Ein anderer von W. Lange angelegter Terrassengarten (um 1922)

Eine überarbeitetes Kapitel "Werk 36" aus dem Buch "Gartenpläne" von Willy Lange / Leipzig 1927. Man kann sich durchaus für moderne Projekte Anregungen von "den Alten" holen und Willy Lange ist durchaus zu seiner Zeit ein bekannter Gartengestalter und Buchautor gewesen. Seine verfasste Literatur ist immer noch ein Standartwerk, die jeder werdende Landschaftsarchitekt einmal gelesen haben sollte. In diesem Beitrag geht es um optische Effekte.

Ein Grundstück mit 1300 qm war für damalige Verhältnisse "klein", und so sind die Gestaltungsregeln, welche Willy Lange hier aufstellt auch für unsere heutigen Anlagen relevant, zumal die Grundregeln der Grüngestaltung universell sind. Es geht bei der Thematik immer wieder um die Frage, ob denn Erdstufen oder Flächengliederungen mit Hecken von der vorhandenen relativ kleinen Gesamtanlage Fläche fortnehmen und dadurch den Garten verkleinern.

Zu den Terrassierungen um die Villa herum meint nun W. Lange folgendes: "Es ist ein Vorurteil, dass die angelegten Erdstufen etwas vom Garten fortnehmen. Entweder es handelt sich um niedrige schmale Terrassen die sockelartig die ästhetische Grundlage des Hauses vergrößern (dann bilden sie nur Gelegenheit zu besonderen Pflanzungsmotiven) oder es sind weit ausladende Terrassen mit allen Benutzbarkeiten, dann nehmen sie nichts vom Garten fort, sondern gehören zum Garten, steigern die Wirkung des Hauses und gliedern, beleben den Garten, bereichern ihn und machen ihn dadurch für das Gefühl größer."

Noch einmal zusammengefasst: Lege Abstufungen an, die entweder (wenn sie klein sind) bepflanzt werden, oder (wenn sie großzügiger sind) als Wohnterrasse genutzt werden

Werk 36 Terrassengarten

  • a) ein Vorraum, von Pergola im Anschluss an das Haus umschlossen, mit Wartebänken und Hauslinde; vom Vorraum zum Hauseingang hinauf und durch eine Pforte zum Kellergeschoss hinab.
  • b, b) eine nur einstufige Terrasse, um für die Pflanzung, musiknotentechnisch ausgedrückt, ein anderes "Vorzeichen", zu gewinnen als für die Pflanzung der benachbarten Gebiete.
  • c, c, c) Vierstufige Terrasse, die aber groß genug ist, Geselligkeits- und Sitzplätze in sich aufzunehmen.
  • d) Vorplatz vor der Veranda, vierstufig, höher als c ; trotzdem bleiben noch vier Stufen zur Veranda. Dieser Vorplatz ist mit Taxushecke als Brüstung umschränkt; davor ein Randbeet mit Orleansrosen. Terrassenmauern und Stufen aus Kalkstein, behauen, ohne Mörtel, aber baugerecht aufgeschichtet. Alle Wege mit Kalkstein eingefasst.

Weiter im Text: Die Terrassen sind aus dem Erdaushub des Hauses gewonnen, es ist also kein Erdaushub weggefahren. Würden sie nicht geschaffen sein, so hätten 16 Stufen von der Veranda in den Garten führen müssen; so sind auf den Terrassen verteilt 3 mal vier Stufen, die unmerklich überwunden werden, während zwei Stufen (30 cm Höhenunterschied) durch Geländefall der Terrassenflächen "vermogelt" wurden.

Die Verteilung von Sitzplatz (in Weißbuchenhecke), Laube, Sitzplatz und Vogelbrunnen gehen aus dein Plan hervor.

Gemüse liegt hinter einer Weißbuchenhecke. Wieder eine scheinbare Verkleinerung des "Gartens", aber in der Tat für das Gefühl eine Vergrößerung. Denn nun ist hinter der Hecke "auch noch etwas"; der Garten ist an der Hecke "noch nicht zu Ende" (siehe auch hier).
Die Reihe von Hasel und Quitten mit einigen Birken, welche den merklichen Abschluss des Gartens gegen den Nachbar bildet, wirkt durch die Weißbuchenhecke "fern" - und der Gemüsegarten ist ein Pufferstaat zwischen Nachbar und Hausgarten. Die Deckung des Hausgartens gegen Sicht vom Nachbar wird dadurch verstärkt, dass die Weißbuchenhecke der Nachbargrenze ferngerückt ist. Durch eine nahe Hecke kann man hindurchlugen, durch eine ferne nicht. (siehe: Sichtschutz, worauf kommt es an)
Eine kleine Rasenfläche als Bleichplatz liegt in der Achse der Verandatür und des Vorplatzes.