Klassizismus mit einfachen FormenSparsame Formen finden sich im Klassizismus.*
Sparsame Formen finden sich im Klassizismus.*

Der Klassizismus löste den Barock ab. Er begann in Deutschland etwa um 1770 und währte bis 1840. Das war zugleich die Zeit der Dichter und Denker und die kurze, noch recht ruhige Zeitspanne vor der industriellen Revolution, bzw. es endete der Klassizismus so ziemlich genau mit dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken in Deutschland. Danach begann die Zeitepoche der Dampfmaschine und damit auch die Menschheitsepoche der Zeiteinteilung.und Unrast**.

Wie es in jener Zeit in den Gärten aussah und wie man lebte, kennt wohl jeder von uns aus den Bildern eines Carl Spitzweg 1808 - 1885 und eines Ludwig Richter 1803 - 1884. Beide retteten durch ihre Malerei die kollektive Erinnerung an jene beschauliche Zeit, in welche auch der Kunststil des sogenannten Biedermeier einzuordnen ist.

Biedermeier

Carl Spitzweg, JugendfreundeCarl Spitzweg, JugendfreundeIn Fragen der Gartengestaltung haben wir mit den Biedermeier-Gärten nun schon konkrete Vorstellungen. Gartenlauben fanden Einzug in die Stadtgärten, die der Bürgerschaft nun nicht mehr nur der Selbstversorgung dienten. Was die Einfriedung betrifft, so hatten diese Gärten, meist hinter den Häusern gelegen, keine besonderen Merkmale. Man baute zu der Zeit Mauern oder Holzzäune, die ortstypisch konstruiert und den finanziellen Verhältnissen der Menschen angepasst waren.

Mauern wurden sowohl in grob verputztem Feldsteinmauerwerk als auch mit sauber geschlagenem Werkstein gesetzt. Holzzäune baute man aus Stangen, Brettern oder Latten, oder man fertigte in einfachsten Verhältnissen schlichte Flechtzäune an.

In der Stadt, dort wo die vermögenderen Bürger oder Adligen ihre Häuser besaßen, doch auch auf dem Lande vor den Bauerngütern, finden sich nun auch bereits Metallzäune vor den Vorgärten. Diese besaßen klare Formen. Das Schmiedeeisen wurde noch recht sparsam verwendet, weil das Metall in der vorindustriellen Zeit non teuer und ausschließlich handbearbeitet war.

Historische Zäune KatalogwareSolche Katalogware, die es heut noch gibt, landete damals schon viel im ländlichen Raum.***Auch gab es um 1840 schon die ersten Anbieter mit Katalogware*** und häufig waren es die zu Wohlstand gekommenen Landwirte, welche repräsentativ ihre Vorgärten mit diesen Katalog-Metallzäunen zierten. Trotzdem waren diese Zaunanlagen, die heute noch oft zu finden sind, im Stil und ihrer soliden Art relativ elegant und weit entfernt vom Protz der Gründerzeit.

In der Stadt waren Metallzäune enger mit der Architektur der Häuser verbunden als auf dem Lande. Die Stadthäuser hatten, abgesehen vom preußischen Einflussgebiet, soweit mir bekannt, selten das, was man einen klassischen Vorgarten nennt. Die Baukörper gingen direkt bis an die Straße. Dort, wo Gärten an die Straßen anschlossen, waren diese meist vermauert.
So bildeten die Metallzäune im Zusammenhang mit der Architektur eher ein Zierelement und waren mehr Visitenkarte als Zweckbau.

Neoklassizismus

Metallzaun des NeoklassizismusMetallzaun des NeoklassizismusIm Prinzip gilt das gleiche, was oben zum Klassizismus geschrieben steht. Der Neuklassizismus in der Vermengung mit dem Historismus (ca. von 1840 bis 1914) war eine Nachempfindung jener verklärten Zeit. Wie ich es bemerkt habe, haben die Zaunanlagen jener Bauepoche zwar die geraden Formen der Alten übernommen, doch nicht mehr die Sparsamkeit in der Verwendung des Eisens. Die Zaunanlagen aus Metall wurden Massenware, maschinell gefertigt und mit allerlei Zierrat versehen.

* Bild ganz oben. Ich habe kein besseres Foto parat. Zwar demonstriert es die typische Architektur jener Zeit, doch das moderne Plastikfenster ist ein Beispiel architektonischer Unkultur der Gegenwart.

** Fahrpläne der Eisenbahn bestimmen mehr und mehr das Leben. Die Ortszeit, in jedem Dorf nach dem Stand der Sonne bestimmt, wird durch die Eisenbahnfahrpläne vereinheitlicht.

*** Für Zaunanlagen, wo der Denkmalschutz Vogaben bestimmt, können durchaus heutige Kataloge herangezogen werden, da es einige klassiche Zaunformen gibt, die sich in den letzten 200 Jahren nicht verändert haben.