Stadtvilla
Architekten-Villa in Dresden. Wenig Aufwand - elegante Architektur.

Neuerdings gibt es in den Haus- und Fertighauskatalogen einen Haustyp, der als Stadtvilla oder kleine Stadtvilla bezeichnet wird. Die "Villa rustica" war ursprünglich das Herrenhaus eines römischen Landgutes und seit der Renaissance der repräsentative Landsitz der vermögenden Bevölkerungsschicht, mit welcher sich besonders im 19. Jahrhundert auch das Großbürgertum repräsentierte.

Im 20. Jahrhundert änderte sich dann vielerorts die Lebensweise der Oberschicht, und in der Villa wurden nunmehr Räumlichkeiten für das Gesinde und die Bewirtschaftung überflüssig. So kann man heutzutage zwar immer noch eine schöne alte Villa mit Villenpark bewohnen, doch stehen dann häufig die zweckdienliche Nutzung der Räume im Widerspruch zu unserer modernen Lebensweise. Manchmal wurden die Villen früher nämlich auch nur als Sommerhaus genutzt. So ist der Wunsch für den grundlegenden Neubau einer sogenannten Stadtvilla durchaus verständlich.

Sinn und Unsinn

Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Stadtvilla und quasi ein Traumhaus zu bauen, der sollte solch ein Projekt aber nicht zu hastig angehen. Emotionale Wünsche stehen am Anfang solche eines Projektes, doch sollte dann der Verstand diese Vorstellungen klar ordnen - wenigsten in grober Weise. Natürlich gilt auch beim gehobeneren Eigenheimbau der alte Leitspruch moderner Architektur: Die Form folgt dem Zweck. Interessant ist dabei, dass eine Stadtvilla samt Parkanlage im 19. Jahrhundert, wie auch heute recht ähnliche Zwecke zu erfüllen hatte:

  1. Raum für Wohnen, Muse und Freizeitgestaltung für den Hausherren und seine Familie
  2. Repräsentation
  3. Räumlichkeiten für Gäste
  4. Raum für Fahrzeuge
  5. Parkanlage
  6. Raum für Personal und Bewirtschaftung (heute weitgehend minimiert)

zu 1. Raum für Wohnen, Muse und Freizeitgestaltung für den Hausherren und seine Familie. Hier gelten die allgemeinen Regeln für die Gliederung des Wohnraumes, nur sollte beim "Villenkonzept" Haus und Park eine Art Mikrokosmos in der Stadt bilden und das Gefühl einer gewissen Abgeschiedenheit bewirken. Trotzdem darf das Innere des Hauses den Charakter einer Stadtwohnung tragen. Haus und Park sind klar getrennt, also Wohnen im Haus und im Grünen. Bei diesem Konzept wäre ein angesetzter Wintergarten beispielsweise unpassend.

zu 2. Repräsentation. Das Thema ist klar: Man repräsentiert seinen eigenen Stil.

zu 3. Räumlichkeiten für Gäste. Diese Thematik wird meist zu wenig bedacht. Hier ist es wichtig, den Gästebereich klar von dem eigenen Wohnbereich zu trennen. Ich finde es nicht einmal abwegig, ein separates Gästehaus (Gartenhaus) für diese Zwecke zu planen. Immerhin hatte dieses bereits der berühmte Albert Einstein bei seinem Sommerhaus so gehalten und sich dabei sicher etwas gedacht.

zu 4. Raum für Fahrzeuge. Wenn deine Stadtvilla am Ende mehr wie eine Garage ausschaut, dann hast du etwas falsch gemacht. Mehr ist hierzu nicht zu sagen. Als Gestaltungsidee wäre noch die sogenannte Vorfahrt zu nennen, die man früher wegen der Kutschen anlegte, damit sie vor dem Haus anhalten und zügig weiterfahren konnten. Im kleinem Maßstab ist sie besonders vor dem Stadthaus bequem.

zu 5. Da ich auf diesen Infoseiten mehr den gärtnerischen Bereich der Bautätigkeit beleuchte, bleibt der Hinweis auf den Zusammenhang von Stadtvilla und gärtnerischer Anlage nicht aus und wird von mir mehr betont. Ich sehe ihn sogar als zentrales Element. Denn eigentlich ist solch ein repräsentatives Heim, welches im Ursprung ein Landhaus war, ohne Park gar nicht zu denken; Auch wenn das heute sicher oft anders gesehen wird. Zudem wird man rein von der Grundstücksgröße her, wohl eher von einem Garten sprechen, der sich um die Stadtvilla befindet. Doch ich möchte in diesem Zusammenhang ganz bewusst nicht von einem Garten, sondern höchstens von einem parkartigen Villengarten schreiben, weil uns das hilft, konzeptionell anders an die Wohnidee der Stadthausvilla heranzugehen und die Planung im Detail korrekter zu bewerkstelligen. Der Grund ist folgender:

Wer in der Stadt wohnt, braucht vor allem ein angenehmes und im Sommer eher kühlendes Kleinklima. Es empfiehlt sich also, den Villengarten, wo es sich anbietet, mit schattenwerfenden Laubbäumen hainartig und nicht zu dicht zu überpflanzen. Verwende hierzu möglichst nur eine Art Parkbaum (es gibt auch kleinere Arten), denn das lässt den Garten parkartiger erscheinen. Außerdem entsteht so der Effekt, dass die Bepflanzung das gesamte Grundstück optisch weitet, und sie hebt die Individualität der Architektur des Wohnhauses hervor. Diese Regeln gelten selbst bei Architekturen im japanischen Stil: siehe Ahorngarten.

Sonst ist zum "Villenpark" nur so viel zu sagen, dass er selber nicht das gestalterische Ziel ist, sondern man schafft sich im Grundstück am Haus verschiedene Gartenplätze, welche durch den Park verbunden werden. Der Zweck des Parks ist es, die Wege zu überschatten und im idealen Falle Skulpturen zu beherbergen.