Sprossenkohl

Definition: Als Sprossen- oder Sprosskohl wird in der Gartenliteratur sowohl der Rosenkohl als auch Grünkohl (Kraus-, Blätterkohl), der nach der Überwinterung neu austreibt, bezeichnet. Ich finde, der Name ist nur für den Grünkohl passend, denn als Spross bezeichnet man einen frischen Trieb. Und genau diesen finden wir in Form von Blättern und Blütenständen am besagten Gemüse. Die Röschen am Rosenkohl erntet man dagegen erst nach dem Ausreifen.

Der Grünkohl dagegen treibt im März zuerst ein paar neue Blätter und Sprosse und im April Blütenstände. Sämtliche frisch ausgetriebene Pflanzenteile können geerntet und zubereitet werden. Sie schmecken sowohl roh als auch gedünstet oder gebraten.
Ein ganz ähnliches Gemüse ist der Spargelkohl (beide habe ich selber im Anbau), welchen man auch unter dem Namen "Sprouting Broccoli" kennt. Von der Herkunft her ist dies auch nur ein Grünkohl, allerdings mit kräftigerem Stamm und glatten Blättern, der überwintert und im April kräftig Blüten treibt. Diese Blütenaustriebe ähneln eher denen des Brokkoli und sie bringen mehr Ernteertrag, als die Sprossen des Grünkohls.

SpargelkohlSpargelkohl

Anbauanleitung

Zwar habe ich bereits an anderer Stelle eine Kulturanleitung von Grün- und Spargelkohl gegeben, doch folgend zitiere ich die Anbauanleitung von A. Bier aus "Lohnende Gemüsezucht" (Erfurt um 1920), wo der Autor explizit die Begrifflichkeit des Sprosskohls in Zusammenhang mit dem Grünkohlanbau verwendet. Sinngemäß berichtet er stichpunktartig:
"Grün-, Blätter- oder Krauskohl (gilt ebenso für den oben erwähnten Spargelkohl) wird erst gepflanzt, wenn die frühen Erbsen oder ein Teil der Frühkartoffeln geerntet sind. Man sät ihn deshalb nicht zu früh, sondern erst Ende April oder Anfang bzw. sogar noch Ende Mai recht dünn aus, um es nicht nötig zu haben, die Pflanzen zu pikieren. Stehen die pflanzen zu dicht, so werden sie vereinzelt.
Der Grünkohl/Sprosskohl gedeiht fast in allen Böden und Lagen und zeigt sich für die Düngung mit verrottetem Mist und Jauche durch reiche und üppige Blätterausbildung dankbar. (Diese können natürlich beständig bis in den Winter hinein geerntet werden. Frost verbessert den Geschmack. Man bereitet damit beispielsweise Krautnudeln zu.)
Die Pflanzweite beträgt 35 bis 45 Zentimeter.
An den Strünken, welche man nach dem Winter stehen lässt, treibt im Frühjahr neues Grün, welches Sprossenkohl genannt wird und ein wertvolles Gemüse für die Küche liefert."

Nach der oben beschriebenen Frühjahrsernte kannst du den Grünkohl sogar noch bis zum folgenden Winter stehen lassen. Wenn du alle Blütenaustriebe beständig entfernst, bringt der Stamm immer wieder neue Blätter. Du kannst auch einige Blüten für die Samengewinnung ausreifen lassen. [TJ.9.7] Zählpixel I

Treibender GrühnkohlTreibender Grühnkohl im April = der sogenannte Sprossenkohl.