Grabgestaltung modernGrabgestaltung modern – bald etwas zu modern, doch irgendwie passt es.
Grabgestaltung modern – bald etwas zu modern, doch irgendwie passt es.

Fast auf jeder Gartenschau gibt es Ausstellungen zur Thematik "Grabgestaltung modern" und dort hatte man sich in den letzten Jahren viel mit diesen Möglichkeiten der Gestaltung auseinandergesetzt. Von diesen Ausstellungen habe ich hier einige Beispiele als Foto beigefügt. Doch sollten wir uns nicht sofort nur Ideen und Beispiele kopieren, sondern auch über den Sinn eines gestalteten Grabes Gedanken machen. Dazu unten mehr.

Ich will aber auch gleich vorweg folgendes erwähnen. Bei den Ideen und Umsetzungen, wie wir Grab und Grabmal modern anlegen und gestalten können, haben wir bei den Ergebnissen oft das Extrem, dass die Anlagen entweder absolut gelungen sondern oder halt überhaupt nicht.

Grabmal mit SpiegelDer Spiegel ist ein Symbol für die Anderswelt.

Leider gibt es dann aber auch sehr viele Unmöglichkeiten auf den Friedhöfen, welche dann 20 oder dreißig Jahre lang dort anzuschauen sind. Aus diesem Grunde sollte es wirklich gut überlegt sein, wie wir unsere moderne Grabgestaltung umsetzen.

Ideenfindung Grabmal

Über die Frage, wozu wir Gräber anlegen, oder warum wir Grabmale setzten habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben, doch kurz zusammengefasst sein gesagt, dass der Mensch seit er Mensch ist seine Angehörigen bestattet und den Ort, der letzten Ruhestätte immer wieder besucht. Dieser Ort ist scheinbar unbedingt nötig, ob man das nun kulturell, religiös oder psychologisch erklärt. Fehlt der Platz, an dem Blumen niedergelegt  oder gepflanzt werden können, merken Angehörige bald, dass ihnen irgendetwas fehlt. Das Grab als Beet oder Hügel ist also der Ort der Trauer und Überwindung der Trauer für die Hinterbliebenen. Das Grabmal, seines nun ein Kreuz, ein Holzgrabmal, ein Grabstein oder ein künstlerisches Werk, ist ein Denkmal für den Verstorbenen. Dort wird das Leben des Verstorbenen zum Ausdruck gebracht und nicht das der Angehörigen. Das heißt zum Beispiel, dass Inschriften, wie "UNSERE LIEBE MUTTER" nicht richtig sind, denn durch das "UNSERE" wird das Grabmal dann zum Gedenkstein für die Trauernden.

Grabmal mit WindspielWindspiel an Stelle eines Sinnbildes auf dem Grabmal

Das heißt, dass wir bei der Ideenfindung für das Thema der Grabalmgestaltung nicht unsere Befindlichkeiten zu Ausdruck bringen sollen und müssen. Das ist durchaus etwas Gutes. Um eine sinnvolle Idee für die Grabgestaltung in moderner Form zu finden, sollten wir an das Leben des Verstorbenen denken. Was waren dort die Besonderheiten? Können wir diesem einmaligen und besonderen Leben ein Denkmal setzen? Damit wäre der erste Schritt getan. Haben wir ein Thema gefunden, so sollte sich dann das Grabdenkmal in seiner Gänze, also Material, Form, Bearbeitung, Symbolik und Inschrift dieser Thematik unterordnen.

Mut zur Farbigkeit

Moderene Bepflanzungen und Grabmale, soe wie sie hier abgebildet sind, regen an über Farbe und Totengedenken nachzudenken und über Farbigkeit und Bestattungskultur überhaupt. Mit Farbensymbolik können heut wieder viele Menschen etwas anfangen. An dieser Stelle sein der Hinweis gegeben, dass hier bei uns mitten in Europa im frühen Mittelalter die rote Farbe eine Trauerfarbe war.

Symbol Regenbogen BronzeDas Geheimnis der gelungenen Farbigkeit: Zurückhaltung und Sparsamkeit der künstlerischen Mittel.

Was die Grabmailgestaltung betrifft, so sollten wir die Farbgestaltung natürlich nicht einfach so auf  Schrift und Symbol projizieren und erst recht nicht auf den Stein selber. Diesbezüglich gibt es schon schlechte Beispiele genug. Anders ist das aber mit der Wirkung von Licht und Glas, oder von Elementen aus Glasierter Keramik. Die Bildbeispiele auf dieser Seite sollen Anregungen geben. Wenn wir über Farbigkeit reden, so ist aber auch die Gestaltung des Grabbeetes mit Blumen und Pflanzen eine Möglichkeit, zum Beispiel die Lieblingsfarbe des Verstorbenen aufleben zu lassen:

Ideen für die Bepflanzung

Zunächst ist eine grüne, möglichst geschlossene Pflanzendecke die schönste Art, eine Grabstelle zu bepflanzen. Wenn wir uns wenig Arbeit machen wollen, aber doch eine individuelle Bepflanzung wünschen, dann wäre mein erster Vorschlag,  die Grabstelle an besonderen Gedenktagen blühen zu lassen. Dieser zeitlich punktuelle Blütenschmuck kann durchaus mit winterharten Blühstauden und blühenden Zwiebelpflanzen umgesetzt werden. So können wir beispielsweise Tulpen im April zum Geburtstag des Verstorbenen erblühen lassen, und im Sommer zum Hochzeitstag eine Zwergrose. Im Herbst zum Sterbetag ist es vielleicht ein Tümpel von Herbstzeitlosen, welche an den Trauertag erinnern.

bunte HerbstbepflanzungGrabgestaltung modern und bunt. Farbenfrohe Herbstbepflanzung, die nicht kunterbunt ist.

Wer etwas mehr Mühe und Geld investieren möchte, der kann mit wechselnden Bepflanzungen wunderschöne Blütenteppiche gestalten. Das ist im einfachsten Falle mit einer Frühjahrs- und Sommerbepflanzung zu machen, aber auch mit Wechselpflanzungen für alle Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Schöne Vorlagen für solche hochwertigen Grabgestaltungen können wir uns jedes Jahr von den Gartenausstellungen holen, die in Deutschland, Österreich und in der Schweiz alle Jahre abgehalten werden. Zunächst sollten wir aber wissen, dass derartige Ausstellungen Leistungsschauen sind, und sie gehen in der Regel über "das normale Maß" hinaus. Das müssen sie auch, damit Ideen und Anregungen überhaupt wahrgenommen werden. So kann man mal grundsätzlich Neues sehen, nicht unbedingt an Ideen sondern mehr in der Umsetzung derselben.

Pflanzenteppich aus Sedum-Arten
Pflanzenteppich aus Sedum-Arte...
Licht, Glas und Farbe als Symbolik
Licht, Glas und Farbe als Symb...
Schlichtes, außergewöhnliches Denkmal
Schlichtes, außergewöhnliches ...

Wenn wir diese schönen Beispiele kopieren wollen, so ist das oft schwierig, da man dann schon genau die gleichen Blumensorten ordern müssten. Trotzdem soll uns das nicht hindern solche Musterpflanzungen nachzugestalten. Ich rate aber für den Anfang, zunächst nur drei Zierpflanzenarten zusammen zu stellen. Haben wir eine passende Kombination gefunden, so können wir weitere Blumen oder Blattzierpflanzen hinzufügen. Haben wir einmal eine schöne Variante der Grabbepflanzung gefunden, dann empfiehlt es sich diese auch in den kommenden Jahren beizubehalten. Änderungen wird es ohnehin geben, weil es heutzutage wirklich schwierig ist, jedes Jahr die gleichen Zierpflanzensorten beim Gärtner zu bekommen. Beispiele für Grabbepflanzungen, welch du selber weiter entwickeln kannst, finden sich auch hier auf diesen Infoseiten.

Was ist auf dem Friedhof erlaubt und was verboten?

Wenn man hier auf dieser Seite die Fotos der Grabstellen betrachtet, so kommt dem Praktiker gleich der Gedanke: "Das ist auf dem Friedhof doch eh verboten!" Richtig?

moderne GrabmalkunstGrabgestaltung modern? Auf den Gartenausstellungen haben wir aber oft auch Leistungs-Ausstellungen der Gartenbau und Steinmetzgewerke, welche nur auf Ausstellungen gehören.

Richtig ist, das viele der Friedhöfe genau vorschreiben, wie ein Grabmal auszusehen hat oder wie es nicht auszusehen hat. Da ist z.B. oft die Kombination verschiedener Materialien verboten. Steine müssen symmetrisch sein usw. Was aber nur selten in Anspruch genommen wird und kaumbekannt ist: viele der Friedhofssatzungen besitzen den Zusatz, dass "Grabmale mit künstlerischem Anspruch" außerhalb der Norm genehmigt werden können. Das setzt natürlich die Fähigkeit voraus, das alle Seiten – Antragsteller, Bildhauer und Friedhofsverwaltung in der Lage sind, so zu kommunizieren, dass man sich einigt. Hier wird auch oft recht vorschnell der Friedhof bzw. die Verwaltung als der große Verhinderer gescholten. Es ist wohl eher so, dass die Friedhofsverwaltungen gern außergewöhnlichere Grabmale genehmigen würden, wenn bei einer etwaigen Ablehnung nicht immer gleich mit Gerichtsprozessen gedroht werden würde. Manche Dinge gehen auf einem Friedhof wirklich nicht, und wenn das Nein der Verwaltung akzeptiert werden würde, dann wären die Friedhöfe auch mal zu gewagten Experimenten bereit. Nur besteht eben ein gewaltiger Unterschied zwischen echter Grabmal-Kunst und kitschiger Massenware.

Grabmal mit Regenbogen aus Glas

Leider macht ein Gericht diesen Unterschied nicht, und aus dem Grunde wird von den Verwaltungen dieses heiße Eisen gar nicht erst angefasst. Man begnügt sich halt lieber mit einem mehr oder weniger guten Durchschnitt. Also: Besser etwas mehr miteinander reden, öfter etwas Außergewöhnliches wagen, aber als Entscheider auch den Mut zum klaren Ja und zum klaren Nein haben. Wer die Regeln beherrscht, der kann auch Ausnahmen machen. Die Friedhofsträger haben ihre Sicht auf die Gestaltung und sie müssen außerdem das Gesamtbild der Friedhofsanlage im Auge haben. In Grabfeldern, wo viele Gräber das Bild prägen, sind individuelle Grabmale fehl am Platz. Solche Denkmale, wie oben im Bild, fordern Platz um sich herum. Wenn sie in der Masse stehen, leidet darunter die optische Ruhe des Grabfeldes, und es fehlt die Ruhe zur Betrachtung solch eines Kunstwerkes. Aus diesem Grunde sollte eine Friedhofsverwaltung spezielle Grabstellen auf dem Friedhof bereit halten und im Vorfeld der Stellenvergabe schon darauf hinweisen. Am einfachsten gelingt das, wenn schon ein ähnliches Mustergrab auf dem Friedhof vorhanden ist. Wen wir all diese Regeln beachten, dann werden unsere Friedhöfe auch moderne Zeiten überstehen.


Anmerkungen:

  • Grabmal mit blauem Glas: Grabmal vom Freiburger Bildhauer Josef Dettlinger. Edelkastanie, gesägt und gebürstet. Weitere Materialien sind Seidenföhre (Seidenkiefer, Pinus strobus), Dallglas (handwerkliches, farbiges Gussglas) und eine Bleiabdeckungen, vom Freiburger Bildhauer Josef Dettlinger.
  • Regenbogen/Glas: Steinmetzwerkstatt Holger Ritter (Neukirchen): Glas (bemalt) und Kalkstein, als Stele für ein einstelliges Wahlgrab. Allerdings denke ich, das man hier entweder auf den Regenbogen oder auf die Rose hätte verzichten können, beide Symbole konkurrieren irgendwie miteinander.
  • Regenbogen und Plastik aus Bronze: Kunstgießerei Strassacker, Grabmal aus Kalkstein von Lars Müller (Gera)
  • Das Geheimnis der gelungenen Farbigkeit: Zurückhaltung und Sparsamkeit der künstlerischen Mittel.
  • Denkmal mit Klangspiel: Grabmale aus Keramik sind nichts Neues, doch Andrea Schürgut (Keramikatelier "Feuermale") hat sie in völlig neuer Form erfunden. Auf der Ausstellung waren einige zu sehen. Hier ist das Windspiel Symbol für Windhauch und Klang der Seele - ein Grabmal zur Berührung.
  • Alle Bilder stamen von der gelungenen und zeitlosen Ausstellung auf der BuGa 2007

Video-Notizen zu dieser Ausstellung