Parkanlage Bäume Rasenteppich
A.) Räumlichkeit durch Blätterdach, grüne Wände und Pflanzenteppiche.

Das räumliche Erleben einer Landschaft setzt alle unsere Sinne in Bewegung – das ist das sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Außerdem ist da noch das Unterbewusstsein und die Phantasie, welche beim künstlerischen Empfinden in Anspruch genommen wird und auf subjektive Art und Weise die Wirklichkeit widerspiegelt. Wenn wir unserer Phantasie freien Lauf geben sollen, so braucht sie einen dreidimensionalen Raum zum spielen.

Gartenraum in einem Architekturgarten Sizilianischer Garten Potsdam

Die Musik schafft diesen mit dem Dreiklang. Der tiefste Ton bildet die Ebene, der mittlere Ton - die Raumtiefe und der höchste Ton - die Höhe. In der Natur wird der Raum von oben durch das Blätterdach der Baumkronen beschlossen. Strauchwerk, Mauern oder Zäune bilden Wände in der Tiefe und "Pflanzenteppiche" die Ebene. Diese Perspektive bildet die Grundlage jeglicher Gartengestaltung.

Was heißt das für den eigenen Hausgarten?

Über Jahrhunderte hin entwickelte sich in vielen Kulturen die Gestaltungskunst und wie eingangs schon erwähnt ist die Raumbildung in der Gartenarchitektur ein wichtiges Moment. Nun stellt sich aber die Frage, wie wir diese Regeln auch bei uns zuhause in der Grundstücksgestaltung umsetzen können. Dazu habe ich unten zwei Skizzen gezeichnet. Sie sollen den häufigsten Fehler aufzeigen, der gemacht wird. Es ist die Unsitte einen Rasen anzulegen und auf diesem dann regelmäßig und mit gleichen Abständen verteilt, Sträucher (Koniferen) einzupflanzen. Das sollten wir unbedingt vermeiden. Aus dem Rasen wird auf diese Art und Weise ein Wald, wo doch eher das Motiv einer Lichtung.

1.) Falsche Anordnung von Raum bildenden Sträucheren im Gelände. Sie auch Bild 2.)
1.) Falsche Anordnung von Raum...
2.) Hier ein Beispiel, wie Koniferen gleichmäßig verteilt die Fläche zustellen.
2.) Hier ein Beispiel, wie Kon...
3.) Besser ist es so, wenn Sträucher einen Rahen bilden.
3.) Besser ist es so, wenn Str...

Raumbildner. Grüne Gartenräume.

Wenn soeben davon die Rede war, dass Gehölze, die auf der Wiese verteilt sind, die Raumwirkung der Anlage zerstört, so ist das natürlich nicht ganz richtig. Hochstämmige Bäume, welche im unteren Bereich transparent sind, und ihr Geäst nur als Baumkrone über uns ausbreiten, sind wiederum sogenannte Raumbildner. Sträucher, Koniferen und Hecken sind ebenfalls Raumbildner, aber nur, wenn sie der Rahmen für ein Stück des gestalteten Gartens bilden.
Rasen und bodendeckende Pflanzen nehmen wir als Pflanzenteppiche. Allerdings können auch verschiedene rankende Bodendeckerpflanzen wie Efeu auch Wände oder Zäune bewachsen und zur Rahmenpflanzung werden.

Mobiliar und dekorative Elemente

Nun wäre ein Hausgarten aber recht trist, wenn er sich so darbietet, wie im Bild (A.) ganz oben zum Beitragsbeginn präsentiert ist. Dieses Foto zeigt quasi eine leere Stube ohne Einrichtung und Nippes.
Diesen leeren Raum gilt es also zu füllen, aber ohne diesen zuzustellen. Da wir den Garten als erweitertes Wohnzimmer betrachten sollten, so können diese grünen Räume tatsächlich mit Outdoor-Möbeln füllen. Das kann eine Bank an schattiger Stelle sein, ein Sitzplatz oder die Gartenliege im Rasen. Blumenrabatten und Gräser dürfen wir ebenfalls im Raum platzieren (dort, wo es hinpasst) und andere Pflanzen, mit einem aufgefächertem Habitus. Besonders Gräser wirken durch ihre Fächerform und Transparenz nie störend und den Raum einengend. Selbst der üppige Bambus, der ebenfalls ein Gras ist, hat diese positiven Eigenschaft.

Hofraum mit Zierahorn

Weitere Möglichkeiten und Ideen

Der Laubengang und die Pergola - ist ein altes Gestaltungsmotiv für großen, aber auch kleinere Gärten, steigert das räumliche Empfinden. In einer Fläche, welche kahl und ungeschützt kann bereits ein einzelner hochstämmiger Baum mit schirmartige Krone Wunder bewirken. Ähnliche Effekte sind aber auch schon mit Sonnenschirmen oder Sonnensegeln zu bewirken.
Hecken oder Rahmenpflanzungen aus Blütengehölzen bilden Raumgrenzen. An Stelle dieser können aber auch Mauern (Trockenmauern)  gesetzt, zierende Zäune oder Sichtschutzelemente montiert werden.
Der Bodenbelag muss nicht immer pflanzlich sein. Wer beispielsweise seine Terrasse in ein gemütliches Gartenkabinett verwandeln möchte, der kann auch auf Holzdecks zurückgreifen.
Natürlich ergänzen auch Gartenhäuser oder Lauben solche Projekte und gliedern sich in den nach Außen erweiterten Wohnraum ein. Alles soll genutzt werden.

Laubengang

 Senkgärten und Hohlwege

Erwähnt soll aber auch der sogenannte Senkgarten sein. das sind Bereiche, welche in Bezug zum übrigen Terrain angesenkt angelegt werden. Das ist aus praktischen Gründen dort zu empfehlen, wo man Windschutz benötigt. Doch auch aus rein gestalterischer Sicht, sind solche Anlagen empfehlenswert, da sie Geborgenheit vermitteln. Im größeren Rahmen ist auch im Bild (B.) ein Senkgarten zu sehen, ein Motiv, was in Barockgärten öfters zu finden ist und welches auf die Kontrastwirkung von Höhe, Tiefe, Flächen und Raumkanten setzt.

Der kleine Bruder dieser "Sunken Gardens" ist der Hohlweg, als ein Gestaltungsmotiv, welches wir in naturnahen Gärten einbauen können. Diese Hohlwege lassen sich mit geheimen Banknischen (Sitzecken) kombinieren und von malerischen Gehölzen überspannen.

Zum Schluss habe ich noch eine interessante Video-Notiz von einem geheimnisvoll wirkenden Senkgärtchen, welches ganz gut dieses Flair einer guten Raumwirkung wiedergibt. Der Klang eines Windspieles verbindet diesen eigenständigen Kosmos mit den Gedanken, welche ich eingangs erwähnte, von Räumen aus Dreiklängen und Phantasie.