Peter Daetz
Der Stifter im Jahre 2006

Peter Daetz, der langjährige Direktor der Siemens AG, trat 1991 in den "Ruhestand" und engagiert sich fortan für verschiedenste wirtschaftliche Förderprojekte in Sachsen. 1998 gründete er mit seiner Ehefrau Marlene die Daetz-Stiftung und die Betreibergesellschaft des "Daetz-Zentrum Lichtenstein GmbH". Die folgenden Aufnahmen aus dem Jahr 2006 mögen schon Historie sein, doch die Ausstellungen und Gärten in Lichtenstein bleiben zeitlos. Anfahrt-Adresse der Sehenswürdigkeit: Germany, Sachsen, 09350 Lichtenstein (bei Chemnitz, Stollberg), Schlossallee 2 - Angaben ohne Gewähr.

Die Erlebnisausstellung mit Meisterwerken in Holz von fünf Kontinenten

Wer diese ganz besondere Ausstellung noch nicht gesehen hat, der wird umsomehr erstaunt sein, wie relativ das eigene Zeitempfinden ist, wenn man den Rundgang durch das umfangreiche Holzschnitzkunstkabinett gemacht hat. Zwei oder drei Stunden kommen dem aufmerksamen Besucher vor wie dreißig Minuten. Damit soll gesagt sein, dass man sich für den Besuch des Daetz-Zentrums genügend Zeit lassen sollte. Drei bis vier Stunden sind nicht zu viel. Ausgestellt sind die Werke handwerklicher Holzbearbeitung bis hin zur Holzbildhauerei, der bildenden Kunst. Bemerkenswert ist aber auch die hier vorzufindende Volkskunst, welche durchaus nicht den Anspruch einfacher Folklore hat, sondern Kunst im wahren Sinne des Wortes ist. Zum einen bewundern wir die hohen handwerklichen Fähigkeiten der Meister, die sich beispielsweise in einer geschnitzten Kugel manifestiert. Aus einem Stück Sandelholz hat der Künstler Yu Ying Shun (aus Wenzhou, China 1997) neunundzwanzig ineinanderliegende und frei bewegliche Kugeln herausgearbeitet.

Video-Notizen aus dem Jahr 2006

Holzschnitzkunst aus Afrika

Neben den endlos vielen Ausstellungsstücken möchte ich die edelhölzernen Skulpturen der afrikanischen Künstler unbedingt erwähnen. Es sind merkwürdige und einprägsame, transparente Plastiken. Im Bild siehst du eine Schnitzerei des Künstlers Hossein Anangangola (Volk der Makonde, Tansania). Die grazile und zugleich bizarre Skulptur aus Ebenholz zeigt Geisterszenen der Ahnen, die für eine gewisse Zeit ruhelos in einer Art Zwischenwelt vermutet werden. Übrigens, wer afrikanische Holzschnitzereien kaufen möchte, der findet im Shop des Daetz-Zentrums entsprechend künstlerische originale Unikate zu fairen Preisen.

afrikanische Schnitzerei

Holz und Gold

Ich habe die Fotos (Bilderserie) wegen der Wirkung und Symbolik des Goldes gemacht, das hier mit dem Holzkunstwerk zusammenwirkt. Ich dachte sofort an das recht eigenwillige Buch des Japaners Jun' Ichiro Tanizaki "Lob des Schatten"* aus dem Jahre 1933 (deutsch: Entwurf einer japanischen Ästhetik Zürich 1987). Jun' Ichiro Tanizaki kritisiert darin die Inflation des "zuviel an Licht" in den Lebensbereichen der Menschen. Die Farbe des Goldes hatte früher eine wichtige Lichtwirkung in lichtarmen Räumen. Wir kennen dies beispielsweise aus den Kirchen mit ihren vergoldeten Altären, die im Kerzenlicht zur Geltung kommen. Leider wird diese ursprüngliche Wirkung immer häufiger durch elektrisches Licht und ganz besonders durch sogenannte Spotlichts (Punktstrahler) zerstört. Die Farbe Gold in der sakralen Kunst hat also kaum etwas mit Prunksucht zu tun, sondern mit der optischen Wahrnehmung in Räumen, die nur mit wenig Kerzenlicht erhellt werden.

Moderner Schrein, Japan, Kiefernholz und Gold
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Gold symbolisiert auch die Transzendenz.
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Mandeley-Buddha aus Myamar 18. Jahrhundert
Mandeley-Buddha aus Myamar 18....

Die Bewohner der dunklen Häuser in früheren Zeiten ließen sich wohl nicht nur von der wundervollen Farbe des Goldes bezaubern, sondern kannten gleichzeitig seinen praktischen Nutzen. Denn in den lichtarmen Innenräumen hatte es ohne Zweifel auch die Aufgabe des Reflektors [...] um die Helligkeit zu erhöhen. Wenn das zutrifft, liegt der Grund für die ungemeine Wertschätzung des Goldes auf der Hand: Während nämlich der Glanz von Silber und andern Metallen bald verblasst, bewahrt es das Gold sehr lange und seine Leuchtkraft mildert so die Düsternis eines Innenraums.

Jun' Ichiro Tanizaki schreibt weiter:

Hier und da macht man die Entdeckung, dass der Goldstaub, der eben noch einen gleichsam schlummernden, gedämpften Widerschein hervorgebracht hat, beim Zurseitetreten wie Feuer aufflammt [...] Hier erst wird mir ganz deutlich, warum die Alten ihre Buddhastatuen oder die Wände in den Wohnräumen der Vornehmen vergoldet haben.

Ein Vanitas-Symbol - Vergänglichkeit alles Irdischen

Holzplastik aus Lindenholz: "Die Versuchung" – nach dem antiken Motiv "Das Mädchen und der Tod" von Tobias Haseidl 2001 (ein Totentanzmotiv, Vanitas-Symbol)

Englischer Garten

Unbedingt erwähnenswert sind die Gartenanlagen am Ausstellungsgebäude. Nahe am Baukörper finden sich architektonisch geprägte Gartenanlagen (Französischer Garten) mit einer wunderschönen Aussicht auf die erzgebirgische Kleinstadt Lichtenstein.

Lichtesnstein Englischer Garten

Ein kleiner mustergültiger Englischer Garten schließt an und lädt zum entspannenden Rundgang ein, der bei gemächlichem Schritt dreißig Minuten dauert. Sandsteinplastiken bilden Fixpunkte in der Anlage, und am hintersten Punkt des Gartens bietet eine kleine Laube den nötigen Ruhepol, die gesammelten Eindrücke von der Ausstellung im Herzen zu bewegen. Es ist also ratsam, den Parkbesuch im Anschluss an die Besichtigung der Holzkunstwerke zu planen. Wenige Minuten von der Holzbildhauerausstellung entfernt befindet sich übrigens auch der Miniaturenpark Lichtenstein, ein passendes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Mit dessen Erwähnung sei die Bemerkukg gestattet, dass es ratsam ist, den Rundgang im Daetz-Zentrum besser nicht mit Kleinkindern zu planen. Es sei denn, deren Begleiter stellen sich mit den Kindern speziell darauf ein, was aber nicht jedem gegeben ist.


* Das Büchlein "Lob des Schatten" sollte in keinem Bücherschrank desjenigen fehlen, der sich nur irgendwie mit Raumgestaltung, Kunst, sakraler Kunst, Lichtgestaltung, Völkerkunde (Ethnologie), Japanologie, Zen oder Mystik beschäftigt.. Das erschwingliche Buch eignet sich bestens als Geschenk in intellektuellen Kreisen.