Holzhaus vom Zimmermann – Holzständerbau

Haus mit Holzständerbauweise

Heutzutage sind die meisten Holzhäuser sind in der sogenannten Ständerbauweise gefertigt. Diese Bauart ist schon sehr lange erprobt, wenn auch weniger in unseren Breiten. In den USA beispielsweise wurde sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sehr oft angewandt und löste dort weitgehend die Blockhhausbauten ab. Ab den 1920er Jahren baute man vereinzelt auch in Deutschland Häuser in diesem Stil, wobei ein Zentrum der Entwicklung in Ostsachsen lag. Bemerkenswert ist, dass nun, gut hundert Jahre nach Errichtung dieser Eigenheime aus Holz, diese immer noch bestens ihren Dienst versehen in intakt sind. In Niesky bei Bautzen kann man sich heute noch vom Zustand und Qualität einer ganze Eigenheimsiedlung dieser Bauart überzeugen.

Niesky HolzhaussiedlungHolzhaussiedlung in Niesky bei Bautzen (Ostsachsen)Haltbarkeit von Holzhäusern – welche Qualität und Lebensdauer?

In Sachsen hat der Bau von Holzhäusern also eine bereits lange Tradition und wir können uns von der Qualität der Häuser recht gut vor Ort überzeugen, denn auch nach 80 oder 90 Jahren sieht man ihnen das Alter nicht an. Wer also in Ostsachsen unterwegs ist und sich für Holzarchitektur interessiert, der sollte einen Abstecher nach Niesky bei Bautzen machen. Dort sind einige Stadtquartiere, rein in Holzarchitektur angelegt, zu entdecken. Da zudem zeitlose Formen geschaffen wurden, passen diese Häuser noch immer gut in unser Straßenbild und sind in ihrer Architektur leicht zu kopieren.
Grund der Holzbautätigkeit in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland war die Wohnungsnot nach dem 1. Weltkrieg. Die Holzbaufirmen Christoph & Unmack, Niesky, die Allgemeine Häuserbau AG Sommerfeld, Berlin und die legendären Deutschen Werkstätten Hellerau und München wurden die führenden Unternehmen des Landes auf diesem Gebiet.
Hlzhauskolonie in NieskyIn Niesky produzierte die Firma Christoph & Unmack A.G. bis 1945 neben Schienenfahrzeugen, Brücken und Motoren ein breites Angebot an Typenhäusern aus Holz. Sie gehörte zu den bedeutendsten Holzbaufirmen Europas und fand weltweiten Absatz (Albert Einsteins Sommerhaus). Zum Fertigungsprogramm zählten standardisierte, maschinell vorgefertigte Wohnhäuser, Hotels, Kurhäuser und Schulen sowie ingenieurtechnische Holzkonstruktionen für Kirchen, Turnhallen, Bahnhöfe, Industrie- und Flugzeughallen, Funktürme u.s.w.
Für die Idee des Holzhausbaus wurden prominente Architekten gewonnen.
Der Bekannteste unter ihnen war Konrad Wachsmann (1901–1980), der durch die Vermittlung von Hans Poelzig (damals ein schon sehr bekannter Architekt) nach Niesky kam und die Industriefertigung im Holzbau weiterentwickelte. Als jüdischer Deutscher emigrierte Wachsmann 1941 in die USA und gründete zusammen mit Walther Gropius die "General Panel Corporation" (1941–1949), eine Fabrik zur Massenherstellung vorgefertigter Holzhäuser.
Diese Bauart kam zwar, wie bereits erwähnt, aus Amerika, wurde aber nun durch Wachsmann und Gropius standardisiert. Die industrielle Vorfertigung, die bald auch von anderen Firmen kopiert wurde, ermöglichte wiederum, dass sich Bürger und Familien in den USA damals (wie heute) zu günstigen Konditionen ein eigenes Heim leisten konnten und können. Überhaupt ist die eigene Immobilie – und besonders die leicht selber zu sanierenden Holzbauten – zum Teil eines eigenen Lebensstils der Amerikaner (von der besseren Mobilität im Berufsleben bis hin zum altersgerechten Wohnen) geworden.

Eigenheim vom Zimmermann, Holzständerbau

Weniger bekannt ist, dass man ein Eigenheim in Holzständerbauweise – abgesehen von der industriellen Vorfertigung – auch von einer Zimmermannsfirma anfertigen lassen kann. Der Holzständerbau (Holzgerippe) ist vom Grunde her reine Zimmermannsarbeit ist. Somit kann man sich mit seinem Bauvorhaben auch gleich an eine Zimmermanns-Firma wenden. Häufig übernimmt diese auch gleich die Architektenaufgaben, entweder in Eigenregie oder in Vermittlung. Als positivem Nebeneffekt ergibt sich, dass dabei die Firmen vor Ort profitieren.
Zudem hat man die Möglichkeit, ein individuelles Architektenhaus zu günstigen Konditionen zu bauen, denn bei einem Holzständerbau kann sehr viel Bauleistung in Eigenleistung erfolgen. Das wären beispielsweise Arbeiten an der Wärmedämmung, die Fassaden- und Innenraumverkleidungen, sowie Anstriche usw.
Noch mehr Eigenleistung kannst du mit einem sogenannten Ausbauhaus erbringen, bei dem man sich von einer Firma nur den Rohbau und das Dach fertigen lässt. Die anderen Gewerke, wie Türen- und Fensterbau, Haustechnik, Elektroinstallation und Malerarbeiten erledigt man selber, oder nimmt dafür eine Fachfirma vor Ort. 8/2014 [TJ.7.20] Zählpixel

Zimmermann


Bildrechte, Beitragsbild ganz oben: ©Erik Mclean, Pexels.com
Quellen, Literatur:
— https://www.forum-holzbau.com/pdf/sumi_christian_ihf2007.pdf
— Grünning, Michael; Der Wachsmann-Report Auskünfte eines Architekten; Berlin 1989
— Müller, Rudolf; Vom Sinn des Details. Zum Gesamtwerk von Konrad Wachsmann.; Köln, 1988