Egmont und Clärchen, Zeichnung von Angelika Kauffmann
Egmont und Clärchen, Zeichnung von Angelika Kauffmann
Egmont und Clärchen, Zeichnung von Angelika Kauffmann

Ein sehr kurzes Gedicht vom Dichterfürsten Goethe, dessen "Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt" sprichwörtlich wurde. Die Verse ("Klärchens Lied") stammen aber aus einem Theaterstück mit dem Titel "Egmont" und zwar aus dem 3. Aufzug, 2. Szene. "Egmont" ist ein Trauerspiel, welches Goethe 1775 zu schreiben begann und erst zwölf Jahre später beendete. 

"Klärchens Lied"

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe

Hintergrund und Interpretation

Die Interpretation der Verse sollte im Zusammenhang mit dem Theaterstück vorgenommen werden: Hintergrund des Dramas ist der Beginns des Achtzigjährigen Krieges (Spanisch-Niederländischer Krieg) in dem die Republik der Vereinigten Niederlande ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone erkämpfte. Graf Egmont, auf Seiten der Spanier, wird am Ende wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Seine Geliebte, das Klärchen, versucht den inhaftierten Grafen zu befreien, doch mit dem misslungenen Versuch und ohne Hoffnung verübt sie Selbstmord, um mit ihrem Geliebten im Tode vereint zu sein.

Natürlich kann man die Verse als ein Liebesgedicht betrachten und mit dem beschreibt es die Höhen und Tiefen, welche die kurzzeitigen Wegefährten durchleben. Die Liebe ist das Leben der Seele selbst, und Not und Freude, Hangen und Bangen beschreibt die Intensität des Lebens. Auch wenn die Lebensspanne kurz ist, so kann sie mit ihrer Tiefe dem Dasein eine besondere Dimension geben.

Schachspiel Kunst FotoDas Schachbrettmuster und Schachspiel ist wohl ein treffliches Symbol zu Goethes Drama

Die Verse zeigen aber auch, dass die politischen Umstände jeder Zeit die Lebenspläne der Menschen zerstören können. Die Kriege und Umstürze zu allen Zeiten sind letztlich selber Bühnentheater und in unserer Wahrnehmung und die unerkannten Intrigen wohl bittere Realität. Zuweilen ist auch das ganz normale alltägliche Leben von Kampf und Intrigen gezeichnet und das Drama unausweichlich. Es ist Teil der menschlichen Existenz.

Bildquelle Schachspiel: © PIRO4D - Pixabay.com