modernes Eigenheim
Haus in zeitloser Form.

Modernes Bauen: Ob es nun die Neue Sachlichkeit, der Bauhaus-Stil oder all die später folgenden modernen Bauformen mit kubischen Formen sind, sie alle haben die Eigenschaft, dass sie eine gewisse optische Neutralität gegenüber ihrem Umfeld aufweisen, weil sie vorzugsweise die horizontalen und vertikalen Linien betonen. Moderne Wohnbauten (es kann auch nur das Gerätehaus im Garten sein) in zeitlosen Formen haben so den Vorteil, dass sie mit allen Gartenformen der Welt kompatibel und mit diesen im Verbund in sich authentisch sind.

Geschichtliches

Modernes Bauen wurde durch den Einsatz neuartiger Werkstoffe und Bautechniken möglich. Bis dahin, also etwa bis 1900, verwendete man die Baustoffe, welche man in der Region vorfand. Außerdem gaben Baustoffe und Verarbeitungstechniken im Zusammenspiel mit dem vorherrschenden Klima die Form des Bauwerkes vor. Im Norden sind dies beispielsweise Häuser mit Spitzdächern, weil die Dachkonstruktion und -deckung Schneelast und Regenperioden überstehen muss. Bei den mediterranen Bauten hingegen baute man nur Flachdächer. Heutzutage kann man Flachdächer quasi in jeder Klimazone bauen. Hinzu kamen als neue Baustoffe Beton, Stahl, Aluminium, Glas, Kunststoffe und viele mehr. Außerdem spielt auch der Kostenfaktor beim modernen Bauen eine wichtige Rolle und neuerdings auch die Ökologie (Dachbegrünung), sowie die Möglichkeit der Energiegewinnung beispielsweise durch Solartechnik.

Neue Möglichkeiten

Ein Thema bietet sich bei modernen Eigenheimen auf jeden Fall an, da bei moderner Architektur quasi alle Möglichkeiten offen stehen. Es ist die  Beziehung von Wohnraum und Garten, besser gesagt die Einbeziehung des Gartens, der so zum vollwertigen Wohngarten werden kann. Dieses Konzept ist nicht neu. Wir finden es beim japanischen oder mediterranen Wohnhaus und selbst bei traditionellen amerikanischen Holzhäusern mit Veranda. Man wohnt und arbeitet dort weitgehend übergangslos im Haus, auf der Veranda oder direkt unter freiem Himmel. Anders stellen wir uns solch eine Verbindung von modernem Wohnen vor, die ich gern kritisch hinterfragen möchte:

Vorsicht: Zu viel Glas.

Wer möchte nicht möglichst nahe an der Natur sein und den Wohnbereich möglichst eng mit Garten und Natur verbinden. Doch nicht immer wird die Situation verbessert, wenn das Wohnzimmer in Richtung des Außenbereiches durch Glas aufgelöst wird beispielsweise durch einen Wintergarten oder eine breite Fensterfassade. Das kann der Raumwirkung im Inneren des Hauses zuwider laufen. Im einfachsten Falle findet man keine Stellflächen für die Möbel. Verglaste Veranden sind in diesem Punkt oft praktischer als Wintergärten.

Viel Glas und riesige Schaufensterscheiben in der Wohnstube tragen zudem nicht immer zur Gemütlichkeit bei. Das bezieht sich z.B. auf die Raumakustik. Viel Glas macht Räume plärrig, wenn sich darin viele Leute unterhalten. Holz ist eine optimale Schalldämmung gegen den Außenlärm und verbessert enorm die Raumakustik. Vielleicht ist das sogar der entscheidende Faktor, warum man sich in Blockhäusern so wohl fühlt. Man nimmt solche entscheidenden Nebensächlichkeiten meist nur unbewusst wahr.

Wer Innen und Außen miteinander verbinden möchte, der kann in seinem Eigenheim die im englisch sprechenden Raum beliebten Schiebefenster (Double-Hung-Windows) einbauen. Mit diesen kannst du morgens in der Küche unmittelbar am offenen Fenster sitzen, ohne dass lästige Fensterflügel stören. Solch ein gemütlicher Fensterplatz ersetzt mitunter schon den aufwendig gebauten Wintergarten, wenn es um den Zweck geht, die räumliche Trennung zum Garten hin aufzulösen und morgens an frischer Luft zu sitzen, wann immer das Wetter es ermöglicht ist.

Was den "Wintergarten" betrifft, so bin ich nicht prinzipiell dagegen. Er kann beispielsweise die Funktion eines Lärmpuffers erfüllen oder im Winter Wärmespeicher sein. Nur sehe ich ihn nicht gern als "Garten". Da Letzterer genau genommen ein vom Menschen geschaffener grüner Wohnraum ist. Man sollte besser nur im Haus oder nur im Garten sein. Wie schon erwähnt kann eine überdachte Terrasse den Garten optimal bewohnbar machen. Ein Glaskasten macht dies nicht.

Ich mache einen Unterschied zwischen kultivierter Natur (Gärten, Kulturlandschaften) und der wirklichen sich frei entfaltenden Natur. Haben wir solche Areale am Haus, dann ist dort der Wintergarten durchaus eine Erweiterung des Wohnraumes. Es steht dann zwar ein gläserner Baukörper, doch die Ökologie in diesem Areal wird so vor dem Menschen weitgehend geschützt. Der Wintergarten ist im idealen Falle also ein Schutz der Natur vor dem Menschen und nicht umgekehrt.

Erweiterungsfähiges Wohnhaus

Ein Eigenheim in moderner Architektur muss nicht immer ein Flachdach aufweisen, doch wie oben schon erwähnt, ist die Dachkonstruktion ein Kostenfaktor. Interessant wird dies vor allem dann, wenn der Bauherr vor hat, sein Haus später zu erweitern. Beim Wohnhaus mit Sattel- oder Walmdach hat solch ein Erweiterungsbau dann optisch oft den Charakter eines angesetzten Anhängsels. Anders ist das bei der modernen kubischen Architektur. Hier ist die Erweiterung eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht und bringt fast immer auch eine optische Verbesserung. 

Beitragsbild oben, Modernes Wohnhaus © Irina MANSIEUX - Fotolia.com