Gemüseanbau in der Stadt, Albachiaraa
Gemüseanbau in der Stadt.

In den letzten Jahren hat sich in unseren Städten ein grundlegender Wandel vollzogen, der dem Ruf des "Zurück zur Natur" und dem Streben nach Autarkie durchaus gerecht wird. Beziehungsweise, es hat sich ein eindeutiger Richtungswechsel vollzogen. Heute sind Städte oft besser Lebensräume für seltene Vögel, Eidechsen, Insekten, Schmetterlinge und Wildpflanzen, als ländliche Kulturlandschaften.

Gemüse und Kräuter in einer Kiste - PhotoWegesAuf dem Lande, wo noch intensive Land- und Forstwirtschaft betrieben wird, ist die Umwelt oft nicht so intakt, als in den grünen Großstädten.

Neben diesen Veränderungen, hin zur lebenswerten, grünen Großstadt beobachten wir auch den Trend des so genannten ''neuen Urbanismus''. Landschaft soll nicht mehr zersiedelt werden und die Städte dafür lebenswerter.

Junge Menschen und junge Familien haben nicht mehr unbedingt den Traum vom Eigenheim auf dem Lande, sondern sie wohnen in der Stadt. Wenigstens in bestimmten Lebensabschnitten. Denn in der Stadt ist nicht nur das kulturelle Angebot besser -> es ist die Infrastruktur für junge Familien, die auf dem flachen Lande nicht immer stimmt.

Kindergärten und Schulen befinden sich kaum mehr vor Ort. Außerdem ist man heute in der Arbeitswelt schon um vieles flexibler, als man glaubt. Die Familie zieht der Arbeit hinterher und da ist das gekaufte Eigenheim schon eher eine unnötige Belastung. Es sei denn man mietet sich ein Haus.

Vielleicht gibt es aber auch bei uns parallel zum Urbanismus Veränderungen nach dem amerikanischem Muster: Wohnimmobilien werden öfter kauft und verkauft. Man zieht also in ein minderwertiges Heim und renoviert es während man es bewohnt und verkauft dann teurer, wenn der Ortswechsel ansteht. Aber diese Lebensart ist, wenigsten bei uns in Deutschland, noch nicht kultiviert. Momentan beginnt sich in den Großstädten die Lust am Urban Gardening (dem Gärtnern in der Stadt) teils explosionsartig zu entfalten. Zuerst ist die allgemeine städtische Begrünung zu nennen, die neben Stadtbäumen und Grünstreifen auch zunehmend die Fassaden einschließt. Als nächste waren es die Besitzer der Restaurants und Geschäfte, die das graue Umfeld durch viel Grün in Töpfen und Kübeln aufgewertet haben und nun durchlaufen die Balkon-Gärten einen gewissen Wandel.

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Balkongarten, statt dekoriertem Balkon

Balkontomaten in TöpfenEs sind oftmals die Hausbesitzer, die die Veränderung bewirken, weil sie die klassischen Balkonkästen nicht mehr zulassen, weil das mit Flüssigdünger angereicherte Gießwasser wohl die Baukörper schädigt [?]. Wie dem auch sei. Wurden früher die Balkone vorzugsweise nach außen schön gemacht und Balkon mit Sichtschutz aus Bambus, Whirlpool auf dem Balkon Blumenkaskaden präsentiert, so verlagert man heute die Balkonbepflanzung nach innen. Das ist eine grundlegend andere Gestaltungsphilosophie. Der Balkon wird somit zum Garten, zum abgeschlossenen Raum, der ein Mikrokosmos nach innen ist und nicht Präsentation nach außen. Natürlich wächst damit der Gemütlichkeitsfaktor erheblich, zumal (wie ich schon an vielen anderen Stellen schrieb) ein ''Garten'' nicht durch seine Größe an Qualität gewinnt, sondern durch seine Abgeschiedenheit.

In der Stadt wird heute nicht nur auf dem Balkon oder in der Kleingartensparte gegärtnert. Es entfaltet sich hier auch eine neue und andere, mehr temporäre Gartenkultur. So geben schon mal Kommunen oder Investoren Brachflächen zur gärtnerischen Nutzung frei, die anliegende Mieter vorübergehend bepflanzen und nutzen dürfen. Hier wird dann viel Freizeit im Grünen verbracht, es wird gefeiert und gegrillt und Familien schaffen hier ein kinderfreundliches Umfeld. Ich habe da schon interessante Spielplätze gesehen, wo die Kinder glücklich spielen, auch ohne geschorenen Rasenflächen und vom TÜV geprüftem Spielgerät.

Die oben aufgezeigten Trends zeigen uns doch immer wieder, dass das Grün, Bäume und Blumen und damit auch Singvögel, Hummeln und Schmetterlinge ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebensraumes sind. Vor allem Kinder brauchen ein grüne Welt und der geschorene Rasen im Hausgarten ist damit nicht gemeint. Kinder brauchen Vielfalt. Kinder müssen Beobachten lernen. Da kann ein bunter Balkon mit den vielen kleine Blütenwunderen und mit dem Amselnest wertvoller sein, als der sterile Garten am Haus mit 2000 m² Rasenfläche.

Zum Schluss sei nochmals daran erinnert, dass recht unterschiedliche Konzepte für grüne Städte schon lang existieren. Städtische Parkanlagen wurden schon vor 300 Jahren angelegt. Bekannt ist die Schrebergarten-Bewegung im 19. Jahrhundert oder die der Gartenstädte zu Beginn des 20. Jahrhundert. In den 1980er Jahren kam die Idee auf, die Friedhöfe in der Stadt, dort wo es möglich ist, zu ökologischen Oasen umzugestalten. All diese Konzepte werden nicht abgelöst von den neuen städtischen Gartentrends. Die Vielfalt an grünen Grünen Ideen wird unsere Städte noch bunter, vielfältiger und lebenswerter machen, für Mensch und Natur.


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