Yoshida, Tetsuro: Das Japanische Wohnhaus, Buch-Cover
Das Buch kann antiquarisch gekauft werden.

In dem Literaturklassiker DAS JAPANISCHE WOHNHAUS, Tübingen 1954 von Tetsuro Yoshida (für Interessierte unbedingt zu empfehlen, man kann es antiquarisch z.B. über ZVAB kaufen) über traditionelle japanische Wohnhäuser fasst der Autor in den wichtigsten Punkten zusammen:

Diese übertragbaren Vorzüge der traditionellen japanischen Wohnhäuser bestehen im Wesentlichen:

darin, dass das japanische Haus einzeln im Garten steht, und dass zwischen beiden eine innige Beziehung besteht, indem Hausinneres und Garten zu einem Ganzen verschmolzen sind

in der Schaffung vieler großer Tür- und Fensteröffnungen als Anpassung an das besondere Klima

in der vielseitigen Nutzung der Räume - jeder allgemeine Raum kann z.B. auch als Schlafraum genutzt werden

Japanisches Wohnhaus Fotolia in der sachlichen und rationalistischen Baugestaltung und Übereinstimmung von Konstruktion und architektonischer Schönheit, in einfachster, klarer und reinster Raumgestaltung mit Tokonama (Bildnische) als optischem Mittelpunkt

in Verwendung ungestrichener Hölzer mit schöner Maserung und Vermeidung spiegelnder Materialien

in praktisch eingebauten Wandmöbeln, die einen ausgedehnten Flächeneindruck hinterlassen

in der Normung der Zimmergröße und Bauteile bis in die kleinsten Einzelheiten, was eine schnelle und billige Herstellung des Hauses ermöglicht, ohne dem Haus seinen individuellen Charakter zu nehmen (etwa die Boden-Matte als Grundmaß für die Zimmergröße: 3 Matten, 4 Matten, 4 1/2 Matten, 6 Matten... 15 Matten). Durch die Normung (z.B. Zimmergrundriss, Zimmerhöhe, Fensterhöhe usw.) ergeben sich automatisch Proportionen, die an jedem Bauwerk wiederkehren und damit eine optische Einheitlichkeit bewirken

Der geistige Kern des japanischen Hauses aber beruht auf der ursprünglichen Lebenshaltung des japanischen Menschen (mit alt-japanischer Lebensweise!), der gern im Natürlichen und Alltäglichen die Bedeutung des Menschenlebens zu finden sucht [...] Wir sollten uns bemühen, den Geist des Wohnhauses zu erfassen. Es ist sinnlos, nur die äußere Form das alten japanischen Hauses oberflächlich nachzuahmen. Leider findet man heute im Ausland ebenso wie in Japan selbst oft Beispiele moderner Häuser, wo dies aus sentimentalen Gründen wie exotischem Interesse geschehen ist [was klar heißt: Die traditionelle japanische Architektur ist nur zusammen mit dieser Wohnkultur übertragbar].

Das traditionelle japanische Wohnhaus ist ein Haus aus Holz, Papier und Bambus [...] und es passt natürlich nicht mehr völlig zum modernen Leben. Trotzdem hat das japanische Wohnhaus seine ganz besonderen Vorzüge, die den neuen Wohnhausstil nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Ländern der Welt bereits in entscheidender Weise beeinflussen.Tetsuro Yoshida

Die oben stehenden Zitate von Tetsuro Yoshida lassen uns also fragen, ob man die positiven Eigenheiten dieser Häuser doch irgendwie kopieren kann, wobei immer wieder an die Besonderheit der Einheit von Haus und Garten erinnert sei. Interessant dabei ist, dass die Gestaltung dieser japanischen Hausgärten, wie auch der Häuser selbst, eng mit der Entwicklung der japanischen Teezeremonie verbunden ist. Daher kommt vielleicht auch das Gefühl, dass die ländlichen japanischen Wohnhäuser die Eigenschaft besitzen, beim Betreten den Bewohner im Tun und Lassen irgendwie zu verlangsamen. Dies bewirken wohl die klaren, mild belichteten Räume, welche die Aufmerksamkeit der Seele leichter auf den Moment lenken.