WurzelpetersilieDie faserlosen Wurzeln sind außen etwas gelblich und innen weiß. Haupterntezeit ist Oktober.
Die faserlosen Wurzeln sind außen etwas gelblich und innen weiß. Haupterntezeit ist Oktober.

Die Wurzelpetersilie, welche im Supermarkt meist als Petersilienwurzeln angeboten werden, besitzt in den Gärten ein gewisses Schattendasein. In alten Gartenbüchern schrieb man schon vor über hundert Jahren, dass diese Gewürzpflanze in manchen Gegenden sehr beliebt, in anderen aber gänzlich unbekannt ist. Im Prinzip ist das immer noch immer so, doch das kann sich mit dem Studium des vorliegenden Beitrages ändern, zumal sich das Gemüse auch am Küchenfenster ziehen lässt. 

Wurzelpetersilie Kraut im NovemberDas Gemüse verträgt im Garten auch halbschattige Plätze, was entsprechende Standorte überhaupt erst nutzbar macht.

Botanik und Eigenschaften

Die Wurzelpetersilie (auch Knollenpetersilie oder Peterwurzen) ist eine zweijährige Pflanze mit dem botanischen Namen Petroselinum crispum subsp. tuberosum und gehört zur Familie der Doldenblüher (Apiaceae). Die Samen gehen im ersten Jahr auf und bilden kräftige Pflanzen aus, welche im zweiten Jahr lange Dolden treibt, deren Samen im Juli reifen. Sie ist eine Varietät der bekannteren Blatt-Petersilie (Petroselinum crispum), von welcher wir nur das Kraut in der Küche nutzen. Bei Petroselinum crispum subsp. tuberosum wurde die Wurzel, die allgemein bei der Petersilie zur Rübchenbildung neigt, lediglich weiter in eine möhrenähnliche Form gezüchtet. Es gibt verschiedene Sorten mit mehr oder weniger langen, schmalen Wurzeln (max. 30 bis 35 cm lang und 4 bis 5 cm dick). Denen sagt man nach, dass sie besonders winterhart sind. Varietäten mit kürzeren, etwas gedrungenen, konischen Rüben gibt es auch. Sie sollen süßer und besonders für die Sommerernte geeignet sein. Unter diesen kurzen Formen gibt es auch Auslesen, mit der Bezeichnung:

Zuckerpetersilie

Diese süße Form wurde in Deutschland bereits im 18. Jahrhundert bei Berlin kultiviert, weswegen man sie auch "Berliner Zuckerpetersilie" nannte. Aus ihr (wie auch aus der Zuckerpastinake) muss wohl tatsächlich auch Sirup hergestellt worden sein – die Kultur und Nutzung der Zuckerrübe war zu jede Zeit noch nicht erfunden. Unter den heute angebotenen Sorten gibt es eine, welche große Ähnlichkeit mit den alten Beschreibungen der Berliner Varietät hat. Sie trägt den Sortennamen 'Konika' und hat eine konische, gedrungene Form. Entsprechender Samen kann online bestellt werden.

Verwendung – ein Universalgemüse

Beschrieben und genutzt wird die Wurzelpetersilie fast ausschließlich als jahrhundertealtes Würzgemüse, welches aus dem Mittelmeerraum stammt. Die Rübchen besitzen einen kräftigen Petersiliengeschmack und haben zudem auch Aromen der Möhre und der Pastinake. Dementsprechend werden sie vor allem als Suppengewürz genommen. Diese Qualität schätzten die Hausfrauen vor allem in jenen alten Zeiten, wo weder Brühwürfel noch Glutamat verfügbar war. Wenn wir heute die Qualitäten der alten bäuerlichen, wie bürgerlichen Küche wiederentdecken wollen, so müssen wir auch die Wurzelpetersilie wiederentdecken und mit ihr ähnliche alte Aromapflanzen.Ziemlich unbekannt ist, dass die Wurzeln auch wie Möhren zubereitet werden können, jedenfalls haben es unsere Altvorderen so gemacht. Natürlich war es kein Gemüse für jeden Tag, sondern eine Delikatesse – überhaupt boten die alten gut sortierten Küchengärten neben der Wurzelpetersilie Feinkost verschiedenster Art. Allein bei den Wurzelgemüsen denke ich da an Gold-, Klett-, Zucker-, Schwarz- und Haferwurzeln, Raponika, Kerbelrüben, Rapunzelrüben und andere Rübenarten. Da gab es nicht wie heute jeden Tag diese eintönige Industrienahrung aus Kartoffeln, Weizen, Öl, Salz, Zucker, Glutamat und Chemie – da gab es durchaus Vielfalt [1] auf dem Teller. Die alten Zeiten waren nicht immer so düster, wie es uns gern glauben macht. Doch nun zurück zur nächsten Verwendungsmöglichkeit.Die dritte Art der Nutzung ist die der Blätter. Das Kraut kann wie das der gewöhnlichen Petersilie zum Würzen Verwendung finden. Man kann es im Sommer vom Beet ernten, doch nie von einer Pflanze alles. Im Herbst, wenn die Wurzeln voll ausgebildet sind, können die Blätter komplett den Weg in die Küche finden. Wer es etwas derber im Geschmack findet, der schneide es einfach feiner und nehme weniger. Für Selbstversorger sind die Petersilienwurzeln jedoch von besonderer Bedeutung. Man sagt ja, dass im Lande der Blinden der Einäugige König ist und so nehmen wir das rustikaler Aroma gern in Kauf, wenn dessen in Töpfe versetzte Wurzeln im Winter (neben der Gartenkresse) reichlich Petersilienkraut am Küchenfenster produzieren.

Petersilie im Topf ziehenDie Wurzeln in einen Topf gesetzt (hier frisch gepflanzt), treiben im Winter reichlich Petersilienblätter am Fenster.

Anbauanleitung

Boden/Standort/Dünger

Wurzelpetersilie mag Böden, welche tiefgründig und nährstoffreich sind, also Gartenböden in guter Kultur und mit genügend Kalk (pH 7,0). Wie bei den Möhren auch, darf nie frischer Stallmist gedüngt werden, denn dadurch bekommen die Wurzeln sogenannte Rostflecken.Überhaupt wird vor und während der Kultur nicht gedüngt, weil sonst Nebenwurzeln treiben. Die Rüben sollen in die Tiefe gehen und dort ihre Nährstoffe suchen.

Aussaatzeitpunkt

Die Kultur der Petersilienwurzeln gelingt nicht immer. Ich vermute, dass der optimale Zeitpunkt der Aussaat regional verschieden sein kann. Aus diesem Grunde solltest du verschiedene Saattermine mit der Verwendung verschiedenen Sorten testen.

In älterer Literatur ist zu lesen, dass die sehr frühe Aussaat für das gelingend der Kultur nötig ist. Sie soll so zeitig als möglich im Jahr erfolgen, also im Monat Februar. Überhaupt ist die Saat der Wurzelpetersilie die erste aller Kulturen im Kleingarten, so raten es jedenfalls die alten Gartenbauexperten. Ich selber habe bisher so verfahren, allerdings mit mäßigem Erfolg.Nach neuerer Literatur, sät man das Gemüse im März, April und sogar noch im Mai - was vermutlich nur mit den oben schon erwähnen gedrungenen Sorten möglich ist.

Tatsche ist, dass die Samen sehr lange zur Keimung benötigen und sich auch das Kindheits- und Jugendstadium der Sämlinge sehr lange hinzieht. Das kann durchaus darauf ein Hinweis sein, dass auch die Spätsommeraussaat von August bis September erfolgreich ist, wie es mitunter auch bei den Schwarzwurzeln gemacht wird. Auf einer ungarischen Internetseite habe ich davon gelesen. Es wird dort im August oder September gesät und dann überwintern die noch sehr kleinen Pflänzchen und entwickeln sich im Folgejahr um so schneller. Man sollte dies probieren, zudem die Wurzelpetersilie (landessprachlich fehér répa – übersetzt "Weiße Rübe"), zur ungarischen Küche gehört, wie Tomaten, Paprika und Knoblauch und vermutlich macht sie auch einen Großteil Aroma in der ungarischen Gulaschsuppe aus.

Wurzelpetersilie selber angebaut

Petersilie zählt zu den Dunkelkeimern und darf nicht zu flach gesät werden. Aus diesem Grund sät man am besten in Reihen und 1 cm tief, schließt die Saatrillen anschließend drückt dann die Samen gut in der Erde an. Der empfohlene Reihenabstand beträgt 25 bis 30 cm. Der Abstand der Pflanzen untereinander sollte nicht zu dicht sein, also mindestens 8 bis 10 cm, denn je mehr Platz die Wurzeln haben, um so gewaltiger werden sie.Je nach der Platzaufteilung und breite der Beete können wir mit dem Maß auch auf 15 cm Reihen- und 20 bis 25 cm Pflanzenabstand gehen.Auch die breitwürfige Saat ist möglich (siehe Mischkultur mit Spargel), doch muss nachher der Samen gut in den Boden eingearbeitet werden.Die Keimdauer beträgt bei 15 bis 20 °C gut 20 Tage, bei kühlerem Wetter dauert es entsprechend länger.

Pflege

Nachdem die Samen aufgegangen sind darf die Kultur nicht trocken stehen, bis die Wurzeln einige Tiefe erreicht haben. Es soll also regelmäßig gegossen werden, doch nicht im Übermaß.Zur Pflege der Kultur ist sonst nicht viel zu sagen. Vor allem muss das Unkraut entfernt werden. Das verbinden wir am besten mit einer regelmäßigen flachen Bodenlockerung.

Ernte

Die frühesten Ernten sind Ende August möglich und die Haupternte geschieht im Oktober. Die Wurzeln können dann ähnlich wie Möhren in Sand eingeschlagen werden und so im Keller zu Verbrauch bereit liegen. Die Petersilienwurzeln sind winterhart und können den auch ganzen Winter lang auf dem Beet verbleiben und dort bei frostfreiem Wetter ausgegraben werden, was sie für Selbstversorger unkompliziert und sehr brauchbar macht. Überwinterte Wurzeln können noch bis April ausgegraben werden.

Mischkultur und Vorkultur

Mit dem überhasteten Mischkulturenanbau bin ich über die Jahre etwas vorsichtig geworden, da das Nebeneinandersetzten von Gemüsekulturen nicht immer die Erfolge bringt, die versprochen werden. Theoretisch ist zwar die Kombination mit Tomaten und Porree möglich, doch beide Gemüse haben einen höheren Düngebedarf, was Probleme breitet. Die Mischkultur mit Zwiebeln ist empfehlenswert. Erfolgversprechend ist auch der Nebeneinanderanbau von Bleichspargel und Wurzelpetersilie, bei dem der Samen der Petersilie breitwürfig auf den Spargeldamm gesät und eingearbeitet wird. Beide Kulturen haben gleiche Ansprüche an den Boden (Kalkgehalt) und wenn Spargelernte ist, sind die Pflänzchen der Petersilie noch klein.Zu beachten ist, dass vor dem Anbau von Wurzelpetersilie (Vorkultur) möglichst kein anderer Doldenblüher (Apiaceae) auf dem Beet stand. das sind zum Beispiel Möhren, Pastinaken und Formen des Sellerie.

Sorten

  • 'Arat' – schnellwüchsigste Sorte
  • 'Halblange' – alte Sorte mit gedrungener Form, weiße Haut; für frühe Ernten
  • 'Konika' – Zuckerpetersilie; konische Wurzel; am Schaft sehr dick, dann schnell schmal werdend
  • 'Lange' – lange, dünne Form; wüchsig; sehr frosthart und gut lagerfähig
  • 'Lange Oberlaager' – Sorte aus Österreich, schnellwüchig
  • Hanacka – resistent gegen Mehltau und deshalb besonders gut für halbschattige Standorte, mittellang
  • 'Osborne' – schneeweiße Wurzeln; konisch und lang; verträgt Trockenheit
  • 'Rum von Erfurt' – alte Sorte mit Blättern wie die krause Petersilie

Literatur und weitere Hinweise

[1] Die Vielfalt in den Gemüsearten war früher auch eine Versicherung gegen Missernten. Wurde eine Kultur zum Beispiel von Schädlingen vernichtet, so gab eine Andere dafür Ersatz.

[2] D. Johann Gottlieb Gleditsch – Betrachtung über die Beschaffenheit des Bienenstandes in der Mark Brandenburg. Nebst einem Verzeichnisse von Gewächsen aus welchem die Bienen ihren Stoff zum Honig und Wachse einsammeln. Verlegt von Johann Friedrich Hartknoch, Riega und Mietau 1769