Ligustrum vulgare Atrovierens Schwarzgrüner LigusterDieser Liguster ist besser, las man denkt.
Dieser Liguster ist besser, las man denkt.

Diese Liguster-Sorte wird gern für die Heckenpflanzung genommen, da sie sehr anspruchslos ist. Sie wächst dicht auf die gewünschte Höhe und treibt mit zunehmenden Alter nicht mehr ganz so stark, wie andere Laubholzhecken. Es ist zwar die Regel, dass man solch eine Hecke zwei Mal im Jahr schneiden sollte, doch wer hält sich schon daran und so genügt im "Notfall" auch das einmalige Schneiden (siehe unten). 'Atrovierens' ist robust und pflegeleicht, leicht zu vermehren und verträgt Schatten, wie Sonne. Doch das Gehölz, was allgemein für nicht besonders hochwertig gehalten wird, hat noch weitere sehr besondere Eigenschaften, die nur wenige Gehölze aufweisen. Betrachten wir also diese Pflanze etwas genauer:

Wintergrünes Laub

Zuerst wenden wir uns aber dem Sortennamen zu. Ligustrum ist die Rainweide welche den Ölbaumgewächsen (Oleaceae) zugehörig ist. Ligustrum vulgare ist der Gemeine Liguster. Das lateinische atroviridis heißt übersetzt dunkelgrün. Davon leitet sich Atrovierens ab. Tatsächlich haben die Blätter eine dunkelgrüne, metallisch schimmernde Farbe und eine entsprechende Hecke wirkt dadurch ernst und düster. Das ist durchaus kein Nachteil, denn wir können vor diesem Hintergrund allerlei blühenden Stauden, Gräser, Sommerblumen oder Rosen platzieren, deren Blüte oder Belaubung (z.B. Blattstauden) durch den Kontrast besonders gut zur Geltung kommen.

Liguster immergrüne ArtWinter: 'Atrovierens' (links) im Vergleich mit der Urform Ligustrum vulgare (rechts), die kleine Blätter mehr hat.

Die Blätter der Sorte sind gegenständig angeordnet, lanzettlich bis linealisch und halten bis zum Frühjahr am Geäst. Sie fallen erst bei Neuaustrieb des Strauches ab.
Die Gehölze sind also wintergrün, nur in extremen Wintern stoßen sie, besonders an Langtrieben, das Laub ab, was auch nach sehr trockenen Sommern geschehen kann. Die Sonnenseite der Büsche und Hecken bekommt im Winter eine olivbraune Blattfärbung, je nach Einfall der Wintersonne.

Bester Liguster für Hecken

Schon vor 50 Jahren stellten die Gärtner fest: "Atrivierens ist unter den Sorten von L. vulgare der brauchbarste und schönste Liguster und hat als Heckenpflanze allmählich alle anderen abgelöst." [1] Das gilt bis heute, denn es gibt immer noch keine vergleichbare Ersatzsorte. Einzig Ligustrum ovalifolium, der Ovalblättrige Liguster mag ein schöneres Grün haben, doch einerseits ist es eine andere Art und andererseits macht ovalifolium mehr Triebe und ist deshalb pflegeaufwändiger, als 'Atrovierens'. Letzterer kann, und das hatte ich eingangs bereits erwähnt auch deshalb beliebt, da er im Ausnahmefall nur einmal im Jahr geschnitten werden braucht:

LigusterheckeDiese Version wird drei Mal pro Jahr formiert.

Nur 1 x pro Jahr schneiden?

Der hier vorgestellte Liguster besitzt die Besonderheit, dass er in den ersten Jahren nur langsam, dafür aber dichter und aufrechter als die Art wächst. Das macht ihn sicher für viele Hausbesitzer sympathisch, die pflegeleichte Hecken wünschen, denn die Sorte wächst schon von Hause aus nahezu in Heckenform. Aber auch die älteren Heckenpflanzungen sind insoweit zweckmäßig, da ihr Austrieb nicht so sehr in die Breite geht und dadurch störend wird. Ganz anders ist das etwa bei Hainbuchenhecken, welche sehr in die Breite gehend ausschlagen.
Zwar besagt die Definition einer Hecke, dass sie an sich eine zweimalig formierte Einfassung ist, doch oft schafft ein Grundstücksbesitzer diese Pflegearbeiten nicht und das muss das einmalig beschneiden genügen.

Liguster ein mal pro Jahr geschnittenDiese Hecke wurde ein Mal im Juni geschnitten.

Auch wer Besitzer von Mietshäusern ist und die Anlage von einem Hausmeisterdienst ausführen lässt, kann (wenn es die Gegebenheiten zulassen) damit Kosten sparen, dass er Hecken pflanzt, die nur einen Schnitt pro Jahr benötigen. Bei Ligustrum vulgare 'Atrovierens' kann dieser einmalige Schnitt in der ersten Junihälfte erfolgen. Zwar wird dann die Ligusterhecke bis August noch etwas treiben, doch ist das dann nur eine optische Sache, dass die Hecke etwas lockerer formiert ist.

Verwendung für Strauchpflanzungen

Allgemein wird Liguster, wie auch die Sorte 'Atrivierens' in der Garten- und Landschaftsgestaltung ungeschnitten als Strauch gepflanzt. Wird Liguster nicht geschnitten, blüht er und ist in dieser Zeit eine wertvolle Bienenweide und zählt sogar zu den Ziersträuchern. Besonders in der Sonne werden viele Blüten ausgebildet, die zudem angenehm honigartig duften. Daneben gilt der Liguster auch als als Vogelschutzgehölz, weil er nach der Blüte reich fruchtet. Er setzt für Vögel essbare Beeren an, die Erbsengröße besitzen und schwarz ausreifen.

Im Landschaftsbau pflanzt man den Gemeinen Liguster auch an Hänge, da er mit dem flachen Wurzelsystem den Boden festhält und dort die Trockenheit toleriert, welche an Hängen meist herrscht. In der Stadt gedeiht er auch an ungünstigen Standorten, verträgt Staub, Straßenluft und jeden Schnitt (Straßenbegleitgrün, Autobahnbegrünung). Alle Böden werden toleriert, trotzdem gilt der Liguster als kalkliebend.
Das erwähnte flache und dichte Wurzelsystem ist so fest, dass es keine Unkräuter aufkommen lässt. Diese Eigenschaft macht den Liguster ebenfalls zur pflegeleichten Hecke.

Eine weitere Eigenschaft ist die Tauglichkeit als Pioniergehölz, wo er auf rohen Böden gedeiht (Rekultivierungsmaßnahmen), oder zur Wiederbewaldung eingesegnet wird. Für solche trockenen Grashänge stehen neben Ligustrum vulgare (wie die Sorte 'Atrovierens') nur noch Pioniergehölze zu Verfügung, wie z.B. Prunus spinosa, Cornus sanguinea und Viburnum lantana.

Literatur & Quellen

  • [1] M.G. Eiselt - Nadelgehölze, Radebeul 1960. Eiselt/Schröder - Laubgehölze, Radebeul 1977.