Engel Genien Symbole Mohn Schmetterlinge
Voller Symbolik: Schmetterlinge, Lilie, gesenkte verloschene Fackel, Mohn, Palmzweig, Kränze.

Die Thematik der Engel und ihre Symbolik in der Kunst, Religion und Kulturgeschichte ist äußerst vielschichtig. Da die hier vorliegenden Infoseiten mehr die Zusammenhänge mit Parkanlagen (Plastiken) und Friedhöfen beleuchten, so soll hier besonders auf die Darstellungen der Engel als Plastik oder auf Grabmalen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Selbst hier finden wir rechte verschiedenste Engelsgestalten, welche zum einen als die Beschützer der Menschen fungieren, oder auf der anderen Seite ihr Amt als Seelenbegleiter ausfüllen.

Allgemeines

Interessant ist, dass geflügelte Wesen (Engel, archaische Gottheiten, Dämonen) in dieser Art der Darstellung nur in der alten westlichen Kultur und im vorderen Orient zu finden sind. Die jenseitigen, übernatürliche menschenähnliche Wesen gibt es im Islam und auch im Hinduismus. Bei letzteren sind sie Ebenfalls die Boten der Götter. Wenn in der Bibel von Engeln geschrieben ist, dann sind dort die Engel die Boten Gottes, die einer jenseitigen Welt entstammen.

Engel mit Schnur und Lampe

Im Volksglauben ist der Engel weniger ein Bote, sondern ein Symbol für den Himmelsbewohner, also der Bewohner der himmlischen und jenseitigen Welt und somit mehr Hoffnungsbote eines ewig währenden Leben.Werden in den heiligen Schriften die Engel nur selten mit Flügeln beschrieben, so haben diese wohl mehr die Künstler der Jahrhunderte geschaffen und ist Ausdruck einer bildhaften Sprache, die unaussprechliches in Worte fassen möchte. In der christlichen Kunst bekommen die Engel erst seit dem 4. Jahrhundert Flügel, welche vielleicht als eine Art Siegessymbol gelten, in Anlehnung an das Bildnis der der griechischen, geflügelten Siegesgöttin Nike.

Darstellungen auf Grabmälern

Auf Grabmalen der Renaissance und es Barock und Rokoko finden sich oft Putten, also Kindergestalten (manchmal mit Flügeln dargestellt), wo diese kindlichen Engel aber mehr dekoratives Randwerk sind und auf Inschriften oder Symbole verweisen. Die Putten sind eine eigenständige Kunstform, welche bis in die Antike zurückreicht, wo dieselben die Gegenwart von Liebesgottheiten verkörperten.

Engel mit Schlafmohn

In der Grabmalgestaltung treten dann aber ab der Zeit des Klassizismus Engel und Genien in idealisierter Form von Menschen in ihren besten Jahren - eher mit jugendlichen Zügen – in Erscheinung. Sie sind dort als Begleiter der Seelen in den Himmel gedacht und geben damit Hinweis auf die Transzendenz des Lebens, also auf die unsichtbare Seite oder Kraft des Lebens. Die Darstellungen zeigen diese Geistwesen häufig in trauernden und nachdenklichen Posen. Die gepflückten Blumen in der Hand des Engels deuten auf die Seele des Verstorbenen und auf die Vergänglichkeit des Lebens. Engel und Putten rahmen ein barockes GrabmalDer Todesengel, aus dem später der "Knochenmann", der "Sensenmann" oder "Bruder Hein" wurde, ist nicht als negative Engelsfigur zu sehen, da auch er nur als Diener Gottes angesehen wurde – für die Einen kam er als ungebetener Gast – für die Leidenden kam er oft als erlösender Freund. Aus diesem Gedankenspiel entstanden im Mittelalter die Darstellung vom so genannten "Totentanz", wo der Knochenmann einen Menschenzug anführte, in dem Vertreter aller Altersgruppen und Stände zu finden waren – quasi auch als Genugtuung, dass im Tode alle gleich sind. Auf den historischen Grabsteinen finden sich die Darstellungen der Engelsgestalten sehr oft mit Vergänglichkeitsbildern, den sogenannten Vanitassymbolen. Das sind meist umgedrehte Fackeln, Kränzen oder abgepflückten Blumen. Zu den Bildnissen trauernder Genien gesellen sich im Klassizismus oft die Tränenkrüglein, welche in ihrer Form an kleine Amphoren erinnern. Auch der Mohn als Blume oder Kapsel ist in alter Zeit ein viel verwendetes Symbol, welches als ein Bildzeichen für den den Todesschlaf. Finden sich Engel zusammen mit Schmetterlingen so wird in diesem Zusammenhang der Tod als Wandlung und Metamorphose aufgezeigt.

Engel mit aufrechter Fackel

Eine moderne Interpretation ist die in einem Beispiel aufgezeigte Engelsdarstellung auf einem Grabmal, welcher in der rechten Hand eine brennende Feuerfackel trägt. Die künstlerische Handwerksarbeit, halbplastisch in einen groben Sandstein geschlagen, stammt aus den 1960er Jahren. Die schräg einfallende Sonne lässt die Steinmetzarbeit räumlich wirken.

Engel mit Fackel in der Hand

Die brennende Fackel ist hier ein Symbol für das Leben der Seele. Die Flamme wird aufrecht getragen. Der Engel steht aufrecht in einer hoffnungsvollen Pose und nicht gesenkt, im Gegensatz zu den Figuren auf den besagten Grabmälern des 19. Jahrhunderts.

Genien und erotische Darstellungen auf Grabmälern

Die Genien waren die Schutzgeister und die den Menschen begleitenden Geister der Römer. Im Klassizismus, Biedermeier, im romantischen Zeitalter und Historismus, also von1770 bis um 1900 wurde die Idee vom antiken Genius und die des christlichen Engels in der Kunst als Kunstmotiv miteinander vermischt und verklärt. Die Genien müssen wir uns dabei im Ursprung als die Ahnengeister vorstelle, welche Teil jeder ursprünglichen Religiosität sind. Selbst in christlichen Vorstellungen empfangen verstorbene Verwandte und Engel die Seele eines entschlafenen Menschen um ihn in der für ihn ungewohnten jenseitigen Welt zu begleiten und zu belehren.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelt sich das Bild der trauernden Genien oft zu Darstellungen, welche sehr erotisch geprägt sind. Dies ist jedoch ein alte Kunstthema, welches mit "Das Mädchen und der Tod" betitelt wird. Der Todesengel, der in der Blüte des Lebens eine Seele holt, wird dann in dieser Form gezeigt. Diese künstlerischen, wie auch interessanten Zeitzeugen auf unseren Friedhöfen besitzen ein besonders Flair und prägten die deutsche Friedhofskultur aber nur wenige Jahre.

Engel mit Schwert oder Lanze

Engel mit flammenden Schwert sind die Wächter des Paradieses. Die so genannten Erzengel sind Urgeschaffene Engelswesen, die meist mit kosmischen Ereignissen in Zusammenhang stehen. So kämpft der Erzengel Michael mit dem Drachen/Luzifer und bezwingt damit die kosmischen Kräfte des Chaos mit seiner Lanze.

Hermes und Caron

In der abendländischen Mythologie finden sich als Begleiter der Seelen der Verstorbenen aber auch einzelne Götterwesen, wie Hermes und Charon (griechische Mythologie), welche die Seelen der Verstorbenen über den Styx in das Totenreich tragen.

Etrusker Engel Seelenbegleiter

Bei den Etruskern finden sich schon frühzeitig der eigenen Kultur zugehörige geflügelte Todesgottheiten, lichter oder finsterer Natur, welche die Seelen der Verstorbenen in die Totenwelt leiten. Ein symbolistischer Zusammenhang besteht mit den Seelenvögeln anderer Kulturen, welche die gleiche Funktion erfüllen. Zur etruskischen Mythologie der Flügelwesen gehört weiterhin der Unterweltsgott Charon, dessen Attribut ein Hammer ist. Dieser wird mit oder ohne Flügel dargestellt. Kulturgeschichtlich ist es hochinteressant, wie sich jene Bildmotive, die im Zusammenhang mit der Grablegung stehen, über die verschiedensten Kulturepochen hinweg, bis in die Jetztzeit hinein, erhalten haben. Die letzte Abbildung jener archaischen vorrömischen Kultur der Etrusker zeigt und dies sehr deutlich.