Steckzwiebeln (Definition) / Eigenanbau

Steckzwiebel Sorte Marbo

Die Steckzwiebel ist eine zur Weitervermehrung geeignete kleine Küchenzwiebel, eine kleine Bolle [1], etwa von der Größe einer (wilden) Haselnuss. Der botanische Fachbegriff ist Bulbus (unterirdischer Spross), der sich in Vegetationsruhe befindet. In der Natur geraten Pflanzen mit diesem Speicherorgan (Mehrzahl: Bulben) in Trockenperioden oder in den Wintermonaten in eine Vegetationsruhe. Speisezwiebeln (Allium cepa) überwinterten in ihre Urform, doch sind auch heute viele der Sorten überwinterungsfähig (siehe Winter-Steckzwiebeln anbauen). Da sie vom Anbieter in einem Kalenderjahr produziert wurden und von uns im folgenden Jahr im Garten weiterkultiviert werden, spricht man vom zweijährigen Anbau. Ohne diese Erklärung wird der Gärtner, der sich nicht intensiv mit solchen Begrifflichkeiten auseinander gesetzt hat, oftmals verwirrt. Ebenso ist es mit dem Begriff Pflanzzwiebel [2].

Aus der Steckzwiebel entwickelt sich das Gemüse schneller, als wenn wir sie aussäen. Haben wir sie beispielsweise im März gesteckt, sind sie bei idealem Wetter bereits im Juni erntereif. Das erkennt man daran, dass das Laub gelb wird und umkippt. Wer die Zwiebeln aussät, kann erst Ende August mit einer Ernte rechnen. Dafür aber, weil die Hauptwachstumszeit für das Würzgemüse im August liegt, werden sie größer.

In der Regel kaufen wir das Pflanzmaterial im Garten- oder Supermarkt oder im Online-Handel. Und vielleicht hat sich schon so mancher Hobbygärtner gefragt, ob er die, im Vergleich zu im Gemüseregal angebotenen Speisezwiebeln, doch recht preisintensiven Steckzwiebeln auch selber heranziehen kann. Dieser Thematik möchte ich in dem Beitrag besondere Aufmerksamkeit schenken.

Besonderheiten

Steckzwiebeln selber herstellen funktioniert aber nur, wenn:

  1. sich die Sorte auch dafür eignet (z.B. Stuttgarter Riesen)
  2. sie schnell reifen konnten (unten erklärt)
  3. sie nicht zu groß sind (optimal ist Haselnussgröße)
  4. sie einer besonderen Wärmebehandlung unterzogen wurden (Darre, siehe unten)

Ansonsten gehen sie in der Vegetationsperiode sofort in die Blüte und bilden keine Bulben aus. Haben wir Pflanzmaterial, das den oben genannten Kriterien entspricht, dann ist die Eigenproduktion von Steckzwiebeln für den Freizeitgärtner ein unkompliziertes Verfahren.

Allerdings müssen aber auch alle Bedingungen eingehalten werden. Ansonsten treibt der gesteckte Bulbus zuerst Laub und dann sehr oft einen kräftigen Blütentrieb, welcher ihn komplett auflöst. Der Grund dafür ist, dass Allium cepa eine zweijährige Pflanze ist, also ein Jahr lang wächst, dann überwintert und im zweiten Jahr blüht. Werden Zwiebeln im Frühjahr direkt gesät, reifen sie noch im gleichen Jahr ohne Blütenbildung aus und sind erntereif (September). Würden wir die Kleineren von ihnen jetzt einfach aufheben und im kommmenden Jahr als Steckzwiebeln verwenden, haben sie bereits eine komplette Vegetationsperiode hinter sich und wollen im zweiten Jahr von Natur aus nur noch Samenstände bilden. Nur besonders kleine Exemplare (Durchmesser nicht mehr als 1,5 Zentimeter) wären dafür geeignet. Das ist das Problem, welches im Hintergrund steht.

Steckzwiebeln rot und gelb

Aber unter Einhaltung der oben genannten Kriterien lässt es sich lösen. Da ist zum Einen die Auswahl der Sorte. Dass es beispielsweise im Handel für den Steckzwiebel-Anbau überwiegend nur die Sorte 'Stuttgarter Riesen' [3] zu kaufen gibt, liegt daran, dass diese dazu neigt, erst im dritten Jahr zu blühen, was gewissermaßen ein Novum ist. Mittlerweile wurde zwar das Spektrum erweitert und es werden vergleichbare Sorten, wie rote und birnenförmige, angeboten, doch rate ich dem Selbstversorger, sich für die sicher kalkulierbare Kultur der 'Stuttgarter Riesen' zu entscheiden. Sie haben sich seit über 80 Jahren bestens bewährt. An vielen neuen Sorten habe ich beobachtet, dass bis zu zehn Prozent in die Blüte schießen. Ich kaufe sie trotzdem, um Abwechslung zu haben und kalkuliere den Ausfall ein.

Anzucht von Steckzwiebeln

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anzucht in möglichst kurzer Kulturzeit. Der Trick, möglichst kleine und viele Exemplare zu erhalten, ist, den Samen im April bis Mitte Mai auf mageren Boden [4] und ziemlich dicht zu säen. Anschließend wird die Saat vorsichtig ein wenig eingeharkt und die Erde zum Schluss etwas festgedrückt. Fällt kein Regen, wird anfangs öfter vorsichtig überbraust. Der Samen geht nach 14 bis 21 Tagen auf – je später und wärmer, um so schneller. Sie behindern sich gegenseitig schon bald beim Dickenwachstum und bleiben auch aus Nahrungsmangel kleiner als normal. Folglich sind sie auch schneller reif. Von den gewonnenen Steckzwiebeln können die zu groß geratenen in der Küche Verwendung finden. Nur die mit optimaler Größe werden für den Anbau zurückgelegt.

Aussaat in Reihen

Auf Beeten, die rasch verunkrauten, säen wir in Reihen. Diese sollten einen Abstand von zehn Zentimetern haben. Auf einen Quadratmeter Anzuchtbeet kommen 10 bis 15 Gramm Samen zur Anwendung.

Breitwürfige Aussaat

Sie ist rentabler als die Reihensaat. Beitwürfig können wir gewöhnlich bei jedem Zwiebelanbau säen. Um Steckzwiebeln zu gewinnen, säen wir jedoch die vier- bis sechsfache Menge an Samen. Das sind ungefähr 25 bis 30 Gramm pro Quadratmeter. Dafür begrenzen wir die Beetfläche auf die entsprechenden Quadratmeter, wiegen den Samen auf einer präzisen Küchenwaage ab und streuen diesen in mehreren Portionen jeweils über der gesamten abgesteckten Fläche aus.

Pflege – schnelle Reife

Die einzige Pflege ist das Gießen bei großer Trockenheit in der Wachstumsphase und das Unkrautjäten. Die Zwiebelchen kommen relativ rasch in ein Dickenwachstum und reifen dann aber wegen der Enge der Saat und der Nährstoffknappheit auch rasch aus. Ende Juni, Anfang Juli wird das Laub gelb, sodass wir sie aufnehmen können. Nach der Ernte lassen wir sie draußen, am besten auf einem überdachten, trockenen Platz, in der Sonne 14 Tage nachreifen. Anschließend bewahren wir sie in einem luftigen Behältnis an einem trockenen Ort bis zum Jahresende zur Darre auf.

Könnten wir nun auch von normal kultivierten, gesäten Zwiebeln, die im Spätsommer zur Ernte kommen, die kleineren Exemplare zum Stecken verwenden? Sie haben im Gegensatz zur oben beschriebenen Prozedur eine längere Kulturzeit hinter sich. Deshalb eignen sie sich nur bedingt zur Vermehrung, weil sie zu einem hohen Prozentsatz sofort in den Samen schießen werden. Nur eine kurze Reifezeit, wie sie die dichte Aussaat auf magerem Boden bewirkt, verhindert, dass sich im Inneren der Zwiebelchen ein Ansatz für den Blütentrieb bildet.

Das Darren der Steckzwiebeln

Das Darren [5] der Steckzwiebeln ist eine wirklich nützliche Erfindung und wurde nach meinen Recherchen erst in den 1940er Jahren bekannt. Die Wärmebehandlung, die unten genauer beschrieben wird, bewirkt, dass der Ansatz für die Blütenbildung in der Zwiebel abstirbt. Das bringt etliche Vorteile, da nun auch größere als nur haselnussgroße Bollen verwendet werden können. Denn wie bereits erwähnt, neigen die größeren Exemplare dazu, sofort in die Blüte anstatt ins Dickenwachstum zu gehen.

Alle Vorteile auf einen Blick:

  • weniger Pflanzgut geht in die Blüte
  • größere Steckzwiebeln können Verwendung finden
  • der Ruhezustand ist tiefergehend und führt nach der Pflanzung zu einem intensiveren Wachstum
  • in Summe kann mit einer ca. 30%igen Ertragserhöhung gerechnet werden
  • das Erntegut ist länger lagerfähig (ungedarrt halten sich Steckzwiebeln oft nur bis Jahresende)
  • auch die für die Lagerung ungünstiger Größen von durchschnittlich 100 Gramm Gewicht [6]

Die technische Umsetzung ist relativ einfach an einem Kachelofen zu bewerkstelligen oder noch einfacher am Heizkörper der Zimmerheizung, da hier die Temperatur konstant eingestellt werden kann.
Nach der Ernte werden die Steckzwiebeln zunächst bis Ende des Jahres luftig aufbewahrt, nochmals durchgesehen und dann im Januar in trockener Umgebung für zwei Wochen einer höheren Temperatur ausgesetzt. [7] Empfehlenswert ist eine relativ konstante [8] Temperatur zwischen 25°C und maximal 30°C. Die Darre dauert ca. 14 Tage. Durch diese Prozedur stirbt der Blütenansatz in den Zwiebelchen ab. Zudem fallen sie in einen intensiveren vegetativen Ruhezustand. Die anschließende Lagerung sollte bei 15°C, besser noch bei Zimmertemperatur (20–22°C), erfolgen.

Empfehlung – nachdarren

Von Kleingartenvereinen wird nicht selten geraten, sogar gekaufte Steckzwiebeln vorsichtshalber nochmals selber zu darren, was durchaus empfehlenswert ist, weil bei Industrieware die korrekte Darre nicht immer garantiert werden kann. Die zweimalige Prozedur schadet nicht.

Sorten

Entsprechend meinem Rat kommt für Selbstversorger zunächst die Sorte 'Stuttgarter Riesen' oder auch die Sorte 'Sturon' [9] infrage. Wie viel wir für den Anbau im Garten benötigen (Bedarfsberechnung), ist hier weitergeführt.
Alte Sorten, die früher auch ohne Darre funktionierten, doch heute kaum noch Verwendung finden, möchte ich trotzdem erwähnen [+++ bestens geeignet + weniger gut geeignet]. Es sind:

  • 'Weiße Königin' (schießt nie) +++
  • 'Bronzekugel' ++
  • 'Braunschweiger Dunkelblutrote', plattrund, fest, sehr scharf, sehr haltbar ++
  • 'Bördeperle' ++
  • 'Eisenkopf' +++
  • 'Sturon' +++
  • 'Stuttgarter Riesen' +++
  • 'Zittauer Riesen', gelb, sehr ertragreich, hochrund, lange lagerfähig +

Sonderform – Schalotte

Eine Sonderform und quasi auch eine Steckzwiebel ist die Schalotte. Es ist eine Artvariante der Allium cepa, die kaum zur Samenbildung neigt, jedoch stark zur Teilung und zur Bildung sogenannter Brutzwiebeln. Für den Hobby-Gärtner ist es die einfachste Möglichkeit, "Steckzwiebeln" selber zu gewinnen. Vor allem benötigen sie keine extra Wärmebehandlung (Darre, siehe oben)! Der einzige Grund dafür, dass sie seltener angebaut werden, ist der, dass sie pro Quadratmeter geringere Erträge bringen und in unseren Breiten relativ kleine Bollen ausbilden. Ein Vorteil der Schalotte ist, dass ihre Kulturzeit kürzer ist, als die der gesäten oder gesteckten Küchenzwiebeln und dadurch zeitiger das Beet freigeben. Sie sollen auch ein besseres Aroma haben, doch das war wohl nur vor hundert Jahren der Fall. Bei der Masse an neuen, wertvollen Sorten der Küchenzwiebel sind auch dort geschmacklich hochwertige dabei.

Eine Schalotte bildet in der Reife etwa vier bis fünf Nebenzwiebeln aus, von denen die großen in der Küche und die kleinen als Steckzwiebeln Verwendung finden.


Hinweise zum Text

[1] Bei der Zwiebel ist umgangssprachlich zunächst die Küchenzwiebel (Gemüsezwiebel) in ihren verschiedenen Variationen wie Schalotte, Frühlings-, Winter- oder Perlzwiebel gemeint. Für die gewöhnliche Form, wie sie in der Küche am meisten Verwendung findet, existiert noch der regionale, volkstümliche, und wie ich finde sehr treffende Begriff der "Bolle" (Brandenburger, Berliner Raum), den ich hier in diesem Text mit aufgegriffen habe.

[2] Ich möchte darauf hinweisen, dass es beispielsweise beim Lesen von Anbauanleitungen bezüglich der Küchenzwiebel (Speisezwiebel, Allium cepa) zu Fehlinterpretationen kommen kann, wenn gartenbautechnische Begriffe nicht mit genaueren Definitionen versehen werden. So können Gärtner, wenn sie nicht über ein gewisses Spezialwissen verfügen, leicht zu falschen Annahmen gelangen. Also, wenn beispielsweise Pflanzkartoffel und Saatkartoffel das selbe sind, so sind Steckzwiebel und Pflanzzwiebel zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei der Pflanzzwiebel handelt es sich um junge vorgezogene Setzlinge mit grünem Blattwerk aus dem Gewächshaus.

[3] Sorte 'Stuttgarter Riesen': Bei der einjährigen Kultur (direkte Aussaat im Frühjahr) wachsen sie zu ziemlich große Bollen heran. In der Kultur als Steckzwiebel bleiben sie kleiner; reifen jedoch schneller aus.

[4] Wenn gedüngt werden muss, dann möglichst keinen Stickstoff, sondern bevorzugt Kali und Phosphor.

[5] Darre, darren – leitet sich von dürren (austrocknen) ab.
Perkun, Richard; Das Deutsche Wort; Speyer am Rhein, 1965. Der wissenschaftliche Fachausdruck ist Antivernalisation.

[6] Die Angabe zur Lagerzeit bezieht sich auf den Hausgebrauch. Die heutzutage im Supermarkt erhältlichen Zwiebeln können durch kühle und trockene Speziallagerung, durch CA-Lagerung, Ethylen-Gas (Sprossunterdrücker Restrain) oder durch andere chemische Keimhemmer sehr viel länger aufbewahrt werden. Siehe z.B. https://web.archive.org/web/20201026014817/https://restrain.eu.com/de/products/onion-storage/

[7] In Steckzwiebel-Anbaugebieten z.B. Gochsheim bei Schweinfurt wurden früher (1940er Jahre) die Steckzwiebeln um die Weihnachtszeit gedarrt, was überwiegend in der warmen Küche am Herd bewerkstelligt wurde. "In Drahtsieben werden sie in 20 Zentimeter hoher Schicht unter der [Zimmer-] Decke in einem gut beheizten Raum aufgehängt." (Stein; Zwiebeln das ganze Jahr)

[8] Kann die Temperatur nicht Tag und Nacht konstant gehalten werden, dann drei bis vier Wochen lang darren.

[9] Samen oder fertige Zwiebelchen der Sorten 'Stuttgarter Riesen' und 'Sturon' sind im Handle leicht erhältlich (online kaufen) und sie funktionieren notfalls auch ohne gelungene Darre.

Neben eigenen Erfahrungen, die in den Text eingeflossen sind, verwendete Literatur:

Bier, A.: Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1924

Buro/Meißner/Reinhold/Vaniceck: Freude am Garten, Berlin 1978 (Darren, Seite 223)

Koehler, Horst: Das praktische Gartenbuch, 1952 (in NRW für den Gebrauch in Schulen genehmigt)

Stein, Hanni: Zwiebeln das ganze Jahr. Berlin 1943

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