Kunstmotiv: Garten und das weibliche Prinzip; Paradiesgärtlein um 1410/20.
Kunstmotiv: Garten und das weibliche Prinzip; Paradiesgärtlein um 1410/20.

Auf dieser Seite geht es um den inneren Sinn des Begriffs "Garten", auf den ich an anderer Stelle bezüglich der Linguistik eingegangen bin. Im Zusammenhang damit streifen wir auch das Thema der "Frau im Garten" in Kunst und Symbolik. Wenn der Leser etwas zu mystischem Denken neigt, so ist er hier genau richtig. Wer mehr ein rationales Verständnis für die Dinger seiner Umgebung hat, wird hier genauso fündig, denn er kann zunächst über meine Hypothesen urteilen, die der Frage auf den Grund geht: Wie denkt ein Computer?

Simpel erklärt ist die Antwort: digital mit 0 und 1. Wie denkt aber ein Mensch? Im Vergleich zum Computer lautet die vereinfachte Antwort: nicht mit 0 und 1, sondern mit etwa 24 oder 25 "Lautbildern" (entsprechend den Konsonanten und Vokalen im Alphabet). In sehr abstrahierter Form entsprechen diese Lautbilder den Schriftzeichen des ältesten hebräisch/phönizischen Alphabetes. Sie zeigen trotz der einfachen Form noch deutlich den Charakter von Piktogrammen, der – wenn auch sehr verwässert – ebenso dem modernen Buchstaben eigen ist:

phöenizisches Alphabet

Neben dem hebräischen Ur-Alphabet erhielten sich diese von mir erwähnen Lautbilder aber auch in den Spielkarten des Tarot. Genauer bezeichnet sind es die 22 Trumpfkarten im Tarot, welche dem oben stehenden Alphabet entsprechen. dazu gibt es diverse Abhandlungen, auf die ich hier nicht eingehen will, denn Eingangs erwähnte ich den "inneren Sinn" des Gartenbegriffs. Die Idee ist nun, dass die einzelnen Buchstabes des Wortes GARTEN (kommt von Gerten-Flechtzaun) in seiner Urform Bilder bezeichnen, die das Wesen und den Sinngehalt des Begriffs ergeben. Linguistisch (hier ausführlich dargelegt) hat in den meisten Sprachen unser Garten den Wortkern aus den Konsonanten: g-ch-d. Die Konsonanten bilden quasi den rationalen Sinn eines Wortgedankens ab und die Vokale (a, e, i, o, u) die Gefühlsgedanken.

Bemerkenswert ist, dass – aus welchen Grund auch immer – das alte phönizisch-hebräische Alphabet pro Buchstabe auch einen bestimmten Zahlenwert definierte. Buchstaben waren gleichzeitig Zahlen, und Wörter hatten seltsamerweise auch immer eine mathematische Komponente, woraus später die Zahlensymbolik (Numerologie) entstand. Sie sei erwähnt.

Wildblumen pflücken.
Wildblumen pflücken.
Ein nachdenklicher Moment
Ein nachdenklicher Moment
Der Garten
Der Garten

Übrigens: der US-amerikanische Maler Daniel Ridgway Knight (1839 – 1924) verwendete in seinen Gemälden oft das Motiv der Frau im Garten. Wer für die Portraitfotografie interessante Motive und Posen sucht, wird sie in den romantischen Bildern des Malers garantiert fündig.

Nehmen wir nun aber die drei Konsonanten her, die in unserer Ursprache den Garten bezeichnet: G – CH – D

G – dritter Buchstabe im Alphabet: Gimmel; (Zahlenwert: 3); Tarotkarte Nr. 3 "Die Herrscherin"

In der Kunst wird viel mit Symbolen gearbeitet: Der Garten, ist dort Symbol für die Seele und die Eigenschaften, die in ihr herangezogen werden, sowie für die gezähmte und geordnete Natur. Umzäunte Gärten sind das weiblich schützende Prinzip; sie verkörpern die Jungfräulichkeit. Siehe dazu die Tarotkarte Nr. 3.

Die phönizische Hieroglyphe Buchstabe G ist wegen ihrer Einfachheit schwer zu deuten – das ägyptische "g" zeigt einen Türriegel – was uns weiter hilft, denn auch der "Riegel" ist ein archaisches Sinnbild für die Seele, die an den Körper gebunden ist. Die Frau, das weibliche Prinzip, wird der Seele im Menschen gleichgesetzt, welche die tieferliegenden geistigen Kräfte bildet und ausgebiert. Das Gimmel ist also Zeichen der bildenden Kraft – der unauffälligen, aber beständigen, schöpferischen Tätigkeit.

CH (ausgesprochen wie in "machen") – achter Buchstabe im Alphabet: Chet; Zeichen ähnlich dem H, ein stilisierter Zaun; Zahlenwert 8; Tarotkarte Nr. 8 "Die Kraft"

Noch im modernen Buchstaben H erkennen wir das ursprüngliche Zeichen für "Zaun". Die ägyptische Hieroglyphe für den Konsonanten H zeigt einen stilisierten, eingefriedeten Hof. Die frühen Schriftzeichen waren aber neben ihrem eigentlichen Lautwert gleichzeitig auch Ziffer oder Zahl. Das Chet ist dort die Acht - die sprachliche Verwandtschaft erkennen wir leicht - auch das "Ächten" oder "verachten" erinnert an den "Zaun" - in diesem Falle für das Ausgrenzen. (Bei "bewachen" oder beim "acht geben" reden wir vom schützen oder "wachen des Auges".) Die Tarotkarte zeigt eine Frau mit der liegenden 8 (Unendlichkeitssymbol) über dem Haupt, als Bezwingerin des wilden Löwen ... die Hände im Rachen*, Allegorie für die Zähmung der Natur - Urbild eines jeden Gartens.

* Rachen: die Zähne stehen wie ein Zaun... und wieder entdecken wir eine Sprechverwandtschaft: Zahn – Zähmung, im obenstehenden Tarotbild versinnbildlicht.

D – vierter Buchstabe im Alphabet: Daleth; Piktogramm Tür; Zahlenwert 4; Tarotkarte Nr. 4 "Der Herrscher"

Wir betrachten zuerst den Zahlenwert 4. Die Vier ist das Symbol der Schöpfung, der Welt, die Zahl der Formgebung - das hinaustreten schöpferischer Gedanken in die Welt - also eine gewisse Transformation von einer geistigen Zustandsform in die Materie. Aus der Bibel kennen wir ein Gleichnis, welches diesen Vorgang in anderer Richtung beschreibt... also vom Materiellen hin zum Geistigen: das Samenkorn – in den Boden gelegt, löst sich selber auf und wächst zu einem mächtigen Baum empor. Diese Zustandsänderungen (Transformationen), das "Werden und Vergehen", sind ein ehernes Naturgesetz. Der "Herrscher" der 4. Tarotkarte – thronend vor dem "Bergtor" - und hält uns diese unumstößliche, göttliche Ordnung vor Augen. Das Daleth ist also das Zeichen der Naturordnung, der Formgebung und Sinnbild für Transformation. Geistiges nimmt Gestalt an (Wachstum in der Natur).

Zusammenfassung:

Garten G - CH - D = "gezähmte, schöpferische Naturkraft in einer festen menschlichen Ordnung"

TarotkartenDie entsprechenden Symbolbilder der Tarot-Karten