no-dig market gardeningNo-dig Marktgärtnerei
No-dig Marktgärtnerei

Im Zusammenhang mit neuen Begrifflichkeiten, wie aufbauende Landwirtschaft oder schonende Bodenbearbeitung lesen wir mehr und mehr von der Landwirtschaft oder vom Gartenbau ohne Pflug und Spaten. Pflügen und Umgraben war gestern. Heute sparen wir uns das und umschreiben diese Vorgehensweise gerne als ökologisch oder irgendwie als das Klima rettend. Weiterhin finden wir im Zusammenhang mit den besagten Boden schonenden und Boden aufbauenden Anbaumethoden recht oft Hinweise auf die sogenannte Marktgarten-Bewegung (no-dig market gardening), was durchaus eine pfiffige Geschäftsidee darstellt. Die Protagonisten dieser Market Garden-Idee umgeben sich allerdings auch gern mit dem Nimbus von Permakultur und biodynamischer Landwirtschaft. Ob das wirklich so ist, muss sich allerdings noch beweisen.

Zunächst sollten wir uns den eingangs erwähnten Ideen und Themen Stückweise näheren und wichtige Begrifflichkeiten klären. Oft sind sie verwirrend in Gebrauch.

Wir ackern seit der Steinzeit

Unserer Vorfahren haben bereits in der sogenannten Jungsteinzeit (z.B. Harappa- u. Starcevo-Kultur[2]) erste einfache Pflüge erfunden, damit ihre Äcker bearbeitet und damit eine frühe technische Revolution eingeleitet. Mit der Erfindung der Landwirtschaft, also mit dem Anbau von Getreide mittels Pflug und domestizierten Zugtieren konnte die Arbeitsproduktivität der vormals nur sammelnden und jagenden Gesellschaft enorm gesteigert und eine stark zunehmende Zahl an sesshaft gewordenen Menschen ernährt werden. Mit dieser neuen Technologie wurden wiederum produktive wie auch geistige Ressourcen frei, da sich nicht jeder in der Gesellschaft um die Nahrungsbeschaffung kümmern musste. Ein hochinteressantes Beispiel für diesen Zivilisationssprung zeigen uns die unmittelbar auf diesen Prozess folgenden, sogenannten Megalith-Kulturen im Mittelmeerraum, also Völkerschaften, die Bauwerke aus riesigen Steinblöcken errichteten. Dazu brauchte es eine Vielzahl von Menschen und eine funktionierende Versorgung mit Lebensmitteln. Anfangs lockerten die einfachen Holzpflüge den Boden zwar nur auf, doch bald wendeten sie den Boden und es wurde immer effektiver produziert, zudem mit dem neuartigen gerät nicht nur die Qualität der Kulturböden verbessert, sondern auch Unkräuter unterdrückt wurden.

Seit gut 8000 Jahren gibt es in der alten Welt den pflügenden Ackerbau, und doch proklamiert man neuerdings in Kreisen ökologisch motivierter Gärtner und Landwirte (sowie auch staatlicher Stellen) das "no-dig gardening" oder "no-till farming", also Anbaumethoden ohne Graben oder Pflügen und meint, mit dieser "reduzierter Bodenbearbeitung" Boden und das Klima zu schützen. Hat man recht und schützt damit tatsächlich die Natur? Bevor ich versuche, diese Frage zu klären, sollen aber noch zwei Begriffe genauer definiert werden:

No-till farming

Was im Englischen "no-till farming" (von no tilllage abgeleitet) genannt wird (und im Deutschen als "Direktsaat" bezeichnet wird), bezieht sich auf folgende landwirtschaftliche Anbaumethode. Bei dieser wird mit dem Beernten des Feldes ein Teil der Grünmasse (z.B. Mais- oder andere Getreide-Häksel) auf dem Feld belassen und sofort ohne vorher besonders zu Pflügen und zu Eggen die neue Saat ausgebracht. Eng verbunden mit diesem System der "konservierende Bodenbearbeitung" ist das belassen der Mulchschicht auf dem entsprechenden Acker. Es werden also kleingehäkselte pflanzlichen Rückstände auf dem Feld belassen. Bekanntermaßen schützt diese Schicht den Acker vor Austrocknung und Erosion (Wind/Starkregen). Positiv ist das Mulchverfahren auch in Bezug auf die Bodenorganismen in den oberen Bodenschichten.

Entstanden ist die No-till-Techologie in den USA, nachdem dort in den 1930er Jahren auf den übergroßen, endlosen Ackerfluren enorme Schäden durch Trockenheit im Verbund mit Winderosion zu verzeichnen waren. Mit dem fortlassen der Bodenbearbeitung und mit dem Mulchen löste man diese prekäre Situation. In Europa wurde jedoch weiterhin noch viele Jahre lang traditionell gepflügt. Gegen Winderosion schützte man sich hier von Alters her durch kleinteilige Feldwirtschaft und angepflanzte Windschutzstreifen (bzw. sogenannten Benjeshecken).

Genau genommen war das no-till farming in Amerika anfangs nur eine Notlösung, welche dann aber im Nachhinein aus der Not zur Tugend gemacht wurde. Man bemerkte nämlich, dass man nun durch den geringeren Technik- und Dieseleinsatz Kosten sparte. Auf der anderen Seite brauchte es bald aber auch einen höheren Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln: mit dem weniger Pflügen wächst mehr Unkraut auf dem Acker und die Mulchstoffe entziehen dem Boden Stickstoff, wenn sie sich zersetzen. Problematisch ist beim no-till farming zudem die größere Vermehrungsrate von Nagetieren im Vergleich zu gepflügten Ackerflächen.

Natürlich hat das oben aufgezeigte Verfahren nicht nur kritische Aspekte. Im Öko-Landbau wurde es weiterentwickelt. Etwa durch das Einbringen von Effektiven Mikroroganismen sowie durch bestimmten Untersaaten und Fruchtfolgen, kann die bodenschonende Verfahrensweise auf leichteren Böden oder bei Hanglagen nützlich und rentabel sein. Prinzipiell und besonders auf schweren Böden bringt es jedoch keine Mehrerträge. Und wenn bei diesen grünen Technologien Fehler gemacht werden, sind die Schäden oft größer als der Nutzen. Um so mehr gilt das für den Gartenbau, wo diese Ackerbautechniken nicht einfach kopiert werden sollten.

No-dig gardening

Für den Gartenbau und natürlich auch für den Kleingarten ist die abgespeckte Version des oben beschriebenen no-till farmings das sogenannte "no-dig gardening". Allerdings wird im Gartenbau nicht auf eine Bodenlockerung verzichtet, wohl aber auf eine den Boden wendende Lockerung. Ohne die Hintergründe des Mulchens beim no-till farming zu kennen hat man, wie es sich zeigt, das Mulchen auch im Garten übernommen und erklärt das Verfahren als wirksame alternative Anbaumethode. Wenn das Mulchen auf dem Felde insofern noch einen Sinn ergeben mag, weil dort das Material ohnehin beim Ernten verfügbar wird, muss es im Gartenbau meist von Außerhalb herangeschafft werden. Es entspricht dort also nicht gerade einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft (Permakultur).

Allerdings ist man beim spatenlosen Gärtnern vielerorts vom Mulchen mit Pflanzenhäksel und dergleichen abgekommen und erklärt das "Mulchen mit Kompost" als besseres Verfahren, was es tatsächlich auch ist. Vom "No-dig-Papst" Charles Dowding erfahren wir dann [2] auch noch die Zusatzinformation, dass sein eigener Mulch-Kompost mit Kuh- und Pferdemist aufgewertet wird. Mit dem Dung, wird die aufgebrachte Komposterde zu einem hochwirksamen Dünger und das bringt dann erst die viel bestaunten Erträge. Das ist aber durchaus nicht neues. Unsere Vorfahren machen das schon vor hundert oder zweihundert Jahren so.

Werden die Beete nicht umgegraben, ist es möglich, durch den geplanten Anbau tiefwurzelnder Gemüse (z.B. Saubohne) oder Gründüngungspflanzen (z.B. Roggen) den Boden aufzulockeren und biologisch zu verbessern. Gut geplante Fruchtfolgewechsel sind wichtige Parameter des no-dig gardening.

Wenigstens kurz erwähnt soll an dieser Stelle auch die einfachste Methode sein, den Boden mit einer schützenden Schicht "zu mulchen". Das ist das hacken und lockeren der ersten fünf Zentimeter des Gartenbodens, also das althergebrachte häckeln der Beete.  Früher hieß es: "Einmal hacken spart dreimal gießen“, weil durch das behacken der Beete auf diesen eine lockere Erdschicht entsteht, die von Boden darunter so getrennt ist, dass sie das Verdunsten der Bodenfeuchtigkeit verhindert. Außerdem gelangt durch die aufgelöste Verkrustung der Beetoberfläche das aus den Wurzeln ausgeschiedene Kohlendioxid, besser aus der Erde. Das wiederum verhindert die Entstehung von Kohlensäure (H2CO3) im Boden, also die Verbindung des Kohlendioxids mit dem Wasser. Solche einfach chemischen Vorgänge, welche den Gartenbau betreffen und früher mit einfachen Regeln (siehe oben) vermittelt wurden, sind heute scheinbar in Vergessenheit geraten.

no-dig market gardening

Im Zusammenhang mit dem Begriff no-dig gardening hören wir oft den Begriff "no-dig market gardening". Ein "market garden" ist eine Marktgärtnerei und der Begriff ist ziemlich alt – über 200 Jahre. Es waren Gärtnereien, die meist in den Außenbezirken von größeren Städten lagen oder nahe neben denselben. Sie belieferten die Städter vorzugsweise mit Gemüse, Obst und Blumen. Allerdings schöpften die Produzenten jener Zeit, als in den Städten noch Pferdekutschen statt Autos fuhren, aus den überquellenden Born der städtischen Stallungen. Pferdemist war überreich vorhanden und die Gärtner vergoldeten sich diesen Rohstoff in jederlei Hinsicht. Paris, mit seinen vielen Stollengängen alter unterirdischer Steinbrüche, war zudem ein Eldorado geschäftstüchtiger Marktgärner, die mit ihrem Schatz an reichlich zur Verfügung stehenden Pferdedung einträglichste Champignon-Farmen unterhielten.

Auf jeden Fall war in den großen modernen Städten Europas das Gärtnern für den städtischen Markt spätestens ab dem Ende des 18. Jahrhundert ein einträgliches Geschäft. Diese Strukturen hielten sich bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. Erst mit den 1970er Jahren verschwanden die meisten dieser eher kleinen Produktionseinheiten nach und nach aus dem urbanen Umfeld weil das Obst und Gemüse in der Folge von billigeren Anbietern aus der Ferne herangeschafft und in den neuartigen Supermärkten verkauft wurde.

Mit Beginn der 2010er Jahre kam es jedoch zur Renaissance dieser kleinen Marktgärtnereien indem es findige Öko-Gärtner geschafft haben, großstadtnah relativ kleine Flächen mit genormten Beeten zu bestücken und diese mit geringstem Maschinen- und Arbeitsaufwand vorzugsweise händisch zu bewirtschaften. Der zweite Grund, des Wiederauflebens der Marktgärtner war und ist jedoch, dass sich bei guter Lage relativ problemlos neue Märkte für die angebauten Bioprodukte erschließen, und dass man sein Sortiment im Direktverkauf, in lokalen Restaurants, Geschäften und auf Märktständen reißend losbekommt.

Den heutigen Marktgärtnern kommt zusätzlich zugute, dass sie selten (so wie in früheren Zeiten) ein komplettes Gemüseangebot liefern müssen, denn das bieten ja im Notfall die Supermärkte. Der Biogemüse-Gärtner kann – zumindest derzeit (2020) – diejenigen Kulturen anbauen, die mit wenig Aufwand viel Gewinn einfahren. Typische Kulturen sind vorzugsweise pflazbare Gemüse, wie Salate, Frühlingszwiebeln Porree oder Saaten, die sehr rasch Ertrag versprechen, wie Pflücksalat, Mangold und Spinat.

Der Anbau der Gemüse erfolgt auf langen, schmalen Beeten (75 cm breit), sodass bei verschieden nebeneinander liegenden Kulturen auch eine Art Mischkultur entsteht. Den höheren Flächenverbrauch, der durch die schmalen Zwischenwege entsteht (welche aber die Handarbeiten erleichtern sollen) macht man dadurch wieder wett, dass die Kulturen auf den Beeten dichter gepflanzt werden, als üblich.

Das oben genannte Dichtpflanzen fördert wiederum die Schattengare ("lebendiger Mulch"). Man ist bedacht, dass die Beete ständig unter Bewuchs stehen, um einerseits die Schattengare des Bodens positiv zu beeinflussen und um anderseits ein Beet pro Jahr zwei, drei oder gar vier mal bestellen zu können, was das Bewirtschaftungssystem erst richtig rentabel macht. Prinzipiell kommen diese Kleinbetriebe ohne große Investitionen aus. Meist hat man nur die Beete und ein Folientunnel für den geschützten Anbau und die Jungpflanzenzucht im Betrieb stehen. Dazu noch ein trockener Unterstand für die Gerätschaften. Das ist schon alles. Es scheint auch rentabel zu sein, das Pflanzmaterial von Jungpflanzenbetrieben zu kaufen und zu setzen. Das hat dann zwar nichts mit Kreislaufwirtschaft zu tun, doch wie ich schon mehrfach zu verstehen gab, hat der Landbau ohne Pflug und Spaten zunächst einmal nichts mit Permakultur und diesen Dingen zu tun.

Das absolute Plus dieser äußerst rentablen Kleingärtnereien ist aber, dass sie ohne Fördergelder des Staates am Markt bestehen und im freien Wettbewerb recht gut überleben können. Die Betreiber müssen keine großen Investitionen tätigen, also keine Schulden machen, und können sich von kleinen Flächen ausgehend nach und nach vergrößern. Voraussetzung ist nur, die günstige Lage zu den Verbrauchern und dass das Land möglichst kostenfrei zur Verfügung steht.

Das Für und Wider

Argumente gegen das No-till-farming

So weit ich es bisher recherchieren konnte, gibt es zunächst ein Hauptargument was besagt, dass abgesehen von sehr trockenen Böden, zum Beispiel die No-till-Anbaumethode keine Ertragssteigerung bringt, sondern weniger Erträge. Oft sogar signifikant weniger Erträge! [3]

Zudem ist fraglich, ob der Kulturboden nach jahrelanger Bearbeitung ohne Pflug oder Umgraben im Garten wirklich biologisch besser dasteht und ob er beispielsweise auch vermag im Vergleich zu anderen Böden mehr Wasser zu speichern. Die Fähigkeit Wasser in größeren Mengen aufnehmen zu können (durch optimale Bodengare), beeinflusst nachweislich nicht nur die Bodenfruchtbarkeit sondern auch das Klima einer Region (Regionalklima) positiv und es mindert häufig auftretende Überschwemmungen sowie Bodenerosion. Häufige Hochwasser sind nach meiner Auffassung keine Folgen einer vermuteten weltweiten Klimaerwärmung, sondern verschlechterte Bodenqualitäten in weitflächigen Kulturlandschaften, da unsere Böden kaum noch Stark-Regenfälle puffern können.

Das nächste Problem, was durch unsachgemäße pfluglose Anbaumethoden verursacht wird, ist die Versauerung des Bodens. Die obere 30 bis 50 cm dicke Bodenschicht eines Beetes oder Ackers muss in seinem Optimalzustand ein mögliches Maximum an Luft und Wasser absorbieren können. Es ist unbedingt erforderlich, dass der gut durchlüftete Boden die Fähigkeit besitzt, das durch Wurzelatmung und Mikroorganismen abgesonderte Kohlendioxid, welches sich im Boden zu Kohlensäure wandelt, (und zuzüglich zu organische Säuren) rasch in die Atmosphäre ableiten zu können. Verbleiben durch Verdichtung oder Verschlämmung die Säuren im Boden, beeinträchtigt es das Pflanzenwachstum und versauert die obere Schicht des Kulturlandes enorm. Durch Kalkgaben muss dann wieder Gegengesteuert werden, was Ressourcen sinnlos verbraucht. Zudem wird das Ackerland – und das wussten schon die Alten – durch ständiges Kalkdüngen nicht besser.

Ist die regelmäßige Düngung mit organischen Düngern (z.B. Mist) nicht gegeben, muss früher oder später mit Kustdüngern gearbeitet werden. Da Mulchstoffe dem Boden bei ihrer Zersetzung Stickstoff entziehen, muss beim No-till-farming im Vergleich zum herkömmlichen Ackerbau mehr Stickstoff gedüngt werden. Stickstoffdüngung und vor allem die unsachgemäße Stickstoffdüngung mit Kunstdüngern und Gülle/Jauche verursacht Nitrat-Auswaschungen und die vermehrte Ausgasung von Lachgas. Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) gilt als das Klima stark aufheizendes Spurengas (300 x mehr als Kohlendioxid), was in den letzten 80 Jahren in der Atmosphäre um 15 Prozent angestiegen, nachgewiesen wurde. In den bis dato (November 2020) verfügbaren Fachvorträgen und Fachbeiträgen (vor allem bezüglich No-dig-market-gardening) ist die praktizierte Düngung mit Kunstdünger kaum thematisiert. Aus eigener Erfahrung musste ich aber schon des öfteren feststellen, dass so mancher Bio-Gärtner irgendwo seinen Sack Kunstünger stehen hat, der als Notnagel früher oder später zum Einsatz kommt.

Einige positive Aspekte der klassischen Pflug-Bearbeitung und Wendung des Bodens (auch durch Umgraben) möchte ich hier noch stichpunktartig wiedergeben:

  • Ausgeschlämmte Nährstoffe der unteren Bodenschichten kommen wieder den oberen Schichten zugute
  • Unkrautwuchs wird reduziert
  • Schädlinge, und vor allem die Gänge und Nistkammern von Nagern (Hamster, Wühlmaus, Feldmäuse usw.) und Maulwürfen werden zerstört

No-till – was dafür spricht

Um aus alternativen Anbaumethoden einen Nutzen ziehen zu können, ist es wichtig über das Für und Wider genauestens Bescheid zu wissen und deshalb habe ich zunächst das Wider im vorangestellten Text recht umfassend ausgeführt.

Das Hauptargument, welches für eine reduzierte Bodenbearbeitung spricht, ist dass Bodenorganismen möglichst in der natürlichen Schichtstruktur des Ackers verbleiben und z.B. durch Umgraben nicht ständig "auf den Kopf gestellt" werden. Durch das Wenden des Boden hätten wir dann nämlich die Sauerstoff liebenden Mikroorganismen, die sich ursprünglich unter der Oberfläche befanden in 30, 40 oder 50 Zentimeter Tiefe und die Organismen der Tiefe an der Oberfläche. Des Weiteren beginnen tief "untergepflügte" organische Stoffe (Mulch, Mist, Pflanzenteile) in der Tiefe statt zu verrotten und Humus zu bilden, dort zu verfaulen und für die Wurzeln schädliche organische Säuren abzusondern.

Darüber hinaus wird ein tief gepflügter Boden (wenn er jährlich immer in gleicher Tiefe gepflügt wird und) anschließend nicht wieder zügig von Wurzeln tief durchsetzt wird, in den unteren Schichten verschlämmen, wenn Regengüsse die feinen Bodenbestandteile nach unten transportieren. Dadurch verkrustet der Boden in der Tiefe mit verschiedensten negativen Folgen. Was für das Pflügen gilt, das gilt auch für das Umgraben im Garten.

Zuletzt sei noch der Hinweis darauf gegeben, dass besonders im Garten auf trockenen, sandigen Böden durch zu vieles Umgraben (unterbrochene Kapillarwirkung) die Feuchtigkeit aus den tiefen Bodenschichten unterbrochen wird und für flach wurzelnde Gemüse nicht mehr zur Verfügung steht.

Bildrechte, erstes Beitragsbild oben: ©Didgeman Pixabay.com;


[1] Die Rede ist von der frühneolithischen Starčevo-Kultur (ca. 6000 und 5400 v. Chr.) nach Ausgrabungen in Starčevo bei Pančevo (Serbien). Begünstigt wurde der wirtschaftliche Aufschwung in dieser frühen Agrar-Kultur durch das sogenannte Klimaoptimum des Atlantikums, dessen Jahrestemperaturen gut 2,5°C höher lagen, als heute. Übriges ist es durchaus erwähnenswert, dass am östlichen Rand dieses frühen kulturellen Starčevo-Körös-Criș Komplexes die sogenannten "Bosnischen Pyramiden" zu finden sind. Vielleicht waren sie Teil einer Art neolithischen Hochkultur (äquivalent derer im präkolumbianischen Mexiko) – und alles im optimal wärmen Klima.

[2] Marie; Charles Dowdings beste Tipps zum Gärtnern ohne Umgraben [Interview]; 9.12.2018 https://www.wurzelwerk.net/2018/12/09/charles-dowding/
Charles Dowdins ist Gärtner und Publizist; https://charlesdowding.co.uk/

[3] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Lachgas

Weitere Quellen:

  • http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/galex/konzepte/l16.html (ökologischer Gemüsebau, Definition)
  • Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg; Pflanzenbauliche und bodenökologische Auswirkungen von Pflug-, Mulch- und Direktsaat „Systemvergleich Bodenbearbeitung“ Abschlussbericht 2017
  • Amt für Landwirtschaft und Natur - INFORAMA in Zollikofen; Direktsaat und Pflug im10-jährigen Systemvergleich, 2005
  • Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern + erner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften + Agroscope, Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften; Erträge und Bodenparameter nach 20 Jahren Direktsaat und Pflug, Schweiz 2016