Kontrastreiche Gartengestaltung LaubengangDas heiter-melancholische Motiv finden wir in vielen Gärten Welt. Es hat sich bewährt.
Das heiter-melancholische Motiv finden wir in vielen Gärten Welt. Es hat sich bewährt.

Mal angenommen, du hast dir mit viel Mühe und guten Ideen einen schönen Ziergarten angelegt und am Ende fehlt der ganzen Optik dann doch irgendwie der letzte Schliff. Der Hauptgrund dafür ist fast immer, dass der Anlage die nötige Spannung fehlt. Es fehlen die nötigen Gegensatzwirkungen (Bild B.). Kontraste richten sich auf die Gefühlswelt des Betrachters – bei der Vernachlässigung der Darstellung dieser "korrespondierenden Gegensätze" wird die Gestaltung des Gartens oder der Terrasse ohne Spannung sein und den Betrachter langweilen.

kleiner LandschaftsgartenB.) Zu viel Ton in Ton hat keine Spannung - oder?

Genau dieses zu viel an Harmonie war auch immer das, welches bei den sogenannten Landschaftsgärten und entsprechenden Parkanlagen immer wieder bemängelt wurde. Wurde im Barock noch sehr formal gestaltet und die Struktur der Architektur denjenigen der Natur entgegengesetzt, was auch eine gewisse Kontrastsetzung ist, so fand man diese Strenge in der Zeit der Romantik obsolet und konzentrierte sich auf die geschwungenen Linien der Natur und auf die Kopie von Landschaftsansichten. Es ist ein Merkwürdigkeit, dass die damaligen Gartengestalter unter anderem mit ihren neuartigen Projekten die Landschaftsgärten der Chinesen kopieren wollten, was ihnen jedoch nicht gelang. Und das war die fernöstliche Kunst, eine optische Spannung durch Stilisierung und Kontrast zu erzeugen .

Diese Form Gartenkunst war in China schon seit Jahrhunderten hoch entwickelt und was die Darstellung von Gegensätzlichkeiten betraf, so nannte man den genannte Effekt dort das Lachende und das Bedrohliche.

Bambus und FelsenC.) Heiterer Bambus in fernöstlicher Gelassenheit und als Gegenpart schroffes, kantiges und düsteres Felsgestein.

Zu dem Lachenden, also zu heiteren Gartenszenen, wie einsame idyllische stilisierte Fischerhütten oder Einsiedeleien, gesellte sich das erhaben Schreckliche, wie drohende überhängende Felsen, bizarre Steinformationen und Höhlen, düster-einsame Plätze, aufschäumende Wasserfälle oder vom Sturm gezeichnete verkrüppelte Bäume. Mit solchen, aber auch anderen optischen Tricks und  Motiven, gaben die Chinesen (von diesen abgeleitet auch die Japaner) ihren Gärten eine Seele und Einzigartigkeit und wir sind durchaus angehalten, uns von dieser Kultur inspirieren zu lassen.
Unten hab ich ein paar Ideen zusammengestellt, auf welche Art und Weise wir Kontrastwirkungen darstellen können. Das Interessante dabei ist, dass wir aus diesen Gegensatzdarstellungen das eigentliche Gestaltungsthema fortentwickeln oder überhaupt erst einmal eine zündende Idee finden können.

Beispiele

Licht und Schatten - das ist das Thema im Schattengarten oder in mediterranen Anlagen, wo der kühle, schattige Hofraum zum Ideal erhoben ist.

Architektur und Natur - der Gegensatz zwischen Menschenwerk und Üppigkeit der Natur. Das sind zum Beispiel die Bauerngärten mit ihren geometrischen Buchsbaum-Heckenbeeten, aus denen üppigste Blumenpflanzungen überquellen und die formalen Linien brechen.

Hart und weich kann Thema eines Moos- oder Steingärtchen sein, wo raue Steine von sanften Pflanzenpolster überwuchert werden.

Wasser und BambusD.) Bambusstangen in einer Wasserfläche

Horizontal und vertikal (Bild D.) - Gestaltung mit Bambus, als dem vertikalen Element und einer ruhigen Wasserfläche, welche zusätzlich mit Spiegeleffekte (natürliche Symmetrie) aufwartet. Vertikale Elemente sind in kleinen Gärten besonders wichtig um den Blick hin und wieder in die Höhe und damit in die Weite schweifen zu lassen. Damit verliert der kleine Garten für die Besucher das Gefühl der Enge.

Ruhe und Bewegung - Moteive sind beispielsweise Wasser und Wasserfall, oder Sprudelnde Quelle und Quellteich.

Ferne und Nähe - Fernsichten mit intimen grünen Räumen kombinieren.

Heiterkeit und Melancholie - das Motiv war schon bezüglich der chinesischen Anlagen erwähnt. Die japanische Variante sind die Gärten für die Teezeremonie, in denen akribisch die Wildheit und Bedrohlichkeit der Natur dargestellt wird. Dem entgegengesetzt findet sich das kleine Refugium der Hütte, wie auch sichere Pfade und Brücken, welche die Bezwingung dieser Lebensräume durch den Menschen andeuten sollen. Im Bild C.) finden wir einen Pfad am rauen Felsufer. Als Kontrapunkt steht heiter und beschwingt ein Bambus am Wegesrand. Durch dieses Komplementäreffekt wirken die dunklen Felsgesteine Gestein noch düsterer, als sie wirklich sind.

Form und Formauflösung - Findlinge und Wasser (Bild E.) - das ist ein Ideenmotiv in diesem Koreanischen Garten. Die körperlose Fläche des Wassers kontrastiert mit den Findlingen. Es entsteht ein Bild völliger Entspanntheit der Seele.

melancholisch heitere FlusslandschaftE.) Koreanischer Garten Berlin-Marzahn. Heiter-melancholische Flusslandschaft.