BlutjohannisbeereNormaler Blütenbesatz des Zierstrauches
Normaler Blütenbesatz des Zierstrauches

Die Blutjohannisbeere (Zierjohannisbeere) mit seinen vielen Ziersorten ist ein Strauch, welcher die meiste Zeit des Jahres eher unauffällig ist. Im April und Mai, wenn das Gehölz dann aber in die Blüte kommt, ist es mit kaum einer anderen Art vergleichbar und schön. Je nach Sorte hängen dann kräftig rote Blütentrauben in Massen an den Zweigen. Steht im Hintergrund dann noch eine Forsythie im Flor, werden die Farben der Zierjohannisbeere noch intensiver. Solche Farbkombinationen halte ich für wichtig, denn in der Einzelstellung des Gehölzes würde man sich solche Effekte verschenken.

Herkunft und Botanik

Das völlig frostharte und sommergrüne Gehölz gehört zur Gruppe der Zierjohannisbeeren. Die Heimat von Ribes sanguineum ist das westliche Nordamerika, also etwa das Gebiet von Britisch-Kolumbien herunter bis Kalifornien und Colorado. Ribes sanguineum (lateinisch sánguis = Blut) ist eine von etwa 150 Ribesarten; von diesen wird etwa ein Dutzend zur Zierzwecken genutzt und drei Arten sind Obstgehölze. Die Pflanzengruppe der Ribes ist die einzige Pflanzengattung innerhalb der Pflanzenfamilie der Stachelbeergewächse, der Grossulariaceae.

Ribes sanguineum ZierjohannisbeereBlüten der Zierjohannisbeere vor einer Forsythie. Sie erscheinen kurz vor dem Austrieb der Blätter.

Die meisten der Sträucher werden etwa 2,5 m hoch, sie haben rotbraune Triebe, die ein wenig behaart sind; werden sie älter dunkeln sie nach und die Zweige bekommen eine abfasernde Rinde. Die Blätter haben eine runde Form mit herzförmigen Grund, sind ungleich gesägt und sind oberseits behaart und dunkelgrün. Die Unterseite der Blätter sind weiß-filzig und behaart. Die Blüten brechen im April und Mai hervor und befinden sich an bis zu 6 bis 9 cm langen Trauben, die zuerst aufrecht wachsen und mit weiterem Wachstum herabhängen. Die Wildform hat weiße oder rosa Blüten mit kurzen Kronenblättern, wobei aber die Kelchröhre rosenrot ist und farblich wirkt. Die Blüten ziehen auffallend viele Hummeln und Bienen (wertvolle Bienennahrung) an. Damit zählt die Blutjohannisbeere zu den Bienenweide-Gehölzen. Blätter und Blüten haben einen herben Duft.

Die Früchte reifen im Juli und August schwarz und sind etwas blauweiß bereift, etwa einen Zentimeter dick und etwas behaart. Die Beeren sind nicht giftig. Einen besonderen Geschmack weisen die wenigen Früchte nicht auf, sind aber für Vögel eine willkommene Nahrungsquelle. Die Vermehrung des Gehölzes geschieht durch Steckholz. Man schneidet es im Winter (frische Triebe in Bleistiftlänge) und lagert es kühl und geschützt bis zum Frühjahr und steckt es, sobald der Boden frostfrei ist. Das Steckholz wird so tief in gelockerten Boden gesteckt, dass oben nur 1 cm herausschaut. Im folgenden Frühling wird der dann bewurzelte Trieb ausgegraben und an den endgültigen Standort verpflanzt.

Ribes sanguineum Sorte 'Koja'Sorte 'Koja' im Halbschatten

Standort – Gehölz für Schatten – fehlende Blüte?

Die Blutjohannisbeere wächst auf jedem Gartenboden gut, wenn er nicht zu schwer (sehr tonhaltig), kalt und ausgesprochen nass ist. Sehr trocken sollte der Standort aber auch nicht sein. Kalk wird vertragen. Sehr nährstoffreich muss der Boden nicht sein. Es ist sogar so, dass auf kargem Grund die Büsche kleiner werden, dafür aber um so üppiger blühen. Warme, sonnige Plätze garantieren die üppige Blüte.

Nicht selten wird festgestellt: Meine Blutjohannisbeere blüht nicht – was mache ich falsch? Die Antwort habe gerade gegeben. Die Ursache ist zu nährstoffreiches Erdreich, beziehungsweise die Düngung mit Stickstoffdüngern – seien es nun Kunst- oder Biodünger. Ein weiterer Grund kann zu tiefer Schatten sein. Das Ziergehölz kann zwar gut auf sehr dunklen Standorten stehen, was es für die Gartengestaltung wertvoll macht, im Halbschatten blühen die Büsche jedoch weniger (doch noch annehmbar), und im Vollschatten kaum.

Pflanzung, Pflege und Schnitt

Die Blütengehölze werden von den Baumschulen ganzjährig angeboten (außer Frostperiode). Wir kaufen die Ware dort in Töpfen, welche recht unkompliziert zu jeder Zeit gepflanzt werden können, wenn der Boden frostfrei ist. Bei der Pflanzung muss nur darauf geachtet werden, dass die Gehölze im Garten ebenso hoch/tief im Boden zu stehen kommen, wie sie im Topf standen. Wenn der Boden normal locker und nicht verdichtet ist, muss kein besonderes Pflanzloch gegraben werden. Nach den Pflanzarbeiten wird angegossen, aber nicht gedüngt. Im Wurzelbereich entferne man regelmäßig das Unkraut und gieße im ersten Standjahr den Setzling besonders in Trockenperioden. Eine besondere Pflege ist nicht nötig. Alle Ribes-Arten reagieren empfindlich auf Herbizide (chemische Unkrautbekämpfungsmittel). Die Büsche können, wenn nötig, beschnitten werden. In der Regel ist dies aber nicht nötig. Überaltern die Sträucher, werden sehr alte und dürre Äste herausgeschnitten. Ein Totalrückschnitt ist möglich, also das Abscheiden der Triebe 5 cm über dem Erdboden. Das Gehölz treibt dann wieder aus. Hecken können formiert werden, doch ist die Blutjohannisbeere kein typisches Heckengehölz, da es bei Heckenschnitt dazu neigt im unteren Bereich kahl zu werden.

Ideale Pflanzennachbarn

Der Blütenstrauch sollte immer mit anderen Blütengehölzen zusammen gepflanzt werden, welche zur gleichen Zeit blühen und einen Kontrast zur roten Farbe der Blutjohannisbeere bilden. Vor allem die dunkel-blutroten Sorten haben nämlich kaum eine Fernwirkung der Blüte. Setzen wir jedoch beispielsweise den gelben Flor von Forsythien dahinter werden die Johannisbeeren so richtig in Szene gesetzt.

Blütengehölze

Hier habe ich eine ganze Reihe von Ziergehölzen, welche sich mit der besagten Zweckbestimmung als Nachbarn eignen. Neben den Forsythien, welche zuerst genannt werden müssen, sind das die Arten und Sorten: Corylopsis (gelbe Blüten) und Cytisus x praecox (hellgelb). Ton in Ton blühen: Amelanchier (rosa Blüten) Prunus triloba (pink), Prunus subhirtella (hellrosa), Prunus sargentii-Sorten (hellrosa) und Viburnum fragans (rosa). Einen weißen Blütenhintergrund geben Spiraea x arguta oder Spiraea thunbergii.

Stauden und Zwiebelpflanzen

Die Unterpflanzung und Benachbarung mit Bodendeckern ist empfehlenswert, z.B. mit dem himmelblau blühenden Waldgedenkemein (Omphalodes verna) ist fast in jedem Falle möglich. Bis unter die Büsche rankt auch die gelb blühende Golderdbeere (Waldsteinia ternata, Bild unten).

Bodendecker Waldsteinia ternataWaldsteinia ternata, die Golderdbeere kommt auch mit Schatten bestens zurecht. Das Gelb wirkt als Komplementärfarbe zum Violett-Purpurrot.

Von den Stauden ist das in Kissen gelb blühende Felsensteinkraut (Alyssum saxatile) zu nennen, welches ich bei den Mauerpflanzen beschrieben habe. Es eignet sich als Vorpflanzung für sonnige Standorte. Von den Zwiebelgewächsen, die neben den Blutjohannisbeeren verwildern können sind das vor allem Schneestolz (Chionodoxa luciliae, hellblaue Blüten) und das bekannte tintenblaue Scilla sind ebenfalls möglich. Sie sind dunkler und weniger auffällig in der Fernwirkung als der Schneestolz, bilden aber trotzdem einen guten Kontrast. Narzissen gibt es in undenkbar vielen Sorten und Arten und mit denn Rottönen des Ribes sanguineum ergeben sich schöne farbliche Kontraste, wenn die gelben Sorten der Osterglocken gepflanzt werden. Man suche sich aber möglichst Narzissen, welche zur Selbstvermehrung (Verwilderung) neigen.

Noch ein letzter Tipp zum Schatten

Die Blutjohannisbeere verträgt zwar Schatten, doch besser gedeiht sie wo es etwas lichter ist. Zudem machen die dunklen Blätter der Art absonnige Gartenplätze noch lichtloser. Um die Düsternis solcher Orte zu vertreiben, setzte man dort Gewächse ein, welche eine hellgrüne Belaubung aufweisen. Ein Tipp wäre, sich dafür der nahen verwandten Alpenjohannisbeere zu bedienen. Wo nichts anderes mehr wächst, dort gedeiht die Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum). Da diese auch gut gegen den Druck der Wurzeln großer Bäume ankommt, ist sie neben der Eibe die einzige Alternative für heimische Gehölz- und Heckenpflanzungen im trockenen und tiefen Schatten. Da die Eibe (Taxus baccata) in allen grünen Pflanzenteilen extrem giftig ist, bleibt für viele Standorte aber nur Ribes alpinum übrig (Spielplätze, Kindergarten, Hausgarten). Im Gegensatz zu Ribes sanguineum ist Ribes alpinum eine sehr gute Heckenpflanze für Schatten.