Ölbild, Frau am Fenster
Morgenstunde von Moritz von Schwind aus der Sammlung des Dichters.

Adolf Friedrich Graf von Schack (geb. am 2. August 1815 in Schwerin, gest. am 14. April 1894 in Rom) war ein bekannter deutscher Dichter und auch Kunst- und Literaturhistoriker. Er schrieb viele Gedichte und einige, sehr romantische, zum Thema Liebe, von denen unten die Winternacht vielleicht sein schönste Liebesgedicht ist. Seine Verse sind von der Zeit der Romantik und des Biedermeier geprägt.

Interessant ist, dass der Graf von Schack auch Sammler von Gemälden war, von denen wiederum nur ganz wenige dem Stile des Biedermeiers zuzuordnen wären. Das kleine 34 × 40 cm messende Ölbild "Morgenstunde" von Moritz von Schwind (1858) ist fast das Einzige, welches noch einen Nachklang der Biedermeierzeit aufweist, und so habe ich es hier zum Winternacht-Gedicht hinzugesellt.

Winternacht

Mit Regen und Sturmgebrause
Sei mir willkommen, Decembermond,
Und führ' mich den Weg zum traulischen Hause,
Wo meine geliebte Herrin wohnt!

Nie hab' ich die Blüthe des Maien,
Den blauenden Himmel, den blitzenden Thau
So fröhlich gegrüßt wie heute dein Schneien,
Dein Nebelgebräu und Wolkengrau.

Denn durch das Flockengetriebe,
Schöner, als je der Lenz gelacht,
Leuchtet und blüht der Frühling der Liebe
Mir heimlich in der Winternacht.

Adolf Friedrich von Schack, 1867

Schneeflocken in Winternacht