Psyche Üppigkeitsvase Großer Garten
Psyche auf der "Üppigkeitsvase" im Dresdner Großen Garten

Das Bildmaterial des Beitrags (Skulpturen) hat in diesem Falle mehr regionalen Bezug und wurde in Dresden und dessen Umland recherchiert. Doch finden sich vergleichbare Motive, die meist aus barocker, romantischer und klassizistischer Zeit stammend, in vielen deutschen Landstrichen. Oft gehen wir an solchen alten Plastiken oder Gemälden vorbei und können das Werk nicht schätzen, weil wir die Hintergründe, also die Mythen über Amor und Psyche, nicht kennen. Dem soll hier in aller Kürze abgeholfen werden und wir werden am Ende feststellen, dass die Protagonistin im allegorischen Sinne tatsächlich etwas mit der Seele (Psyche) des Menschen zu tun hat. 

Zwei "Metamorphosen"

Die Renaissance (europäische Kulturepoche des 15. und 16. Jahrhunderts) entdeckte die Antike wieder und mit dem auch die Werke deren Klassiker. Die Geschichte von Amor und Psyche, ein antikes Kunstmärchen, findet sich im Roman von Lucius Apuleius (um 125 – 170 n.Chr.) "Der goldene Esel" (Nachdrucke in deutscher Sprache sind vorhanden).

Amor und Psyche Doppelplastik

Der Roman des Apuleius hat im Lateinischen übrigens ebenfalls den Titel "Mentamorphosen", wie die Mentamorphosen des Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.) mit ähnlichen Inhalten, was leicht zu Verwechslungen führt. Jedenfalls finden sich seit der Zeit der Renaissance und später im Barock oder Klassizismus viele Kunstwerke, welche griechische Mythen zum Thema haben, wie Ceyx und Halkyone oder das Paar Venus und Amor oder wie hier beschrieben.

Die Geschichte handelt von drei Königstöchtern, deren jüngste (Psyche) von solcher Schönheit war, dass sich ihr Ruf über die Grenzen hinweg in aller Welt verbreitete. Die Menschen aus allen Ländern kamen, um sie zu sehen und im Lande vernachlässigte man ihretwegen wohl sogar die Tempel der Venus, was letztere sehr wütend machte. Sogleich befahl sie ihrem Sohn, dem Amor seine Verliebungspfeile so zu verschießen, dass Psyche einen hässlichen Ehegemahl abbekommen sollte. Doch der Liebesgott Amor verliebte sich selber in das Mädchen und schief mit ihr nur bei Nacht, ohne dass sie wusste, dass sie als Sterbliche mit dem Liebesgott zusammen lag, denn das wollte er verhindern. Nun kommen die eifersüchtigen Schwestern ins Spiel, die es schafften das Paar zunächst auseinander zubringen, doch am Ende geht alles gut aus und Amor und Psyche heiraten – und Psyche wird durch Zeus die Unsterblichkeit geschenkt.

Sandsteinplastik im Barockgarten Heidenau-Großsedlitz
Sandsteinplastik im Barockgart...
Erotische Gestik und Anspielung
Erotische Gestik und Anspielun...
[2] Replik einer Arbeit in Marmor.
[2] Replik einer Arbeit in Mar...
[3] Teilausschnitt des Reliefs auf der Vase:
[3] Teilausschnitt des Reliefs...
Putte.
Putte.
[4] Bilder vom April 2007. Regenwaldlauf im Großen Garten Dresden.
[4] Bilder vom April 2007. Reg...

Interpretation: der tiefere Kern der Erzählung

Das antike Märchen wurde auch von der christlichen und neuplatonischen Allegorese ausgelegt – ein beliebtes Thema dieser Spekulationen war dabei, der Wandel im Menschen vom Kopfverstand der Weisheit zum Denken des Herzens – der Liebe – sowie der Wandel vom Zeitlichen zum Ewigen. Grundlage ist der Platonismus, welcher die sterbliche, erdgebundene Menschenseele mit einem göttlichen und Geistfunken ausgestattet sieht. Kommt dieser lichte Kern zur Entfaltung, so wird die Seele selber Geist. Die Geschichte von Psyche, welche durch den göttliches Amor am Ende selber göttlich wird, ist wohl die eindrücklichste allegorische Erzählung zu Platons Gedankenwelt und der der Hermetiker. Die menschliche Psyche als Gesamtheit des menschlichen Fühlens und Empfindens wird durch diese mystische Hochzeit unsterblich, doch scheint die Geschichte immer wieder weiter zu gehen, denn dieser Geist im Menschenherzen ist selber noch ein Kind und muss wachsen und die Tugenden erlernen. So endet die Geschichte der beiden antiken Protagonisten und wohl auch die Erkenntnisse Goethes zu dieser Liebeshochzeit.

Psyche Skulptur Üppigkeitsvase Grosser Garten Dresden

Natürlich dürfen wir bei all diesen tiefsinnigen Deutungen nicht vergessen, dass in der Zeit des Barock auch die Lebenslust hoch angeschrieben war und die Auftraggeber für solche Kunstwerke auch immer auf die erotischen Aspekte erpicht waren. Man stellte sich diese Skulpturen in die Lustgärten, zwar mit dem Wissen um die antiken Mythen und um den Wert dieser Kunstwerke, den sie dadurch innehaben, doch dies war gewisserart nur spielerisches Blendwerk, mit dem jeder gebildete Parkbesucher der damaligen Zeit würdig umzugehen wusste. Dieser Inhaltliche Kontrast macht die Werke zu wirklichen Kunstwerken. Oder anders ausgedrückt heißt das konkret, dass es für die frivolen Auftraggeber der Werke an die Künstler fast immer auch den Auftrag gab, tiefsinnige Oberflächlichkeiten zu schaffen und bei dieser Thematik gern mit erotischem Inhalt. Die Skulpturen-Beispiele, wie Gemälde zeigen dies, auch in Bezug auf das weibliche Schönheitsideal jener Zeit. In diesem Sinne sollten wir diese Kunstwerke betrachten und scheinbar nebensächliche Details ergründen, finden und auf diese Weise Parkanlagen neu entdecken.


[1] Noch ein paar nachdenkliche und erklärende Zeilen von Goethe: Selbst ein so himmlisches Paar fand nach der Verbindung sich ungleich: Psyche ward älter und klug, Amor ist immer noch Kind. Zur Symbolik des Schmetterlings und der Schmetterlingsflügel. Genau genommen hat die Skulptur Nachtfalter-Flügel, welche im Bild oben (Doppelplastik, Sandstein) dem Amor (Eros) als Attribut gegeben ist.

[2] Die Vase (seit 1834 aufgestellt) stammt vom Bildhauer Antonio Corradini (1668-1752). Die hier abgebilddete "Üppigkeitsvase", deren Namensgebung nachzuvollziehen ist, hat seinerzeit den preußischen König Friedrich II so sehr beeindruckt, dass er sich davon eine Kopie für Sanssouci anfertigen ließ. Die Vase stand ursprünglich im Garten des Premierminister Reichsgraf Heinrich von Brühl (1700-1763) am Sommerpalais in Dresden-Friedrichstadt. Seinen Wohnsitz hatte der Graf aber in Seifersdorf, das durch den dortigen Landschaftspark (Seifersdorfer Tal) heute noch einige Berühmtheit besitzt.

[3] Teilausschnitt des Reliefs auf der Vase: Auf dem Fries sind Szenen der Alexanderschlacht bei Issos dargestellt. Ich denke mal, das soll das menschliche Treiben auf der Erde darstellen und das menschliche Streben nach Ruhm und Ehre. Oben auf der Vase geht es dann um die edleren Bestrebungen des menschlichen Herzens: Liebe.

[4] Der 25. April ist der Tag des Baumes. Hier fand die Dresdener Baum- und Waldaktion des Jahres 2007 statt: "Lauf um mein Leben" - Regenwaldlauf, Auftaktveranstaltung.

Der Dichter Conrad Ferdinand Meyer nimmt sich in einem interessanten Gedicht zu einer Marmorplastik der Thematik Amor und Eros an.