompostiervorgang optimal verläuft, werden die kohlenstoffreichen Ausgansgsstoffe (braune Abfälle, ausgereiftes Material) im ausgewogenen Verhältnis mit stickstoffreichen Gartenabfällen (grüne Abfälle, unreifes Material) gemischt. Reich an Stickstoff sind alle krautigen Pflanzenreste und die gängigen Abfälle aus der Küche. Dem eher kleinen Komposthaufen, der sich temporär auch auf einem leergeräumten Beet befinden kann, wird immer auch etwas vom Gartenboden beigegeben, der meist beim Rigolen entnommen wird. Mit ihm wird der Kompost sogleich mit allen nötigen Bodenmikroben geimpft und strukturell verbessert.

Schon wenige Wochen nachdem der Komposthaufen erste Verrottungsprozesse hinter sich hat, welche immer mit Wärmeentwicklung einhergehen, wird das Material umgeschichtet oder neu aufgesetzt. Dabei wird das weniger zersetzte Material in das Innere des Haufens gebracht und zugleich bewirkt, dass alles nochmals gut durchlüftet wird. Nur so kommt es zur gewünschten aeroben Verrottung der Bestandteile. Der umgesetzte Haufen, der durch und durch eine gleichmäßige Erdfeuchte aufweisen muss, beginnt nun zu reifen und wird je nach Jahreszeit, Klima und Witterung nach zwei bis sechs Monaten beste Komposterde liefern: "Zuerst wird der Komposthaufen moderig und danach erdig riechen [...] und zum Schluss sollte man ein krümeliges, braun-schwarzes, waldig riechendes Material erhalten." [4]

Die gereifte Dünger-Erde sollte dann alsbald auf die Beete kommen und fünf bis zehn Zentimeter tief in den lockeren Boden eingearbeitet werden. Eine länger andauernde Verrottung auf dem Haufen wäre nicht gut, weil dann wichtige Pflanzennährstoffe wieder verloren gehen würden. Alternativ können wir fertig gereifte Komposterde an einem halbschattigen, luftigen und trockenen Ort noch eine Zeit lang zwischenlagern. Der beste Platz ist aber immer der zu verbessernde Kulturboden.

Übrigens lesen wir im Handbuch [4] über die John-Jeavons-Methode: "Es ist besser, alle im Garten zur Verfügung stehenden Pflanzenmaterialien zu kompostieren, statt sie als Gründüngung in die Erde einzuarbeiten." Der Grund dafür ist, dass der Kompost nach einer Weile krümelig geworden ist und sofort die Bodenstruktur verbessert und biologisch aktiviert. Das geschieht bei der Kompostierung vor allem durch die Durchmischung von besagten Kohlenstoff-Pflanzen (siehe oben) mit den Stickstoff-Pflanzen, was beim Einarbeiten in Form von Gründüngung nicht zustande kommt.

Genau genommen handelt es sich bei dem hier vorgestellten Verfahren weniger um eine klassische Düngung, als um eine biologische Aktivierung des Bodens. Das jährliche Aufbringen kleiner Mengen Komposterde ist zielführender, als große Mengen sporadisch zu verteilen. Zudem tragen auch Pflanzenjauchen, Leguminosen-Gründüngung, organische Materialien (wie im Boden verbleibende Wurzelreste) oder auch Regenwürmer zur Bodenfruchtbarkeit bei.** Eine gut geplante Fruchtfolge und Mischkultur tun das Übrige. In der Gesamtheit aller Faktoren ist so für eine ausreiche Nährstoffversorgung der Pflanzen gesorgt.

**Wenn es im Handbuch [4] auch nicht vordergründig genannt wird, so kann bei auftretendem Nährstoffmangel (der durch regelmäßige Bodenproben zu ermitteln ist), zu guter Letzt auch ergänzend mit Stallmist, Knochenmehl, Hornspänen, vergorenem Urin und dergleichen gedüngt werden. Ist abgelagerter Stallmist vorhanden wird er in der Regel beim Doppeltief-Umgraben vorher aufgebracht und dann mit dem Holländern mit in die oberen Bodenschichten eingearbeitet.

[Ergänzend ist zu erwähnen, dass weitere biologische Anbauverfahren, bei denen sogenannte Effektive Mikroorganismen oder Terra-Preta zum Einsatz kommen, die John-Jeavons-Methode ergänzen können. Auch die Herstellung von Bokashi (anaerobe Verrottung) ist in diesem Zusammenhang zu nennen.]

3. Die Dichtpflanzung der Kulturen

Ein weiteres Standbein, auf dem die GB-Gärtnerei aufbaut, ist die Vorkultur in Anzuchtkästen und die anschließende Dichtpflanzung der Getreide und Gemüse. Man setzt die Kulturen also nicht in Reihen, was meist durch die direkte Aussaat auf das Beet bedingt wurde, sondern wählt den sogenannten Dreiecksverband. Dieser kann zudem enger sein, als der sonst übliche Pflanzenabstand. Weil die Pflanzen in Tiefkulturbeeten nach unten mehr Platz und Nährstoffe finden und ihre Wurzeln nicht in die Breite gehen müssen, ist ein dichterer Besatz möglich. [5]

Dieser und das sich im Gegensatz zur Aussaat rasch entfaltende Blattwerk der Setzlinge bewirkt die Beförderung der sogenannten Schattengare. Diese im deutschen Sprachraum übliche Begrifflichkeit bezeichnet einen optimalen Zustand des Bodens bei dem alle physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge im Sinne eines Kulturbodens optimal ablaufen. Wie es der Name bereits sagt, wird die Schattengare durch Bodenschutz (gelockerte Oberkrume oder Mulch) oder einen geeigneten Pflanzenbewuchs befördert, indem die Mikroorganismen des biologisch aktiven und gesunden Gartenbodens mit den Wurzeln der Kulturpflanzen interagieren (Rhizosphäre). Aus diesem Grunde sollten die Beete das ganze Jahr über bepflanzt sein. In der Natur gibt es fruchtbaren Boden nur in diesem Zustand.

[Auch wenn von John Jeavons nicht in den Vordergrund gestellt, bedingt die Dichtpflanzung der Gemüse noch einen weiteren Effekt und das ist die heute wenig beachtete CO₂-Düngung. Es ist tatsächlich so und seit gut hundert Jahren bekannt, dass sich für die Bedürfnisse der Pflanzenwelt eher zu wenig, als zu viel Kohlendioxid in der Luft befindet. Kohledioxid (CO₂) ist ein Spurengas und nur in minimalen Konzentrationen in der Atmosphäre enthalten. Unsere Luft enthält bekanntermaßen zu etwa 78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff und 0,93% Argon. Der Rest sind Spurengase, wobei Kohlendioxid innerhalb dieser einen Anteil von ca. 0,038 Prozent einnimmt. Bekanntlich wird deshalb von den Gartenbaubetrieben vielerorts zusätzliches Kohlendioxid in Gemüse-Gewächshäuser eingebracht, sodass darin dann die CO₂-Konzentrationen zwischen etwa 0,06 und 0,1 Prozent liegt. Es steigert das Pflanzenwachstum bei manchen Gemüsearten um bis zu 40 Prozent [6]. Wir müssen diesen Aufwand nicht betreiben, wenn wir die ohnehin vorhandene höhere CO₂-Konzentration im Boden (in der Regel bis 0,2 %) für unsere Zwecke nutzen. Der Boden gibt beständig CO₂ an die Atmosphäre ab. Durch die Dichtpflanzung der Gemüse wird die schnelle Diffusion des Boden-Kohlendioxids verhindert und kann von den Pflanzen verwertet werden.]

Die wichtigste Begleiterscheinung der den Boden beschattenden Dichtpflanzung ist natürlich der höhere Ertrag pro Anbaufläche. So rechnet man mit einer doppelten bis sechsfach höheren Ernte in Bezug auf "mittlere Erträge" herkömmlicher Anbauformen.

4. Mischkulturen

Ein weiterer Aspekt der biointensive Gartenbau-Methode nach John Jeavons ist die Mischkultur, die mittlerweile sicher allgemein bekannt ist und entsprechend angewandt wird. Mischkulturen beeinträchtigen die Bodenfruchtbarkeit weniger als Monokulturen. Allerdings sollten wir bei der allgemeinen Begeisterung für den Mischkulturanbau nicht dem weit verbreiteten Irrtum erliegen, dass man durch die Mischung der Kulturpflanzen die Anbaufläche besser ausnutzen kann. Es ist nicht möglich quasi in den Pflanzabstand einer Gemüseart einfach eine zweite parallel anzubauen, was aber immer wieder versucht wird. Lediglich ein Ähnliches ist möglich, doch das bezeichnet man als Zwischenkultur. Bei dieser Methode verbringt eine Kulturpflanze ihr Jugendstadium im Zwischenraum einer anderen Kultur. Erst wenn die Letztere geerntet ist, beginnt sich die Zwischenkultur voll zu entfalten, was jedoch genau genommen ein zeitlich verschränkter Nacheinander-Anbau und keine echte Mischkultur ist. So viel an dieser Stelle zur Mischkultur.

5. Gärtnern mit Kohlenstoff (Carbon Farming) Biomasse-Erzeugung im Garten

Der Begriff Gärtnern mit Kohlenstoff oder wortwörtlich übersetzt Kohlenstoff-Landwirtschaft (carbon farming) oder auch der Begriff der Kohlenstoffpflanzen (carbon crops) ist im deutschen Sprachraum nicht gängig und es gibt auch keine passende Übersetzung für diese Begrifflichkeiten. Im Grunde geht es um organische Verbindungen (Kohlenstoffverbindungen), organisches Material, also um Biomasse. Mit Biomasse-Gärtnerei oder Biomasse-erzeugender-Landwirtschaft sind wir dann aber schon recht nahe am englischen Wortschatz.

Jeavons meint damit im praktischen Sinne, dass für die eigene Kompostwirtschaft innerhalb des Gartens auch alles kompostierbare Material selber herangezogen wird. Dazu braucht es Pflanzenmaterial, welches in ausgereiftem Zustand in seiner Zellstruktur reich an Kohlenstoffverbindungen ist. Erst diese verkompostierte, kohlenstoffreiche Biomasse ermöglicht es, im Boden den gewünschten Dauerhumus aufzubauen, in dem letztlich auch atmosphärisches Kohlendioxid gespeichert wird.

6. Gärtnern für Kalorien

Der intensive Gartenbau (nach der GB-Methode) ist ein Muster-Anbausystem, welches uns zeigen will, dass es möglich ist, mit einem Selbstversorgergarten die grundlegende Ernährung einer Familie in veganer Form zu bewerkstelligen. In seinem System 60/30/10, also 60 Prozent "Kompostpflanzen" (z.B. Getreide, Saubohne), 30 Prozent Kalorien-Pflanzen und 10 Prozent weiteres Gemüse (auch Edelgemüse/Kräuter), haben wir nun 40 Prozent Anbaufläche (zuzüglich der Getreide) für gärtnerische Kulturpflanzen, die uns satt machen, zu Verfügung.** Nach Jeavons sollten das aber vor allem nährstoffdichte Pflanzen sein, die uns auch gut sättigen. Als Beispiel werden in diesem Zusammenhang oft folgende genannt:

Das sind allerdings Empfehlungen und ausgewählte Beispiele für recht milde Klimaten. Wo es im Winter kälter ist, wird man mit Süßkartoffeln und Artischocken weniger erfolgreich sein. Dafür gibt es andere geeignete Arten und natürlich zahlenmäßig auch mehr. Dies sind vor allem Wurzelgemüse. Was uns diese Liste jedoch zeigt ist, dass die Gemüse für die Selbstversorgung ganz andere sind, als gewohntermaßen im Supermarkt angeboten werden.

Der Ertrag der Gemüse, die in Tiefkultur angebaut werden, liegt je nach Gemüseart und örtlichen Gegebenheiten zwischen 10 bis 20 Kilogramm pro Quadratmeter.

**Natürlich liefern auch die "Kompostpflanzen" Kalorien, wie das Getreide und auch die Saubohnen (Vicia faba).

7. Verwendung von eigenem Saatgut

Ich bin ein Sammler alter Gartenbücher. Beim Lesen stieß ich auf folgenden interessanten Umstand: je älter diese Literatur ist, um so ausführlicher können wir dort über die eigene Saatgutvermehrung lesen. Etwa bis zur Jahrhundertwende 1900 gehörte dies noch zum Umfang jeder beschriebenen Gemüsesorte. Nachher wurde nur noch sporadisch auf die Thematik eingegangen und seither kauft man die Samen "bequemer" im Handel. Seit den 1920er Jahren fehlt die Anleitung zur Saatzucht in der gängigen Literatur völlig. Damit war für etliche Jahrzehnte aber auch altes Wissen verloren gegangen. Erst seit wenigen Jahren wird es wieder publik. Das Schöne bei der eigenen Saatzucht ist aber auch, dass wir dadurch viele der Gemüse überhaupt erst einmal in allen ihren Wachstumsstadien kennenlernen, da wir sie blühen und die Samen ausreifen lassen müssen. Mit diesen Zyklen erfahren wir wiederum viel über die natürliche Vermehrung der Kulturpflanzen, etwa dass sich Salat im späten Sommer von allein aussäht und dann zunächst überwintert, bevor er im Frühling umso gesünder und kräftiger gedeiht, als erst im Frühjahr ausgesäter und gepflanzter Salat (siehe Wintersalat).

Fakt ist, dass abgesehen von Blumenkohl, Zuckerhut-Zichorie und ertragreichen Schwarzwurzel-Sorten so gut wie alle Gemüse durch Samen leicht selber vermehrt werden können. Ich selber praktiziere das seit 2011. Abgesehen von eingesparten Kosten ist das Besondere an der eigenen Saatgutgewinnung aber das, worauf John Jeavons hinweist. Es ist die Tatsache, dass sich Kulturpflanzen durch die generative Vermehrung von Jahr zu Jahr besser an das lokale Klima anpassen. Sie werden nach und nach widerstandsfähiger gegen Wetterunbilden und vor allem gegen Krankheiten und Schädlingsbefall. Ich halte das ebenfalls für besonders wichtig und finde es deshalb nicht besonders sinnvoll, alte und samenfeste Gemüsesorten in Bezug auf ihre alten Eigenschaften unbedingt erhaltend zu züchten (Erhaltung alter Sorten). Richtiger ist es, alte lokale Gemüsesorten weiter zu züchten. Darüber habe ich einen separaten Beitrag verfasst. In der GB-Gärtnerei ist es ein grundlegendes Prinzip.

8. Das Gesamtsystem ausbalancieren

Wir haben nun in sieben gut erklärten und sicher auch gut verständlichen Prinzipien das Wichtigste über den selbstversorgenden Gartenbau erfahren. Nach meiner Einschätzung ist es ein perfektes in sich geschlossenes Anbausystem, von dem wir zunächst nichts weglassen und dem wir nichts hinzufügen sollten. Wenigstens so lange nicht, bis wir auch durch die praktische Umsetzung alle diese Prinzipien verinnerlicht haben. Als nächstes müssen wir die GB-Gärtnerei in unseren Alltag integrieren und zwar so, dass es zum gewohnten Tagesablauf wird. Nicht jeder wird es in allen Stücken umsetzen können, wenn zum Beispiel überhaupt erst einmal eine Anbaufläche gefunden werden muss. Haben wir nur kleinste Gartenparzellen, so wird sicher das Anbauprinzip Nr. 5 (Biomasse-Erzeugung) ausgelagert werden müssen. Mitunter haben wir durch bestehenden Umstände (viel Herbstlaub, verfügbarer Stallmist usw.) auch andere Kompostmaterialien zur Verfügung. Weiterhin wird sich auch zeigen, wie Gemüsearten im Garten und entsprechende Kochgewohnheiten eine Balance finden.

Fazit, Erfahrungen:

Wie schon erwähnt, geht es hier zunächst um Grundprinzipien, und es können nicht alle Aspekte des Gartenbaus behandelt werden.** Doch wenn man diese grundlegenden Regeln kennt und anwendet, hat man ein Fundament und braucht nicht diesen ewig währenden Kreis von Versuchen, Experimenten und wiederkehrenden Neuerfindungen, wie sie im Bereich der Bio-Landwirtschaft häufig üblich sind.

Das Anbaukonzept ist fertig und zuende erfunden. Ich halte es für perfekt. Einzig die Werkzeuge, (die oben im Video Anwendung finden) wie z. B. Spaten und Grabegabel haben für meine Begriffe viel zu kurze Stiele, welche das Arbeiten in halb gebückter Körperhaltung unnötig erschweren.

** Es sei doch noch einmal erwähnt, dass es in einem Hausgarten natürlich nicht nur Gemüse, sondern auch Blumen, Küchen- und Heilkräuter, sowie andere Nutzpflanzen (das kann auch Tabak sein) braucht. Das ist hier aber nicht das Thema.

Bildrechte, 1. Foto ©Hans-Pixabay.com


Quellen, Literatur und Hinweise (Internetseiten archiviert über archive.org zu finden)

  • https://de.qaz.wiki/wiki/Biointensive_agriculture
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Tiefkulturbeet
  • http://www.bodenluft.ch/bodenluft-definition.html
  • [1] schönes Erklär-Video: https://www.youtube.com/watch?v=SvUik1x9nmc
  • [2] bezogen auf das Jahr 2021
  • [3] neben dem gärtnerischen Getreideanbau
  • [4] Royer-Miller, Margo; EIN GARTENHANDBUCH: DIE NACHHALTIGE GROW BIOINTENSIVE GARTENBAUMETHODE; Willits 2010 (Übersetzt von Thomas Partsch)
  • [5] Nicht alle Gemüsearten eignen sich für die Dichtpflanzung! Zum Beispiel sind das die meisten Kohlarten. Wird beispiesweise Kohlrabi in Abständen weit unter 25 x 25 cm gepflanzt, bewirkt die gegenseitige Beschattung die Ausbildung nur unbrauchbarer länglicher Knollen.
  • [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid-D%C3%BCngung
  • Bodenkunde: Kiel/Schrenk; Landwirtschaftlicher Pflanzenbau; Berlin 1952; Seiten 15 ff
  • Erfahrungen mit der ähnlichen Methode von John Seymour: https://www.erntefibel.de/beete-anlegen/tiefkultur/#Tiefbeet
  • Seymour, John; Selbstversorgung aus dem Garten, Wie man seinen Garten bestellt und gesunde Nahrung erntet; Stuttgart 2005
  • Kohlendioxid in der Atmosphäre: https://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=101252
  • https://aok-erleben.de/interaktive-gemuesetabelle/ schöne Liste zur Auswahl von "Kalorien-Gemüsen"