Rittersporn Elatum-HybridenSorte 'Lanzenträger' in meinem Waldgärtchen (2006)
Sorte 'Lanzenträger' in meinem Waldgärtchen (2006)

Der Rittersporn gehört zu den imposantesten Blütenstauden und bringt wie keine andere Blume genau das Blau in unsere Gärten, von welcher Goethe in seiner Farbenlehre sagt: "Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blau gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht ..." Und ferner: "Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und unaussprechliche Wirkung. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick ..." [1]. Die Staude blüht im späten Frühjahr und bringt uns zu einer Zeit, in der im Garten sonst wenig blüht, schöne farbige Akzente. Die Blütenfarben gehen je nach Sorte von Weiß über Rosa und Himmelblau zu dunklem Blau und sogar Violett.

Botanische Zuordnung

Rittersporn (Delphinium) bezeichnet eine Pflanzengattung in der Unter-Unterfamilie Delphinieae und der Unterfamilie der Ranunculoideae. Diese fügen sich in die Pflanzenfamilie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Hahnenfußgewächse sind Teil der Ordnung der Hahnenfußartigen (Ranunculales). Der Gattungsname Delphinium leitet sich vom griechischen delphinion ab, was soviel wie Delphinpflanze heißt und auf das Aussehen der Blüten hinweist, die entfernt an diesen Meeresbewohner erinnern.

Die drei Sortengruppen der Zierstaude

1. Die erste wichtige Sortengruppe ist die sogenannte Elatum-Gruppe (Elatum kommt aus dem Lateinischen und heißt "hoch aufgerichtet".). Dabei handelt es sich vorzugsweise um Auslesen und Kreuzungen, bei denen überwiegend die Art Delphinium elatum (Hoher Rittersporn) eingekreuzt wird. Daher auch die Bezeichnung Delphinium-Elatum-Hybriden. Die hohen Rittersporne sind vor allem auch diejenigen, die trotz ihrer züchterischen Veredlung etwas von ihrem Wildstaudencharakter bewahrt haben. Sie sind also nicht nur ideal für Blumen- und Staudenrabatten, sondern auch für Natur- und Waldgärten. In letzteren bedürfen sie jedoch einer gewissenhaften Beobachtung und Pflege (siehe unten), damit sie sich dort behaupten können. Meiner Meinung nach kommen aus diesem Komplex auch die Sorten mit den schönsten Blautönen, welche zudem oft perlmuttartig schimmern. Der Grundstock der heutigen Elatum-Sorten stammt aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, konkret aus den Händen Karl Forsters (Gärtner und Staudenzüchter). Meine unten aufgeführten Beispiele stammen größtenteils aus seiner züchterischen Arbeit. Weiterhin befasste sich der Gartenbaubetrieb Kayser & Seibert "Odenwälder Pflanzenkulturen" (Roßdorf, bei Darmstadt) mit der Züchtung von Rittersporn und brachte Sorten wie 'Lanzenträger' und 'Sommernachtstraum' hervor. Und auch die Züchter Heinz Klose in Lohfelden bei Kassel mit seinen zwischen 1970 und 1995 auf den Markt gebrachten Sorten wie beispielsweise 'Blaustrahl', Firnglanz', 'Gewitterstimmung', 'Grünberg', 'Polarnacht' und 'Waldenberg' sowie Günter Fuss (Königslutter) mit 'Elmfreude' und 'Elmhimmel' (blaue Sorten mit weißem Auge) sollen hier Erwähnung finden.

2. Die Rittersporne der Belladonna-Gruppe (Hybriden) – eine kleine Sortengruppe – bleiben niedriger und sind damit für mittelhohe Blumenrabatten besonders gut geeignet. Die Belladonna-Hybriden zeichnen sich durch ihre Bereitwilligkeit aus, nach dem Rückschnitt erneut zu blühen. Mit reichlich Bildmaterial habe ich sie auf einer separaten Seite genauer beschrieben.

3.1. Bekannter als die Sorten der Belladonna-Gruppe sind die sogenannten Pacific-Hybriden (unter diesen auch Pacific-Riesen). Pionier in der Zucht dieser Varianten war Frank Reinelt, der an der Westküste Kaliforniens englisches Sortenmaterial weiterzüchtete und seine Pazific-Hybriden zum Teil mit der heimischen Delphinium cardinale kreuzte. Seine Ergebnisse kamen Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Markt. Hierbei handelt es sich um Sorten, die prinzipiell in anderer klimatischer Umgebung besser zurecht kommen, als Delphinium elatum. Zwar sind Pacific-Hybriden insgesamt kurzlebiger, meist nur ein- oder zweijährig, dafür aber z.B. durch Aussaat leichter und blühsicherer zu kultivieren. Sie haben größere und teils gefüllte Blüten und finden als Schnittblumen beste Verwendung. Ein Manko ist allerdings, dass diese durchaus brauchbaren Sommerblumen selten die so besonderen Blautöne hervorbringen, wie die Elatum-Rittersporne.

3.2. Die Pacific-Hybriden entwickelte der englische Züchter Ronald Parrett wiederum weiter, indem er sie mit Spitzensorten der Elatum-Gruppe kreuzte, um wieder mehr von den Blautönen der Blüten einzufangen. Mitunter ist nicht mehr klar, welcher Art oder Kreuzung eine heutige Rittersporn-Sorte zuzuordnen ist. In diesem Falle findet sich nicht selten die botanische Bezeichnung Delphinium cultorum. Ich vermute, dass viele der Parrett-Sorten heute diese Artbezeichnung tragen.

3.3. Natürlich werden auch aktuell in Großbritannien Rittersporn-Sorten gezüchtet (Brithish Delphinium Society), wobei der Zuchtbetrieb Blackmore & Langdon (Bath) der führende ist. Die britischen Sorten sind wohl weitgehend Elatum-Hybriden, doch sind sie von eher kurzlebiger Natur, so wie die Pacific-Hybriden. Für unser Klima sind sie zudem meist zu empfindlich und deshalb hier wenig bekannt und verwendet.

Die wichtigsten Tipps zur Pflege und Verwendung

Rittersporn benötigt einen Standort, an dem keine Konkurrenz mit Wurzeln von Gehölzen besteht. Außerdem sollte er etwa alle zwei bis fünf Jahre aufgenommen und an eine andere Stelle verpflanzt werden. Die Pflanzen neigen dazu, mit der Zeit nach oben zu drücken. Sie müssen beim Verpflanzen also etwas tiefer gesetzt werden. Vor dem Austreiben im Frühjahr (März), ist es ratsam, einen Volldünger zu geben, um die Pflanze optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Wer die Möglichkeit hat, versorge sich dafür Kuhdung, der all diese Anforderungen erfüllt. Bei Trockenheit ist das Wässern von großer Wichtigkeit, wobei es günstig ist, eine Gießmulde, die das Wasser besser hält, um die Staude zu ziehen. Nach der ersten Vollblüte sollte die Pflanze auf 15 Zentimeter Höhe zurückgesetzt werden. Beherzigen wir diese Tipps, wird der Rittersporn es uns mit kräftigem Wachstum und üppigen Blüten danken. Läßt das allerdings nach, ist unter Umständen ein vorzeitiger Standortwechsel angeraten. Bei Konrad Näser [2] las ich, dass die Elatum-Hybriden eigentlich nur hier im mittleren Europa gut gedeihen, aber oft sind sie als Staude auch hier nicht allzulange an einem Platz zu halten. Das war wohl auch der Grund dafür, dass sie an der Pazifikküste (siehe oben, Pacific-Hybriden) wie zweijährige Sommerblumen kultiviert werden. Verkauft wird in der Regel der Samen und nicht die Staude.

Delphinium, Hitergrund für Rosen

Übrigens: Rittersporn treibt im Frühling erst recht spät aus. Besonders bei jungen Pflanzen ist nach dem Winter darauf zu achten, dass bei Frühjahrsarbeiten in der Blumenrabatte die Pflanzstelle nicht übersehen wird, denn schnell sind die etwas empfindlichen Stauden beschädigt.

In der Staudenrabatte sind Delphinium-Hybriden die Leitstauden der Pflanzung und stehen gut neben Gartenmohn, Phlox, Sonnenhut oder mittelhohen Gräsern. Die blau blühenden Elatum-Hybriden kommen in Rosengärten gern als Hintergrundpflanzung zum Einsatz, besonders als Komplementärfarbe zu gelben und orangefarbenen Rosenblüten. Allerdings fiel mir auf, dass in vielen der Rosengärten der grüne Daumen für die Rittersporn-Stauden fehlt, denn diese führen häufig ein kümmerliches Dasein und können der ihnen zugedachten Aufgabe nicht gerecht werden.

Sorten (Delphinium-Elatum-Hybriden)

Je nach Standortbedingungen können Wachstum und Blütenfarbe etwas variieren. Deshalb kann man von den Fotos nicht immer auf das identische Aussehen an einem anderen Quartier schließen. Auch können heutige Sorten, die über Jahrzehnte weiterentwickelt wurden, Abweichungen in der Blütenfarbe zu den alten Auslesen aufweisen.

'Atlantis'
Rittersporn Sorte Atlantis
'Abgesang'
Rittersporn Sorte Abgesang
gehört zu den späten Sorten, blüht erst im Juli; letzte, von Karl Foerster gezüchtete Sorte (1967)
'Augenweide'
Rittersporn Sorte Augenweide
hellblau mit weißem Auge; gesunder Wuchs; bis 180 cm hoch; von Wolfgang Kautz
'Balaton'
Rittersporn Sorte Balaton
schönes, dunkelblaues Exemplar
'Berghimmel'
Rittersporn Sorte Berghimmel
wurde um 1920 als Sämling entdeckt und kam um 1930 in den Handel; lebensstarke Sorte; klar hellblau mit weißem Auge, verträgt sich gut mit roten Farbtönen; wird ca. 180 cm hoch; älteste, von Karl Foerster gezüchtete Sorte, die es heute noch zu kaufen gibt
'Blaustrahl'
Rittersporn Sorte Blaustrahl
Rittersporn mit wirklich "himmlischem" Blau; von Heinz Klose (Lohfelden)
'Blauwal'
Rittersporn Sorte Blauwal
wird fast zwei Meter hoch; hat in der Mitte ein schwarz-braunes Auge; Hauptblüte schon früh (Mitte Juni), Nachblüte im Oktober; ein lebensstarker Delphinium aus der Züchterhand Karl Foersters
'Dämmerung'
Rittersporn Sorte Dämmerung
sehr schöne pastellfarbene Sorte; Foerster-Sorte
'Finsteraarhorn'
Rittersporn Sorte FinsteraarhornRittersporn Sorte Finsteraahorn
hochwachsend; windbeständig; blüht zeitig mit Nachblüte im Oktober; je nach Lichteinfall und Standort variieren die Blautöne; farblich guter Nachbar zu Heliopsis und Sonnenauge; Karl-Foerster-Rittersporn: "mannshoch, gehört zu den stärkstwachsenden aller Delphinien, blüht lange in einem düsteren Enzianblau... es führt diese Farbe als "schönster" Rittersporn auch im langen Herbstflor weiter." Quelle: Karl Foerster; Blauer Schatz der Gärten; Leipzig 1941
'Firnglanz'
Rittersporn Sorte Firnglanz
hat das Blau eines hellen Amethysts und ein schwarzes Auge als Kontrast; Blüte im Juni/Juli, Nachblüte im September; etwa 180 cm hoch
'Gardian Blue'
Rittersporn Sorte Gardian Blue
'Jubelruf'
Rittersporn Sorte Jubelruf
wird ca. 180 cm hoch; Blütenfarben variieren von blau bis rosa; besonders schön, die perlmuttartigen Farbtönungen des Blau bei einigen Formen; Karl Foerster taufte eigens diesem Farbenspiel eine Sorten 'Perlmutterbaum'; Foerster-Sorte
'Lanzenträger'
Rittersporn Sorte Lanzenträger
enzianblaue Blüte mit weißem Auge; etwa 170 cm hoch; blüht im Juni/Juli, Nachblüte im September; eine der besten Odenwald-Sorten von Kayser & Seibert
'Lobgesang'
Rittersporn Sorte Lobgesang
'Merlin'
Rittersporn Sorte Merlin
Foerster-Sorte
'Morgentau'
Rittersporn Sorte Morgentau
'Perlmutterbaum'
Rittersporn Sorte  Perlmutterbaum
Hier habe ich einmal eine Zeichnung der alten und berühmten Rittersporn-Sorte von Karl Foerster. Bei den heutigen Sortenzuweisungen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob wir in jedem Falle immer noch die ursprüngliche Foerster-Sorte 'Perlmutterbaum' vor uns haben. Der Garten-Meister schreibt hierzu: "Als ganze Pflanze ist sie in jeder Weise völlig fehlerfrei, hat ein helles perlmutteriges Blau mit Schwarzgrün in der Mitte. Die lange Blütezeit wird durch die aufrechten langen Nebenrispen noch fast mit dem Anschein des weitergehenden Vollflors verlängert." Benachbarung: Phlox: Juliglut. Auf dem Bild die Sorten von links: 'Azurfalter', Perlmutterbaum, 'Tropennacht'. Quelle: Karl Foerster; Blauer Schatz der Gärten; Leipzig 1941
'Schildknappe'
Rittersporn Sorte Schildknappe
zeitig blühend; blauviolette Blüte, dunkles Auge; nur 150 cm hoch; Sorte von Kayser & Seibert
'Sternennacht'
Rittersporn Sorte Sternennacht
'' alte Karl-Foerster-Sorte; leuchtendes Dunkelblau, was durch die weißgesternte Wirkung fasziniert; Blüte Ende Juni; bis 160 cm hoch

 


[1] Christian Grunert; Gartenblumen von A bis Z; Radebeul 1972

[2] Konrad Näser; Kapitel "Die Rittersporn-Züchtung nach Foerster" in "Blauer Schatz der Gärten" (von Karl Foerster); Nachauflage, Stuttgart 2006

Karl Foerster; Der Steingarten der sieben Jahreszeiten; 1987

Ines Hübner und Clemens Alexander Wimmer; Zur Erinnerung an die Staudengärtnerei Kayser & Seibert; 2016
https://www.jstor.org/stable/44696435?seq=1#metadata_info_tab_contents