Kohl erste Tracht
Kohl, ein typisches Gemüse erster Tracht.

Man liest besonders in älteren Gartenbüchern von sogenannten Gemüsen oder Feldfrüchten der ersten Tracht, sowie der zweiten und dritten Tracht. Unten habe ich die entsprechenden Arten aufgelistet. Diese Einteilung ist jedoch nur verständlich, wenn man sie im Zusammenhang mit der alten Form der Düngung mit Stall- und Kleintiermist sieht sowie der optimalen Ausnutzung dieser Naturdünger.

Irrtümer

Die Einteilung nach Tracht sollte nicht mit der Problematik des Nacheinanderanbaues verwechselt werden. Zum Beispiel darf auf ein Beet mit Weißkohl mindestens 4 Jahre lang kein Kopfkohl mehr angebaut werden. Auch bei Erbsen, um ein weiteres Beispiel zu nennen, gibt es eine Karenzzeit von mindestens 4 Jahren, bei der mit einem Anbau derselben Frucht gewartet werden soll. Das hat etwas mit der pflanzlichen Fruchtfolge zu tun, da Wurzelausscheidungen (Stoffwechselausscheidungen) bei vielen Kulturpflanzen den Nachbau der gleichen Pflanzenfamilie verbieten.

Bei der Anbaufolge der 1., 2. und 3. Tracht gehrt es jedoch um die Düngerausnutzung. So wird der oben erwähnte Weißkohl in der 1. Tracht angebaut und die Erbsen erst in der 3. Tracht. Das zu beachten ist wichtig, weil manche Pflanzen keinen frischen Dünger vertragen und dann häufig von Schädlingen befallen werden. Diese, und dazu zählen neben den Erbsen auch unbedingt die Zwiebeln, dürfen nur auf sogenannten "altgedüngten Boden".

Weitere Irrtümer entstehen, wenn man die sogenannte Kompostdüngung mit der Mistdüngung gleichgestellt, denn reiner Pflanzenkompost ist zwar ein wertvoller "Humusdünger", der den Boden aufbessert, aber kein vergleichbarer Stickstoff-Pflanzendünger in Bezug zum Stallmist. Ausnahmen machen Komposte, die mit Stallmist aufgebessert sind. Sie setzt man wie Stalldung bzw. "kurzer Mist" (siehe unten) ein.

Gemüse der 1. Tracht, sogenannte Starkzehrer

Stark zehrende Gemüse oder Feldfrüchte benötigen viel Stickstoff. Sie kommen auf Beete, die reichlich mit Stalldung im vergangenen Herbst* versehen wurden. Dafür nimmt man frischen, strohigen Mist**.

  • alle Kohlarten (außer Grünkohl, Kohlrüben)
  • Kohlrabi, ein Kohlart - mancher rechnet sie zur 1. und mancher zur 2. Tracht
  • Spinat
  • Neuseeländer Spinat
  • Mangold
  • Gurken
  • Kopfsalat, Salat
  • Winterendivie, Zichorien
  • Sellerie
  • Porree (Lauch)
  • Kürbis/Zucchini
  • Tomate (1. Tracht, aber Nacheinanderanbau möglich)

Gemüse der 2. Tracht , Mittelzehrer

Dazu zählen alle mäßig zehrenden Gemüse und Feldfrüchte. Das sind vor allem Knollen- und Wurzelgemüse. Diese Gruppe kommt auf das Land, auf dem vorher die 1. Tracht stand. Als Düngung kann maximal etwas gut verrotteter Kompost eingearbeitet werden. Dieser sollte nur oberflächlich eingearbeitet werden, weil er dort die Bodenorganismen belebt, die wiederum das Pflanzenwachstum befördern. Lediglich die Wurzelgemüse sollten keinen zusätzlichen Dünger bekommen. Sie holen sich ihre Nahrung aus der Tiefe.

  • Grünkohl
  • Kartoffel
  • Möhren
  • Pastinaken
  • Rettig, Radieschen
  • Schwarzwurzel
  • Wurzelpetersilie
  • Rote Rübe
  • Kohlrüben
  • Speiserüben
  • Knoblauch
  • Schnittlauch
  • Zwiebel

 3. Tracht, Schwachzehrer Hülsenfrüchte,

Meist Hülsenfrüchte (Leguminosen), welche mittels ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoffsammler sind:
  • Erbsen
  • Bohnen (Buschbohnen), Busch- und besonders Rankbohnen mögen aber reichlich frischen Kompost
  • Süßlupine (Lupinus albus)

4. Tracht/Gruppe ausdauernde Gemüsepflanzen

  • Crosne, Knollenziest, (Stachys sieboldii)
  • Erbsen-Wicke (Samen) Vicia pisiformis
  • Rhabarber
  • Spargel

*Wenn das Beet/Feld über den Winter brach liegt. Ganz frischer Stallmist ist den wenigsten Kulturpflanzen zuträglich.

**Die Bezeichnung dafür ist langer Mist. Wird dieser kompostiert, entsteht daraus der sogenannte kurze Mist, der wiederum im Frühjahr oder Sommer kurz vor der jeweiligen Kultur ausgebracht werden kann.