Landhaus um 1930
Sommerhaus 1930.

Teil II aus dem Kapitel über Landhäuser von Otto Stahn, "Die Gartengestaltung der Neuzeit", Leipzig 1907. Ein hochinteressanter Aufsatz über die Grundrißplanung von Landhäuseren: " Gehen wir nun näher auf den Grundriss des Landhauses ein:

Wenn das Haus an der Nordgrenze liegen kann, empfiehlt es sich, alle Nebenräume, evtl. auch wohl die Diele an diese Seite zu legen. Es würden dann nach Süden, Westen oder Osten das Wohnzimmer, der Speisesaal, das Herrenzimmer, eine Veranda, auch wohl noch Kinderzimmer anzuordnen sein, welche sich in der Regel um die Diele oder um einen Flur herum lagern. Alle diese Räume müssen in Beziehung zum Garten gebracht werden.

Ich nehme an, dass im Speisesaal ein großes Fenster an der Kurzwand angelegt ist, welches den am Tische Sitzenden Einblick in den Garten gewährt. Ganz von selbst ergibt sich hier die Notwendigkeit, bei der Gestaltung des Gartens Rücksicht auf dieses Fenster zu nehmen, ihm entweder eine Fernsicht zu geben oder, falls diese nicht möglich ist, den Blick auf einen bevorzugten Teil des Gartens.

Dasselbe gilt von den Gartenbildern, welche von anderen Fenstern aus gesehen werden sollen. Für das Haus besteht ferner die Bedingung, dass möglichst alle Gartenwege mittelbar oder unmittelbar auf die Veranda oder Terrasse münden, da immer dort der Spaziergang beginnen und enden wird.

Liegt das Wohnhaus auf aussichtsreicher Höhe, so liegt die Vermutung nahe, überall Fernsichten schaffen zu wollen. Es ist indes nicht wünschenswert, dass jedes Zimmer an der Aussicht teilnimmt, da die inneren Räume meist lauschiger werden, wenn sie nur den Blick in den Garten gewähren. Ein Fernblick aus jedem Fenster würde die Abgeschlossenheit der Wohnung stören, man würde von dem Inneren des Hauses zu sehr abgelenkt werden, wenn man beständig einen See oder ein ganzes Dorf oder eine Ebene mit allem, was sich dort abspielt, vor Augen hat.

Sehr wirkungsvoll ist nach meinen Erfahrungen, wenn das Innere mit der Außennatur durch Zimmerpflanzen oder durch Blumenkästen in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Blumenwelt des Gartens grüßt so in das Innere des Hauses hinein. Dass Pflanzen in den Zimmern schon deshalb von Wichtigkeit sind, weil sie die Luft feucht halten und bessern, ist eine alte Erfahrung.

Landhauszimmer mit TerrasseWohnraum und Garten sollen, wo immer möglich, auf einer Ebene liegen, um so beide Bereiche am elegantesten eng miteinander zu verknüpfen. Ist das aus baulichen Gründen nicht möglich, so müssen Terrassen gekonnt den Mangel beheben.

Noch ein Wort sei gesagt von der Berankung des Hauses. Sie steht in dem üblen Rufe, die Wände feucht zu halten. Und doch ist dies nur ein alter Irrtum; bekanntlich haben viele Kletterpflanzen Wurzeln, welche im Gegenteil jede Feuchtigkeit, die noch in der Mauer vorhanden ist, aus ihr herausziehen. Auch lässt die mosaikartig zum Licht gestellte Anordnung der Blätter selbst auf der Wetterseite des Hauses kaum den Regen an die Wand gelangen.Diese wird also bei Regenwetter überhaupt nicht befeuchtet. Jedenfalls bildet die Umrankung einen schöneren Schmuck als Gesimse, Profile, Fensterverdachungen und andere viel verwendete Zutaten zur Fassade.

Ein Punkt, der bei Otto Stahn weniger deutlich hervorgehoben wird ist der, dass in den verschiedenen Parterre-Zimmern möglichst in jedem Raum eine Tür direkt in den Garten führt und dies nicht immer über eine zwischengeschaltete Terrasse. In Eckzimmern können es auch zwei Zuggänge sein.