➡️ Stangensellerie erfreut sich in der modernen Küche zunehmender Beliebtheit. Er ist nicht nur milder als der Knollensellerie, sondern er liefert Frische und Würze zugleich. Somit kann er sowohl als klassisches Würzegemüse, als auch gedünstet in Gerichten und sogar roh zum Einsatz kommen. Es ist kein klassisches Lagergemüse wie der Knollensellerie, aber kühl aufbewahrt hält er sich mindestens zwei Wochen, oft sogar länger.
Es gibt ihn zwar das ganze Jahr über im Supermarkt zu kaufen, doch wer wie ich frisches Gemüse direkt vom Beet schätz, bekommt jetzt vielleicht Lust, sich einmal im Anbau von Stangensellerie zu versuchen.
Die Kultur von Stangensellerie ist tatsächlich nicht kompliziert, jedoch ist er kein schnellwüchsiges Gemüse. Er braucht einige Monate, bis er geerntet werden kann. Erst am Ende des Hochsommers ist er ausgewachsen. Aber ab dann können regelmäßig die äußeren Stangen abgeschnitten oder abgepflückt werden.
So steht in unserem Garten jederzeit und schnell geerntet eine aromatische Basis für Suppen und Pfannengerichte oder ein frischer Snack bereit, und das ganz ohne Qualitätsverlust und ohne agrochemische Rückstände.
Botanik
Der Echte Sellerie (Apium graveolens) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Europas. Im Hausgarten werden drei verschiedene Formen genutzt, jede mit ihrer eigenen Besonderheit:
- Knollensellerie (var. rapaceum) – Speicherorgan (Knolle), Spätkultur
- Stangensellerie (var. dulce) – Blattstiele, laufende Ernte ab Ende August
- Schnittsellerie (var. secalinum) – Laubgewürz ähnlich wie Blattpetersilie, zeitige Ernte möglich
Stangensellerie gehört wie alle Sellerieformen zur Art Apium graveolens und damit zur Familie der Apiaceae (Doldenblütler).
Zu seinen nahen Verwandten zählen:
- Möhre
- Petersilie
- Pastinake
- Fenchel
- Liebstöckel
- Dill
Das zu wissen ist wichtig, denn Stangensellerie sollte nicht auf Beete gepflanzt werden, die vorher bereits mit Doldenblütlern besetzt waren. Eine saubere Fruchtfolge beugt Bodenmüdigkeit und Krankheiten vor.
Sortenwahl beim Stangensellerie
Man unterscheidet grob:
- Grüne Sorten
sehr aromatische, oft besonders kräftig im Geschmack; robust - Bleichsellerie (helle Sorten)
milder und zarter, als die grünen Sorten; wird traditionell durch Anhäufeln oder Abdecken gebleicht
Früher wurde Bleichsellerei durch das Einpflanzen in vertiefte Rillen und späteres Anhäufeln ziemlich umständlich gebleicht. Das Gemüse bekam durch den Lichtmangel gelbliche Stängel und ein milderes Aroma. Wir haben dies Art der Kultur selber schon probiert. Sie ist wirklich aufwändig und raumgreifend.
Für den Hausgarten sind heute "selbstbleichende" Sorten (von Natur aus gelbstielig und besonders mild) im Handel und ein guter Ersatz für die alten Bleichsellerie-Sorten. Sie vereinfachen die Kultur erheblich und liefern auch ohne großen Zusatzaufwand gleichmäßige, kräftige Stangen.
Standort, Boden und Düngung
Standort
Der Sellerie und damit letztlich auch der Stangensellerie stammt von Wildformen ab, die ihren Standort in feuchten, lichtreichen Lagen nahe der Meerersküsten haben. Daraus ergeben sich auch seine Ansprüche:
- sonnig bis halbschattig
- etwas windgeschützt
- nährstoffreich
- gleichmäßig feucht, aber keine Staunässe
Sellerie liebt feuchtes Meeresklima und Wasser. Dieses sollte aber gut abfließen können und keine Staunässe bilden. Doch auch Trockenheit muss unbedingt verhindert werden. Trockenstress quittiert er sofort mit faserigen, bitteren Stielen.
Boden
Stangensellerie ist, wie sein knolliger Verwandter, ein Starkzehrer. Deshalb sollte der Boden:
- humusreich
- tief gelockert
- idealerweise lehmig sein.
Düngung
- keinesfalls frischer Kalk vor der Pflanzung
- Herbst: ideal ist gut verrotteter Stallmist
- alternativ im Frühjahr: reifer Kompost (mindestens ein Jahr alt)
- während der Kultur: regelmäßige Flüssigdüngung (Wichtig! Der Mikronährstoff Bor sollte enthalten sein)
Bedarf, Aussaat und Jungpflanzenanzucht
Stangensellerie wird vorgezogen und das bereits im Vorfrühling (Mitte Februar). Mitte Mai, nach den Eisheiligen, wird er ausgepflanzt. Für den normalen Bedarf einer Familie benötigen wir etwa drei bis fünf Pflanzen. Sie bringen bei guter Pflege eine überreich Ernte. Man kann durchaus mit 1–1,5 kg Ertrag pro Pflanze rechnen.
Pikierte Jungpflanzen
Für uns ergab sich daraus die Frage, ob wir uns wegen weniger Jungpflanzen den Aufwand der Aussaat sowie Pflege und Pikieren der Jungpflanzen machen. Für uns, die wir noch jede Menge andere Gemüse selber heranziehen, sind gekaufte Jungpflanzen in diesem Fall eine gute Alternative.
Doch möchte ich niemandem ausreden, Stangensellerei selbst auszusäen und heranzuziehen. Da der Samen bis zu vier Jahre keimfähig ist, kann eine Samentüte durchaus etwa drei Jahre hintereinander für die Aussaat verwendet werden.
Aussaat:
- ab Mitte Februar bis Anfang März
- hell und warm (Gewächshaus oder Fensterbank)
- Lichtkeimer – nicht bedecken
- gleichmäßig feucht halten
Pikieren:
- Mitte April
- auf etwa 8–10 cm Abstand
- nährstoffreiche Pikiererde fördert kräftigen Wuchs
Auspflanzen
👉 Auspflanzen erst nach den Eisheiligen, ab Mitte Mai. Zwar besteht keine Gefahr, dass Stangensellerei bei Spätfrost erfrieret, denn er ist weitgehend frostfest, jedoch kann es passieren, dass zu früh ausgepflanzte Jungpflanzen, statt kräftige Stängel zu bilden, in den Samen schießen.
Pflanzabstand: 35 × 35 Zentimeter, besser 40 × 40 Zentimeter
Anders als beim Knollensellerie darf Stangensellerie etwas tiefer gepflanzt werden. Das fördert Standfestigkeit und zarte Blattstiele.
Stangensellerie neben Knollensellerie
Mischkultur?
Zur Zeit haben wir noch keine erprobte Empfehlung für die Mischkultur mit anderen Gemüsen. Bei wenige Exemplaren wäre das auch nicht sinnvoll. Zudem würden die Nachbarkulturen das Ernten der Stängel behindern.
Bei uns hat es sich bewährt, den Stangensellerei gleich mit auf das Beet für den Knollensellerei zu pflanzen. Da dieser (wir bauen 12 bis 16 Stück an) gewisserart eine Sonderkultur darstellt, der auf einem gesonderten Beet steht, setzen wir die drei bis fünf Pflanzen der Stangensorten gleich mit auf das Beet.
Im kommenden Sommer (2026) wollen wir die Mischkultur mit Porree erproben. Der Bericht folgt dann natürlich umgehend.
Pflege während der Kultur
- regelmäßig hacken und lockern
- kontinuierlich nachdüngen
- niemals austrocknen lassen
- mulchen in Hitzeperioden hilft enorm, da der Boden nicht so rasch austrocknet
Staudenselleriebeet
Wassermangel führt zu:
- Bitterkeit
- Hohlräumen in den Stängeln
- faserigen Stielen
Wie beim Knollensellerei gilt auch hier:
👉 Abgestandenes, vorgewärmtes Wasser verwenden!
Ernte
Die Ernte beginnt, sobald die Pflanzen kräftige Stiele gebildet haben:
- laufend äußere Stangen abbrechen oder abschneiden
- das Herz (innere Stängel) bleibt stehen
- vollständige Ernte im Herbst
Leichter Frost schadet Stangensellerie kaum, starker Frost hingegen beendet die Kultur. Wir können die Pflanzen jedoch mit Stroh, Laub und einer Abdeckung, die winterliche Nässe abhält, eine gewisse Zeit vor Frost schützen. War der Winter nicht zu streng, treibt der Stangensellerie wieder aus und wir haben bereits im März frisches Grün zum Würzen.
Die überwinterten Pflanzen können wir anschließend Samen ausbilden lassen, den wir einerseits zum Würzen oder wiederum zur Aussaat verwenden. Bei hochgezüchteten Sorten eignet sich der Samen aber nur für die Kultur von Schnittsellerie, wobei die Stangen oft dünner und etwas derber werden. Aber auch der hat ja seine Vorzüge, weil wir ihn im März direkt säen können und die Blätter bereits im Mai erntereif sind.
Lagerung – kurz, aber machbar
Stangensellerie ist kein Lagergemüse.
Kurzfristig hält er:
- im Kühlschrank, eingeschlagen in ein feuchtes Tuch, mehrere Wochen
- kleingeschnitten in einer Frischhaltedose
Für längere Haltbarkeit empfiehlt sich:
- blanchieren und einfrieren (für Gurken- und Kartoffelsalat frieren wir ihn auch unblanchiert ein)
- trocknen
- kleingeschnitten und 2:1 mit Salz vermengt als Suppenwürze
Typische Fehler beim Anbau von Stangensellerie
Bittere Stangen
- Trockenstress
- Nährstoffmangel
Hohle oder faserige Stiele
- unregelmäßige Wasserversorgung
- zu spätes Ernten
Schossen
- Kältereiz in der Jungphase
- Stress durch Hitze und Trockenheit
Stangensellerie in der Küche
- roh mit Dip
- fein geschnitten im Salat
- als Basis für Suppen und Fonds
- gedünstet oder geschmort
- unverzichtbar in der klassischen Mirepoix
Und auch hier gilt:
👉 Das Laub gehört in die Küche und nicht auf den Kompost.
Fazit
Stangensellerie ist ein vielseitiges Frischgemüse.
Er verlangt Wasser, Nahrung und Aufmerksamkeit – schenkt dafür aber Aroma, Saftigkeit und eine Frische, die man nicht kaufen kann.
Wer ihn einmal vom eigenen Beet geerntet hat, wird ihn nicht mehr missen wollen. Und das ist, wie beim Knollensellerie, vielleicht das größte Lob.
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[GJ.6.16] I Bilder und Text G. Jacob 11.2.2026
