Gewächshausanlage mit EchtglasGewächshausanlage mit Echtglas
Gewächshausanlage mit Echtglas

Sind Gläser, Hohlkammerplatten oder Folien für Gewächsanlagen empfehlenswert? Ich sage es gleich vorweg: Die einfache Antwort gibt es nicht. Wer sich mit dieser Thematik beschäftigt, der sollte sich zuerst einen groben Überblick über die verschiedenen Materialien verschaffen. Und er sollte sich darüber Gedanken machen, welche Pflanzen unter dem schützendenDach heranwachsen werden. So sind nicht nur die Daten zur Haltbarkeit wichtig sondern ganz besonders auch zur Lichtdurchlässigkeit. Pflanzen benötigen vor allem das blaue und rote Lichtspektrum. Nicht erwiesen ist, dass UV-Licht für das Pflanzenwachstum und deren Gesundheit wichtig ist.

Gewächshausglas

Glas als Material für Frühbeete und Gewächshäuser ist ein hochwertiger Werkstoff. Es ist sehr haltbar und kratzfest, allerdings in lediglich einfacher Ausführung nicht bruchsicher.
Man verwendet sogenanntes Gartenblankglas (Fensterglas, DIN 11 525) und Gartenklarglas (DIN 11 526, auch Nörpelglas genannt, mit lichtstreuender Unterseite). Die Lichtdurchlässigkeit liegt bei ca. 90 %. Etwas UV-Licht wird hindurchgelassen. Im Heimbereich, wo Kinder spielen, wird empfohlen, Einscheibensicherheitsglas (ESG) einzubauen. Das kostet allerdings in etwa das Doppelte als die Normgläser für Gewächshausbauten.

Acryl-Platten (PMMA) z.B. PLEXIGLAS®

Acryl, umgangssprachlich Acrylglas ist Polymethylmethacrylat, Kurzbezeichnung PMMA. Gewächshausverglasungen aus Acryl sind lichtdurchlässiger als Echtglas. Ausreichend Licht ist zum Beispiel beim Gurkenanbau wichtig und ertragsteigernd. Acrylglas gibt es als Scheiben oder in Form von sogenannten Hohlkammerplatten, welche bei entsprechender Stärke wärmeisolierend sind. Acrylglas ist unempfindlich gegen UV-Licht und somit sehr lange haltbar, ohne mit den Jahren matt zu werden. Acrylglas lässt kein UV-Licht hindurch. Das Material ist in der Regel preiswerter als Echtglas-Gewächshausscheiben aber um einiges teurer als Polycarbonat (siehe unten).
Die Unterschiede zwischen Acryl- und Polycarbonat-Hohlkammerplatten habe ich nochmals gesondert ausgeführt.

PET Verglasungsfolien

Polyethylenterephthalat (PET) ist ein Polyesterwerkstoff. Diese um die 1 mm dicken und 1 m breiten, steifen Folien von der Rolle sind mehr Kunststoffglas als Folien. Sie ähneln sehr dem Acrylglas. Sie sind sehr gut lichtdurchlässig, lassen jedoch UV-Licht hindurch. Das Material ist lange haltbar und kostengünstig aber weniger schlagfest als Acryl.

Polycarbonat (PC) – Hohlkammerplatten, Gewebefolien

Polycarbonat ist ein Kunststoff, der eine sehr hohe Schlagzähigkeit aufweist. Er ist allerdings nur um die 85 % lichtdurchlässig, lässt aber UV-Licht passieren. Nach meinen Recherchen sind jedoch viele der PC-Stegplatten nicht besonders UV-beständig, d.h. mit zunehmendem Alter gehen die Weichmacher aus dem Material, sodass die Polycarbonat-Stegplatten mit der Zeit matt und schlagempfindlicher werden. Beständigere Platten gibt es mit UV-Schutzbeschichtung. Da diese Beschichtung nur einseitig aufgebracht ist, muss auf einen korrekten Einbau geachtet werden.
Gewächshausscheiben aus Polycarbonat werden nur als Hohlkammerplatten angeboten, die beste Eigenschafen in Bezug auf die Wärmeisolierung bieten. Das Material ist preiswerter als Acrylglas.
Für den Gartenbereich werden auch Folien aus PC angeboten, meist sind das Gewebefolien mit etwa 90%iger Lichtdurchlässigkeit. Diese sind recht preiswert aber meist minderwertiger als PVC-Folien (siehe unten).

Gewächshausfolien aus Polyethylen (PE)

Die Profi-Gewächshausfolien aus PE, genauer gesagt PE-LD und PE-LLD (spezielle weiche Polyethylene) sind um die 90 % lichtdurchlässig und lassen das rote und blaue Lichtspektrum besonders gut passieren. Sie lassen UV-Licht weitgehend hindurch, und in entsprechender Ausführung sind sie in der Lage, das UV-Licht in den für Pflanzen nutzbaren Bereich zu transformieren. Es gibt wärmeisolierende Spezialfolien mit Antitauwirkung.
Häufig geben die Hersteller Haltbarkeitsgarantien. Beim Kauf sollte man die PE Gewächshausfolien jedoch nicht mit den erwähnten PC-Gewebefolien verwechseln.

Polyester-Lichtplatten sind eher für Terrassenüberdachungen geeignet.
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Sehr lichtdurchlässige Polycarbonatplatten, aber nur wenn sie neu oder spezialbeschichtet sind.
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Nörpelglas
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Klassische Folienzelte bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis-
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Langsam vergilbende Hohlkammerplatten aus Polycarbonat.
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Wellplatten aus PVC

Ein weiteres Material für Gewächshausbauten ist Polyvinylchlorid (PVC). Es wird sowohl als Wellplatten als auch in Form von PVC Glas-Platten (Hart-PVC transparent) angeboten. Die PVC-Platten lassen um die 75 % Licht passieren und bleiben etwa 10 Jahre lang klar. PVC ist durchlässig für UV-Licht. Das Material ist sehr preiswert. Polyester-Lichtplatten, Polyester-Gittergewebe bestehen aus Polycarbonat (Polyester). Das sind glasfaserverstärkte Profilplatten aus Polyesterharz mit einer Lichtdurchlässigkeit von max. 85 %, die aber rasch nachlässt, weil die Platten durch Witterungseinflüsse erblinden. Nach meinen Recherchen absorbieren sie UV-Licht. Sie eignen sich nur bedingt für Gewächshäuser, besser für lichtdurchlässige Überdachungen, wie sie im Tomatenanbau zum Einsatz kommen können, und für Sichtschutzwände. Im Handel werden auch mit PCV beschichtete Polyester-Gittergewebe für Gewächshäuser angeboten, doch sind sie in der Praxis wenig erprobt. Verbundmaterialien aus Polyester sind preiswert.