Plastik PsycheGartenplastik, Foto von von ©fotshot Pixabay.com
Gartenplastik, Foto von von ©fotshot Pixabay.com

Und ein Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898) zu einer Marmorplastik, welches die Geschichte um Psyche thematisiert. Psyche, der griechischen, göttlich schönen Königstochter war ihre Schönheit zum Verhängnis geworden. Dies brachte ihr selbst den Neid der Götter ein und so sollte der Liebesgott Amor einen Pfeil an einen hässlichen, rüden Mann verschießen, damit sich dieser die Psyche zur Gemahlin hole. Doch die Dinge verlaufen anders und Amor (römisch Eros) verliebt sich selber in Psyche.

Die gegeißelte Psyche

Wo von alter Schönheit Trümmern
Marmorhell die Säle schimmern,
Seh’ ich blass und lieblich eine
Psyche atmen in dem Steine.

Unsichtbarem Geißelhiebe
Beugt sie sich in Schmerz und Liebe,
Auf den zarten Knien liegend,
Enge sich zusammenschmiegend.

Flehend halb und halb geduldig
Trägt sie Schmach und weiß sich schuldig,
Jammernd scheint ihr Blick zu fragen:
Liebst du mich? und kannst mich schlagen?

Soll der Himmel dich begrüßen,
Arme Psyche, musst du büßen!
Eros, der dich sucht und peinigt,
Will dich selig und gereinigt.

Dem Dichter Conrad Ferdinand Meyer hat sich einige seiner dichterischen Motive aus Gärten geholt, wie etwa das bekanntere Gedicht "Der Brunnen". Hier scheint es eine Marmorplastik zu sein, vermutlich barocker Art, denn damals waren diese Figuren aus dem antiken Erzählstoff "Der goldene Esel" (Lucius Apuleius) sehr beliebt und Szenen mit Amor und Psyche finden sich heute noch als Plastiken in barocken Gärten.

Interpretation

Wie man des Gedicht auch sehen will, so sei es doch gleich im Kern erklärt, der platonische Lehren beinhaltet. Der Hintergrund ist der, dass in diesem antiken Lehrgebäude die sterbliche Seele durch den, ihn ihr verborgenen Geistfunken, eine ewige Natur bekommt. Nach dieser platonischen Grundidee ist z.B. die Geschichte von Amor und Psyche eine Allegorie für die Seele, also die Psyche! – und der römische Liebesgott Eros, welcher dem griechischen Amor entspricht, ein Wesen göttlicher und unsterblicher Natur, steht für den Geist. In der Vereinigung dieser beiden Wesenheiten wird auch die Seele göttlich. So auch in der Erzählung des Lucius Apuleius, denn dieser nimmt sich am Ende Psyche zum Weib und ihr wird von den Göttern die Unsterblichkeit geschenkt. Ein Gedicht oder ein plastisches Kunstwerk, was also im Äußerlichen scheinbar Liebeskummer und Liebesschmerz thematisiert, will tatsächlich in dieser Doppelsinnigkeit interpretiert werden.


Übrigens: Plastiken finden wir in alten Zeiten viel öfters in unseren Gärten, warum heute nicht mehr? Dabei haben auch die preiswerte Kunststeinplastiken ihren Wert, aber nur wenn sie gekonnt im Garten platziert werden.