Zwiebeln (Gemüsezwiebeln) anbauen – Anleitung & Besonderheiten

Zwiebeln anbauen

Die gewöhnliche Bolle, Zipolle, Gemüse-, Küchen- oder Speisezwiebel Allium cepa ist eines der am meist gebrauchten Gemüsearten in der Küche und so liegt es nahe, diese auch daheim im Garten selber anzubauen. Wenn wir es in kleineren Gärten auch nicht schaffen, den ganzen Jahresbedarf anzubauen, dann lohnt es sich schon für den frischen Verbrauch einige Reihen zu pflanzen. Diese können dann bereits ab Juni direkt vom Beet her verarbeitet werden. Was nicht sofort verbraucht wird, kann eingelagert werden, was ganz unkompliziert ist (siehe unten).

Für die Zwecke der Winterlagerung kauft man übrigens einige Säcke sehr Preiswert im Supermarkt, also zur Haupterntezeit der Küchenzwiebeln. Es sei aber auch daran erinnert, dass dem Selbstversorger noch etliche andere Zwiebel- und Laucharten zur Verfügung stehen, worauf am Ende des Beitrages nochmals eingegangen wird.

Botanik

ist eine Art des Lauches, welche zunächst der Unter-Gattung Cepa (Zwiebel) zugeordnet ist. Die Gattung ist Allium und diese gehört zur Unter-Unter-Familie der Allieae. Diese gehört zur Unter-Familie der Lauchgewächse (Allioideae) und diese zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) an. Die Amaryllisgewächse finden sich zu guter Letzt in der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales). Die Speisezwiebel ist bereits auf 5000 Jahre alten ägyptischen Denkmälern als Kulturpflanzen bildlich dargestellt und bildeten dort zusammen mit Knoblauch und Porree eine wichtige Ernährungsgrundlage. Die ägyptischen Zwiebeln galten als zart und milde im Geschmack und waren blendend weiß. Der Verbreitungsweg des Würzgemüses zu den Germanen führte aber zunächst erst über Kreta, Griechenland und Rom, wobei die Römer bereits etliche Sorten und spezielle Zwiebelgärtner kannten.

Anbauanleitung

Boden und Lage

Beim Speisezwieblen anbauen ist die Bodenqualität von größter Wichtigkeit. Als guter Boden gilt altgedüngtes, humoses, sandig-lehmiges und nicht zu feuchtes Land. Besonders gut wachsen die Gemüse, wenn im Anbaugebiet ein eher trockenes Hoch- und Spätsommerwetter vorherrscht. Unbrauchbar für den Anbau ist "roher Boden", der noch nicht lange in Kultur ist. In solcher Erde gedeihen die Pflanzen nicht gut. Auch gerade erst tief bearbeitetes, sogenanntes rigoltes Land ist gar nicht empfehlenswert. Hier wachsen die Zwiebeln ins Unendliche und bilden nur dicke Strünke aus, werden nicht fest und lagerfähig.

Zwiebelanbau im KleingartenErste Ernten sind schon vor Ausreifung möglich.

Wenn der Boden schlecht ist oder Nährstoffe fehlen, kann lediglich mit Komposterde nachgeholfen werden. Ungünstig sind jedoch frischer Stallmist oder stickstoffreiche Kunstdünger. Kurz wiederholt gesagt, muss es ein Land sein, welches schon einige Jahre in guter Kultur steht und welches dadurch alle nötigen Nährstoffe im Vorhinein besitzt.

Dünger

Die beste Bodevorbereitung (vor allem bei Sandböden) ist die, wenn im Herbst sehr gut verrotteter Stallmist aufgebracht und dann umgegraben wird – etwa 15 bis 20 Zentimeter tief. Wer nur frischen Mist zur Verfügung hat, kann diesen auch oberflächlich aufbringen und nach dem Winter wieder abharken. Kunstdünger sollte lediglich Verwendung finden, wenn Stickstoff vermieden wird. Dieses Element führt dazu, dass die Pflanzen nur einen grünen Stängel ausbilden und anfällig für Schädlinge werden. Die Angaben auf der Verpackung des Düngers geben Auskunft, wie die Zusammensetzung beschaffen ist. Empfehlenswert ist eine normale Kalidüngung, wobei sich Holzasche dafür am besten eignet. Mit diesem Naturstoff kann man nicht viel falsch machen, also nicht überdüngen.

1. Einjährig – säen

Bei einjähriger Kultur sät man direkt ins Freiland (A) oder in ein Frühbeet (B).

(A) Aussaat im zeitigen Frühjahr ins Freiland: Nur in wärmeren Gegenden sät man ab Ende Februar (bis Anfang April) ins freie Land die sogenannten Säzwiebeln. (Allgemein ist diese Art der Kultur eher im Feldbau üblich.) Der Boden sollte feinkrümelig aber nicht locker sein. Vor der Aussaat wird er deshalb leicht angedrückt und nach dem Ausbringen der Samen vorsichtig überbraust. Der Reihenabstand beträgt 20 Zentimeter, die Saattiefe max. 1 cm. Verzogen wird später je nach Sorte auf 7 – 10 Zentimeter Pflanzenabstand. Da das Saatgut sehr lange zur Keimung benötigt, ist eine Markiersaat mit Salat, Radieschen oder Spinat angebracht.

(B) Aussaat Anfang März ins Frühbeet: Mit dieser Anbaumethode entstehen die sogenannten Pflanzzwiebeln. Diese Kultur empfiehlt sich in einem etwas schweren, kräftigen, feuchten Boden, der sich im Frühjahr spät erwärmt und deshalb zur Aussaat an Ort und Stelle nicht so gut eignet ist, weil die Samen noch langsamer keimen, aufgehen und sich entwickeln. Durch die Aussaat im Frühbeet erhalten sie so einen Vorsprung. Die aufgegangenen Jungpflanzen werden zwischen dem 20. und 25. April ins Freiland pikiert. Es ist aber darauf zu achten, dass sie dabei nicht zu tief gepflanzt werden. Reihen- und Pflanzabstand wie unter (A). Es werden durch diese Vorkultur besonders große Exemplare geerntet, welche dann aber relativ zügig verbraucht werden müssen, da ihre Haltbarkeit begrenzt ist.

2. Zweijährig – mit Vorkultur von Steckzwiebeln und dann Pflanzen

Bei zweijähriger Kultur sät man die Samen gegen Ende April auf ein Beet mit magerem Boden recht dicht und breitwürfig aus. Dadurch bilden sich nur kleine Zwiebelchen (Bulben), welche nach der Abtrocknung des Laubes sobald als möglich geerntet werden müssen. Die Kleineren (Haselnussgröße) werden aussortiert, gut getrocknet und über den Winter in luftdurchlässigen Beuteln oder Netzen aufbewahrt. Das sind die sogenannten Steckzwiebeln. Die Überwinterung sollte in einem warmen Raum erfolgen, sonst gehen sie nach dem Pflanzen sofort in die Blüte! und bilden keine Knollen aus.

Steckzwiebeln Sorte MarboDie Ernte aus der zweijährigen Kultur gilt als wohlschmeckender, als die der einjährigen.

Im März des folgenden Jahres werden die Zwiebeln mit einem optimalen [1] Reihenabstand von 20 Zentimeter und einem Pflanzenabstand von 8 – 10 Zentimeter gesteckt (hier die Mengenberechnung dazu). Dabei sollten die Spitzen noch aus der Erde schauen. Zum Schluss wird leicht angegossen. Bei dieser Anbaumethode wächst dieses Gemüse viel rascher als bei einjähriger Aussaat und wird bereits im Sommer genussreif, ansonsten erst im Oktober. Die zweijährige Kultur ist überall dort zu empfehlen, wo die Winter lang oder die Sommer zu trocken sind. Wer sich die Vorarbeit ersparen möchte, der kann Zwiebeln zum Stecken auch im Handel kaufen. Sie werden von Anfang März bis April angeboten. Wer spezielle Sorten wie etwa die altbewährte 'Stuttgarter Riesen' haben möchte, der sollte schnell sein. Manche sind bald ausverkauft.

Wasserbedarf, Pflege

Die Zwiebel benötigt relativ wenig Pflege. Anhaltende Trockenheit macht ihr wenig aus. Wer trotzdem gießen möchte, darf das tun, sollte dann aber den Boden nicht wieder stark austrocknen lassen. Ein häufiger Wechsel von nass und trocken schadet diesen Gewächsen mehr als anhaltende Dürre. Diese lässt sich übrigens auch durch fleißiges Behacken weniger fühlbar machen. Es darf aber nur flach gelockert werden, sodass die lockeren Krümel den Boden wie eine Mulchschicht bedecken und vor Austrocknung bewahren. Solches Durchhacken spart das viele Wässern.

Tiefe Bodenbearbeitung ist für die Kultur jedoch schädlich! Der Reifeprozess der Zwiebel beginnt, wenn das Laub gelb und trocken wird und abstirbt. Dann kann geerntet werden. Sollte das im August noch nicht geschehen sein, so dreht man jeder Pflanze den Schaft so herum, dass er sich niederbiegen lässt. Dadurch wird die Reife beschleunigt.

Ernte und Aufbewahrung

Ob die Gemüse reif sind, erkennt man daran, dass wenigstens bei zwei Dritteln der Pflanzen das Kraut gelb geworden ist. Sie werden dann mit der Grabgabel ausgemacht. Ein warmer, sonniger Tag eignet sich dafür am besten, weil die Ernte noch einige Stunden an der Sonne zum Trocknen liegengelassen werden sollte. Die Lagerung erfolgt dann am besten, indem man sie in einer dünnen Schicht auf einer Bretterunterlage auf dem Dachboden ausbreitet. Wer keinen Dachboden hat, kann auch einen trockenen, kühlen Raum nutzen.

Eine weitere und zugleich dekorative Möglichkeit ist, Zwiebelzöpfe herzustellen. Dabei werden die welken Blätter dreier Pflanzen zu einem Zopf geflochten und nach und nach weitere Zwiebeln angefügt. Ebenso gut und weniger aufwändig lässt sich dieses Würzgemüse aber auch im Bündel hängend aufbewahren. Auf keinen Fall gehört es in den Kühlschrank. Mehr zum Thema der Lagerung bzw. zur Frostverträglichkeit hier.

Mischkultur mit Möhren gegen Schädlinge?

Man sagt und empfiehlt sehr oft, dass ein Mischkulturanbau von Gemüsezwiebeln und Möhren nützlich ist, weil dadurch die ärgsten Schädlinge beider Pflanzenarten ferngehalten werden sollen. Es handelt sich dabei um die Karotten- oder Möhrenfliege (Chamaepsila rosae) und die Zwiebelfliege (Delia antiqua). Zwar kann man beide Kulturen gemischt anbauen, da sie sich kaum gegenseitig behindern (Tief- und Flachwurzler), doch nach meiner Erfahrung hat das keine Auswirkung auf den Schädlingsbefall. Ich habe Abhilfe geschaffen, indem ich die Beete mit Insektennetzen überspannt habe.

Zwiebelfliege SchutznetzKulturschutznetze im April/Mai und Juli/August spannen. In dieser Zeit sind die schädlichen Fliegen aktiv und legen Eier ab.

Im Bild ist zu sehen, dass ich das durchaus etwas provisorisch getan habe. Doch ich muss sagen, es hat geholfen. Wichtig ist nur, dass solche Netze schon im April/Mai gespannt werden, sobald es warm geworden ist. Dann sind die Schadinsekten unterwegs, um ihre Eier abzulegen. Da sie fliegen, ist der Schutz von oben so effektiv. Den Kauf spezieller Schädlingsschutznetze im Gartenmarkt war mir allerdings zu teuer. Es gibt preiswerte Fliegengaze für Fenster und Türen oder Moskitonetze zu kaufen. Die sind genauso geeignet.

Weitere Arten

Neben der in der Küche gebräuchlichen Art Allium cepa gibt es noch eine ganze Reihe anderer Varianten, wie Lauch-, Perl- oder Frühlingszwiebeln. Jede dieser Formen ist für einen bestimmten Gebrauch in der Küche nützlich. Und in alten Zeiten, wo Selbstversorgung im Garten weit verbreitet war, baute die Hausfrau auch Arten wie Schalotten, Winterheck- und Etagenzwiebeln an. Johannislauch oder die kaum noch zu findende Kartoffelzwiebel gehörten ebenfalls zum Sortiment des Bauerngartens. Diese Sorten sind weitgehend aus dem Anbau verschwunden, weil sie kaum industriell zu kultivieren oder schlecht handelbar sind. Wir sollten sie unbedingt wieder in unsere Gärten zurückholen!


Literatur & Quellen:

  • Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, 1944
  • Bier, A.: Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1925, im Verlag des Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau
  • https://em-chiemgau.de/der-em-garten-im-fruehjahr/ (Samenbeize mit EM, EM-Keramikpulver)
  • [1] diese Abstände bringen die höchsten Erträge pro m², die in guten Jahren bei 4 bis 5 kg pro m² liegen können
  • [TJ.2.14] Zählpixel2.14