Karotten
Karotten.

Wer im Gartenmarkt die vielen Samentüten der Karotten- und Möhrensorten durchforstet, der kann schon mal die Übersicht verlieren und den Anbau als recht kompliziert ansehen. Um die Anbauanleitung einfach zu halten, kann man sagen, dass es zwei verschieden Möhren-Arten und Anbaumethoden gibt:

1. Die Karotten – weitgehend für den Sofortverbrauch. Das sind die frühen Möhrensorten, also die Frühkarotten für den zeitigen Anbau im Frühjahr (auch im Kleingewächshaus), deren Ernte dann im Juni und Juli erfolgt bzw. unter Glas noch eher. Vorteilhaft ist dabei, dass man das Frühkarottenbeet ab Juli noch ganz bequem ein zweites Mal z.B. mit Herbstgemüse bestellen kann.

2. Die Mohrrüben – zur Herbsternte und Winterlagerung. Diese kann man, wenn man will, nach der Ernte der Karotten Anfang bis Mitte Juli säen, wenn nötig sogar noch einmal aufs selbe Beet. Die Mohrrüben werden Anfang November geerntet. Vorteilhaft beim Spätanbau ist, dass das Möhrenbeet für eine Vorkultur genutzt werden kann.

Karotten und Möhren anbauen, Kulturanleitung

Düngung: Kompost oder verrotteter Stallmist spätestens im Herbst zuvor. Anbau in 2. und 3. Tracht.
Boden und Lage: Frischer, etwas lehmiger Boden, in trockenem Boden hat man kaum Erfolg. Die Bodenlockerung muss umso tiefer sein, je länger die Frucht einer Sorte ist. Möhren und Karotten lieben durchaus einen humusreichen, tiefgründigen aber nicht frisch gedüngten Boden. Im Boden, welcher mit frischem Mist gedüngt wurde, werden die Wurzeln oft madig und rostig.
Samenbedarf für 10 m²: 10 – 20 Gramm.
Keimzeit: Durchschnittlich 20 Tage.
Keimfähigkeit: 3 – 4 Jahre
Aussaat: 1. Karotten. Sehr zeitig, sobald der Boden frostfrei wird, im Februar/März, an manchen Orten sogar schon im Dezember oder Januar. 6 bis 8 Reihen auf das Beet. Sehr schütter säen - höchstens mit 10 g Samen auf 10 m². Verpflanzt wird nicht! 2. Mohrrüben. Mitte Juli an Ort und Stelle.
Pflege: Sobald sich die Pflanzen mit den Fingern fassen lassen, werden sie verdünnt, so dass der Abstand der stehenbleibenden Pflanzen 4 – 5 cm beträgt. Besonders in schwerem Boden fleißig behacken.
Ernte und Aufbewahrung: Von der ersten Aussaat sind die Karotten Anfang Juni verwendbar. Die Ernte zieht sich lange hin, da man immer nur die stärksten Wurzeln herausnimmt. Die Mohrrüben von der Juliaussaat nimmt man Anfang November heraus und überwintert sie im Keller in Sand eingeschichtet.

Tipps: Frühe Möhrensorten gedeihen nur auf bestem, mittelfeuchten Boden in guter, warmer Lage. Die jungen Pflanzen wachsen sehr langsam und deshalb mischt man gern Radieschen- oder Pflücksalat- unter den Mohrrübensamen, 1/4 g Radies- auf 1 g Mohrrübensamen. Salat und Radieschen gehen früher auf und bringen bald einen kleinen Nebenertrag. Das ist aber nicht die Hauptsache. Ihr Vorteil besteht vielmehr darin, dass sie die Reihe deutlich markieren, so dass bald gehackt werden kann. Die Zwischensaat muss selbstverständlich geerntet sein, bevor sich die Mohrrüben richtig entwickeln. Für die Frühjahressaat verwende ich für die Markierung auch Steckzwiebeln, die im Abstand von 10 – 20 cm in die Reihe kommen. Bekannt ist ja, dass die Wurzelausscheidungen der Zwiebeln Möhrenfliegen abwehren. So dienen die Zwiebeln in den Reihen der Markierung und sind gleichzeitig eine nützliche Mischkultur mit biologischem Pflanzenschutz.

Fruchtfolge und Mischkultur

  1. MischkulturKarotten
    Vorkultur: Grünkohl, Rosenkohl, Wirsingkohl und Schwarzwurzel.Nachkultur: Radieschen, Porree, Rote Rübe, Kohlrabi, Grünkohl, Rettich, späte Tomaten, Salat, Spinat, Erbse und Bohne.
    Misch- und Zwischenkultur: Radieschen, Salate, Zwiebeln und zeitige Tomaten.
    Ungünstige Vor-, Nach- und Mischkultur: Sellerie und Petersilie.
  2. Mohrrüben
    Vorkultur: Erdbeeren, Frühkartoffeln und Erbsen.
    Nachkultur: Spinat.
    Misch- und Zwischenkultur: Chinakohl, Herbstrettich und Porree.
    Ungünstige Vor-, Nach- und Mischkultur: Sellerie und Petersilie.

Literatur & Quellen:

  • Anderegg, H.: Der Gemüsebau im Hausgarten und im freien Felde, Zürich 1880.
  • Bier, A.: Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1922, im Verlag des Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau.
  • Sobischek, Josef: Der kleine Garten, Wien und Leipzig um 1940.
  • Lisges Hermann: Frühere Ernten im Freilandgemüsebau mit einfachsten Mitteln, Stuttgart 1942.
  • Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger,  1944.
  • Erwig, Karl: Der Nutzgarten, Leipzig-Berlin 1949.
  • Vaniceck, K.-H./Etzold, A./Eue, H.: Unser Garten, Berlin 1964.
  • Grau, Prof. Dr. Jürke/Friedrich, Dr. Hans-Christian: Mein Gartenjahr, HonosVerlagsAG, Zug 1988.