Meerkohl Crambe maritima geblichen
Triebe, die unter Lichtabschirmung entstanden sind

See- oder Echter Meerkohl (Crambe maritima), eine Pflanzenart der Gattung Meerkohl (Crambe) aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) ist eine heimische Wildpflanze, welche im Garten als eines der feinsten Blattstielgemüse kultiviert werden kann. Sie gedeiht wild an den Stränden der Nord- und Ostsee sowie an den Stränden des Schwarzen Meeres.

Bereits im antiken Rom war der Meerkohl als Gemüse bekannt, wo man ihn jedoch als minderwertig betrachtete. Das lag daran, dass man das Bleichen der Gemüse damals noch nicht kannte. Von Hause aus ist das Gewächs eine derbe Pflanze mit kohlartigen Blättern. Erst durch Lichtentzug werden die jungen Triebe zur Delikatesse.

Meerkohl

Der Geschmack der jungen Blätter ist ein eigener und als delikat zu beschreiben. 5 Minuten in Wasser gekocht, abgetropft und mit Butter verfeinert, schmeckt das Gemüse wie eine milde Kombination von Spargel und Rosenkohl.

Vermehrung, Aussaat

Wir säen den Meerkohl im Oktober oder nach dem Winter im Februar (spätestens März*) möglichst in ganzen Früchten und dürfen nur dann ein gutes Keimen des Samens (in jeder kugelfömigen Schote ist nur ein Korn) erwarten, wenn dieselben möglichst frisch sind. Diese sind von älteren Pflanzen leicht zu ernten. Samenhändler liefern Körner ohne Schoten. Diese sollten im Winter zunächst bei Frost gelagert werden, was die Keimung befördert. Man sät im Frühbeet, pikiert und pflanzt später aus, oder (was praktischer ist) sät direkt auf das Beet, jeweils drei Samen an eine Stelle und lässt nur den schönsten von den jeweils drei aufgehenden Sämlingen stehen. Die Saattiefe beträgt 2 bis 3 cm. Der empfohlene Abstand der Reihen beträgt 50 cm und in der Reihe mindestens 40 bis 50 cm.

Meerkohl im Juli

Neben der Aussaat ist es möglich gewonnene Stecklinge von Seitentrieben zu pflanzen, welche dann ein Jahr früher Ernte geben. Diese Vermehrungsarbeiten werden im im März/April vorgenommen.

Standort und Pflege

Der Meerkohl bedarf eines stark sandigen, tief bearbeiteten Bodens in dem alter Dung (Mist) eingearbeitet werden muss. Die Pflegearbeiten über den Sommer bestehen aus einem energischem Gießen und häufigem Behacken des Bodens. In jedem Frühjahr wird ein gutes Quantum alten Mistes untergegraben, den wir schon im Herbst aufbringen und als Frostdecke über die abgeschnittenen Pflanzen breiten.

Das Bleichen und ernten des Meerkohls

Im dritten Frühling, bei Stecklingspflanzen im zweiten, kann das Bleichen beginnen. Zu diesem Zweck stülpen wir schon im Februar große Blumentöpfe (das Bodenloch verstopfen) oder Eimer über die Pflanzen und bedecken diese noch mit dem genannten Dung. Eine Verfrühung bringt das Aufbringen von warmen Pferdedung.
Sobald die Blattstiele an den Topfboden stoßen, können dieselben geschnitten werden. Die großen Blätter sind, wie bei allen im Dunklen sich bildenden Blättern der Fall ist, sehr kleine geworden, der Blattstiel dagegen bedeutend verstärkt.

Man schneidet die Blattstiele etwas über der Basis ab, ohne die in den Achseln derselben sitzenden Knospen zu verletzen und deckt den Stock dann wieder ab. Nach vier bis fünf Wochen ist eine zweiter Ernte möglich. Danach lassen wir wieder Licht an die Pflanze, damit sie sich frei entwickeln können. Sich entwickelnde Blüten- und Samenansätze müssen an den gebleichten Pflanzen entfernt werden.

Die Blätter des Meerkohls sterben im Herbst ab, welche entfernt werden. Es folgt die Abdeckung mit strohreichem Mist; ist dieser nicht vorhanden mit Laub.
Da diese Kulturmethode für die Pflanzen ziemlichen Stress auslöst, bleichen wir abwechselnd jedes Jahr nur eine Hälfte des Bestandes. Nach etwa neun bis zehn Jahren muss die Anlage erneuert werden. Wird die Kultur jedes Jahr gebleicht, ist die Anlage bereits nach dem vierten Jahr erschöpft.

Übrigens halten sich die geernteten Blätter nicht besonders lange. Im Kühlschrank gelagert, sollten sie spätestens nach drei Tagen verbraucht sein. Dass das Treibgemüse schlecht lagerbar sind, ist wohl ein Hauptgrund dafür, dass es auf unseren Gemüsemärkten nicht zu finden ist. Der Meerkohl wird also stets ein Luxusgemüse bleiben. Er sollte aber in Hausgemüsegärten mehr angepflanzt werden, um den Küchenzettel um ein sehr frühes und schmackhaftes Gemüse zu bereichern.


*Bei Aussaat bis März kann noch vor Ablauf des zweiten Jahres mit dem Bleichen begonnen werden

Literatur: 

  • Lange, Theodor; Allgemeines Gartenbuch. Band 2: Gemüse und Obstbau, Leipzig, Spamer, 1908
  • Rümpler, Theodor; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (Bearbeitete Auflage); Verlag von Wiegand , Hempel & Parey; Berlin 1879

Meerkohl srambe maritima

Eine lesenswerte, historische zu nennende Anbauanleitung findest sich in dem Buch von Theodor I. Nietner (1790 – 1871, preußischer Königlicher Hofgärtner):