Kriechspindel Euonymus fortunei radicans
'Ermerald'n Gold' als typische buntblättrige Sorte der Bodendeckerpflanze.

Die Kriechspindel (Euonymus fortunei radicans) ist ein wirklich robuster Bodendecker für Sonne und Schatten und für trockene Gartenplätze, für Grünanalgen und Gräber. Das Kriechgehölz bildet trittfeste Pflanzenteppiche, aber es klettert auch und begrünt Maschendrahtzäune oder Mauern. Die robuste Kriechspindel verträgt jeden Schnitt und man kann mit ihr auch niedrige Hecken formen. Es ist also wirklich ein Universalgewächs für die Gartengestaltung und vor allem auch für den Balkon. Es ist zwar wüchsig, doch es wuchert nie so stark, wie vergleichsweise Efeu und wenn wir mit ihm ein Stück Mauer oder Fassade begrünen wollen. Denn dies bewirkt Euonymus fortunei radicans nicht mit Haftwurzeln, die später an den Wänden kaum noch abzubekommen sind, sondern allein durch Ranken, ohne anzuhaften.

Bevor wir uns Standort und Verwendung des Gehölzes näher widmen, folgen hier noch einmal die wichtigsten Eigenschaften als Pflanzensteckbrief.

Steckbrief:

  • Heimat ist Fernost
  • winterhart
  • immergrün
  • unauffällige Blüten
  • Wuchshöhe 30 cm bis 3 m
  • kriecht und klettert
  • niedriges Heckengehölz für Einfassungen
  • verträgt Trockenheit
  • im Schatten buntlaubige Sorten verwenden
  • in der Sonne grünes Laub wählen
  • jährliche leichte Düngung ist vorteilhaft

Botanik

Euonymus fortunei am ZaunDie Kriechspindel, auch Teppichkriechspindel oder Kletterspindel genannt, hat den botanischen Namen Euonymus fortunei radicans und ist eine Varietät des Kletter-Spindelstrauches (Immergrüner Spindelstrauch) Euonymus fortunei. Dieses stärker wachsende Klettergehölz stellt eine Art dar, welche der Gattung der Spindelsträucher (Euonymus) zugehörig ist. Diese fügt sich in die Pflanzenfamilie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) und diese in die Ordnung der Spindelbaumartigen (Celastrales). Der Begriff Euonymus stammt aus dem griechischen und heißt so viel wie "in gutem Rufe stehend". Der Artname fortunei verweist auf den schottischen Gärtner und Botaniker Robert Fortune (1813 – 1880), der Japan und China bereiste und erforschte; und nach welchem z.B. auch Funkien benannt wurden: Hosta x fortunei. Die Bezeichnung radicans entstammt dem lateinischen und bedeutet kriechend, wie auch kletternd. Eine enge Verwandtschaft besteht mit unserem heimischen Pfaffenhütchen (Gewöhnlichen Spindelstrauch, Euonymus europaeus) und mit dem interessanten Geflügelten Spindelbaum (Euonymus alatus), welcher als Ziergehölz vor allem wegen seiner feuerroten Herbstfärbung gepflanzt wird. Etwas ferner ist die Verwandtschaft zu den Baumwürgern (Celastrus), unter welchen recht interessante Kletterpflanzen zu finden sind, wie etwa der Baumwürger Celastrus orbiculatus.

Euonymus fortunei Darts Cardinal

Die Heimat der Ursprungsart Euonymus fortunei sind die japanischen Inseln Hokkaidō und Kyūshū, sowie China. Dort gedeihen die Pflanzen auf dem Waldboden, aber auch auf steinigem und felsigem Untergrund.

Verwechslungsgefahr: Wir sollten die hier vorgestellte Art und Varietät nicht mit Euonymus japonicus verwechseln, welche zwar sehr dekorativ wirkt und in Wuchs- und Blattform ähnlich ist, doch bei weitem nicht in der Frosthärte.

Sorten

Die hier vorgestellte Form Euonymus fortunei radicans ist quasi eine Unterart von Euonymus fortunei. Von letzterer Art gibt es Sorten, welche hier mit genannt sein sollen. Diese wachsen stärker und lockerer im Aufbau, als die unten gelisteten Sorten und eignen sich mehr als Kletterpflanzen.

  • 'Blondy' – buschig, goldgelb grüner Rand für Kübelbepflanzungen
  • 'Darts Cardinal' – Kletter-Spindelstrauch mit Früchten
  • 'Sarcoxie' – grünblättrig für Spaliere, Zäune usw.
  • 'Sheridan' – Gold' hellgrün, einige gelbe Ränder, bildet Früchte aus

Von der Unterart der Kriechspindeln gibt es nun aber wiederum etliche Sorten, die hier kurz genannt sein sollen. Neben den grünblättrigen Varianten sind das vor allem die sogenannten buntlaubigen Formen, welche grün-weiß oder gelb-grün usw. panaschierte Blätter besitzen. Die folgenden Formen sind vorzugsweise als Bodendecker zu gebrauchen.

  • 'Coloratus' – grünblättrig
  • 'Horts Blaze' – großblättrig grün
  • 'Ermerald'n Gold' – grün-goldgelb
  • 'Ermerald'n Gaiety' (Emerald Gaiety) – grün-weiß
  • 'Silver Queen' – schönste grün-weiße Form, Foto
  • 'Sunspot' – grün, Blattmitte mit dezentem gelben Streifen

Die Zierpflanze

Standortbedingungen

Trockenheit und Schatten unter großen Laubgehölzen – diese Kombination findet man häufig in Parkanlagen oder auf Friedhöfen. Nach meinen langjährigen Erfahrungen als Friedhofsmeister kann man solche schwierigen Partien nur mit Euonymus fortunei radicans, mit einigen Epimedium-Arten, mit Luzula sylvatica (Waldhainsimse), mit Geranium macrorrhizum (Balkan-Storchschnabel) und bedingt mit Efeu bepflanzen. Doch die Kriechspindel ist die sicherste Wahl und sie ist auch weitgehend trittfest. In der Natur sind solche sehr trockenen Plätze selten, denn im Laubwald bleibt das Herbstlaub liegen und bildet mit der Zeit lockere Humusschichten, welche eher noch Feuchtigkeit speichern und ein nährstoffreiches Bodensubstrat bilden. Hier wachsen nicht selten Bodendecker, welche das Herbstlaub "zu schlucken" vermögen, wie etwa der Efeu oder Goldnessel.

Kriechspindel als Grabbepflanzung

Auf dem Friedhof, im Park oder Garten, wo unter den Bäumen ständig das Laub entfernt wird, trocknet der Boden aber sofort aus und verliert die Nährstoffe. Das ist der Tod für viele Bodendecker, die zwar Schatten vertragen, aber keine langen Trockenperioden und Stickstoffmangel. Die Kriechspindel hält jedoch solche Standortbedingungen aus.

Verwendung als Bodendecker und Pflege

Diese bunten Sorten der Kriechspindel wirken besonders interessant in Schattenpartien, denn die Panaschierung wirkt dort wie das Spiel von Licht und Schatten. Mit der Kriechspindel lassen sich ganz akkurate Flächen gestalten, die sich kaum verändern. Die meisten dieser flachwüchsigen Euonymus-Arten haben eine unscheinbare Blüte. Wem das zu monoton ist, der kann frühblühende Zwiebelpflanzen in den Bodendecker hinein pflanzen. Hierfür eignen sich am besten Schneeglöckchen. Doch so ganz unveränderlich sind Euonymusflächen doch nicht. Im Winter färben sich bei einigen Sorten die Blätter recht interessant und bekommen eine kupferfarbene Färbung.

Euonymus fortunei Emeraldn Gold im Winter

Ebene und flache Bodendeckerflächen entstehen dann, wenn die Kriechspindel jährlich flach mit einer Schere überschnitten wird. Es ist auch nicht schlimm, wenn der regelmäßige Schnitt mal ein, zwei oder drei Jahre ausgelassen wird. Auf jeden Fall wuchert Euonymus bei weitem nicht so stark wie Efeu.

Wenn im Schatten die zweifarbeigen Euonymus-Sorten besser wirken, dann sind für sonnige Stellen oder für ruhig gestalteten Flächen optisch ansprechender. Für diese Pflanzungen verwenden wir die Sorten 'Coloratus', oder 'Horts Blaze', welche etwas größere Blätter ausbildet, als die zuerst genannte Form.

Euonymus fortunei Silver Queen Kriechspindel

Wenn oben auch sehr karge Standorte beschrieben wurden, so sollte es uns nicht abhalten die Gehölze ab und an zu düngen, denn bei regelmäßiger Nährstoffversorgung wachsen sie gesünder und das Laub wirkt frischer. Das Düngen sollte jährlich im April/Mai erfolgen und kann mit einem gängigen flüssigen Blumendünger durchgeführt werden. Man dünge besser öfters moderat, als selten und überstark.

Kettergehölz

Die Klettersorten sind die, welche aus der Ursprungsart herausgezüchtet wurden. Sie sind meist in allen Pflanzenteilen größer, wachsen nicht so dicht und klimmen bis 5 m hoch. Diese Sorten sind ideal zu Begrünung von Zäunen. Mit dem Kletter-Spindelstrauch bepflanzte Maschendraht- oder Gitterzäune sind leichter zu pflegen, als solche mit Efeubewuchs. Es gibt auch Sorten - hier ist es Euonymus fortunei 'Kardinal', welche speziell auf besondere Fruchtausbildung gezüchtet wurden. Hier im Foto zeigt sich auch, dass Euonymus fortunei ein Pfaffenhütchen ist, denn die Früchte gleichen hier sehr der heimischen Strauchart.

Pflanzung und Vermehrung

Für die Pflanzung sollte der Boden gut gelockert und mit Humus angereichert sein. Junge Pflanzen mit Größen von 10 – 20 cm pflanzen wir als Bodendecker mit 7 Stück pro m². Wenn wir diese getopfte Ware mit dem Ballen in die Erde pflanzen, so sollte diese so tief einpflanzen und andrücken, dass die Wurzelballen etwa 1 cm unter Bodenoberfläche kommen. Nach der Pflanzung sollten die Kriechspindeln gut angegossen, aber nicht gedüngt werden. Die getopfte Ware kann das ganze Jahr lang gepflanzt werden, so lange der Boden frostfrei ist. Die optimalste Pflanzzeit ist das Frühjahr. Euonymus fortunei kann durch Stecklinge vermehrt werden, welche im zeitigen Frühjahr oder im August gesteckt werden. Man schneidet sie nicht zu groß und pflanze sie nicht zu schnell um. Ausgebildete Jungpflanzen bilden um vieles schneller geschlossene grüne Bodenflächen, als die selber durch Steckling vermehrten. Anbieter der Kriechspindel sind die Baumschulen und Gartenmärkte. Wer die Pflanzen online kaufen möchte, der kann aber auch nicht viel falsch machen. Günstig ist es, wenn man Ware kauft, die nicht zu alt oder zu groß ist. Den Versand überstehen die Topfgehölze ohne Probleme.


Literatur und Quellen:

  • M.G. Eiselt, R. Schröder Laubgehölze, Leipzig, Radebeul 1977