Venus und Amor
Antike Story um eine eifersüchtige Schwiegermutter.

"Venus schneidet Amor die Flügel" und in anderer Version* "Venus droht, Amor die Flügel zu stutzen", so heißt die Skulptur, um die es hier geht und die kurz beschrieben werden soll. Prinzipiell ist es empfehlenswert, sich einmal näher mit den Plastiken zu beschäftigt, an welchen man in seiner Stadt des Öfteren vorbeigeht. Kennt man ihre Geschichte, sieht man diese Kunstwerke gleich mit anderen Augen und kann den kurzen Moment des Vorübergehens besinnlich nutzen und über die dahinterstehenden, oft sehr tiefsinnigen Mythen meditieren.

Das hier vorgestellt Motiv findest du auf der Bürgerwiese in Dresden. Es ist eine Plastik des Bildhauers Theodor Heinrich Bäumer 1836 – 1898, ein Schüler des Bildhauers Wilhelm Schwenck.

Venus stutzt Amor die Flügel

Park im englischen Stil

Die Mamorplastik befindet sich auf der im 15. Jahrhundert angelegten Bürgerwiese. Sie ist die älteste Grünanlage der sächsischen Landeshauptstadt. Später wurde die Anlage im Stile der englischen Landschaftsgärten umgestaltet und reich mit Skulpturen ausgestattet. Verantwortlich für diese Umgestaltung war der Hofrat und Königlich Sächsischer Obergartendirektor Johann Carl Friedrich Bouché (1850 – 1933), ein geistiger Schüler des bekannten preußischen Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné (1789 – 1866).

Venus und Amor Plastik auf der Bürgerwiese in Dresden

Venus, Amor und Psyche. Der Mythos.

Die Geschichte findet sich ausführlich in dem antiken Roman von Lucius Apuleius (um 125 – 170 n. Chr.) den "Metamorphosen" (Verwandlungen, im Deutschen auch "Der goldene Esel", Nachdrucke sind vorhanden). Die darin enthaltene Erzählung von Amor und Psyche war in der Renaissance sehr beliebt. Das Kunstthema findet sich sodann auch im Barock, wie auch hier auf der Bürgerwiese im Neoklassizismus. Heute ist der Mythos allgemein weniger bekannt und somit sei er in aller Kürze aufgefrischt:

Amor und Psyche Sandsteinplastik

Der Liebesgott Amor verliebte sich in das wunderschöne (aber sterbliche) Mädchen Psyche. Diese war die Tochter eines Königs, und Amor besuchte sie heimlich bei Nacht. Zum großen Ärger seiner Göttermutter Venus, die ohnehin schon eifersüchtig auf das Mädchen war, da diese so sehr von den Menschen verehrt wurde, dass man die Schönheitsgöttin Venus ganz vergaß und ihre Tempel verfallen ließ. Die Geschichte nimmt wie geahnt eine ungünstige Wendung, denn Psyche hatte zwei neidische Schwestern, die es schafften das Paar auseinander zubringen. Doch am Ende geht alles gut aus, und Amor und Psyche heiraten. Durch Zeus wird ihr die Unsterblichkeit geschenkt. Aber es bleibt wohl auf immer ein gestörtes Verhältnis zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter.

P.S. Die Bilder der Plastik stammen vom 12. März des Jahres 2005. Heinrich Bäumer war neben seinem Kollegen Hermann Hultzsch einer der prominenten Freimaurer in Dresden. Zur verschwiegenen Bruderschaft gehörten auch Persönlichkeiten wie der Herrnhuter Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (was kaum bekannt ist) und der Philosoph Karl Christian Friedrich Krause.

Widmung und Signum Theodor Heinrich Baeumer

* Die Marmorskulptur findet man in den Auflistungen der Dresdner Parkplastiken auch unter dem Titel "Venus, Amor die Flügel beschneidend"