Allee aus HainbuchenLaubengangartige Allee aus Hainbuchen im Schlosspark in Pulsnitz
Laubengangartige Allee aus Hainbuchen im Schlosspark in Pulsnitz

Allee (französisch allée), zu deutsch "Baumgang" ist ein mit zwei oder mehr Parallelreihen in gleichmäßigen Abständen bepflanzter Weg, gelegentlich auch von Gängen zwischen parallelen Reihen anderer Gegenstände (z.B. von Statuen) gebraucht. Die Allee gehört zum Weg oder zur Straße. Mit der umgebenden natürlichen Landschaft oder der künstlich geschaffenen Gartenlandschaft stehen sie in Bezug auf die Baumpflanzungen innerlich nur in losem Zusammenhang.

Der Zweck

Allee im VorgartenDie Allee, der Weg ist ein Werk des Menschen und findet sich in der Kulturlandschaft, oder in der Park- und Gartengestaltung. Die Baumreihen (oder sei es auch nur ein einzelner Baum am Haus) haben die Aufgabe mit ihrer Krone den Weg zu beschatten und die Wegführung gestalterisch zu betonen. Der Stammbereich sollte transparent bleiben und nicht mit Gehölzen zugepflanzt werden, damit vom Weg aus die Sicht in die Umgebung ermöglicht wird. Eine Allee, mit säulenförmigen Koniferen begleitet, erfüllt ihren Zweck nur bedingt, denn die Schatten spendenden Baumkronen fehlen und die Sicht in den räumlich gegliederten Garten ist eingeschränkt.

Zu erwähnen sind die Obstbaumalleen, deren Zweck die Bewirtschaftung ist. Die geeigneten Sorten an Obstbäumen fassen wir unter dem Begriff des Straßenobstes zusammen. Die Wegebeschattung ist hier meist die Nebenfunktion.
Nützliche Baumalleen sind aber auch diejenigen, welche mit Arten bepflanzt werden, die als Bienenweide dienen (z.B. Linde, Robinie, Bergahorn, Kastanie). In der Stadt bringen Alleen (aber auch die weniger strukturiert gepflanzten Straßenbäume) neben den oben genannten Funktionen aber auch noch den Nutzen, dass sie das Kleinklima erheblich verbessern. Sie schlucken Lärm, Staub und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Zudem bremsen sie Luftströmungen, also den Wind in den Straßen. Das Grün der Blätter beruhigt die Augen. Ein weiterer ideeller Nutzen ist, dass bei der Verwendung von sommergrünen Gehölzen für die Stadtbewohner der Wechsel der Jahreszeiten miterlebbarer wird, als in einer Stadt ohne Grün, wo ein Tag dem anderen gleicht, abgesehen von Tageslicht- und Wetteränderungen. In urbaner Umgebung sollte wegen der dichten Bebauung auf Bäume zurückgegriffen werden, welche eher Tiefwurzler sind, es sei denn man hat Flächen, wo sich die Wurzeln ausbreiten können.

Abstände bei der Pflanzung

Die Baumabstände in der Reihe variieren stark. Sie liegen zwischen 4,5 m und 14 m [1]. Wird die Distanz der Gehölze größer, verliert sich die optische Wirkung eine geschlossenen Allee. Die Pflanzabstände hängen auch von der gewählten Baumart ab, aber nur bedingt. Man kann sehr große Bäume (z.B. Kastanien) sehr eng pflanzen. "Die Alten" fanden solche eng gesetzten Baumgänge romantischer, als weitgepflantze. Die gewollte Enge treiben die Bäume einander gegenseitig in die Höhe; die Allee schließt schneller und dichter, der Dom der Laubenwölbung wird höher, besonders wenn der Weg selbst schmaler ist, als heute allgemein. "Was wir heute als Erbe der Vorfahren ehrfürchtig genießen, jene engen, langen gestreckten Baumtempel, sollten wir auch den folgenden Generationen schaffen: durch die engere Bepflanzung von Parkwegen [2]." meinte bereit vor hundert Jahren der Gartengestalter Willy Lange, der unten noch einmal zu Wort kommen soll. Mit der Dichtpflanzung gibt es einen gewissen nahtlosen Übergang zum Laubengang, der ein ähnliches Gestaltungsmotiv darstellt.

Tunneleffekt

Die Fotos von der romantischen Hainbuchenallee auf dieser Seite habe ich in einer Parkanlage gemacht. Diese befindet sich in der sächsischen Pfefferkuchenstadt Pulsnitz. Es ist der Schlosspark, der unterhalb des Pulsnitzer Schlosses liegt. Der älteste Teil dieser Allee ist sicher über 150 Jahre alt. Der Laubengang ist etwa 200 m lang. Der ältere Teil (Bild oben) hat eine Länge von etwa 100 m. Ihm schließt sich eine jüngere Nachpflanzung an, die ebenfalls eine Länge von etwa 100 Metern aufweist. Der ältere Teil ist 3,80 m breit (Wegbreite von Baum zu Baum). Durch diese Engpflanzung entsteht dann auch dieser schöne Tunneleffekt, welcher durch eine weitere oder auch engere Auseinanderpflanzung nicht in diesen idealen Proportionen vorzufinden wäre.

Die Baumarten

Zunächst ist wichtig festzuhalten, dass man für die Pflanzung eines Baumganges nur eine Baumart und Sorte verwendet. Wer durch eine Artenmischung Natürlichkeit in solche eine Pflanzung bringen möchte, der verkennt, dass Allen unnatürliche Anpflanzungen sind. Die romantische Wirkung einer solchen Anlage entsteht ja durch einen gewissen optischen Rhythmus, welchen Mischpflanzungen nicht bewirken. Zudem könnte im ungünstigen Fall eine Baumart sogar die andere verdrängen.
Die Allee lebt von dem Kontrast des schützenden Grünes und des schützenden Blätterdaches auf der einen Seite und auf der anderen Seite durch eine gewisse Düsternis.

Hainbuchen AlleeFreundliche Düsternis

Das gewollt Heiter-Bedrohliche kennen wir auch aus den chinesischen Gärten und ist eine Kunstform der Gartengestaltung überhaupt. Entsprechend sollte die Auswahl einer geeigneten Baumart sein, welches z.B. frischgrünes Laub aufweist, aber auch eine fast schwarze oder zerfurchte Baumrinde.
Auch die Wirkung der Herbstlaubfärbung sollte bedacht sein, sowie Effekte in der Blütezeit (z.B. Goldregen) oder in der kurze Zeit des Blattaustriebes (rotlaubiger Austrieb).
Eine Liste geeigneter Alleebäume ist also die eine Sache; die genaue Kenntnis von Habitus und Physiognomie der Gehölze und ein besonders Einfühlungsvermögen, die andere.

Zwei romantische Betrachtungsweisen

Durch lichte Landschaft, lichte Gärten führend, bildet der Schattengang einen gewünschten Gegensatz: das lichttrunkene Auge beruhigend, den Sinn sammelnd und doch unterhaltend durch ein Spiel der Baumschatten mit dem eindringenden Licht; klar im Wuchsplan der Äste trotz allem Zweiggewirr; einstimmig durch die Moos- Und Flechtenpatina; einheitlich im Charakter, trotz der Verschiedenheit der einzelnen Baumpersönlichkeiten; scharf gezeichnet im Schnee; verzaubert im Raureif; heiter durch Vogelgesang im sicheren hohen Geäst; von Himmelsblau durchlächelt, von weißen Wolken überflogen, von Mondsilber durchwebt - oder düster im Schatten niederästiger, dicht- und großlaubigen Arten; geheimnisvoll raunend im tropfenden Nebel; ringend im Sturm; durchsponnen von Sonnenglanz im Frühlingsweben - so erscheint uns der alte Baumgang, die fünfzigjährige ALLEE. [2] Noch lyrischer wird es im Gedicht von Christian Morgenstern.

Strassenallee

Quellen:

  • [1] https://www.strassen.nrw.de/umwelt/gehoelze-an-strassen/alleen.html
  • [2] Willy Lange, Gartengestaltung der Neuzeit, Leipzig 1907
  • Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14 Auflage, Erster Band Leipzig 1908; Allee - Seite 416 (Definition)