Prunus subhirtella BlüteSperrige Äste kennzeichnen das Gehölz.
Sperrige Äste kennzeichnen das Gehölz.

Higan-Kirsche ist eine aus Japan stammende Kirschart. In ihrer Heimat besiedelte sie ursprünglich vorzugsweise in den Gebirgsregionen der Insel Hondo (本土). Dort kann das Gehölz eine Wuchshöhe von bis zu 18 Metern erreichen. In Mitteleuropa wächst die Higan-Kirsche meist nur als kleiner Baum oder Strauch. Allerdings habe ich in Pillnitz bei Dresden auch schon ein ganz ordentliches Exemplar entdeckt, welches sich in ihrer Größe durchaus mit den Gehölze aus der japanischen Heimat messen kann. Es sind wohl die Sorten dieser Art, welche kleiner im Wuchs sind. Im Folgenden werden diese vorgestellt.

Die Art Prunus subhirtella hat die Synonyme Prunus miqueliana und Cerasus herincquiana. Es gibt Botaniker, welche der Annahme sind, dass des sich bei dieser Kirsche ein Hybrid Prunus incisa x Prunus spachiana handekt. Botanisch beschrieben ist das tiefwurzelnde Gehölz mit lockeren, borstig behaarten Trieben, die schnell verkahlen. Die Blätter sind eiförmig bis länglich elliptisch, allmählich in eine Spitze auslaufend und dazu scharf und einfach bis doppelt gesägt. Die Blüten erscheinen zeitig im April vor dem Austrieb des Laubes (in Japan zum Higan-Fest) an den vorjährigen zweigen. Es sind Dolden mit 2 bis 5 Blüten, welche blaßrosa sind. Der Flor erscheint gemeinsam mit Prunus sargentii. Beide sind die am zeitigsten blühenden japanischen Zierkirschen. Die Früchte werden ei-rundlich, sind etwa 1 cm lang und bekommen eine dunkelrote bis schwarze Färbung. Man vermehrt sie aber durch Veredlung und nicht mittels Aussaat.

Prunus subhirtella BlüteZur gleichen Zeit blühen auch die Forsythien und Sternmagnolien.

Namensgebung

Higan (japanisch 彼岸, abgeleitet von "Perfektion"), auch O-Higan, ist ein buddhistischer Feiertag, der ausschließlich in Japan weit verbreitet gefeiert wird und zwar zur Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche. Diese fällt jährlich (veränderlich) ca. auf den 23. September und im Frühjahr auf den 20. März; das ist kurz vor dem wohl bekannteren Japanischen Kirschblütenfest. Der buddhistische Begriff "Higan" heißt so viel, wie „anderes" oder "fernes Ufer“ und meint damit das Nirwana und stellt das damit das sprachliche Gegenstück zum Weltlichen, dem „diesseitigen Ufer“ (shigan (此岸)) dar. Nebenbei bemerkt kennt auch unser Kulturkreis das Bild vom Totenfluss (griechisch Styx).

Winterkirsche neben einem japanischen Friedhof Winterkirsche und Zieraprikose (Prunus mume) neben einem japanischen Friedhof

Im Buddhismus ist das gegenüberliegende Ufer, das Nirwana, positiv besetzt. Der Fluss ist im fernöstlichen Sinn der "Strom der Begierde, dem Strom des Sich-ans-Leben-Klammerns, dem Strom der falschen Vorstellungen und dem Strom des Nichtwissens."[1] Diesen Strom gilt es mit der Perfektionierung von Tugenden zu überwinden, wie Großzügigkeit (Dana), Einhaltung von Recht und Ordnung (Sila), Geduld (Kshanti), Willensstärke (Virya), Meditation (Dhyana) und Weisheit (Prajna). Volkstümlich sind die O-Higan-Tage mit unserem Totensonntag oder Alleseelenfeiertag vergleichbar. Man geht dort zu den Gräbern und gedenkt der Toten. Die Higan-Kirsche hat die Eigenart, dass sie mitunter zwei mal, also im Herbst und im Frühjahr, blüht und wird vielleicht deshalb mit dem Higan-Fest in Verbindung gebracht

Verwendung und Sorten

Es sind sehr anspruchslose Parkbäume, welche im Vorfrühling blühen, aber kaum noch gepflanzt werden. Schöner sind die Sorten der Higan-Kirsche, Prunus subhirtella:

'Autumnalis'
Schneekirsche, Gefüllte Winterkirsche  – als kleiner Baum wird sie 4 bis 6 m hoch und ist breit verzweigt; halbgefüllte weiß-rosa Blüten (Ø 2,5 cm) oft schon im November/Dezember (Weihnachtskirsche) und dann ein zweites Mal im April
'Dahlem'
Neue gefülltblühende Sorte  – kleiner Baum oder Strauch; 4 bis 6 m; anfangs aufrecht, dann überhängend wachsend; den ganzen April gefüllt und sehr reich blühend; rosa, später mehr weiße Blüten (Ø 2 cm) mit glatten Rändern
'Fukubana'
Frühlingskirsche – 4 bis 6 m hoch, breit aufrechte Grundäste und leicht überhängende Zweige; tiefrosa, gefüllte, gekrauste Blüten (Ø 2 cm), Blütenblätter am Rand tief eingeschnitten; blüht eine Woche später als die Art
'Pendula'
Frühlings-Hängekirsche – Strauch oder kleiner Baum bis 5 m Höhe, breit abstehende Äste und kaskadenartiger Flor; Blütenmassen rosarot, gefüllt (Ø 2 cm) gegen Ende April, also relativ spät für die Art
'Plena'
Gefüllte Blütenkirsche – Strauch oder Baum von einer Wuchshöhe von 4 bis 6 Metern; straff aufrechte Triebe; große Blüten (Ø 2,5 cm) weißlich-rosa von Mitte April bis Mai
'Yae-shidara-higan'
Syn. 'Pendula Rosea Plena' – eine schwach wachsende Form mit kleinen, stark gefüllten Blüten; kräftig rosafarbener Flor.

Literatur & Quellen:

  • Eiselt/Schröder: Laubgehölze, Leipzig, 1977
  • Baumschule-Vollsortiment-Katalog 1996, Media Nord GmbH
  • Günther, Harri: Schöne Blütengehölze, Berlin, 1979
  • https://sumikai.com/japan/haru-no-higan-fruehlings-tagundnachtgleiche-122451/
  • [1] http://global.sotozen-net.or.jp/ger/library/sermon_archive/201203.html