Kompostplatz
Der Kompostplatz kann auch etwas romantisch aussehen.

Ich habe den Begriff der "Kompostwirtschaft für Selbstversorger" aufgegriffen, weil es heute ein geflügeltes Wort ist und wie eine neue Idee gehandelt wird – doch für unsere Vorfahren war diese Bewirtschaftung das Gewöhnlichste und Selbstverständlichste im eigenen Klein- oder Hausgarten. Wie dem auch sei, mehr Autonomie durch Selbstversorgung und die effektive Nutzung organischer Abfälle ist eine gute Sache. Allerdings soll es in diesem Beitrag nicht speziell um die Anlage eines Komposthaufens gehen, sondern allgemein um den ökologischen Kreislauf im Nutzgarten.

Was die meisten Gartenbesitzer von der Kompostwirtschaft abhält, das sind der vermeintlich hohe Arbeitsaufwand und die allgemein verbreitete Meinung, dass ein Komposthaufen hässlich sei und stinkt. Wenn der Anblick wirklich stört, dann kann der Kompost mit einfachen Mitteln verdeckt werden. Gerüche entstehen nur, wenn die Miete schlecht durchlüftet ist, denn dann entsteht Fäulnis. Ist der Haufen einigermaßen richtig aufgesetzt, dann geht dort ein Verrottungsprozess vonstatten und der stinkt nicht. Dazu brauchen die organischen Abfälle Luft, etwas Feuchtigkeit und einen leicht beschatteten Platz im Garten.

Was vereinfacht das Kompostieren?

  • Lege den Kompostplatz nur an, wenn du die entstehende Humuserde auch verwerten kannst.
  • Unordnung entsteht nur, wenn nicht kontinuierlich alle entstandene Erde verbraucht wird.
  • Der Kompostierplatz bleibt nur dann in einer gewissen Ordnung, wenn er möglichst von allen Seiten zugängig ist und leichtes Arbeiten möglich ist.
  • Küchenabfälle sollten separat in einem kleinen Gitter- oder Schnellkomposter gesammelt und halb verrottet von Zeit zu Zeit in den Haufen eingeschichtet werden.
  • Beim Umsetzten feste Schuhe und Handschuhe tragen, dazu funktionierendes Werkzeug (Schaufel, Breithacke, vierzinkige Forke). So kann man beherzt losarbeiten und ist schnell fertig.
  • Bei den Umsetzarbeiten kühles Wetter wählen.

Wohin mit den durchgeworfenen Resten?

Bei vielen Gartenfreunden entsteht am Kompostplatz viel Unordnung, weil beim Durchsieben der Erde halbverrottete Reste übrigbleiben, die dann liegen bleiben und Einwachsen. Ich löse das Problem so:

Aus den übriggebliebenen Resten sammle ich Plastik, Scherben und Steine heraus. Das restliche organische Material wird dann 1:1 mit ungesiebtem, etwas verrotteten Kompost zu kleinen Mulchbeeten aufgesetzt, die etwa 1 m Länge, 60 cm Breite und 40 cm Höhe messen. Diese liegen an sonst ungenutzen Randbereichen des Gartens. Diese Mulchbeete bepflanze ich dann mit Kürbissen und Zucchini. Die Pflanzlöcher werden dabei noch etwas mit Komposterde befüllt, damit die vorgezogenen Pflanzen besser anwurzeln. Sind die Pflanzen später größer, wird das Beet gemulcht und zwar mit Rasenschnitt oder Abfällen vom Jäten.

Gut aufgeräumt
Gut aufgeräumt
Vorn werden Küchenabfälle gesondert verrottet.
Vorn werden Küchenabfälle geso...
Mit festen Schuhen arbeitet es sich besser.
Mit festen Schuhen arbeitet es...
Sichtschutz am Kompostplatz.
Sichtschutz am Kompostplatz.
Mit Stauden und Kürbis verdeckter Platz.
Mit Stauden und Kürbis verdeck...
Komposter-Eigenbau aus Betonrasenkanten.
Komposter-Eigenbau aus Betonra...

Zweck und Verwendung. Ist Kompost Dünger?

Alle oben gegebenen Tipps sollen zeigen, dass die Kompostwirtschaft, wenn sie gut strukturiert wird, gar nicht so aufwendig ist, wie oft angenommen wird. Auf der einen Seite entsorgt man damit ohne Kosten Grünabfälle und benötigt keine "Braune Tonne". Auf der anderen Seite wird Humus produziert, welcher den Boden verbessert, sei es im Gemüsegarten oder auf dem Gebrauchsrasen. Wer gut gesiebte Komposterde hat, der hat mit ihr auch die allerbeste Blumenerde für Pflanzkästen. Für diese Zwecke sollte man sich immer einen kleinen Vorrat bereithalten.

Der vierte Vorteil bei der Herstellung von Komposterde ist der, dass man mit ihm auch einen Naturdünger zur Verfügung hat - so sollte man meinen. Doch das ist so nicht ganz richtig. Kompost ist kein besonders guter Dünger. Das bessere Pflanzenwachstum, welches man bei dessen Anwendung beobachten kann, hat die Ursache in der Aktivierung der Bodenlebewesen, welche für die Pflanzenvitalität mindestens ebenso wichtig sind wie Dünger.

Will man einen wirkungsvollen Naturdünger bekommen, so muss der Komposthaufen mit Mist (z.B. Pferde- oder Kleintiermist) aufgebessert werden. Ist dieser nicht vorhanden, so kann man beim Aufsetzten des Haufens auch Kalkstickstoff zugeben, also einen Kunstdünger. So kann er allemal besser wirken, als direkt auf das Gartenland gestreut. Eine weitere Möglichkeit zur Aufbesserung mit Exkrementen ist die Anlage einer Freiland-Komposttoilette im Garten. Es ist noch keine hundert Jahre her, da haben unsere Vorfahren regelmäßig den Inhalt der Jauchengrube für die Düngung des Gartens verwendet.

Soll die Kompostwirtschaft im Selbstversorger- oder Kleingarten die Kulturen 100 % mit Dünger versorgen, was natürlich anzustreben ist, so wird man dies erst über mehrere Jahre hin schaffen. Wer schon einmal seine selbstgemachte Dünger-Erde auf den Beeten und im Gurkengewächshaus verteilt hat, der hat sicher bemerkt, dass diese wenige Komposterde pro Jahr, in einem durchschnittlichen Kleingarten, maximal 15 % der Anbaufläche aufbessert. Ich habe deshalb nebenher eine Kaninchenzucht aufgebaut. Wer über das Jahr etwa 6 bis 8 Kaninchen füttert (das geht bequem mit den Gemüseabfällen und Pflanzenresten) und reichlich Stroh als Einstreu nutzt, der kann die Anbaufläche über das Jahr hin zusätzlich mit Kleintiermist mulchen und im Winter mit dem Mist den Kompost aufbessern. Mit der Kleintierhaltung in diesem Beispiel schafft man etwa in drei Jahren einen mittelgroßen Nutzgarten ausreichend mit Humus und Pflanzennährstoffen zu versorgen.