Firmengelände naturnahUnter der Nähe zur Natur können wir viel verstehen. Hier folgen die verschiedenen Aspekte.
Unter der Nähe zur Natur können wir viel verstehen. Hier folgen die verschiedenen Aspekte.

Über die Gestaltung von Betriebsgeländen, Grünanlagen und Parkplätzen habe ich auf diesen Garten-Infoseiten schon etliche Zeilen geschrieben und will nun noch einmal auf die ökologischen Aspekte solcher Anlagen eingehen, ohne die Optik der Grünflächen aus dem Augen zu lassen. Theoretisch könnte man ja auf dem Gelände, was nicht bebaut und benutzt ist, der Natur freien Lauf lassen und hätte damit das Optimum einer Naturgestaltung umgesetzt. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Die Natur frei walten und schalten zu lassen ist, ist sicher nicht Sinn und Aufgabe einer Firma, doch so mancher Unternehmer möchte sich mit seinen Produktionsanlagen in die Natur und Umwelt so einfügen, dass er Lebensräume nicht zerstört und Ersatzlebensräume schafft.

Das grüne Image

Ein völlig anderer Aspekt ist, wenn ein Unternehmer das Firmengelände naturnah gestalten möchte, um damit ein besonderes Image auszudrücken. Das ist absolut legitim, zumal der Autor immer wieder darauf hinweist, dass die Grünanlagen vor und in der Firma eine Visitenkarte des Unternehmens sind. Allerdings wird es schwer sein, ein Gelände naturnah zu gestalten und dem Kunden oder Besucher damit zu signalisieren, dass man ein Grüner ist, oder ein ökologisches Gewissen hat. Eine solche Naturnahe Gestaltung mit heimischen Gehölzgruppen und Wiesen, würde wohl einen schönen grünen Rahmen entstehen lassen, doch irgendwie aufregend, anregend und spannend wäre solch eine Grünanlage zunächst nicht. Die andere Herangehensweise ist die, im Firmengelände Naturlandschaften im kleinen nachzuempfinden, etwa mit drapierten Findlingen und Felsgesteinen. Mit solch einem Konzept befindet man sich aber immer auf des Messers Schneide. Das ganze Konzept kann am Ende verkitscht wirken. Selten gelingt es, Natur im verkleinertem Maßstab nachzugestalten. Einzig die Anlagen welche Anleihe beim japanischen Gartenstil nehmen, haben eine Chance seriös zu wirken, doch ob dies im Sinne des Auftraggebers ist, das ist eine andere Frage.

Firma RegenwasserteichDas Regenwasser sammelt sich in den architektonisch gefassten Teich. Stilvoll und ökologisch.

Das grüne Image, welches sich eine Firma geben will, sollte mit den Mitteln der Garten- und Landschaftsarchitektur, aber auch mit anderen Mitteln optisch umgesetzt werden. Die erste Möglichkeit ein "intelligentes ökologisches Konzept" darzustellen (im Sinne von PR), ist das uralte Konzept der Verbindung von Landschaftsgestaltung mit Kunstobjekten. Mit diesem Mittel setzen wir mit einer oder mehreren Plastiken Kontrapunkte in eine Gestaltung, welche sonst dem Auge nicht sehr aufregend erscheint. Eine Andere Möglichkeit ist es, Naturverbundenheit zu symbolisieren, wenn man sich zum Beispiel entschließt, einem Imker auf einem sichtbaren Teil des Betriebsgeländes Bienenstöcke aufzustellen. In diesem Falle kann die Grünflächengestaltung auch spießig wirken, doch die Beuten geben so der Umgebung eine ganz andere Bedeutung, zumal die Bienen selber symbolisch schon immer für intelligenten Fleiß stehen. Kaufleute verwandten um 1900 nicht selten den um-schwirrten Bienenkorb als Symbol auf Briefköpfen und dekorativen Hausfassaden. Solch ein PR-Projekt können wir natürlich auch damit komplettieren, dass wir im Gelände vorzugsweise Pflanzen ansiedeln, welche Bienenfutter liefern.

Plastiken in der NaturDie Glasskulpturen machen die Natur zum Kunstraum [1]

Die beiden vorgestellten Möglichkeiten, sollen Beispiel sein und Anregungen geben, wie ein Unternehmer sein Firmengelände naturnah gestalten kann, im Sinne von Image und Öffentlichkeitsarbeit (Public-Relations), doch halt nicht nur mit Blumen und Pflanzen. Eine ganz andere Intention ist es, ohne irgendwelche Ambitionen für die öffentliche Wirksamkeit, der Natur im Gelände Raum zu verschaffen:

Die Natur schonen – sieben Vorschläge

Der Autor plädiert fast immer dafür, die Planung eines genutzten Geländes nach den Regeln der Gartengestaltung umzusetzen. Dabei sollten wir auf bewährtes setzen und dem Gesamtkonzept ein Thema geben, Kontraste und Kontrapunkte setzen usw. – Am Ende soll das umgesetzte Konzept spannungsreich, und im öffentlichen und betrieblichen Bereich auch wirtschaftlich zu unterhalten sein. (1) Wir würden der Natur und Umwelt schon viel Gutes tun, wenn die Anlagen mit möglichst wenig Unterhaltungsarbeiten zu führen sind und den dabei oft verbundenen Lärm vermeiden. (2) Ein Gleiches tun wir, wenn wir in einem Firmengelände die unbedingt benötigten Nutzflächen für eine Intensivnutzung ausgesprochen zweckmäßig und praktisch herrichten, und die nicht unbedingt benötigten Flächen soweit wie möglich der Natur zur Verfügung stellen. (3) Dachflächen können wir für die Solarstromgewinnung nutzen, aber mit dieser extensiven Nutzung sind die früher einmal weit vorangekommenen Bestrebungen, Dächer zu begrünen, schon wieder in Vergessenheit geraten. Grüne Dächer sind wichtige Lebensräume für Insekten. (4) In vielen Firmengeländen wird Oberflächenwasser in Teichen gesammelt, die aus technischen und sicherheitstechnischen Gründen- oft recht unattraktiv aussehen und platziert werden müssen. Intelligent wäre es das Regenwasser aus diesen Teichen oder Zisternen in eine repräsentative und ökologisch optimierte Teichanlage zu pumpen. (5) Ein einziger großer Laubbaum bringt der heimischen Tierwelt (Singvögel, Insekten) oft mehr, als zehn gepflanzte exotische Büsche. (6) Ähnliches gilt für eine Rasen-Wiese (Kombination von beiden). Da bringen 100 m² als Blumenwiese gepflegte Fläche mehr, als 200 m² entsiegelte Fläche mit kurz geschorenem Rasen. (7) Gabionenzäune mit Begrünung, sowie Natur-Wälle können Lärm und Staub filtern und besonders die Steinfüllungen geben heimischen Lurchen und Kriechtieren eine ideale Heimat.

Vorgelände FirmaDas Vorgelände der Firma ist mit diesem Wall naturnah angelegt. Er verdeckt sie Sicht auf den Parkplatz des Betriebsgeländes.

All dieses sind sinnvolle Möglichkeiten, den Wert eines Firmengeländes zu steigern, sei es nun im Sinne der Natur und Umwelt und des Kleinklimas, oder auch im ökonomischen Sinne. Zudem macht solch eine ökologische Überarbeitung der Außenanlagen in vielen Fällen aus der mitunter gestaltlose Architektur von betrieblichen Gebäuden und Hallen zu einem individuellen ganzheitlichen Stück und zum Alleinstellungsmerkmal.

[1] Glasstelen von Stefan Sczesnys