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Die Bank als Wendepunkt, Gartenbank am Tor.

Nicht selten verlaufen in Gärten und Parkanlagen die Wege in Kurven, weil sie praktischen Zwängen gehorchen. Aus der Sicht des Gartengestalters sind solche Biegungen weniger schön. Im Gegensatz zur Meinung mancher Gartenarchitekten bilden Biegungen keine gestalterischen Höhepunkte und sind auch nicht "das Besondere" beim Anlegen eines Weges. Man hat halt einen Weg mit einem Bogen, doch die Gartengestaltung wird dadurch nicht gesteigert.

Mit dieser Meinung schließe ich mich der Ansicht des Gartengestalters Willy Lange an, in dessen Buch aus dem Jahre 1907 ich das angeführte Gestaltungsbeispiel Bild 1.) fand. Willy Lange, Königlicher Gartenbauinspektor (Preußen) illustriert uns, wie man eine scheinbar unbegründete Wegabbiegung interessant gestalten kann: Die Bank als Wendepunkt. Sie ist das scheinbare Ziel des Besuchers. Allein durch das Aufstellen einer Bank wird aus der Kurve ein Sitzplatz, und die auf den ersten Blick unbegründete Abbiegung des Weges zum geschmiedeten Tor bekommt Sinn.

Gartenweg mit StaudenrabatteHier im Bild 2.) nun ein weiteres Beispiel eines gerade verlaufenden Weges, der ebenfalls (vor dem Gartenhaus nach links) abbiegt, aber ins Leere läuft, weil ein klarer Endpunkt fehlt. Der Weg selber ist wunderbar von Staudenrabatten eingefasst, so dass man von einer Blickachse sprechen kann, doch auch eine solche braucht am Ende eine optische Verankerung.
So könnte z.B eine Sitzecke ganz hinten am Ende des Gartens dem Auge einen sinnvollen Endpunkt geben, selbst wenn der Weg selber gar nicht bis zum hintersten Gartenteil reicht.

Auch eine Gartenplastik oder eine Wasserstelle können schöne Blickziele sein, doch sollten solche Gestaltungen nie die Nützlichkeit der Wegführung einschränken. Die Zweckmäßigkeit hat Vorrang.

Gestalte Zweckmäßiges schön - auch dies ist ein uraltes Leitmotiv der Gartengestaltung.