RiesenkohlrabiSorte 'Gigant' mit wenig Blättern und glatter Oberfläche. Seher gute Lagersorte.
Sorte 'Gigant' mit wenig Blättern und glatter Oberfläche. Seher gute Lagersorte.

Für die gärtnerische Praxis ist Kohlrabi aber nicht gleich Kohlrabi. So gibt es Früh-, Sommer und Herbstsorten. Letztere sind oft auch ein ideales Lagergemüse. Es gibt Sorten für den Unterglasanbau und spezielle Varianten für die Kultur im Freiland. Besonders interessant für den Kleingärtner und Selbstversorger sind die sogenannten Riesenkohlrabi. Diese Züchtungen sind für den Sommer- und Herbstanbau, sowie für die Einlagerung im Winter bestens geeignet und bringen hohe Erträge.

Verwendung, Vorteile und Nachteile

Der Vorteil des Riesengemüses liegt auf der Hand. Die Kultur bringt sehr hohe Ernten, was besonders für den Besitzer kleiner Gärten von großem Nutzen ist. Die Sorten eignen sich auch für den Anbau in Kübeln und Kästen auf dem Balkon.

Die Riesensorten verholzen und platzen bei weitem nicht so schnell, wie die gewöhnlichen, kleineren Exemplare. Und so sind sie im Nutzgarten für den Anbau im Sommer empfehlenswert, wo durch Feuchtigkeitsschwankungen die herkömmlichen Sorten häufig zum Aufplatzen neigen. Nachteilig ist, dass man mit einer Ernte große Mengen an Kohlrabi (z.B. 8 kg) in einem Stück verbrauchen muss. Man hat mit einem Mal also viel Gemüse für den Frischverzehr und als Beilage (gedünstet, gebraten). Es ist aber möglich, ihn in Stücken blanchiert einzufrieren. Auch die Verwertung als Kohlrabisuppe kann das angesprochene Problem lösen. Blätter und Schalen sind ein vitaminreiches Kleintierfutter, z.B. für Kaninchen und Meerschweinchen. An Büscheln zusammengebundener Blättern zupfen mit Vorliebe die Hühner. Zarte Blätter sollten aber auch zum Verzehr für uns Menschen dienen. Sie enthalten besonders viele Vitamine und Mineralstoffe. Deshalb: nicht gleich alles wegwerfen oder verfüttern.

Anbauanleitung

Der Riesenkohlrabi benötigt viel Sonne und einen guten, humusreichen, nahrhaften und kalkhaltigen Boden. Für den Anbau in Kübeln (Balkon) kann man gewöhnliche Blumenerde kaufen, die aber gut verrottet sein und ein reiches Bodenleben aufweisen muss. Das erreicht man, wenn die Erde mit etwas Gartenerde versetzt und schon einen Monat vor Pflanzung in die Kästen gegeben wird. Das Gemüse wird in Schalen oder auf Saatbeeten vorgezogen, dann in Töpfe oder auf Aufzuchbeete pikiert (Pikierabstand 5 x 5 cm). Sind die Jungpflanzen kräftig und beginnen sie ein Herz auszubilden (eine kleine Verdickung an der Blattstielbasis), werden sie ab Mai an den endgültigen Platz gesetzt. Das sind z.B. abgeerntete Beete von frühem Kopfsalat. Der Pflanzenabstand sollte etwa 50 x 50 cm betragen. Speziellere Hinweise findest du unten bei den Sortenbeschreibungen.

Die Samen benötigen eine Keimtemperatur von 18 bis 20° C, und  bis zum Auflaufen braucht es 6 bis 10 Tage. Es sind Dunkelkeimer, deshalb beträgt die Saattiefe ca. 2 cm. Der Saatzeitpunkt liegt im Februar und März und geschieht unter Glas. Im April kannst du auch direkt ins Freiland säen. Man kann auch noch bis Anfang Juni säen, doch dann werden die Kohlrabi zur Ernte "nur" noch 1 – 1,5 kg schwer, was jedoch durchaus in die Planung eines Selbstversorgungshaushaltes passen kann. Für diese späte Saat nehme man die schnellwüchsigen Sorten 'Lanro' oder 'Kossak' (siehe unten). In diesem Falle der Spätkultur können die Beete etwa nach Ernte der Erbsen oder früher/mittelfrüher Kartoffeln zur zweiten Bestellung dafür genutzt werden. Für diese Nachkultur (nach Erbse, Kartoffel, Erdbeere), mit Setzen der Gemüsejungpflanzen im Juni/Juli, eigenen sich aber auch andere Kohlarten, wie Romanesco, Spätblumenkohl oder Grünkohl.

Die Riesenkohlrabi müssen über die Wachstumszeit hin, wenn Trockenheit herrscht, gut gewässert werden. Eine regelmäßige Düngung ist vorteilhaft.

Eine zweckmäßige Möglichkeit, in kleinen Nutzgärten die Ernte zu verfrühen ist, die jungen Setzlinge mit einer Plastikhaube zu versehen. Besser sind durchsichtige Plastikeimer (mit einem Loch von ca. 5 cm Breite im Boden versehen), die umgestülpt als Minigewächshäuser fungieren. Diese bleiben so lange auf der Kultur, bis die Blätter von den Hauben bedeutend behindert werden. Dann nimmt man sie fort.&

Riesenkohlrabi unter MinifrühbeetPlastikeimer umfunktioniert als Minifrühbeet. © s i l v i o

Man beachte, dass Kohl nicht nacheinander angebaut werden darf (Kohlmüdigkeit). Es ist also unbedingt auf einen Fruchtfolgewechsel zu achten. Günstig ist auch die Mischkultur. Für den Mischanbau eignen sich besonders gut Stauden- und Knollensellerie sowie Beetgurken. Letztere vertragen aber keine frische Kalkdüngung, die dann natürlich zu unterlassen ist.

Gegen die mancherorts auftretende Kohlfliege, welche das Wachstum der Pflanzen beeinträchtigt, können recht effektiv sogenannte Kulturnetze zum Einsatz kommen. Diese schützen auch vor Kohlweißlingsraupen und Vögeln (Tauben).

Winterlagerung

Man nimmt dafür gut ausgereifte Riesenkohlrabi, die im November vor dem ersten stärkeren Frost mit Wurzeln aus der Erde gezogen und deren Blätter vorsichtig bis zum Grunde des Stieles entfernt werden. Ich lagere dann die geernteten Exemplare weitestgehend frostfrei in einer flachen, abgedeckten Erdgrube, an deren Grund ich die mit Wurzel ausgestochenen Pflanzen wieder einsetze. Dort sind sie im Winter verfügbar und halten sich ohne Probleme bis Anfang März. Überwinterte Kohlrabi können auch als Samenspender ausgepflanzt werden. Sie treiben ab Ende März zügig in die Blüten und bilden bis zum Frühsommer Schoten mit Samen aus.

Botanik und Sorten

Das Gemüse hat den botanischen Namen Kohlrabi Brassica oleracea var. gongylodes. Mittlerweile gibt es vier Sorten Riesenkohlrabi mit unterschiedlichen Eigenschaften:

  'Superschmelz'

Es ist die gigantischste der Riesenkohlrabi, welche bei guter Kultur bis 8 kg, in Ausnahmen bis zu 10 kg schwer werden. Ohne besondere Pflege rechnet man mit 4 kg Erntegewicht. Trotzdem bleibt das weiße Fleisch dieser Gemüse butterzart (daher auch der Begriff "Butterkohlrabi") und äußert schmackhaft. Für die Zucht großer Exemplare sollte ein Pflanzabstand von 50 x 70 cm gewählt werden. Die Knollen sind gut lagerfähig, leichte Fröste werden toleriert. Die Sorte 'Superschmelz' wächst langsam (besonders im Jungendstadium) und wird deshalb erst ab Anfang August erntereif.

  'Gigant'

Eigentlich waren früher die Sorten 'Gigant' (Bezeichnung in der DDR) und 'Superschmelz' (Bezeichnung in der BRD) identisch. Doch nach meiner Recherche sind es mittlerweile zwei verschiedene Zuchtlinien geworden. Im Unterschied zu 'Superschmelz' wird dieser nur bis 5 kg schwer, hat weniger Blattwerk, und die Knollen haben eine glatte, speckige Oberfläche. Als Pflanzabstand wähle man 60 x 60 cm. Es ist eine sehr gute Lagersorte.

  'Lanro'

Eine schnell wachsende Form, die ein Erntegewicht von bis zu 3 kg erreicht. Sie soll sich besonders für das Einfrieren eignen. 'Lanro' kann wegen seiner Wüchsigkeit mit guten Ernteaussichten noch bis Anfang Juli direkt ins Freiland gesät, pikiert und versetzt werden. Sehr lange gereift kann 'Lanro' wohl auch etwas holzig werden, und so eignet er sich besonders gut für den Herbstanbau mit kürzerer Vegetationszeit.

  'Kossak'

Dies ist eine neuere Sorte, ein platzfester F1-Hybrid-Kohlrabi, der 'Superschmelz' ähnelt, aber mit ca. 3 kg Gewicht kleiner bleibt. Er bildet viele Blätter aus, die sich bestens als Kleintierfutter eignen. Zartes, weißes Fleisch und ein bester Geschmack zeichnen ihn aus. Eine Besonderheit ist seine Schnellwüchsigkeit! Er ist ideale für eine Zwischen- oder Nachkultur im Kleingarten geeignet.

  'Butterriese'

Hierbei handelt es sich um eine Sorte aus Russland, welche 'Gigant' ähnlich ist: "Sie ist ähnlich unserer Sorte Gigant, aber flacher und noch zarter. Die Knollen erreichen ein Gewicht von mehreren Kilo und bleiben butterzart. Kühl gelagert, sind sie bis zum Frühjahr haltbar und man hat ein köstliches Gemüse.", so der Anbieter www.manfredhans.de (dort auch zu kaufen).
'Butterriese' ist vermutlich samenecht.

Anbau unter PlastikhaubenAnbau unter Plastikhauben nach © s i l v i o aus M.