Tabak als Salpeterpflanze
Tabak, die älteste Kulturpflanze hat viele besondere Eigenschaften

Der Begriff, beziehungsweise die Definition der Salpeterpflanze hat sich geändert und mit dem der Fokus bezüglich der Eigenschaften dieser Pflanzen Stickstoffverbindungen in seinen Pflanzenteilen einlagern zu können. Im späten 19. Jahrhundert wurde dieses Thema im Zusammenhang mit der Dünung und Pflanzenchemie erörtert. Ursprünglich galt das Interesse an diesen Pflanzen aber der Gewinnung von Salpeter, also Kaliumnitrat KNO3. Und heute bringen wir diese Pflanzengruppe fälschlicherweise mit den sogenannten Zeigerpflanzen in Verbindung, welche auf Stellen wachsen, die einen hohen Stickstoffgehalt im Boden aufweisen.

Die Frage, warum einige Pflanzen reich an Stickstoffverbindungen sind, scheint heute Wissenschaftskreise nur noch wenig zu interessieren, aber trotzdem profitieren heutzutage all die Gartenfreunde, welche alternativ Gärtnern, von diesem Phänomen. Gut bekannt ist ja, dass Brennsesseljauche ein guter Stickstoffdünger ist. Zum "Warum" wird merkwürdigerweise nie eine Frage gestellt.

Brennnesseln

Doch tatsächlich ist es so, dass beispielsweise die Brennnesseln sehr stickstoffhaltig sind und glaubt man ältesten Aufzeichnungen, so sind sie in der Lage Salpeter (Kaliumnitrat KNO3) in ihren Zellen (Blättern) einzulagern. Um 1900 [3] war dann bereits bekannt, dass neben sehr verschiedenen Stickstoffverbindungen (z.B. ) Ammoniak (NH3)und Salpetersäure (HNO3)in den Pflanzenteilen eingelagert sind und das Ammoniak vermutlich in Form von phosphorsaurem Ammonium-Magnesium. Diese Einlagerung hat unmittelbar nichts mit den stickstoffsammelnden Leguminosen zu tun, welche in einer Symbiose mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff Pflanzenverfügbar machen.

Die vermutlich letzte Erwähnung der Salpeterpflanzen fand ich in einer Schrift über gartenbauliches Grundlagenwissen [1] aus dem Jahre 1942 und je weiter ich zeitlich zurückgehend die Thematik verfolgte, fanden sich die Hinweise auf die Stickstoff sammelnden Pflanzenarten. Meine derzeitige Liste dieser Stickstoffpflanzen ist diese:

  • Anchusa officinalis – Gemeine Ochsenzunge (nach Müller [2])
  • Beta vulgaris subsp. vulgaris – Runkelrübe (nach Müller [2])
  • Beta vulgaris subsp. vulgaris, Crassa-Gruppe – Futterrübe, sehr hoher Stickstoff-Anteil, bis 0,3% (nach König [3]) siehe unten
  • Beta vulgaris – die Art?
  • Cucurbita – Kürbisarten (nach Müller [2])
  • Eispflanze ? – (nach Müller [2])
  • Fumaria – Erdrauch, eine Pflanzengattung der Unterfamilie der Erdrauchgewächse (Fumarioideae) aus der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) (nach Müller [2] 
  • Gramineae – Süßgräser, nach König [3] bis zu 0,1% in den grünen Pflanzen (nicht im Samen)
  • Helianthus annuus – Sonnenblume (nach Müller [2])
  • Helianthus-Arten – ? (nach Müller [2])
  • Leguminosen nach König [3] bis zu 0,1% in den grünen Pflanzen (nicht im Samen)
  • Nicotiana – Tabak; neben dem Flaschenkürbis die älteste Kulturpflanze der Menschheit
  • Solanum tuberosum – Kartoffeln (nach Müller [2])
  • Urtica –Brennnesseln (nach [1] und Müller [2])

Hoher Stickstoffgehalt in Futterrüben

Prof. Dr. J. König (Geheimer Regierungs-Rath, o. Professor an der Kgl. Universität und Vorsteher der agric.-chem. Versuchsstation Münster i.W.) hebt in seinem Buch [3] den besonders hohen Gehalt an Ammoniak und Salpetersäure [beides Stickstoffverbindungen] vor: "Sehr bedeutend [...] kann der Salpetergehalt in den Rübensorten werden [womit sicher Beta vulgaris subsp. vulgaris gemeint ist]."

Futterrüben

In der Trockensubstanz der Runkelrüben fand man bis zu 3,49% Salpetersäure; im Rübensaft 0,013 bis 0,285% Salpetersäure und 0,0063 bis 0,0258% Ammoniak. Zuckerrüben sollen 0,324 bis 0,926% Salpetersäure enthalten; König bemerkt jedoch: "Dieselbe nimmt mit dem Reifend er Pflanzen ab" und vermutet, dass das "Ammoniak in den Pflanzen in Form von phosphorsaurem Ammonium-Magnesium vorhanden ist." ([3] S. 94) Zu erwähnen ist, dass zu der Art Beta vulgaris subsp. vulgaris auch die verschiedenen Sorten des Mangolds und der Roten Rüben gehören.

Fazit

Die Feststellung, dass einige Pflanzenarten Stickstoff einlagern können ist zunächst eine bemerkenswerte Tatsache. Bemerkenswert ist auch, dass unter diesen etliche Kulturpflanzen der Neuen Welt sind, wie Kürbis, Kartoffeln, Tabak und Helianthus. Ob die Stickstoffpflanzen im Zusammenhang mit einer besonderen Kultur den Stickstoffkreislauf im Pflanzenbau ergänzen, bliebe noch zu ergründen. Wie schon erwähnt wird das "Salpeter" bereits durch die Verarbeitung von Pflanzenmaterial (Brennnesseln und andere Kräuter) zu Jauchen verarbeitet und als Dünger verwendet. Hier wäre natürlich zu ergründen, ob und bis zu welchem Stadium die Stickstoffverbindungen im Wasser etwa in einer Brennnesseljauche aufgeschlossen werden und ihre Dungkraft entfalten, oder ob es besser ist, die Stickstoffpflanzen dem Kompost zuzuführen. Wenn oben Salpeter (Kaliumnitrat) und phosphorsaures Ammonium-Magnesium erwähnt ist, so könnte es vielleicht auch sein, dass der Pflanzennährstoff Stickstoff gebunden mit anderen wichtigen Nährstoffen, wie Phosphor, Magnesium und Kalium in den Salpeterpflanzen vorkommt und dieser besondere Mix zum Beispiel die Brennsesseljauche so effektiv macht.

Mangold salpeterpflanze


  • [1] Oberkommando der Wehrmacht; Der Kleingarten, landwirtschaftlicher Sonderlehrgang 1. Teil 41. Sammelband der Schriftreihe "Soldatenbriefe zur Berufsförderung"; Frankfurt/Oder 1942; Seite125
  • [2] Müller, Gottfried Ludwig Carl; Müllers chemisch technische Abhandlungen, Band 2; Anleitung zur Erzeugung, Gewinnung, und Bearbeitung des Salpeters; Regensburg, 1829
  • [3] König, Prof. Dr. J.; Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährugnslehre, Berlin 1904 (Seite 90ff) [Ältere Auflage Berlin/Heidelberg 1883]
  • Solanin und Solanein, in der Kartoffel: Knollen 0,032 bis 0,068%Schalen 0,24% und in den Keimen 

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